Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 39-40 (30.9.1923)
- Date
- 1923-09-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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306 <JACoBIi88o RLTER NEINBMHD Zur putschen Lage. £***“• M'aSÄaSS'^'SSVtt” haben wrr so schmerzlich empfunden, als i0chenblatt den Creianiffen nur in gewissem Abstande nachhinken zu kvnnew Das Ende des Ruhrkmupfes findet, Bbenso wie sein Beginn, außer den Linksradikalen, bei Denen man das verstehen kann, auch jene fich „völkisch" nennenden, in Wahrheit volksfeindMM Kreise mrherhalb der geschloffeuen Front aller Vaterlandsfreunde,' ^ie sich, wie dmnals zum entschlossenen Widerstande gegen den Feind, he^te aus doppelter Liebe zum Vaterlande zum Wiederaufbau zusamm erschließen. Ein sorgfältig vorbereitetes Spiel versucht fich vor uns abzurollen, mit wohlverteilten, textlicheren Darstellern. Aus Bayern soll der Anstoß zum Bürgerkrieg kommen. Man will ,^>ie deutsche Frage in Berlin mit bayerischen Fäusten lösen", wie Herr Heiß, Ludendorfis Sprachrohr, erklärte. In einer Kundgebung der Vaterländischen Kampfverbande int „Völkischen Beobachter" vom 14. September heißt -es: „Wir bekämpfen vor allem die Schergen des äußeren Feindes, die. marxistische Bewegung, die Internationale in jeder Form, das Judentum als Fäulniserreger im Völker leben und den Pazifismus." General L u d e n d o r s s, der heimliche Regisseur dieses ganzen Schauspiels, dessen Platzhalter die Heiß, Hitler und Konsorten nur sind, erklärte dem Schriftleiter des „Heimatland-" in einer Unterredung u. a. (vgl. „Deutsches Tageblatt" vom 26. September): „Diese kurzen Ausführungen werden aber bereits zeigen, daß ich in der Tat derrtschvölkifch, nichts als -entschvölkrsch bin. Ich bin es, weil ich von der Zugkraft dieser Bewegung, die sie aus alles Deutsche ohne jeden Unterschied auch des Bekenntnisses ausübt, von «ihrer siegreichen Stärke und von ihrer Fähigkeit, Macht zu bildend überzeugt bin. Ich stehe ohne Einschränkttna ans dern Boden btt (eben von uns auszugsweise wiedergegebenen. Schriftl.) Kundgebung btt „Vaterländischen Karnpsverbäude" . .. Die hier niedergelegten Ansichten decken sich «nt den weinigen. Ich stelle diese Uebereinstrmwrrng der Ansichten in Weg nnd Atel ausdrücklich fest. Was dann weiterkommt, nun, das lassen Sie Sorge der Männer sein, die entschlossen sind, die völkische Freiheitsbewegung zum Siege zu führen." Daß es jenen Kreisen ernst mit ihren Worten, beweist der Aufruf des „Deutschen K a m p s b u n d e s" vom 26. September: „Angesichts des Ernstes der Politischen Lage empfinden wir die Notwendigkeit einer einheitlichen politischen Leitung. In voller Uebereinstimmung in Weg und Ziel (!) übertragen wir Führer der Kampfverbäude, bei voller Wahrung deren innerer Geschlossenheit, diese politische Leitung Herrn Adolf Hitler." Und nn Anschluß daran erläßt Hitler seinen ersten Befehl, der mit den klassischen Worten beginnt: „Nachdem ich mit dem heutigen Tage die politische Leitung des Deutschen Kampsbundes übernommen habe. . . . * Die Machtorganisation zur Durchführung aller dieser Pläne hatten fich die nationalsogialistischen Führer in langer Arbeit in -den Sturmtrupps geschaffen, die jetzt mobil gemachtfind. Der Ausruf des Fürsten Wrede — bemerkenswert schon der Aufschlüsse wegen, die man dadurch indirekt über die finanziellen Hinterm an ne r dieser Hochverräter erhalt — lautet: „Deutsche Reiter! Appell! Fertig zum Aufsitzen! Meldet Euch bei der Sturmabteilung des Reiterkorps!" Und damit die wackeren Kämpen nicht mit den „Fäusten die Kanonen durch Thüringen nach Berlin" zu Meppen brauchen, und uw ihnen den langen Weg zu Fuß M ersparen, hat sich eine Auto stuffel der Stürmtr upps gebildet. So lagen die Dinge in- Bayern, als die Regierung Herrn V. Ka h r zum Generalstaatskomnriffar mit diktatorischer Machtbefugnis ernannte, um Herrn Hitler ein Paroli zu bieten. Die vierzehn Muffen» Versammlungen, in denen die Hitler-Leute zur Ruhrsrage Stellung nehmen wollten, find verboten worden. Schon einmal hat Herr Hitler einen angekündigten Putsch abgeblasen, als er sah, daß der Staat mit seinem Ansehen nicht Schindluder treiben ließ. Herr Hitler wird beweisen muffen, ob er mehr ist als der „politische Konserenzier" Münchens, wie ihn ein Berliner Blatt nannte. Die Lage in Bayern ist ausschlaggebend für die Entwicklung der radikalvölkischen Pläne im ganzen Reich. Der Rückzug des verbotenen „Deutschen Tageblatts" nach Rostock zeigt an, wo man den Stützpunkt Her RechtsPuLschrsten in Norddeutschland suchen muß: Mecklenburg, in dem die DeutfchvMische Freiheitspartei rmverboten ist. Daneben Pommern- Oberschlesien, das nichts anderes ist als der Exponent derselben Dvahtzie^r aus der anderen Seite des Reiches, sind die Gefahrenherde für Norddeutschland. In Berlin selbst jagt eine völkische Versammlung die andere. Herr Walle bietet sein nie im Kmnpse geschwungenes Schwert an und erklärte, er würde sich srewm, einige Zeit etwa Polizeipräsident von Berlin zn werden, dann werde er einen Auszugder Kmder Israel veranstalten, gegen den der biblische ein remes Kmoerf Und in. einer anderen Versammlung ruft ein Rittmeister von Metzer unter dem Jubel der Versammlung: „Wirth, der Ersüllungspolitiker, ist auch noch nicht erledigt, und wenn er nrcht um die Ecke gebracht wird, erleben wir, daß er nach Paris Gesandter geht/ . ... . Die gesetzlichen Gewalten in Reich und Landern find gerüstet, dem Vaterlande, das nach außen hin um seine Existenz ringt, nn Innern vor den Stürmen eines Kampfes aller ge ge n^lle zu bewahren. Gelingt dieS, dann ist die Stoßkraft der Pnychparteien vielleicht für immer gebrochen. V e r h e 11 e n e Ji e - üolution sind ein schlechtes Propaaandamittel. Der C.-V. ist diese ganzen Wochen hindurch ebenso wie feine Landesverbände und Ortsgruppen zur Stelle gewesen. Nach dieser Richtung hin können die Mitglieder b c - tlllürtl t P t H fius dem Wetterwmkel Gberfchlefiens. Von einem Oüerfch lefier. Rosch ha schanah-Abendin Beuthen!In inbrünstigem Gebet neigen sich die Mitglieder der alten Gemeinde Beuthen in ihrem Gotteshaus, von dessen Altar die Namen von mehr als 90 für ihr Vaterland gefallenen Söhnen grüßen. Zur selben Stunde kämpft in der Stadtverordnetenversammlung Beuthen die D e u t s ch s o z i a l e Partei für ihren Anlrag, die Juden, insbesondere Ostjuden, welche seit dem 1. Januar 1922 Augezogen sind, auszuweisen. Gleichzeitig sind Maßnahmen beantragt, die auf Verwirklichung der antisemitischen Programm- Punkte, die Juden unter Fremdenrecht zu stellen, abzielen. Die Anträge scheiterten; keine Partei will sich dem Odium aussetzen, mittelalterliche Zustände wieder herbeizuführen, ganzabgesehen davon, daß staatsrechtliche Gesichtspunkte die Verhandlung solcher Anträge in einem Kommunalparlament verbieten. Allein die Tatsache aber, daß die fünf Kunze-Vertreter in der Beuthener Stadtverordnetenversammlung den Antrag überhaupt stellen konnten, beleuchtet grell die Lage in Oberf ch l e f i e n. Das freundschaftlichste Verhältnis verband hier vor dem Kriege Juden und Nichtjuden. Auch nach dem Kriege zu einer Zeit, wo im übrigen Deutschen Reich schon die Judenhetze zum Gewerbe geworden, kannte man sie in Oberschlesien nicht. Der Kampf um die Heimat, geführt von den Deutschen aller Konfessionen unter Einsetzung von Gut und Blut, ließ inneren Zwist nicht auskommen, und die Hetzer fanden keinen Boden; war doch die selbstlose Hingäbe jedes einzelnen Juden die beste Widerlegung völkischer Haßlehren von der Vaterlandslosigkeit der jüdischen Deutschen. Dann aber kamen Landfremde Elemente und wühlten unter denen, in deren Reihen sie um die Freiheit der oberschlesischen Heimat gekämpft. Mancher wackere Kampfer des oberschleflschen Selbstschutzes wies dem Hetzer bk Tür, im Gedenken an all Ue Kameraden jüdischen Glaubens, die in den Kämpfen auf Oberschlefiens Feldern um die Freiheit gerungen und ihren Blutzoll für Oberschlefiens Freiheit dargebracht hatten. Schlaftwohl, ihr toten Kampfer! Ihr hofftet, euer Opsertod würde alle wahrhaft vaterländisch Gesinnten noch fester zusammenschweißen. Es ist anders gekommen: Mancher eurer christlichen Kameraden ist hm Schlagworten der Hetzer erlegen, Herr Kunze darf sich rühmen, in Oberschlesien die Saat der bayerischen Verführer geerntet und neue ausgestreut zu haben. Und doch ist es nur eine r e ch t k lei neMinderheit, die den Verführern folgt. Manche der Verbände, die das dauernde Gedenken an die Ruhmestaten unserer Selbstschutzkämpfer durch kameradschaftlichen Zusammenschluß sichern wollen, weisen den Hetzern die Tür. Sie betrachten bedauerliche Erscheinungen, die sich aus dem Charakter Oberschlesiens als Grenzmark ergeben, wie den Uebertritt manches kriminellen Ausländers nicht nach dem Rezept Kunzes unter konfessionellem Gesichtswinkel, sondern wie jeder unvoreingenommene und natürlich auch der jüdische Deutsche als staatsrechtliche, von den Organen des Staates zu Lösende Fragen. Und die Mehrzahl aller einsichtigen Oberschlefier verallgemeinert den Fehltritt irgendeines Juden ebensowenig, wie die oberschlesischen Juden aus der Tatsache, daß die nationalsozialistischen Führer Oberschlefiens Götze und Schneider Schlageter um 700009 Mark an die Franzosen verraten haben, den Schluß ziehen. Laß alle völkischen Führer Oberschlefiens die gleiche moralische Bewertung wie diese beiden verdienen. Die Mehrheit des oberschlesischen Volkes wendet sich von den Hetzern auch deshalb ab, weil ihr brutales, religionsschänderisches Treiben den religiösen Gefühlcn aller Konfessionen Hohn spricht und weil ihr zersplitterndes Treiben die nationale Einheitsfront aufs höchste gefährdet und schwächt und den Aufbau unserer Provinz durch alle Vaterlandsfreunde hemmt. ,