Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 44 (2.11.1923)
- Date
- 1923-11-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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338 c7JlCoBh88o jfLTm HEINBRßMD durch viel nordisches Blut seine innere Gemeinheit verwert". Der .deutschvölkische Rassengelehrte Hauser weist diesen Alpinen, diesen „Schw-arzen" Schwaben, Süddeutschland, Teile von Sachsen als Wohnsitze zu-, und da Bayern in Süddeutschland liegt, wird gewiß — immer nach Hauser — auch ein beträchtlicher Teil Bayern, die stolz und abweisend ihre germanische Weltanschauung hervor.kehr.en, wohl oder übel den „schwarten alpinen Menschen" zugerechnet werden müssen. So spotten die Germanisch-Deutschvölkischen ihrer selbst und wissen nicht wie. Ist es mit der deutschvölkisch-ch r i st l i ch e n Weltanschauung anders bestellt? Achtung dem wahrhaft frommen jeden Bekenntnisses! Ihnen allen steht, so lehrt der angeblich so engherzige Talmud, der Himmel offen. Keiner widerwärtiger als der, welcher, was religiös Gestimmten heilig ist, lästert. Kritik wissenschaftlich Befähigter, religiös Mitfühlender an Religionsformen und -büchern kann, taktvoll geübt, keinen verletzen. Was hat die jüdische Religion in den letzten Jahren an Schmähungen und Verleumdungen über sich ergehen lassen müssen! Ignoranten, die nie ein Wort Hebräisch gesehen, geschrmi-ge denn geleisen, gossen volle Schmutzkübel über religiöse Einrichtungen und Lehrbücher aus. Das Mer, die Ehrwürdigkeit unserer Bibel galten ihnen keinen Pfifferling. Das Alte Testament war ihnen ja „das Lehrbuch für Gauner und Betrüger". Es ist für uns kein Trost, daß solche Verantwortungslosen deutfchvölkischen Geblüts d e m C h r i st e n - tum ebenso mitspielten wie dem Judentum, daß insbesondere die katholische Religion im Mittelpunkt ihrer ungehemmten Angriffe stand*). Niemand verkennt in deutschvöMschen Kreisen hier und da ein aufrichtiges Streben, sich neue Religionsformen zu erringen. Aber klein ist die Zahl der wirklich Ringenden, und jedenfalls ist es ein starkes Stück sondergleichen,' hinauszupofaunen, der letzte Kamps gehe um die germanisch-christliche Weltanschauung. Wer einmal die schon nach Hunderten zählenden 'Schriften der D e u t s ch g l ä u b i g e n , Den t s ch ch r i st tiche n , der Hunkel, Andersen, Bartels, Dinier und zahlreicher anderer durchstreift hat, der weiß, daß dieses Christentum «soweit vom Christentum der evangelischen und katholischen Kirche entfernt ist, wie das Heidentum des Bantu von dem verehrungswürdigen religiösen Empfinden des Papstes. Fritz Thor (T h e o d o r F r i t s ch) setzt im letzten „Hammer"-Hest (15. Oktober 1923, S. 405) das Merkwort hin: ^Wenn ein Listiger Hebräer -aufgestanden wäre mit dem Vorsatz, die ni'Mjüdischen Völker durch eine Lehre zu verwirren, die sie widerstandUos in die Hände des herrschfüchtigen Judentums lieferte, so hätte diese Lehre nicht viel anders lauten -können, als das uns von Paulus überlieferte verfälschte Christentum." So schreibt ein alter deutfchvölkischer Kämpe, der gewiß die Erklärung des D e u t f chvö I k i 's ch e n S ch u tz - lind Trutz bundes in Bayern, mit Herrn v. Kahr als Herold der chrWich-gerinanischen Weltanschauung durch dick und dünn zu gehen, freudig und herzlich billigt. Welches unwahrhastige Schauspiel rollt sich vor unseren Augen ab! Auf der einen Seite altbayerische Kreise, die es zweifellos ernst mit ihrem Christentum nehmen. Sie aber stützen sich nach' einem Worte der Berliner „Germania" „aus Verbünde und Organisationen, in denen das moderne Neuheidentum liebevoll gepflegt und dem Wotanskultus gehuldigt wird." Und beide kämpfen für eine christlich-germanische Weltanschauung. Gegen wen sich der Kampf der Anständigen, Aufrichtigen, Vaterlandsliebenden aus allen Lagern richten sollte, kündet eindringlich der Hirtenbrief der katholischen Bisch ö se Den t s chla n d s : „Wieder andere entbrennen in jener Rachsucht, möchten Feuer vom Himmel Herabrusen über die Bedränger, schädigen durch! unbesonnene Taten Volk und Vaterland und machensich mit ihrem ohnmächtigen Gerede nur lächerlich und verächtlich. Sie sind ebenso GemernschMlinige, wie die, welche von neuem Krieg und Revolution! entfachen und durch Aufruhr, Meuterei und neues Blutvergießen bessere Zeiten herbeisühren wollen." Dr. Alfred Wiener. *) Einen wertvollen Ueberblick mit ausgebreiieten Belegen gibt Alfons Steiger: „Katholizismus und Judentum." „Stresemann,öerzweitewaltherRathenau." Drohungen des Hitler-Organs. Der „Völkische Beobachte r" vom 27. Oktober überfchreibt die Wiedergabe der Kanzlerrede in Hagen „D r. Stresemann als zweiter Walter R a t h e n a u" und begleitet sie mir folgendem Satze: „Mit diesen Sprüchen reiht sich Streseinann würdig an die glorreiche Reihe der Scheidemänner und Erzberger mO Rathenau. Ein Kanzler, der zn erklären wagte, wir hätten schon mehr getan, als wir mit Rücksicht auf das deutsche Volk leisten konnten, wäre in jedem anderen Lande vor ein nationales Tribunal gestellt worden, dessen Urteil nur eines sein könnte angesichts des Zusatzes, keine materiellen Opfer seien uns zu groß, das deutsche Volk werde sie alle bringen . ♦ Man weist Herrn Stresemcmn in der Reihe ermordeter Staatsmänner der Republik bereits seinen Platz an. Doch wenn jemand, der nur in solchen Artikeln seine geistige Nahrung hat, zur Tat s cfpr eitet — dann w ill keine r der schuldige sein. ieiwt noch! W i e Eckart seine „V e r b a n n u n g" ausnutzte. Als Herr Dietrich Eckart vor dem Staatsgerichtshof cr> scheinen sollte, wurde er kr ank, und als man ihn vorführen wollte, b e rs chwand e r. N u n i st er wieder d a! Ist gesund und redet in München. Der „Völkische Beobachter" schildert sein Auftreten also: „Die fast siebenmonatige Verbannung hat der um die Entstehung unserer Bewegung hochverdiente Vorkämpfer dazu benutzt, ein neues Werk über die Judenfrage zu schreiben, das für die Erkenntnis der Ursachen des heutigen fürchterlichen Elends unseres Volkes und im Kamps zur Wiedererlangung der Freiheit und des sozialen Aufstieges bahnbrechend werden wird. Der Vortrag einiger Gedankengänge aus dem neuen Werk war denn auch für die Versammlung ein seltener Genuß und hinterließ tiefe Eindrücke. Eine mit beißender Ironie gewürzte kurze Betrachtung der gegenwärtigen politischen Lage und der Hauptspieter löste natürlich Beifallsstürme aus. Die vielseitigen Sympathiekundgebungen für Dietrich Eckart mögen ihm Beweis dafür sein, daß ihn seine Parteigenossen nicht vergessen hatten und erfreut darüber sind, daß er nunmehr neuerdings mit frischer Kraft aktiv in den Kampf eingetreten ist." Man wird von nun ab wissen, warum Herr Eckart hin und wieder mit dem Strafrichter in Berührung kommen muß: Er braucht I n s p i r a t i o n für seine Werke zur I u denfra g e. Die „jüöifthen" Gelder -er Komntutiißen. F e st 'g enagel te Verleumd u n g e n. Bei der Räterepublik in München, beim „Deutschen Tag" in Nürnberg, bch den jüngsten Vorgängen in der bayerischen Hauptstadt wurde die Verleumdung ausaestrmL: die Juden finanzieren . die Kommunisten. Solches Gerede ist stets Lug und Trug gewesen. Erst jetzt wieder sieht gelegentlich des Nürnberger „Deutschen Tages" vom Anfang September das Nürnberger Bankh a u s A n t o n K o h n sich genötigt, in einer öffentlichen Erklär u n g sestzustellen, daß das Gerücht, die Firma habe gemeinsam mit anderen jüdischen Firmen der K o m m uni st i fch e n Partei Milliardenbetrügezur Verfügung gestellt, infame Verleumdung fei, gegen die man strafrechtlich vorge h e n w erde. In München hat die.bekannte Firma L. Bernheimer in den letzten Tagen eine öffentliche W a r n u n g erlassen müssen, > in der es heißt: „Es ist uns zu Ohren gekommen, daß neuerlich von böswilliger Seite über uns unerhörte Gerüchte in Umlaufgefetzt werden, die mit unserer ganzen politischen und nationalen Einstellung in krassestem Widerspruch stchen. > Es wird behauptet, daß bei der Aushebung der Kommunisten, die kürzlich in der Villa Flora vorgenommen wurde, Listen gesunden wurden, in welchen wir, sei es als eingeschriebene Mitglieder, sei es als Geldgeber der Kommunistischen Partei ausgeführt seien. Mit Rücksicht hierauf sei gegen uns vom Generalstaatskommissariat der Ausweisbefehl ergangen. Dieses Gerücht, das schon durch seine Torheit den Stempel ■ der Lüge in sich trägt, steht in Innerer BerwandLschafL mit der . seinerzeitigen Ausstreuung, wir hätten die Räterepublik unterstützt, was bereits in gerichtlicher Verhandlung widerlegt worden ist. Wir warnen hiermit, derart unwahre Gerüchte gegen uns weiterzuverbreiten. Wir werden jeden, von dem uns dies bekannt werden sollte, in schärfster Weise verfolgen und haben bereits unseren Rechtsbeistand mit entsprechenden Weisungen ver- * sehen." Die Kreise, in denen die Verleumdung Verbreitung und billiges Gehör fand, lesen die Berichtigung nicht. Und ehe der Richter seinen Spruch fällt, vergehen Monate, in denen das Gift der elenden Hetze weitersressen kann, y