Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 36 (6.9.1923)
- Date
- 1923-09-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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292 Spaltung der Runze-Partei. Deuts chsoziale Arbeits gerne ins chasii unter Albert Scheibler. EZ war uns schon seit langem bekannt, daß es im Kunze- Lager kr ieff:erX t. Richard Kunze hat sich allmählich zum Diktator der deutschsozialen Partei entwickelt, und wer nicht pariert, der fliegt. Sein riesiger Konsum an leitenden Mitarbeitern in der Parteihewegung und sein unerreichter Rekord im Verschleiß von Redakteuren für sein „Deutsches Wochenblatt" gestatteten Rückschlüsse auf das Negierungssystem des Herrn Kunze, der keine kleinen Götter n e b e n s i ch l e i d e n k a n n. Nun ist es zu einer Palastrevolution gekommen, die Herrn Kunze, den Herrscher aller Deutschsozialen, doch einigermaßen bedenklich wird stimmen müssen. Wenn Angriffe gegen seine geheiligte Person erfolgten, wenn er in Prozesse, wie den vom „B e r l i n e r Tageblatt" gegen ihn angestrengten, verwickelt war, so wich er mit einer großen Geste aus: „Jüdische Mache, um den Verhalten Kunze zu Fall zu bringen." Jetzt aber wird von einer Seite das Charakterbild des Herrn Kunze entrollt, die ihn in jahrelanger Mitarbeiterschaft k e n n e n u n d s ch ä tz e n g e l e r n t h a t. Vor uns liegt ein soeben erschienenes Zeitungsblatt: „D e u t s ch e Freiheit", Mitteilungsblatt^ der D e u t s ch s o z i a l e n Arbeitsgemeinschaft. Dieses neueste Preßorgan der Deutschsozialen bringt einen Leitartikel von Albert S ch e i b l e r, dem rednerisch und schriftstellerisch produktivsten Führer der Kunze- Bewegung: „Herr Kunze als Charakterkopf und Konjunktur- Politiker." Diese Charakteristik Knüppel-Kunzes bringt auch denen, die seit Jahren bemüht waren, ihn in seinem wahren Wesen zu erkennen, allerlei Neues. Albert Scheibler berichtet: _ „Kunze ist am 1. Aprrl 1897 in den V o l k s s ch u l d i e n st der Stadt Schöneberg eingetreten. Noch im selben Jahre wurde er Mitglied des Freisinnigen Volks Vereins für Schön eberg und Umgebung. Kunze war also ein engerer Freund des Herrn Theodor Wolfs vom „Berliner Tageblatt" —, er betonte oft, daß er von Kindesbeinen an in freisinniger Gesinnung erzogen sei. Bei verschiedenen Landtagswahlen ist er freisinniger Wahl m a n n gewesen. Als in Schöneberg ein Stadtverordnetenmandat frei wurde, stellte die damalige Hausbesitzerfrattion einen Hausbesitzer als Kandidaten aus. Da auch ein Mieter gewählt werden konnte, besuchte Kunze die Wähler und stellte sich als „M ieter- Ku n z e" vor, der besonders die Interessen der Mieter gegen die Hauswirte und Terrainspekulanten vertreten wollte. Alsbald nach der Wahl schloß sich der überwiegend von M.i e t e r n gewählte politische C h a r a k t e r k o p f „Mieter-Kunze" der Hausbesitzerfraktion an, erwarb ein Haus, und wurde Vorstandsmitglied des Haus- und Grundbesitzervereins. Bald wurde Kunze heftigster Gegner der Bodenreformer. In der Stadtverordnetenversammlung vom 20. Januar 1908 führte Kunze nach einem Bericht des von ihm aufgekauften „Generalanzeigers f ü r S ch ö n e ber g" in der Debatte folgendes aus, als es sich um einen A n t r a g a u s B e s e i t i g u n g d e s H a u s - b e s i tz e r P r i v i l e g s handelte: „Wo gleiche Pflichten sind, sollen auch gleiche Rechte sein. Die Hausbesitzer aber haben sehr viel größere Pflichten, dem muß auch ein Mehr an Rechten gegenüberstehen. Es ist leicht, hier zu sagen: Wir müssen Das allgemeine Wahlrecht haben! Ich möchte aber wissen, wo sie hinkommen, wenn Diejenigen, die nichts beitragen zum Stenersälkel, über den Geldbeutel derer zu verfügen haben, die etwas besitzen, dann wären wir schon im Znknnftsstaat. ♦ ♦ Ich sage also: ein Hansbesitzerprivileg mutzte geschaffen werden." _ Während der Reichstagswahl 1907 erhielt Kunze von der Dtadt Schön-eberg Urlaub, für den freisinnigen Fischbeck gegen den konservativen Buchholtz in Liegnitz Wahlreden zu halten. Nach der Wahl übernahm Kunze das Generalsekre- Lärmt der k o n s e r v a t i v e n P a r t e i im Königreich Sachsen. . _ Während des Krieges tauchte Kunze in Schöneberg wieder auf. Er war Zum Heeresdienst eingezogen und betätigte sich als Dolmetscher im Gefangenenlager zu Gardelegen. Unsere Leser wissen, wie er die Freuden des Etappenlebens in Saus und Braus durchlebte. Nach Ausbruch der Revolution wurde Kunze deutschnationaler Stadtverordneter in Schöneberg. Bei den Wahlen 1920 zur Groß-Berliner Stadtverordnetenversammlung wurde Kunze von der De u tfchn a ti o na le n Partei nicht m e h r a u s g e st e l l t. Auch in dieser Partei zeigte sich wieder, daß er sich innerhalb einer Partei eine führende Stellung nicht erringen konnte. Führer wollte und mußte er sein, und so gründete er sich eine eigene Partei, die bis auf den heutigen Tag eine „K n ü p p e l - K u n z e - P a r t e i" ist. Im Oktober 1921 wurde er durch die Stadtliste Stadtverordneter in Berlin und Mitglied der Bezirksversammlung in Schöne- . berg. Herr Kunze war sich der Tatsache wohl bewußt, daß er bis dahrn in weiten Kreisen des deutschen Volkes eine ganz unbekannte ferson war, wie er auch charakteristischerweise von allen nationalen olrtikern und Zeitungen bis zur Stunde totgeschwiegen wird. weil er als aufrichtiger politischer Charakter nicht gewertet wird. Im Besitze eines Blattes, das sein persönliches Eigentum äst, hatte er das Mittel in der Hand, u rn s ü r s e i n e p o l i t i s ch e u n d rednerische Tätigkeit dre Reklametrommel zu schlagen. Auch stellt er sich selbst als den Retter für das geknechtete Volk hin, für das er alles geopfert und dem er gehorcht, weshalb er verlangt, daß ein jedes Parteimitglied obligatorisch sein Blatt beziehen muß. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß Herr Kunze, der keinen anderen Beruf als den des Politikers hat. bei aller angeblichen wirtschaftlichen Aufopferung in einer Zeit Des Rückganges, Der größten Not, es in nicht ganz zwei Jahren zu einer eigenen BnchDruckerei gebracht hat, dann kann man sich der Erkenntnis nicht verschließen, datz er die Unwahrheit spricht. Herr Kunze verfaßt aus eigener Initiative Flugblätter und Werbematerial, das er in seiner eigenen Druckerei für das Geld der Genossen druckt. Außerdem ist Herr Kunze der Besitzer eines Wurstladens, der ihn — genau wie das „Deutsche Wochenblatt" — nicht ernährt, sehr wahrscheinlich, weil er die Wurst zu billig verkauft. Mit Händen und Füßen hot sich Kunze damals'gegen die von dem Genossen Möhl angeregte Landesverbandsorganisation gewehrt, der Ordnung in das Chaos der Gelder und der Partei hineinbringen wollte. Ordnung Organisation, will Herr Kunze nicht, nach seinem eigenen Ausspruche wird ihm speiübel, wenn er etwas von Organisation hört. Damals gingen die Gelder e i n u n d aus, ohne gebucht zu werden. Diesem Treiben trat Herr Berger, der Kassierer wurde, ganz energisch entgegen, der dann das Opfer seiner Gewissenhaftigkeit geworden ist; genau so, wie der ehemalige Metall dreh er Dux, der für Kunze unmenschlich Tag und Nacht arbeitete. Die d e u t s ch s o z i a l e P >a r t e i i st b >t s auf d e u heutigen Tag ein Taubenschlag, aus dem durch Kunze s M ach tspr uch — gestützt aus sein e politisch-kindischen, fanatischen Anhänger, alle diejenigen h er a u. s ge schm i s s e n w erden, u rn Kunzes gewählte Sprache z u g e b r a u ch e n, die es nicht dulden wollen, daß Kunze die Partei für s e i n e Pr iv at abs i cht en benutzt, die es nicht dulden wollen, daß er durch sein provokatorisches^ G e b a h r e n die Mitglieder n n d die verdienten. Kämpfer verjagt oder terrorisiert, wenn dieselben wider ihn "zu locken wagen, werden dieselben der gemeinsten Motive beziehen — etwa, daß dieselben eine Butterschnitte essen und hinausgeworsen. Kunze will nicht nur der Führer der Bewegung, sondern ihr absoluter Beherrscher sein. Von heute ab bin ich ihr Diktator! Von heute ab befehle ich! Sie müssen mein rote Fackel durch das Plakatieren derselben mit verbreiten Helsen! Werben Sie für Leser des „Deutschen Wochenblattes". — Bei Dieser Gelegenheit verlangen wir Aufklärnng über Ihre Beziehungen znr dentschvölkischen Bank, in Deren Anssichtsrat Sie sitzen. Wir verlangen Rechenschaft über Die Aktienpapiere, Die ans die Ziegelei Sommerfeld lauten und Millionen und Aber- Millionen an Geld und Wert repräsentieren. Sie wollen jetzt, da sich die breite Oesfentlichkeit mit dieser Angelegenheit beschäftigen. wird, der Pareti diese Gelder überweisen. Nein! Wir? wollen dieses Geld nicht! Woher haben Sie Bolksführer dieses Geld? Oder haben Sie diese Aktienpapiere auf Grund Ihrer Eigenschaft als Politiker, der die Auswüchse des Kapitalismus bekämpft, erworben? Mit Recht fragt die Oesfentlichkeit, fragen die werktätigen Volksgenossen, warum wir erst heute sprechen. Habt ihr Redner nicht fast zwei Jahre Schulter an Schulter mit diesem Manne gekämpft? Nun, friedlich und schiedlich lebten wir nicht nebeneinander. Dieser Mann wird innerhalb der Partei von einigen Wenigen bekämpft, solange -diese seine Parteibesteht, weil dieselben ihn nicht für eine Führerpersönlichkeit halten. Kunze ist eben nicht mehr und nicht weniger als ein Versammlungsredner. Sie ha-ben ihn bekämpft, weil diese Männer rein instinktiv das Gefühl besaßen, daß Kunze ein p o l i tisch e r G e s ch ä f t l h über i st. Der Kampf war und ist im internen Kreise vergebens. Sein fanatischer- Anhang brülltjeden nieder, der Opposition betreibt, bringt jeden zur Strecke. Die S t u n d e i st geko m m e n, da wir erdrückendes, historisches Material besitzen, .ein Material, das jedes P ar t ei mi t g l i e d, das etwas von Politik und von der Wertung eines politischen Charakters versteht, hellsehend und hellhörig macht. Wie oft hat Kunze ist ine selbstherrlichen Forderungen durchgedrückt, indem er drohte, daß er den Kran: hinschmeißt, ich habe den Kamps satt bis oben an. Oh, über diesen Schailspieler und Eigennützigen, der nur ein ego sacrai kennt! Warum krochen Sie ins Mauseloch? Hätten Sie doch diesen politischen A1 l e r w e l t s nt a n n beim Worte gehalten! Kunze steht -und fällt in seiner wirtschaftlichen Existenz mit der Politik. H i n w e g mit Kunze!" Uns überraschen die Enthüllungen dieser langjährigen Kampfgenossen Kunzes nicht. Auch die Spaltung der Partei dürfte Knüppet-Kunze nicht veranlassen, von der politischen Bildfläche zu ver- - schwinden. Im Gegenteil, er wird seine Hehtätigkeit verdoppeln, amt - sein Politisches Leben trotz alledem noch möglichst lange zu fristen, .