Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 43 (27.10.1923)
- Date
- 1923-10-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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331. Nachklänge zum „Deutschen Tag" in Samberg. Die N u h e ft Ölungen vor beut ©tabtrat. Tie öffentliche Vollsitzung des Bamberger Stadtr-a-ts am 18. OLtokler beschäftigte sich mit einer Anfrage des Geheim rats Tr. Werner: - , „Billigt es Der StaDtrat, «r^D will er es arrch fernertyro dulden, Dast in den Straßen der Stadt aufreizende antisemitische Lieder gesungen werden, durch die zn Gewalttätigkeiten gegen die jüdischen Einwohner anfgcfordert wird und diese in deschämender Weise verhöhnt und beleidigt werden?" In der Begründung der Anfrage führte Geheimrat Werner aus, dost das Beispiel des „Deutschen Tages" Schule gemacht habe. Fast jeden Abend, ja, noch zur mitternächtigen Stunde, durchzögen eine größere oder kleinere Menge jimger Leute unter Absingen antrsemiri'cher Lieder die Straßen der Stadt. Die jüdischen E turn o i) ncr B a m bergs f ü h l t e n sich g e r a d e z u v o g e l f r e i und h e g t e u e r u st >e Befürchtung t n f ti r i h r e fe i ch e r - ne r t. Im Namen von' Recht und Gerechtigkeit, von Wahrheit und Frieden bitte er den Stadtrat und sein verehrtes Oberhaupt, nicht ui:t ernste Mtsibilliglmg dieser Borkomnmisse nuszusprechen, sondern ,':8} die Polizeiorgane anzuweisen, mit aller Energie und allen ges. mühen Mitteln gegen solche Ausschreitungen vorzugehen. Ge he im rat Wächter und Rechtsrat N ü ck e l sowie . Bnrgermeffter S te i tz sagteu Abhilfe zu. Jeder, der die^Zugehörigkei-t zur Genrei-nde und zum Staat besitze, habe Anrecht auf schütz. Ruhestörer nmrden adgesaht und an gezeigt werden. Geheimrat Werner dankte Air diese entschiedene ^tellrmgnahme, die geeignet sei, Beruhigung u die Kreise der jüdischen Bewohner Bambergs 5.1t bringen. Die Ausschreitungen in Ostpreußen. P l ü n d e r u n g c n u n b Tätlichkeite it. Ostpreußen hat jetzt die ersten gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Juden zu verzeichnen. In Ortelsburg zogen am Sonnabend, den 13. Oktober, größere Mengen radaulustiger Elemente vor die Geschäfte jüdischer Inhaber und plünderten dort Kleidungsstücke, Schuhe und Zigaretten. Ja selbst Herrenartikel, wie Krawatten unb seidene Kragenschoner, hieß man bei diesen angeblichen „Hungerkrawallen" mitgehen. Tatsache ist, daß bei den Unruhen nicht ein einziges christliches Geschäft geplündert wurde und daß die zwischen den Geschäften jüdischer' Inhaber liegenden Geschäfte christlicher Besitzer von bfx Menge vollkommen verschont wurden. Tatsache ist weiter, daß die Ortspolizei gegenüber diesen Plünderungen gänzlich versagt hat und daß sogar teilweise Polizeibe-amte dem Treiben munter zu geschaut haben. Ja, ein Postbeamter fuhr auf seinem Dienstrade während der Plünderungen auf und ab und stachelte die Menge dadurch aus, daß er rief: „Hängt die Juden auf, schlagt sie tot und 'holt euch, was ihr braucht, aus ihren Lüden." Die Agitationszentrale für die pogrom-antisemitische Hetze ist Reidenbnrg, ein Städtchen von 3000 Einwohnern. Hier sitzt der masurische Adolf Hitler, der Apothekenbesitzer Keydel, ein Mann, der die schlimmste Hetze gegen die dortigen Juden, aber auch gegen den preußischen Staat betreibt. Nach' der Auflösung der Deukfchvölkischeu Freiheitspartei hielt er unter Teilnahme einer ganzen Reihe von Beamten des Neidenburger Zollamtes und des Finanzamtes geheime Sitzungen der Partei ab, so daß gegen ihn vor dem Staatsgerichtshof ein Verfahren wegen Gehennbündelei eiugelektet worden ist. Herr Keydel ließ sich aber dadurch, kein es- Wegs abschrecken. Er und seine -Freunde, wie der Oberzollsekretär F va nke über g und der Leutnant der Reserve E h l e r t, Geschäftsführer des Land- und Forstwirtschastsverbandes, gründeten nunmehr die deuts ch v ö l tischen K a m p f g e w e r ks ch a s te n , die als wirtschaftliche Organisationen überhaupt nicht angesprochen werden können, sondern lediglich politischen Charakter trägen und neben der Hetze gegen den Staat, die sich unter anderem darin äußerte, daß man den Minister Severing des Hochverrats beschuldigte, auch eine ausgesprochen pogrom-antisemitische Hetze treiben. Es ist in Neideuburg nicht nur vorgekommen, daß jüdische Deutsche aus das schwerste bedroht und angegriffen worden sind, sondern auch, daß objektiv denkende Christen und christliche Angestellte jüdischer Geschäftsinhaber von den Hakenkreuzlern auf offener Straße am hellen Tage verprügelt worden s i nd. Minderwertige Subjekte aus der Arbeiterschaft hat man betrunken gemacht und sie in jüdische Geschäfte geschickt, wo sie den teilweise betagten ■ Inhabern sagen mussten, daß sie in nächster Zeit totgeschlagen werden 5 würden. Der C.-V. hat dagegen getan, was in seiner Kraft stand. Es hat aber erst erheblicher Anstrengungen der in Frage kommenden Behörden bedurft, um wenigstens in den letzten Tagen einigermaßen Ordnung in Neidenburg zu schaffen. Waren die antisemitischen Exzesse bisher im wesentlichen auf die masurischen Kreise beschrankt, so haben sie in letzter Zeit sich auch aus andere Landkreise Ostpreußens ausgedehnt. Die jüdischen Einwohner der Grenzstadt Ey dt kühnen werden in Letzter Zeit durch die Angehörigen des Bundes „Grenzpreußen", einer Organisation, die sich auch nach ihrem Führer Hauptmann Ammon (Tilsit) die „Ammoniter" nennt, in Schrecken gefetzt. In S ta llup v nen ist ähnliches Passiert, im Insterburger .Kreise hetzt der deutschuationale Agitator I a e n i cke die bis jetzt ziemlich ruhige Bevölkeremg antisemitisch auf, und auch in anderen Kreisen ziehen die Agitatoren von Ort zu Ort. K. Sabatzky (Königsberg). Hekerrntniste üeutschvölkijchee Seelen. K.«rr ze b eh a n p t e t: D ie W u Il e s ch e Fre ih e it s - Partei ist ein Betrug an dem deutschen arbeite nden B0lke. — D as Wulte-Blatt erwidert: Kunze ist nach außen völkisch, aber innerlich materialistisch und eigensüchtig. M Aln 14. September hatte Richard Kunze an ,/fne deutschsozialen Parteifreunde in Gleiwitz einen Brief gerichtet, der folgenden Inhalt hat: „W e r t e P a r t e i f r e u n d e'. Eben wird mir aus Oberschlesien berichtet, daß schon wieder versucht wird, unsere deutschsoziale Sache zu schädigen und lahmzulegeu. Ein Herr Oberstleutnant Ahlmann, einer der Gründer der deutschvölkischen Freiheitspartei, reist herum, um unsere Mitglieder und Ortsgruppen für eine neue Partei, die sich Deutsche Partei nennt, einzufangen. Wo haben diese Leute die vielen Gelder her. die jetzt solche Reisen verschlingen. Diese Gelder stammen von denseLben kapitalistische» Kreisen, die es verhindert haben, daß nur eine einzige große völkische Partei mit unserem Programm gebildet wurde. Diese Leute behaupten jetzt, unser Prograuuu verspricht mehr, als gehalten werden kann. Damit beweisen sie klar und deutlich, daß sie die Arbeiter wieder nur für das deutsche Kapital einfangen wollen. Unser Programm wird durchgeführt werden. Denn es erweist sich immer mehr, daß imx von Anfang an recht gehabt haben. Ich ersuche daher aus das dringendste, diese Bestrebungen von vornherein als einen Betrug <m Dem deutschen arbeitenden Balte Zn entlarven und jede Verbindung mit diesen Leuten zn vermeiden oder, wo es etwa schon geschehen sein sollte, sofort abzubrechen. Ans dem Parteitage werde ich nähere Mitteilungen hierüber machen. Mit deutschem Gruß gez. K u n 5 e." Diese liebliche Charakterisierung der Leute um Wulle hat natürlich das „Deutsche Tageblatt" gänzlich aus der Fassung gebracht. Stolz in der Brust, siegesbewußt, fetzte sich der Leiter des Kunzeschen Konturreuz 1 lnteruehmeus in Oberschlesien, Herr Kapitän-. Leutnant zur Nedden, an den Schreibtisch, um Herrn Kunze in einem Aussatz: „Die völkische Bewegung in Oberschlesien" (Nr. 145 des „Deutschen Tageblattes" vom 14. Oktober) den politischen Todesstoß zn versetzen: „Als im Herbst die Ersatz-Landtags- und Reichstagswahlen stattfanden, gaben die Anhänger der völkischen Bkvoegung in erster Linie ihre Stimme für die „D e u t s ch s 0 z i a 4 e P a r t e i" ab, weil leider die deutschvölkische Freiheitsbewegung noch nicht von den Dentschnationalen getrennt und daher Kunze der alleinige völkische Kandidat war. Deur Herzen nach gehörten die meisten dieser 23 000 Stimmen nicht Kunze mit seinem reinen WirtschaftsprograuM, sondern Hitler und v. Graese . . . Da man mehr als „Kunze" wollte und hier in Oberfchlesten noch keine „völkische Frecheitspartei" bestand, als sie in Preußen aufgelöst wurde, so schritt man zur Gründung der „Deutschen Partei", die in erster Linie eine völkische Einheitsfront in Oberschlesien gegen die Jndeu- und verjudeten Parteien bilden soll." Richard Kunze, so fährt Kapitünleutuant Zur N e d d e n fort, habe von einer Verbindung der Deutschsozialen mit den Völkischen Wullescher Richtung gehört und sich veranlaßt gefühlt, den irrsamen Brief nach Gleiwitz zu senden, den wir oben wiedergegeben haben. Damit nicht genug, vom „völkischen" Krrrrze fei ein Telegramm erugetrofserr, irr Dem er Die Anhänger Der Derstschvölkischesr Bewegrrrrg mit „GeftrrDel" bezeichrret. Zornig und mit Pathos schleudert Herr zur Nedden daher Herrn Kunze ins Gesicht: „. . . Ist das völkisch? Nein, aus persönlichem Ehrgeiz und Krämergeist — der ja aus Ihrem ganzen Programm zutage tritt — wollen Sie der alleinige „Herrscher" sein, statt sich in die große deutschvölkische Bewegzüig einzuordnen. Mit der Führerschaft der Deutschvölkischen Freiheitspartei verkracht — weil. Sie EigerrbeöDler rrrrd LercheZrgängee sind — von Hitler vor die Tür gesetzt, stehen Sie nunmehr fast allein da, denn in Oberschlesien dürften Sie erledigt fein! Das ist dre Strafe für Leute, Die noch autzen völkisch, abev innerlich materialistisch unD eigensirchtig sinDk . . . Für Oberschlesien dürfte es von Vorteil fein, daß sich dieser Stänker im völkischen Lager endlich selber entlarvt hat ..." Unsere Freunde in Oberschlesien werden gut tun, sich diese an der Quelle geschöpfte Wahrheit über die letzten Ziele der jndenfeindlichen Bewegungen genauestens zu merken. Wenn der Centralv er ein in Wort und Schrift ehrlich bemüht war, das Charakterbild der völkischen Führer so zu zeigen, wie es ist, hat man auf völkischer Seite, entrüstet „diese jüdischen Machenschaften" als unlvahr zurückgewiesen. Herr Kunze und Herr zur Nedden als Kronzeugen werden nicht so Leicht abznschütteln sein.