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Central-Verein-Zeitung · 1923-11-02 · 44 (2.11.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
44 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»iner 500 fllittiotteit M. Serlin, 2. November 102S H. Jahrgang > Nr. 44 VMter ffirOentfctttam iS] unvludentum fvkyau des fentrol-Verons deutscher StaatsMryerjüdiscden vlauvenSL» cZss o^clsr^t'-irvis Verlag u. Schriftleitung: (entral-verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SWdS, Lindenstr. 15 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 .'. Telegrammadreffe: „Centralglauben Berlin" .». Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G., Berlin SW 68, Lindenstr. 7 , Alleinige Anzeigenannahme: Annoncenexpedition Rudolf Masse, Berlin 8^V 19, und deren Filialen. Anzeigen-Grundpreise: M. 400,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins M. 200.—, die 90 mm breite Reklamezeile M. 1800,—. Alle Grundpreise mal Schlüsselzahl des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, gültig am Tage des Erscheinens. Unwahrhastige Schlagwörter. Hie jü-isth-marxiftifche - hie christlich-germanische Weltanschauung! Als leuchtenden Gegensatz zum „interna-tionalen j ü bischen Ma rxismus", den Lud wig Holländer in der letzten Nummer dieser Zeitschrift unter die Lupe nahm, 'stellen deutschvölkische Barden uno viele ihrer rechtsgerichteten Freunde die ch r i st l i ch - g e r m a n i sch,e Wel t a n schau-, ung hin. Um keine' Unklarheit aufiommen -zu lassen — kein ernstzunehmender jüdischer Deutsche findet auch nur das Geringste dabei, findet es-durchaus verständlich und jeder Achtung wert, , daß christlich-religiös gerichtete Deutsche ihr Christentum als ihres Lebens Kern, als ihrer Weltanschauung .Angelpunkt betrachten und dies jederzeit öffentlich'bekennen. Die Kreise aber, die heute so laut ihr Christentum in Wort und Schrift betonen,' haben sie ein Recht '-darauf, sich und ihre : Weltanschauung "als christlich zu bezeichnen? Die Kreise, die zu jeder Tages- - und Nachtstunde mit „germanisch" und „arisch" nur so um sich werfen, steht ihr Haus schon wirklich 'Jahrtausende' int deutschen Vaterlande, eröffnet Hermann der 'Cherusker ihre Ahnentafel und sind sie die „germanischjb landen Edelin >g e" gegenüber den „S ch w a r z a l b e n" aus der Erzväter Samen? - i „Das. heutige Deutschland ist nicht von rein deutschblütigen Menschen bewohnt, und wenn wir die -herrlichen Taten unserer Ahnen feiern, dürfen wir nicht vergessen, daß auch sie. fremdes Blut in ihren Adern hatten", behauptet nicht 'etwa ein Jude oder Judengenoste, sondern Fräulein Dr. Dora Menadier in den d e u tsch n a t i o n a l-e n „Eisernen Müttern" (2.. Jahrgang, Nr. 14, 3. Oktober 1920). Und mutig spricht sie die Kare Erkenntnis aus: „So gewiß die offene Kreuze im Westen ein Unglück für den deutschen Staat durch Me Jahrhunderte gewesen ist, so gewiß ist die Tatsache nicht Hortzuwischen, daß von Reinrassigkeit gegenüber den Romanen Keder im Westen Deutschlands die. Rede sein kann, noch im .Süden, wo zwischen den im -heiligen römischen Reich deutscher .-Nation zusammengesügten Ländern diesseits und jenseits der Alpen gar keine Staatsgrenze bestand." Wer hat also die ^Kühnheit, sich als Germane reinen Blutes in die Brust zu werfen? Im rheinischen Westen oder im bayerischen Süden?' Wer will behaupten, daß nur die mit den germanischen .Stammeszeichen der Blauäugigkeit, Blondhaarigkeit, Laugsschädligkeit Geschmückten Volk und Vaterland vorwärts geführt haben? >1 Willibald AIexis , Cha mis'so; Fo ntane, 'Geib el -- keiner möchte ihre Namen -in der deutschen Literatur missen. Sie waren insgesamt französischer Abkunst. Kants Vorfahren kamen'"1 airs ' Schottland, % laus e i tz' Familienangehörige gär aus . Polen. Unser treuer Atbrecht D ü r e r war .Halbmagyar, . und die Mutter P u s ch f i n s , -der die russische Nationaltiteratur begründete, war — die Feder, sträubt sich! — Enkelin eines / — N eg e r s*). Daß die Deutschvölkischen die semitischen Bluteinschläge in Königs-, Fürsten- und Adelshäusern, allerdings s aus Grund etwas eigenartiger Fdrschungsmethoden, für nicht - gering erachten, erweisen der S e m i - I m p e r a t o r (Wilhelm II. jüdischen Blutes), der Semi-Goth'a , die Se nri - . Kl l l i a n e e n („Semigothaisches genealogisches Taschenbuch ari(st)okratisch-jüdischer Heiraten"). Es verlohnt sich gerade in diesen Tagen, aus den „Semi-Alliancen" vielleicht hervorzuheben, was dieses^-Erzeugnis deutschvölkischer Wissenschaft Vom Fürsten Karl Wrede, dem hochgemuten Führer Hitlerscher Reiterscharen, zu berichten weiß. Man leie und staune stS. 441): Fürst Adolf Wrede, j ü bisch verheiratet am 29. September 1875 mit Mary v. Gut m a n n s t h a l - B e n - '■■ti e n u t i, geboren im — (ostjüdischen) Odessa. Der Erstgeborene dieser Ehe ist Fürst Karl v. Wrede, einer der Vorkämpfer der — germanischen Weltanschauung. Und böse verjudet -scheint -auch ein anderes urarisches Geschlecht nach deutschvölkischer Feststellung: das der F r e y t a g - L o r i n g h o v e n , zu denen der weitbekannte Breslauer deukschvölkische Umversitätsprosestor gleichen Namens gehört. Die „Semi-Alliancen" lassen Meinhold v. Freytag-Loringhoven sich am 5. Juni 188.8 mit Augusta Freiin v. Eichthal, jüdischer Herkunft, vermählen. Fritz Kahn berichtet in seinem glänzend geschriebenen Buche „Die Juden als Rasse und Kulturvolk" (S. 69): „In Europa find die in den Alpen wohnenden Stämme im Gegensatz zu denen der Ebenen kurzköpfig, so daß die Anthropologie diesen kurzköpfigen Gebirgstyp, der sich vom Kaukasus über die Karpathen und Alpen bis zu den Pyrenäen hinzieht, als eine eigene Rasse, den domo utpluus, dem nordischen Langschädel der Ebene gegenüberstellt. Dieser liomo -alpinus spielt in der Weltanschauung der 'Germanentheorie eine bedeutende Rolle. Er äst der schwarze Bruder des lichten Blonden." Otto H a u s e r , besten „Deutsche Geschichte" von allen Deutschvölkischen jubelnd begrüßt wurde, spricht also: „Den Blonden treibt es in ewig unbefriedigter Sehnsucht in immer neue Erden- und Geistes- . gebiete. Er will sehen, wissen, erkennen. Er wird ganz und gar vom Streben beherrscht. Dem Dunklen gibt die Gegenwart alles, der Blonde träumt immer von der Zukunft. Das Wort Sehnsucht hat nur für ihn Bedeutung. Der Alpine, der sich von Schwaben her über Süddeutschland bis nach Sachsen . hinein verbreitet hat, ist vor allem Geschäftsmann. Er ist als : solcher fleißig, aber skrupellos (unfair), verschmäht keinen Trick, 'erniedrigt sich, um einen Pfennig zu verdienen ..." So geht es in der Ausmalung des Schwarzen lieblich weiter, der „erst ' Julius -Goldstein: „Nüsse und Politik", S. 146. Siehe auch Fritz Kahn: „Die Juden als Nasse und Kulkinwolk."

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