Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 39-40 (30.9.1923)
- Date
- 1923-09-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Voppelnmmner 2 Millionen M. Seetm, 30. September 1923 U. Jahrgang ♦ Nr. 39/40 VWllersürSerB cnkun mrviluoerrtmn m e s 3 u den t ums yth Glaubens e.V. Herlin SÄ) HZ, Ltn-enste. 13 Telegrammadteffe: „CenkralMubrn Berlins Postscheckkonto: Berlin 30472 verlas u. Schrkftleitung: Central-Verein Fernsprecher: Am« Dönhoff 3S94/Z5S5 „-*•• eo ... . Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselst«-« a> Berlin 8>V68, Limdenftr. 7 D i e-Z e Its ch r i ft ist nur durch die zu st ä n df g eP «st « n sta lt zum P r e i stks >> vn vierteljährlich 25Milli one^M^z^^ez^i^beri Alleinige Anzeigenannahme: Annonc-n-Expedikivn Rudolf Mogtz. Berliniw19, und derestSilialen. Anzeigen-Erundpreise: M. 200für die 7 gespaltene „ - - --Normalzeü-nntesser Nr. t. Familittwinzeigen und St-Nenge!uW für Mitglieder: des Central-Verems M. 100.-. dt« W mm Zeile nach Rudolf Mosses breite Reklamezeile M. 900,- Alle Grundpreise mal Schlüssehahl des Vereins Deutscher ZeltungSverleger, gültig am Tage deS Erscheinens. Ern Mahnwort an alle zur Oefinnung In. schwerster Sorge um des Vaterlandes Wohl werden diese Zeilen' ge'chrirben: Der Ablauf jeder Stunde bringt Veränderungen. Die Herzen schlagen und fragen: Wie w nrd s ich d i e Z u kuNst g e st alten? : : Deutschla nd wird leben , aber nur. wenn Einige' keit und Recht und Freiheit ihm erhalten bleiben. V«lmehr. wenn seine Bewohner verstehen, diese höchsten Güter sich selbst zu erhalten. Die deutschen Bürger, zum größten Teil im Zustande schwerster Unterernährung. seelischen Zerfalles, durch des Jammers unendliche Fülle hervorgerufen, werden mehr und mehr ein Spielball wilder Gerüchte, blöder Ausstreuungen, unseligster Hoffnungen auf Maßnahmen, deren Schädlichkeit dem geringsten volkswirtschaftlichen und geschichtlichen Verständnis einleuchtet, wenn die Gehirne auch nur Minuten in Rühe arbeiten könnten und würden. Daher auch jene Judenhetze unserer Tage mit ihren wilden, fanatischen Ausbrüchen, ihren pogromartigen Exzessen, ihrer Durchseuchung des Volkes. An der Weisheit eines Hitler, Wulle berauschen sich Millionen. Weite Kreise des deutschen Volkes sollten aus der jüdischen Geschichte die Bedeutung der Macht der Ohnmacht lerutzn. Daß bei aller äußeren Schwäche das sittliche Bewußtsein größere Bedeutung hat als Gewalt und daß dieses sittliche Bewußtsein --die Gewalt niederringt, kommt jedem! Kenner der jüdischen Geschichte: zwingend zum Bewußtsein. Aber auch die allgemeine geschichtliche Erfahrung' bestätigt diese Tatsache., Die- Zeiten ändern sich. Sie werden sich auch für Deutschland ändern, wenn jene Güter, die das Judentum erhalten und erhielten, innerer'Besitz der Masse unseres Gesamtvolkes werden. . Unsere Aufgabe im Central-Verein war es. getreu unserem Programm über: unseren Kreis hinaus für die Ausrechterhaltung des Reiches, für den inneren Frieden zu sorgen, beruhigend zu wirken, das Ansehen der Staatsgewalt zu stärken und den jüdischen Optimismus hochzuhalten. Wenn wir darum jetzt nxik'äZlen. Fibern an der Bekämpfung der., völkischen Hetze arbeitend wenn wixsalles tun, was in unseren Kräften steht,'um die auf. hnA,.ruhende schwere Berantwortung tragen zu können, so älcheMtz wir für des Reiches Herrlichkeit. Denn durch nichts ist imden Augen der Welt dev deutsche Name so geschändet wie durch die Tatsache, -daß an sich vernünftige Menschen hemmungslos den niedrigsten Verleumdungen gegen Volksgenossen» folgen-. Wtr b l e i b e n a u s oe r H u t! »- Wer eines müssen wir im Gefühl unserer Verantwortung unseren Freunden sagen: Die meisten bon euch haben ihre Pflicht unserer Gemeinschaft und uns gegenüber nicht getan. Die Verantwortung des jüdischen Menschen -war noch nie so groß: und so schwer wie heute. Selbstverständlich wird kein nur halbwegs anständig Denkender Unlauterkeiten-, besonders nicht in dieser Notzeit, billigen. Aber die Aus st o ß u » g d e r Unlauteren aus der Gesellschaft, sie ist es, die verlangt werdenmuß. Duldsamkeit gegen Aussäuger ist Feigheit und Niedertracht! Aus die Verantwortungslosigkeit so vieler iv. Kleidung und Haltung ist anläßlich der hohen jüdischen Feiertage von den Kanzeln hingewiesen worden. Zuschriften von Freunden ersuchen um Abdruck solcher Predigten. Das würde den Zweck 'nicht erreichen, denn die Weihe der Stunde und des Ortes verleiht dem Wort die Wirkungeines Ksulenschlages. Das gedruckte Wobt mag das Denken reizen, die Macht aus das Gemüt ist dem gesprochenen Worte Vorbehalten. Doch wird sich in diesen Stunden der Not auch das Denken sagen und gerade das Denken: Kein Central-Verein kann helfen, wenn der furchtbare Ernst nicht zunächst das Triebleben des einzelnenzä-hmk. Seid gute Juden, denkt an eure Lehre! In einer fröhlichen Gesellschaft war neulich davon die Rede, welche- Summen weite Kreise des deutschen Volkes durch Börsenspekulation mit erb o r g te m Gelde errafft hätten und wie sie sich mit der Glorie des klugen und bedeutsamen Wirtschaftlers zu umgeben trachteten, während sie'doch letzten Endes nur geschickt den Zusammenbruch der deutschen Währung zu nützen verstanden. Wir hatten damals die .Empfindung: Mit dieser Ethik des Debetsaldos gehen wir alle in-..Deutschland zugründe! Das muß einmal ausgesprochen werden. Unsere Sorgen -werden nicht minder, wenn wirsehen, wie perverser Geiz die Juden hindert, der großen Organisation, die Glaube, und Heimat, Ehre und'Vermögen ihnen zu schützen bereit ist, die nötigen. Mittel zuzusühren. Auch daran tragen alle,Schuld. Viele, sehr viele, welche uns unterstützen, tv eil sie wissen, daß man-Beiträge für den Eentral-Vevein wie auf das Konto „Versicherungen" buchen muß. haben kein Wort, um ihre Freunde zur Pflichterfüllung zu mahnen. Das muß anders werden! Es darf nicht mehr Vorkommen, daß bekannt reiche Leute wagen, uns einen G o l d p s en ni g als Beitrag anzubieten. . Die Schamröte , mühte ihnen darüber ins Gesicht schlagen. J.Aber a I l e nHem m n i s s e n v o iri n n e n u n d a u ß e n | zum Trotz: Wir halten aus im Sturmgebräus. L. H.