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Central-Verein-Zeitung · 1923-09-06 · 36 (6.9.1923) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
36 (6.9.1923)
Date
1923-09-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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290 gehen solle. Der Preis krönt Ae Antwort: Der Rtchtwrg ist d n s g u t e H e r z. Der Jude spricht gern vom guten, jüdischen Herzen. Es darf sÄbst im Sturm dieser wiiden Zeiten nicht verkümmern. Sein Takt, seine Rücksicht, seine Güte, sein Opfern Äühe uns in Not und Tod. Am jüdischen Herz hat aber nicht nur Leid und Verfolgung geschaffen. An ihm hat die Religion der Tat gearbeitet. Ganze Menschen, die den Nächsten in sich selbst zu lreben vermögen, die nicht um Gebote der Menschlichkeit, der Sittenveinheit, des untadeligen Lebenswandels vor Gott und den Menschen wissen, sondern sie erfüllen, fordert sie. Möge der Feiertage hehre Eindringlichkeit in diesem Sinne das jüdische Gewissen schärfen! Unö ihr, jüdische Arbeitnehmers Von E r n st B e h r e n d t, Stadtverordneten in Beuchen O.-S. Die letzte Nummer der „C. V.-Zeitung" brachte eine kleine Notiz, unscheinbar, wie eine Perle in großer Muschelschale, doch von sehr wertvoller Bedeutung. Lehrlinge aus Brauns ch w eig — hieß es — Hütten sich znsammengetan und dem C. V. ein Notopfer von einer Million zur Bekämpfung des Judenhasses gebracht. Dürfen wir hassen, daß dies ein Z e i ch e n d e s E r w a ch en s ist? Soll endlich der Geist der Abwehr in der jüdischen Arbeitnehmerschaft diejenigen Lügen strafen, die gerade jüngeren Kreisen vorwerfen, sie erschöpfen ihre Kräfte in Vergnügungen, in Oberflächlichkeiten und im Nachjagen phantastisch-utopischer Ideen? Gibt es heute noch je m a n d e n in D e u t s ch l a n b d e r a n g e s i ch t s, der i m m er bedrohliche r werdend e n> a n t i s e m i H } d) e n Bewegung! 'glauben könnte, m an bedürfe feiner M it a r beit nicht? Kö n ne n es jüdische Arbeitnehmer ve r a n tw o r t en , daß sie allein s i ch nicht gegen ihre Unterdrücker, Bedränger und Peiniger wenden, gerade sie, die mitten i m k ämp sen den Leben ste he n , die a m finnfälligsten doch den deutschvölkischen Wahnsinn entkräfte n ve r mögen, di e Iu d e n kvn n t en nicht produktiv in der W i r t s ch a f t s i ch b e t ä t i g e n. Ich habe jetzt das überaus zweifelhafte Vergnügen, als Stadtverordneter der Stadt Beuthen (O.-S.) fünf d e u t f ch s o z i a 1 e Stadtverordnete als „Ko l 1e gen" genießen zukönnen. Wir müssen von Sitzung zu Sitzung feststellen, daß von diesen verblendeten Leuten ein Kampf gegen die Juden geführt wird, lediglich, weil es „Juden" sind, ohne Ansehen der Person, der sozialen S t e l (u u g , Alters, Standes und Geschlechts. Und dabei haben gerade die Oberschlesier erst in der kürzlich zurückliegenden Abstinnnungszeit mit eigenen Augen sehen können, mit welcher Begeisterung und inniger Neberzeugung auch die jüdischen Deutschen für das Verbleiben bei Deutschland eingetreten sind. Trotzdem heißt es unentwegt: ,,Der I u d e ist die Gefahr!" Allzu: lange schon haben wir jüdischen Arbeitnehmer Arbeit und Führung im Abwehrkampf den Akademikern und den Arbeitgebern überlassen, ohne ihnen auch nur Gefolgschast zu leisten. - Es ist deshalb verständlich, daß sich die Abwehrbewegung bis jetzt lediglich horizontal hat ausbreiten können, aber die vertikale Gliederung ins werktätige jüdische Arbeiter- und Angestelltentum hinein fehlt völlig. Ich habe diese beklagenswerte Erscheinung bereits im Frühjahr 1914 mit unserem allzufrüh dahin geschiedenen, unvergeßlichen Justizrat Maximilian Hör wi-tz besprochen und die Freude gehabt, daß er mir, denr an Jahren und Erfahrung so viel Jüngeren, einräumte, leider habe in dieser Richtung der C. B. noch nicht alle Aufgaben erfüllen können. Der Krieg hat die damals beabsichtigten Schritte zur Verinnerlichung, und Vertiefung unserer Bewegung, verhindert. Ter Krieg hat aufs neue die opferbereite Willigkeit auch der deutschen Arbeitnehmerschaftjüdischen Glaubens erkennen lassen, für ihr deutsches Vaterland einzu treten und die Liebe und Treue haben Tausende von ihnen mit dem Tode oder schwerem Siechtum besiegelt. Daß trotzdem der Antisemitismus zur Blüte kommen konnte, müßte eigentlich allen rechtlich denkenden Menschen, gleich welcher Konfession, die Schamröte ins Gesicht steigen lassen. Ist -es angesichts der judenfeindlichen Hochflut nicht beschämend, daß unsere Abwehrbewegnng sich nur in ganz geringem Ausmaße stützen kann auf die besitzlosen Kämpfer im Tageskampfe, denen, man wahrlich nicht vorwerfen darf, sie seien schuld an Not und Elend unserer Tage, deren Kapital allein in ihrer Arbeitskraft besteht. Diese aktive Mitarbeit ist aber auch deshalb dringend notwendig, um dem jüdischen Arbeitgeber den Beweis zu erbringen, daß außerhalb des Di enst v erh-ü 11 nt sse s ei n ge i st i.g ku l iure l l e s B i n d e g l i e d jüdischer Deut s ch e r a 11 e r S ch i cht e n b-e st e h t. Dadurch würden die jüdischen Arbeitnehmer aufs neue beweisen, daß sie kulturell auf der gleichen Stufe wie die jüdischen Arbeitgeber stehen und die SchicksaisgemeinfchasL deutscher Juden Baumwollwapen . Nur Bpgros StPiokwoIle Gar>ne aller Art GEBR. BARENHOLZ. Filiale Berlin Weinmeisterstrasse 14 — Telephon: Norden 2192, 4544 nicht durch soziale Unterschiede gebrochen werden kann. Wo immer wir als deutsche Juden kämpfen, geschieht es ja nicht allein um unseretwegen. Wir dienen unserem deutschen Vaterland, wenn wir jungen Arbeiter den Geist des Hasses und der Zwietracht bekämpfen, der unreifen jungen Menschen die Mordwaffe in die Hand gedrückt hat. Aber der Sieg wird uns nur winken, wenn wir die Forderung des Tages verstehen und uns, ehe es zu spät ist, entschließen, mit Herz und Hand für Deutschtum und Judentum zu kämpfen. Kolleginnen- und Kollegen! Ihr werdet von vielen Organisationen zur Arbeit gerufen, viele werben um eure Mitarbeit und um euer Geld. Aber ihr könnt euch ja nirgends betätigen, wenn nicht das eine sicher ist: eure staatsbürgerliche Gleichberechtigung! Heraus aus eurer Rühe! Hinein in den Central-Verein! An die Arbeit für seine großen Ziele! - - Dem Seöenker? Leopold Rofenaks. Von T-r. Julius W o y d a (Bremen). „Eine Zeder ist gefällt worden auf dem Libanon, eine Leuchte Bremens, eine Leuchte der Menschheit hat Gott zu sich berufen." Diese Worte des Rabbiners Dr. Car leb ach aus Köln, mit denen die Trauerseier für den Verewigten eingeleitet wurde, waren jedem einzelnen aus der großen Zuhörerschaft, die dichtgedrängt den Synagogen raum füllte, aus dem Herzen gesprochen. Es ist ja die große Tragik der jüdischen Beamten, daß sie erst dann würdig behandelt werden, wenn sie nicht mehr sind. Hätte man dem großen Totenbei Lebzeiten nur halb so viel Ehre erwiesen, wie -man es nach seinem Tode tat, seine gütigen Augen hätten dankbar geleuchtet. Was Dr. Rosenak als Mensch und Rabbiner war, kann hier nicht geschildert werden. Erinnert sei nur daran, wie er als Schützer der Bedrängten überall zur Stelle war, erinnert sei an seine tätige Mitarbeit am kulturellen Wiederaufbau des jüdischen Lebens in Rußland und Polen, erinnert sei an seine jahrzehntelange mühevolle Tätigkeit in der Gemeinde Bremen, die er, so könnte man fast sagen, erst begründete, die chm Bestehen und Ausbau, Gotteshaus und WohLfahrtsinstitu tionen verdankt. Unsere Ortsgruppe hat mit dem Verstorbenen ein stets eifriges, rühriges Vorstandsmitglied verloren. Gefürchtet war seine Feder, die scharfe Anklage wider die Hasser des Judentums niederzuschreiben wußte, gefürchteter noch seine Zunge. Ein hervorragender Redner, der sein Gebiet beherrschte, scheute er sich nicht, in der großen Oesisentlichkeit mit antisemitischen Nichtwiffern gründlich abzurechnen. Er -kannte den Talmud, er hatte ihn wirklich gelernt. Er fühlte das Leid der armen Verdrängten aus dem Osten und er wußte auch diesen gequültesten aller Armen zu dienen. Ein Mannder Abwehr war LeoPoD Ro se nak und damit ein Mann des Aufbaus. Deutsche Kinder mußtenihre Heimat im Ruhr gebiet verlassen. Der große Rabbi schuf ihnen nicht nur eine Zuflucht, sondern eine neue Heimat. Die Tierschutzbestrebungen, der Kamps gegen den Mädchenhandel und vieles andere waren ihm Herzenssache und schufen ihm Freunde bei allen Konfessionen. Seine letzte große Fahrt galt den Armen und Hilfebedürftigen. Nur die sterbliche Hülle brachte das Schiss zurück. Sein Leben war Arbeit. Die Ehre unserer Großen sei Arbeit in ihrem Sinne! Ans Werk, Zimmerleute! Noch ist der große Bau n i ch t voll e n d e t. Die B e e r d i g u n g de s Verstorbenen gestaltete sich zu einer großen Kundgebung. Don der Trauerseier in der Synagoge wurde der Sarg, dem Hunderte folgten, in"mehr als einer Stunde zum jüdischen Friedhof gefahren, wo nach weiteren Trauerreden in der Friedhofshalle und am Grabe die Bestattung, des teuren Toten stattsand. Rabbiner Dr. Carle b a ch (K ö l n) und Direktor Dr. Carlebach (Hamburg), Rabbiner Dr. de H a a s für den Verband gesetzestreuer Rabbiner und das Oldenburgifche Landesrabbinat, Rechtsanwalt Dr. Abraham für unseren Verein, Professor Schäfer (Berlin) für den Hilfsverein. der deutschen Juden, Rabb. Dr. B a m b e r g e r Kr die Großloge, Vertreter der jüdischen Gemeinde Bremens, des dortigen jüdischen Wohlfahrtsamtes, der Kaiser-- Fri-edrick)-Loge und der jüdischen Beamten Bremens nahmen in bewegten Wprten von dem Heimgegangenen Abschied..

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