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Central-Verein-Zeitung · 1923-10-18 · 42 (18.10.1923) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
42 (18.10.1923)
Date
1923-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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325 Ms -er Zeitungswelt. Mevhan Großmanns Tagebuch vom 6. Oktober 1923 weist nach, welch % istoriich es Anrecht besonders in Bayern es ist, der schwarz-rot-goldenen Fahne mit schmückenden Beiworten wie „Judenlappen" Abneigung entgegenzubringen. „Schwarz-weiß-rot mit dem Hakenkreuz ist die Fahne der „Vaterländischen" im Bajuwarenlande. Schwarz-rotgold ist ihnen der „Judenlappen" des „Berliner Saustalls". Wobei denn eine Ironie der Geschichte will, daß schwarz-weiß-rot dereinst die Farben des Stammes Levi in Palästina waren und ein Wittelsbacher anno 1848 dringend die Auspflanzung des schwarzrot-goldenen Banners auf dem Bundespalast in Frankfurt verlangte. König Ludwig, von seiner, Lola Montez wider Willen getrennt, warf sich, von den Barrikaden bedroht, auf die deutsche Einheit. „Bayerns König ist stolz darauf, ein teutscher Fürst zu sein . .. Alles für mein Volk, alles für Teutschland!" Er beantragte beim Bundestag plötzlich die Aenderung des Grundvertrages: „De u t s ch l a n d s G e s a m t i n t e r e s s e muß di e Sonderinte ressen ü b e r w i e g e n." So sagte Ludwig, und so ungefähr sagte um dieselbe Zeit — denn die Not lehrt beten — auch Friedrich Wilhelm IV. in Berlin; er ließ ebenfalls in Frankfurt die Hissung. der schwarz-rot-goldenen Flagge beantragen, schmückte sich selbst mit diesen, wie er sägte, „alten deutschen Farben", ließ die Truppen die schwarz-rot-goldene Kokarde nnstecken, und „Preußen geht in Deutschland auf". Nach Tisch las man es anders, an der Isar wie an der Spree. Hier wie dort galt die deutsche Einheit wieder als revolutionärer Nationalitätenschwindel. Ernst Moritz Arndts „Was ist des Deutschen Vaterland" ward wieder verfetzmt und verboten. Dann kam der Bruderkrieg von 1866; Bayern selbstverständlich gegen Preußen. Das Haus Wittelsbach wurde durch die Sprengung des Deutschen Bundes voll souverän, mußte aber mit Preußen ein Schutz- und Trutzbündnis schließen. Die „Mainlinie" trennte Nord und Süd. Ludwig II. entzog dem Dichter Emanuel Geibel den Ehrensold, weil er ein Kaisertum der Hohenzollern prophezeite. Dann 1870, als es sich um den casus foederis handelte,. waren Stimmungen und Strömungen gegen die Teilnahme am Krieg mächtig in München. Da erhob sich in der Kammer ein Mann namens S i m o n L e v i und redete den Abgeordneten ins Gewissen, Gut ltnfc Blut einzusetzen für deutsche Freiheit und Einheit. Er war aus der Pfalz, aus Landau. Wenige Stunden nach der Kriegserklärung konnten die Franzosen sein Anwesen verwüstet haben. Der Kriegsminister war süßsauer für die Teilnahme am Kampf, beklagte aber, daß sich bayerische -Truppen fremdem Oberbefehl unterstellen sollten. And Ludwig einmal über das andere GarantienTfür seine. unverminderte Selbständigkeit. Am 3. Februar 1870, also etliche Monate vor Kriegsausbruch, hatte der Abgeordnete Hutler, Mitglied der. bayerischen „Patrivten"-Partei, von .der Tribüne erklärt: „Ter König ist.souverän, und dieser König darf keiner fremden Macht unterworfen werden. Würde sich das Ideal eines Deutschen Reiches verwirklichen . . ., ja, wenn der König von Preußen statt des schwarz-weißen das schwarz-rot-goldene Banner äufpflanzt und in Frankfurt a. M. ein deutsches Parlament beruft, dann ist wer Frühling Deutschlands gekommen." Nur müsse Oesterreich dabei sein, damit die Süddeutschen nicht majorisiert würden. Und nach Sedan schrieb die bayerisch-klerikale „Augsburger Pcstzeitung": „Manches, was vor dem Kriege halt- oder erreichbar war, ist es heute nicht mehr; die allgewaltige Logik der Tatsachen hat auch die patriotische Partei auf den Weg „durch Einheit zur Freiheit" verwiesen. Deutscher Bund, deutsches Parlament dürfte auch ihre Parole sein." Sie legte aber besonderes Gewicht auf Herstellung eines neuen Bundes „mit dem schwarz-rotgoldenen Banner". Unübertrefflich waschecht. kenkreuztaschentücher f.ü r D a m e n und Herre n. Im „Deutschen Wochenblatt" finden wir ein Kulturdokument, das bezeichnend ist für den ausgeprägten Geschäftssinn der Leute, dir den reinsten Idealismus ihrer Weltanschauung gern und oft in bengalischer Beleuchtung aller Welt zeigen: - Alleinvertrieb der mit Hakenkreuz ein- oder mebrfarbia bestickten, waschechten.gesetzlich geschützten HakenkreitL-Tascheirtttcher T für Damen! und Herren, aus der Oberlausitzer Kunststickerei von Fräulein Käte Neumann, Lauban. Fordern Sie Muster und Preise. Bei Sammelbestellungen durch Ortsgruppe Sonderpreise! Emil Harter, Leinen- und Baumwollwarem. Schönwalde, Kreis Sorau. Wir wissen seit langem, daß Herr Kunze und seine Anhänger praktische Politiker sind. Besonders bei der j u n g e n G a r d e m ä n nlichen und weiblichen Geschlechts auf den höheren Schulen, für die das Tragen von Hakenkreuzen verboten ist, wird das gesetzlich geschützte waschechte Hakenkreuz im Taschentuch ein Triumphgeschrei auslösen. Sei bedankt, Käte Neumann aus Lauban! Du hast es verstanden, der völkischen Jugend sinnfällig klarzumachen, daß sie ihre Nasen nicht nur i n d i e B ü ch e r, sondern auch in das Hakenkreuz zu stecken hat. Reichszuschüffe an Gemeinden. Wir werden gebeten, von solgender Notiz des „Israelit" Nr. 41 auch unseren Lesern Kenntnis zu geben: - Gegenüber einer r r r e führenden Veröfsentli cb u n g des „Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden"-, die den Anschein zu erwecken sucht, als seien die Reichs- und Staatssubventionen an Jüdische Gemeinden von der Zugehöriakeit zu diesem Verbände abhängig, s e i h i e r d u x ch a u s d r ü ck l i ch d a s G e g e n - t e i l t e st g e st e -l l t. Die Regierung bevorzugt, wie selbstverständlich. Jenen Verband in Mner Weise vor dem Preußischen Landesverband g es etz e s t r e u e r Shnagogengemeinden, behandelt vielmehr formell und sachlich beide Verbände durch - a u spa r i t ä tis ch. Sämtliche Verordnungen gehen. beiden Verbänden gleichzeitia zu. zuden Konferenzen im Ministerium werden beide gleichmäßig zugezogen, und hinsichtlich der Gewährung von Staatszuschüssen und Beihilfen für Synagogengemeinden besteht keinerlei Unterschied zwischen den Mitgliedsgemeinden beider Verbände. Dem gesetzestreuen Verband haben sich bereits etwa 120 Gemeinden angeschlossen, die. soweit sie daraus angewiesen waren, seit dem Bestehen des Verbandes fortgesetzt erhebliche Nvtstandsbeihikfen aus eigenen sowohl irre aus Staatsmitteln erhalten haben. Die angebliche „verjuöung -er Presse". K r i t i: sch e R a n d b e in erkung e n A dam Roede r s. Das Schlagwort von der „Judenpresse" beherrscht die gesamte deutschvölkische Agitation. Geht man ihr zu Leibe, so zerfällt es in Nichts. In Nr. 11 seiner „S ü dd e u 11 ch e u k o n s e rvativen K o r r e s p o n d e n z" dveht A d a m R o e d e r , der -angesehene süddeutsche Schriftsteller, den Spieß um und fragt nach wirklichen Abhängigkeiten in der deutschen Presse. Wenn -auch unser Verein sich mit diesen Fragen nicht zu beschäftigen hat, wir daher auch nicht in der Lage sind, Roeders Angaben, für deren Richtigkeit er die Verantwortung übernehmen muß, nachzuprüfen, so möchten wir doch seine Ausführungen unseren Lesern nicht vorenthatten. Es gibt fast keine unabhängige Zeitung mehr in Deutschland. Früher war es ein Axiom nationalistischer Propaganda: die deutsche Presse ist verjudet. Die Behauptung war zwar immer unwahr, wie werbet neue <C. V.-Mitglieöer. jeder Kenner weiß. Aber da einige große Blätter in jüdischen Händen waren, so konnte man bei oberflächlicher Betrachtung der Dinge zu einem agitatorisch so gefällig Iurechtgestutzten Arteil schon gelangen. Heute liegen die Sachen in Teutschland so, daß 99 Prozent aller führenden Zeitungenin den Händen des schwerindustriellen Großkapitals sind, und daß damit eine Beeinslussuna der Oessentlichkeit irr bestimmter Richtung und in einer Weise betrieben wird, wie es noch nie der Fall war. Die Stinnes-Presse mit den ihr bei-geordneten politischen und journalistischen Bureaus, Zeitungskorrespondenzen, Farnilienblättern, Frauenzeitungen, Witzblättern und der sogenannten unparteiischen Presse überzieht Deutschland mit einer spstematisierten journalistischen Korruption. Alle diese Zeitungen und Korrespondenzbureaiis und Witzblätter werden von den Konzernen der Schwerindustrie und ihren Tochtergesellschaften ausgehalten, und die Verleger der nMleren gieren verzückten Blickes danach, in den be-Mckenden Konzern' dieser Stinnes-Presse ausgenommen zu werden, aus dem — mit dem Geld der deutschen Konsumenten — die Quellen gespeist werden, daraus, in Form von Zuschüssen, Tantiemen, hohen Gehältern für den deutschen „nationalen" Journalismus Milch und Honig fließt. — — —-- Es macht sich niemand mehr Gedanken über diese Dinge, die den deutschen Journalisten zum Heloten des Verlegers und diesen zur Kreatur der Milliardären Hintermänner machen. Das Publikum weiß nichts. Am es ganz sicher.einzulullen. muß die Stinnes- Presse, versteckt oder offen, durch Witzblätter oder Familienblatt Judenhetze treiben, unb die Sache so darstelten. als ob der „Jude" das Hest in der Hand habe und die deutsche Kuh melke. Es macht sich auch niemand Gedanken darüber, wo die Herren Hitler und Genossen die Gelder herbekommen, um ihr Faulenzerleben zu wutenieren. Die Unterhaltung der Hitler-Garden kostet täglich Milliarden. Denn die Herren sind ja keine produktiven Persönlichkeiten, die durch geistige oder körperliche Arbeit im großen. Produktionsprozeß sich selbst ernähren könnten. Das alles besorgen die Konzerne. kleine Chronik. In der Nacht zum Freitag wurde ein Fenster der S i) n a g o g e an dev Herzog- Max-Straße in München durch SteiNwürfe zertrümmert. Diq Steine wurden im Gotteshaus aufgefunden. Die Täter, die ihre Gesinnung'in so roher Weise an einer Kultusstäite zum . Ausdruck gebracht haben, konnten nicht ermittelt werden. — Das Schöffengericht Pirmasens verurteilte mehrere junge Leute, die jüdische Häuser mit Hakenkreuzen verunziert hatten, zu vierzehn Tagen Gefängnis. — Auf dem Friedhof r der Israelitischen Gemeinde in B r e t t e n fandjüngst eine schlichte, ernste! Feier statt, die dem Gedächtnis der im Weltkrieg gefallenen Mitglieder der dortigen Israelitischen Gemeinde gewidmet war. Ein einfacher, würdiger Gedenkstein wurde enthüllt. Lehrer A a ch gab ein Bild der Kriegsopfer dev Israelitischen Gemeinde, die bei 204 Mitgliedern 41 Kriegsteilnehmer aufwies, von denen elf treue Söhne der H e i m a t st a d t f ü r ihr Vaterland starben. An der Gedächtnisfeier nahmen die staatlichen und städtischen Behörden sowie drei Militärvereme und Geianavereine teil. '

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