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Central-Verein-Zeitung · 1923-09-30 · 39-40 (30.9.1923) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
39-40 (30.9.1923)
Date
1923-09-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Judentum der deutschen Gegenwart in seinen bedeutsamsten Lebensäußerungen. Mit dem Herausgeber bedauere ich, daß sich' kein Vertreter der jüdischen Wanderbünde in dem „Sonderhefte der jüdischen Jugendbewegung" zum Worte gemeldet hat und daß das Thema „Deutsche und Juden" nur eine und dazu eine durchaus nicht ausreichende Behandlung gefunden hat. Es wäre nicht mehr als eine Pflicht der Gerechtigkeit gewesen, neben den nationaljüdischen auch den nationaldeutschen Juden trotz der vom Herausgeber in ihren Einsendungen vermißten „Bezogenheit auf das Jüdische" (sind diese Wortungetüme wirklich unvermeidlich?) das Wort zu erteilen. Aber auch so ist das in diesem Hefte Gebotene eben als Selbstäußerung, als Bekenntnis eine über seinen Rahmen weit hinausgehende bedeutsame und erfreuliche Tatsache. Wer einen tiefen Einblick in das Innere des deutschen Judentums gewinnen will, der lese das Schriftchen. Wem daran liegt, daß auch der nichtjüdische Mitmensch den Juden werte, so wie er ist, der verbreite es. Einzelne Teile des Büchleins verdienen in den eisernen Bestand unseres Schrifttums ausgenommen Zu werden. Das Ganze sollte ohne die kleinen entstellenden Fehler neugedruckt in aller Händen sein! flus der Zeitungswelt. Einem Aufsatze von Rabbiner Dr. S. Weiße „Rosch-Haschana", der in Nr. 9 des „Gjemeindeblattes dev Berliner Jüdischen Gemeinde" erschien, entnehmen wir folgende Ausführungen: Die jüdische soziale Gesetzgebung ist in ihren Grundzügen bis heute noch die gesündeste geblieben, weil sie den Individualismus nicht ausschaltet und einen weiten Rahmen sür Gerechtigkeit und Freiheit schasst. Ihre eigentliche Stärke aber ist der religiössittliche Hintergrund, die grandiose Weltanschauung, aus der sie fließt. Daher hat sich auch der soziale Charakter des Judentums, trotz aller Wandlungen und Schicksale, bis auf den heutigen Tag erhalten. Die sozialen Einrichtungen gehören von jeher zu den Heiligtümern unserer Gemeinde und der echte Jude beginnt mit der Barmherzigkeit, init der Betätigung menschlicher Liebe. Aber ein kalter Sozialismus, der' nur dem Kopfe und nicht dem Herzen entspricht, ist nicht nach jüdischem Sinn. Bei uns müssen Kopf und Herz, Vernunft und Gefühl Zusammenarbeiten. Die wahre Erlösung der Menschheit aus Not und Elend, aus F i n ft e r n i s u n d N i e b r i ö t e i t lau n n u r am s einer reli giösen Weltanschauung kommen. Weil wir Juden dies früh erkannt haben, mußte bei uns alleA Soziale versittlicht ünh züm Bestandteil der Religion werden. Und auch unser schöner Rosch-Haschana, der -den Beginn des Jahres feiert, mußte, eine gewaltige religiöse Weihe erhalten und zum Tage der Seelenläuterung sür die Welt werden. Ja, für die W e l t, sür die ganze Menschheit, nicht nur für uns Juden. Denn je mehr der Rosch- Haschana zum Tage religiöser Lebenserneuerung wurdedesto weiter wurde sein Rahmen gespannt. Ein großer universalistischer Zug kam hinzu. Er wurde zum Erlösungstag für alle, die Gottes Antlitz tragen. Es ist bezeichnend, daß wir im ersten Abschnitt unseres Festgebetes (Uwechen ten pachdecho) Gott anslehen, er möge heilige Furcht in die Herzen aller Menschen senken, daß sie das Böse meiden, das Gute' lieben und sich zu einem Bunde vereinigen, um reinen Herzens den göttlichen Willen zu erfüllen. Die uns Menschenfeinde und unseren Gott einen engherzigen Nationalgott schmähen, sollten in unsere Gotteshäuser kommen, um zu hören, was wir beten und wie wir beten. Man würde, wie schon Leopold Zünz einsah, den Juden gerechter werden, wenn man das Judentum besser kennen würde. Unsere ganze Liturgie atmet Universelles, und wir können uns eine glückliche Judenheit innerhalb einer leidenden Menschheit gär nicht denken. Und was besonders groß ist, wir beten an unseren höchsten Feiertagen immer um Seelisches, um innere Reinheit, um sittliche Hoheit. Wir wisseu, daß nur die wahre Sittlichkeit das . Glück verbürgt, daß nur der reine Mensch zur Lösung großer Angaben befähigt und berufen ist.. Theodor Zritsch verurteilt. Der Herausgeber des „Hammer", Theodor Fritsch, wurde von dem Staatsgerichtshos zum Schutze der Republik wegen Beleidigung des Ministers Rathenau zu vier Monaten Gefängnis und 6 Millionen- Mark Geldstrafe verurteilt. „Die Beschimpfungen, die der Angeklagte ausgesprochen, seien überaus gemein, niederträchtig und verwerflich." — Wir werden in der nächsten Nummer noch näher darauf zurückkommen. > , SfltllfflH gegen Nervenschwäche, Erschöpfungszue IbI stände, sexuelle Neurasthenie ein anregendes und kräftigendes Yohimbin-Hormon-Präparat der Akt.-Ges. Hormona, Düsseldorf-Grafenberg. Fachärztlich begutachtet und sehr empfohlen. Prospekte gratis. Erhältlich in allen Apotheken. 1 Jl «I liTtfl t 99; W~- Statt Karten! Dr. iur. 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