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Central-Verein-Zeitung · 1923-10-11 · 41 (11.10.1923) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
41 (11.10.1923)
Date
1923-10-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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314 c7flCoBINER> deutsch sei, auf das wärmste am Herzen läge. Diese Belehrungen und Erklärungen hatten nur die eine Auswirkung, daß der Angeklagte sich zurückzog.und erklärte. er habe ja gar nicht sagen wollen, der Centralverein bekämpfe das Deutsche im allgemeinen. Nein, er habe nur gemeint, er bekämpfe das Deutschvölkische. Er bot auch einen Vergleich dieses Inhalts an, auf den sich der Centralverein natürlich nicht einlaffen konnte. Endlich einmal sollten die Gegner gezwungen werden. Beweise für ihre Behauptungen zu erbringen. Ausreden, wie: deutsch sei gleich deutschvölkisch, konnten uns nicht Genugtuung verschaffen. Als Zeugen für die Wahrheit seiner Behauptungen hatte der Angeklagte den bekannten Schriftleiter der „Deutschen Zeitung", Herrn Pastor a. D. Maurenbrecher, genannt. Es ist von großem Interesse, wie Herr Maurenbrecher nicht a u s s a g L e, sondern sür den AngeÜagten — denn von einer Zeugenaussage konnte keine Rede sein — plädierte. Maurenbrecher brachte vor, daß die Jüdische Gemeinde in Dresden sich über judenfeindliche Predigten von ihm bei dem Konsistorium beschwert habe, daß einmal ein jüdischer Hausbesitzer in Dresden einen Buchhändler veranlaßt -habe, ein antisemitisches Buch aus seinem Laden herauszunehmen, und zog daraus die FolgeÄMg> daß der Centralverein — der mit diesen Dingen nicht das'gemWste zu tun hatte, obwohl sie an sich durchaus berechtigt gewesen sein mögen — die Bezeichnung verdiene, die der Angeklagte dem Centralverein gegenüber \u wählen für gut befunden hätte. Für den Schluß s e i n e r A u s - sage hatte sich Maurenbrecher eine besondere Delikatesse ausbewahrt. Er überreichte dem Gericht eine Abschrift der letzten Nummer der „Mitteilungen des Syndikus", die mit einer Nachricht an die Landesverbände und Syndizi gegangen war und natürlich, d-a sie aus unrechtmäßige Weise erlangt war, in einer entstellten und verderbten Gestalt vorgelegt werden konnte. Auf die Frage, woher er denn die Mitteilungen hätte, verweigerte Maurenbrecher die Antwort, ebenso auf die Frage, wer denn seinerzeit den entstellten und geradezu gefälschten Bericht über die Versa m m lung in bvx CHa m i 1 so -Schule seiner Zeitung gebracht hätte. Man mag vom Standpunkt des Redaktionsgeheimnisses diese Stellungnahme verstehen und billigen. Was wir aber nicht verstehen können, ist der Umstand, daß Herr Maurenbrecher dem Centralverein vorwersen zu können glaubte, daß er durch politische Mittel, wie Veröffentlichung von Aussätzen in der Presse und wahrheitsgemäße Berichterstattung, für Aufklärung zu sorgen bestrebt ist. Das wagte ein Mann dem Gerichte zu bieten', der seinerseits erklärt, er werde auf unlauterem Wege erworbene Schriftstücke zum Kampfe gegen den Centralverein verwenden. Es war ferner überaus bezeichnend, daß er, um Stimmung für den Angeklagten zu machen, obwohl als Zeuge unter Eid vernommen, einfach u n w a h r e D i n g e d e m Gericht austischte. So sagte Maurenbrecher, Herr v. Kahr habe den Centralverein, der um eine Audienz bei ihm nachgesucht hätte, nicht nur nicht empfangen, sondern durch einen Beauftragten in brüsker Weise absertigen und hinausweisen lassen. Wahrscheinlich hat diese Aussage einen großen Eindruck auf das Gericht gemacht. U n d dabei i st der ganze Vorgangfreierfunden. Es war trotz allen schweren Ernstes herzerfreuend, wie Herr Rechtsanwalt Dr. Weil gerade Herrn Maurenbrecher heimleuchtete, indem er ihm die Frage vorlegte: „Mit welchem Rechte können Sie, der f rühere begeisterte Sozialdemokrat und Jnternationalist, der größte Feind der Monarchie, Sie, der Sie die „H 0 h e n z 0 l l e r n l e g e n d e" veröffentlicht haben, sich jetzt aus den Standpunkt stellen, daß jeder, der nicht deutschv öl lisch empfindet, letzten Endes auch kein guter Deutscher sei?" Es war Herrn Maureubrecher sichtlich nicht wohl zumute, aber er suchte die Kunst anzuwenden, die alle deutschvölkischen Führer besitzen; er suchte dem Gerichte zu suggerieren, daß deutsch gleich deutschvölkisch ist, daß die deutschvölkische Richtung, der noch am Dienstag der deutsche Innenminister im Reichstag landesverräterische Gesinnung Nachweisen konnte, die wahrhaft vaterlandserlMtende und anständige Gesinnung eines normalen Deutschen sein müsse. Eine 'Satire hätte man schreiben können, als man zusehen mußte, wie gerade diejemgen- Männer, die an dem Unglück des Deutschen Reiches die Hauptschuld tragen, sich als die D e u tsche n schlechtweg hi-nzustelleu wagten. Der Angeklagte wurde f r e i g e s p r 0 ch e n, nachdem er auf die nicht zu widerlegenden Ausführungen Dr. Weils feierlich beteuert hatte, es habe ihm gänzlich fern gelegen, den Centralverein zu beleidigen. Das Gericht glaubte ihm. So hat er milde Richter gefunden, die seinem energischen Rückzuge die Deckung nicht versagten- Die Verhandlung, der eine ähnlichen Inhalts folgen wird, war für uns eine ernste Lehre, ebenso wie der Prozeß - gegen Fritsch. Sie zeigt uns wiederum, in welch fanatischer Weise die Massen geworben werden. Und sie belehrt uns darüber, daß in dem Augenblicke., in welchem die Gegner gezwüngeK werden, einen Wahrheitsbeweis zu erbringen, sie sich sofort hinter hohlen Phrasen verbergen. Man sollte meinen, daß, wenn in einer.umfangreichen Schrift jemand aussü'hrt, der Centralverein sei der Feind alles dessen, was deutsch fühlt, der Beschuldiger nachher nicht in undeuk.cher Weise ^ausweichen" würde. Aber so ist es hier und auch im Prozeß Fritsch vor dem Reichsgericht geschehen. Wollen wir, daß diesen Lügen nachdrücklichst begegnet wird, wollen wir vor allem., daß die schweren Erscheinungen der Jetztzeit nicht noch schwerer werden, so muß der Kampf gegen die Deutschvölkischen auch dadurch geführt -werden, daß man sie solange ans dem Busch herauslockt, bis sie beginnen -müssen zik versuchen, den Wahrheitsbeweis für das zu'führen, was sie in ihrem kleinen und kleinsten Kreise ständig als Tatsachen unerfahrenem Volke in die Ohren raunen. Die Winkelzüge von Männern Wie Maurenbrecher und Fritsch werden an it n - s e r e m mutigen Bekennen der Wahrheit nichts ändern. Herr Maurenbrecher kann sich in den. Besitz aller unserer Akten setzen. Er wird nur-etwas aus ihnen ersehen, daß wir entschlossen sind, den Lügen seiner Gesinnungsgenossen nachdrücklichst entgegenzutreten und,darin-dem Beispiel eines Mannes zu folgen, der in unvergeßlicher Weise der Wahrste i t, dem Deuts ch - tum u nd Iude n tum gedient hat, unseres jüngst verstorbenen Freundes Rabbiner Dr. Bloch in Wien. Wie Bloch mit gutem Erfolge jahrzehntelang' den Kampf für unsere Ehre ge-stlhrt hat, so wird es, des mögen die deutschvölkischen Herren versichert sein, an Nachdruck von unserer Seite nicht fehlen. Mag früher nach dieser Richtung hin nicht alles geschehen sein; unser j e tz i g e s G e s ch l e ch t ist stark genug, den Kampf gegen die Lüge auf allen Wegen aufzunehmen. - Münchener Srief. Kahrs erste Kundgebung trifft uns nicht. — Zurückhaltung der bayerischen Juden. — Hitler auf dem Kriegs- -pfade. — „Miesmacher Anzeiger" und „Bayern und Reich" gegen Hitler. — „Semitische Gestalten im Stabe Hitlers." Wir stehen jetzt schon die zweite Woche unter der Diktatur des Herrn v. Kah r. Wir konnten dem Mann, der in einer Reihe von öffentlichen Reden die letzten Jahre Deutschlands schweres Schicksal unter dem Schlagwort: „Kampf zwischen christlich-germanischer Weltanschauung und jüdisch-materialistischer Gesinnung" beurteilt hatte, nicht allzu vertrauensvoll begegnen. Seine erste Kundgebung als Generalstaatskommissar war nicht geeignet, unser Vertrauen zu erhöhen. Denn die darin enthaltene Erklärung, er wolle sich aus all die Kreise stützen, die deutschen Stammes sind, wurde allgemein als Ausschaltung der Juden von der Mitarbeit am Staat ausgesaßt. Wenn wir davon absahen, gegen dieses Wort förmlich Protest zu erheben, taten wir es aus zwei Gründen: wir selbst fühlen u n s so innig in die deutsche S chi cks a ls g e m ei nsch a f r verflochten, daß kein dem d e u t s ch v ö l k i s che n S p r a chs ch atz entlehntes Wort selbst aus noch so hohem Munde uns das Ge f ü h l u n b es ch r än k t e r Zuge h ö r i g k e i t z n nt beut s ch e n Volk u n d V a t e r l a n d iauben fann. Zweitens wollten wir in so bitter ernster Stunde die staatsbürgerliche Tugend der Unterordnung bewähren und nicht dem mit der Wucht der Verantwortung überlasteten Staatsmann seine Ausgabe irgendwie erschweren. Bald darauf bezeichnete Dr. v Kahr vor den Pressevertretern als fein nächstes Ziel „die Sammlung aller vaterländischen Kräfte zur Schaffung einer festen und' straffen Staatsautorität". Darin dürfen wir wohl eine leise Korrektur jenes ersten von uns so schmerzlich empfundenen Wortes aus. dem Mund seines Urhebers selbst erblicken. Die verschiedenen „vaterländischen Verbände", die Dr. v. Kahr mit jener Kundgebung vor allem für sich gewinnen wollte, ü b t e n k e i n e s w e g s g l e i ch e Z u r ü ck h a l t u n g. Sie erneuten alte Vorwürfe aus der Zeit der Ministerpräsidentschmi Kahrs, fügten neue hinzu und arbeiteten mit allen Mitteln der

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