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Central-Verein-Zeitung · 1923-08-23 · 34 (23.8.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
34 (23.8.1923)
Date
1923-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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275 Han-granate vor -er /^mberger Spnagoge. . Merkwürdige Verhaftungen. Am Abend des vergangenen Dienstag befanden sich vier jüdische Arnberg er Bürger in der Synagoge bei einer Chorprobe. Gegen 11 Uhr abends erfolgte plötzlich eine schwere Detonation. Die vier Herren nahmen an, daß ein Anschlag auf die Synagoge erfolgt fee. Deshalb fuhren zwei der Herren zur Polizeiwache, um von dem Vorfall Anzeige zu erstatten. Hier wurde ihnen mitgeteilt, daß vermutlich kein Anschlag auf die Synagoge geplant gewesen sei, weil der Führer der Amberger Natioj ualsozialisten, (Stit bi ein, an der nächsten Straßenecke bewußtlos i aufgefunden worden sei. Es stellte sich heraus, daß eine Handgranate geworfen worden war, deren Abreißschnur neben Stüdlein lag.! Irgendeine Verletzung wies Stüdlein nicht auf, wohl aber hatte er einen geladenen und entsicherten Revolver in der Hand. A m M i t t w o ch fr ü h z w ische n 4 unb 5 Uhr w it x b c n d i e vier S y n a g o g e n b e s uch e r aus ihren Betten h e r a u s o h n e Angabe eines Grundes verhaftet, wie Schwerverbrecher in das G e r i ch t s g e f ü n g n i s erngeliefert und abends 8 Uhr ohne V e r st ö r wieder entlasse rt. K e i n Wort der E n t s ch u l d i g u n g w u r d e für nötig gehalten. Wie die Staatsanwaltschaft in ihrem amtlichen Bericht in Nr. 186 der „Amberger Dolkszeitrmg" selbst zugibt, hat sich im Laufe der Erhebungen gegen Stüdlein m c h r u n d mehr der Verdacht de r st a r k t, daß er die Handgranate selbst geworfen habe, um „für sich und feine Sache Aussehen zu erregen". Stüdlein veündet sich bis zur Stunde auf freiem Fuß. Mau wird das Ergebnis der Untersuchung abwarten müssen. Es wird aber an der skandalösen Tatsache der Verhaftung von vier Synagogenbesuchern, die pflichtgemäß einen Handgranatenanschlag melden, nichts ändern können. Die Italiener „halbe Juöen". Volkische Rassewissewschaft. u Im Juli-Heft der Zeitschrift „Tie Frau" berichtet Harmah Karminski über die „Weltkonserenz jüdischer Frauen" in Wien. Die beiläufige Bemerkung einer italienischen Delegierten auf der Tagung, sie komme aus „dem Lande ohne Antisemitismus"/ löst in Herrn Theodor Fritschs „Hammer" vom 15. August einen „wissenschastucheu" Wutanfall aus. Dort wird dieses Wort von Italien, dem „Land ohne Antisemitismus", das Herrn Fritsch so wehe tut, mH einem Kommentar versehen: „Das kann wahr sein und hat seinen Grund: Die Italiener sind ihrer Abstammung nach halbe und ihrem Charakter nach ganze Inden; sie können infolgedessen nicht antisemitisch denken und fühlen." Theodor F r i t s ch ist einer der anerkanntesten völkischen Rasiesorscher. Zn seiner Unsterblichkeit hat diese nenefte wissenschaftliche Entdeckung mir noch gesehlt. ' Der Ochs auf -er Zleijchbrücke. Helden t a t der Hakenkreuz! er in N ü r n b e r g. Tie „N ü r n b e r g e r M o r g e n p r e s s e" schreibt in ihrer Nummer vom letzten Samstag: „Am Mittwoch früh hatte sich der steinerne Ochs auf der Fleischbrücke, der laut Inschrift nie ein Kalb gewesen ist, als letzteingetragenes Mitglied der Hakenkreuzler der großen Oesfentlichkeit vorgestellt. Ein haßerfüllter Judenfresser hatte nämlich in der Nacht die große Heldentat vollbracht, daß er dem Ochsen ein ungefähr 50 Zentimeter großes Hakenkreuz aus Blech mittels eines 4 Millimeter starken Drahtes um den Hals hängte und ihn dadurch gleichsam als Mitglied der nationalsozialistischen Partei reklamierte. Leider verstand die Polizei den Sinn der Dekoration nicht. Es wurde ein Feuerwehrmann herbeigeholt, der mittels Leiter und Beißzange den Ochsen seines Abzeichens als Mitglied der antisemitischen Gilde befreite. Dem' Vernehmen nach betrachtet sich der Ochs jedoch nach wie vor als Mitglied dieser rückständigen-' Gesellschaft, da er gefunden habe, daß er ‘ ihr „voll und ganz" Zugehörig und sie ihm durchaus wesensverwandt. sei." Wir haben für das Verhalten der Nürnberger Polizei durchaus Verständnis. Wahrscheinlich ist das Hakenkreuz, das zur Abwechslung einmal einen leibhaftigen Ochsen zierte, nicht zuletzt auf W u n f ch -besonnener Hakenkreuzler entfernt w orde n. Der mit dem Hakenkreuz gezierte Ochse als Symbol der völkischen Bewegung Ware der Stoßkraft des völkischen Gedankens Vielleicht doch hinderlich geworden. Sieg -es Hakenkreuzes o-er Untergang. W a rnung vorRevent 'lo w § ,K oop 11 a 11 o n". Das völkisch-kommunistische Techtelmechtel scheint den Geldgebern der Hakenkreuzler keineswegs dasselbe Vergnügen zu bereiten wie dem Grafen Reden tlow. Die Parteileitung der Hitler-Leute erläßt eine Warnung, die sich deutlich gegen den Grasen Reventtow richtet: Nie wird der Tag kommen, da es zwischen völkischem 9tatiorralsozmlismus und Bolschewismus eine gemeinsame Verhandlungsbasis geben kann. So sehr wir die Verführten gewinnen möchten, so sehr hassen wir die Verführer. Entweder der Sieg des Hakenkreuzes oder Untergang. Eine andere Parole gibt es nicht für einen benutzten Nationalsozialisten. Die Offizielle Freundschaftsaktion könnte durch diese Warnung beendet sein. Dinier wird künftig nur noch in geheimen Versammlungen vor den Kommunisten sprechen und Reden tlow mir noch unter einem Pseudonym in der „Roten Fahne" schreiben dürfen. Auch das Händeschütteln zwischen kommunistischen und völkischen Führern, wird künftig zu unterbleiben haben. Aber das innere, unsichtbare gegenseitige Liebeswerben dauert an. „Blamier" mich nicht, mein liebes Kind ..." Heim gegen Hitler. Theorie und Praxis der blöden Maulantisemiten. Der „D ö l k i sch e B e o b a ch t c r" würde schließlich dem waschechtesten Judenhasser aus die Nerven fallen, wenn er tagtäglich die fünfunddreißig langen Spalten nur mit Verleumdungen und Beschimpfungen' gegen die Juden füllen würde. Man will auch noch ein anderes Gaudi haben. Da Herr Dr. Heim und seine Zentralgenossenschaft die Bauern nicht wie fromme Schäftein in den nationalsozialistischen Stall des Herrn Hitler treiben wollen, wird über sie in fast jeder Nummer des „Völkischen Beobachters" ein Füßlein Jauche ausgegossen. In letzter Zeit wird Dr. Heim besonders zum Vorwurf gemacht, daß er A u f s ich t s r a t s Mitglied i n der größten „j ü d i s ch e n" Bank, der „Deutschen Bank", ist, und öffentlich erklärt hat, sich nicht zu schämen, neben den Juden 31t arbeiten und von den! Inden zu lernen. Besonders empört ist das Hitler-Blatt, daß sich Dr. Heim einen eigenen Antisemit-ismlrs zurechtgebraut hat, über den Heim sagt: „Es gibt einen berechtigten Antisemitismus, der sich nicht -allein aus Juden erstreckt, sondern das ist die Bekämpfung der rm-eingeschrünkten Gewinnsucht und des Wuchergeistes. Die beste Abwehr gegen diesen Geist, der nicht nur in Juden, sondern leider auch in Christen lebt, ist das Genofsenschastswesem Was hier in ruhiger, stiller Aufk-lärungsarL-eit Lag für Tag und Jahr für Jahr geschieht, 'davon haben die blöden MaulanLisemiteu, die nichts wie Sprüche machen können, überhaupt keine Ahnung. Das ist vernünftiger Antisemitismus. Das ist Abwehr durch Selbstschutz gegen den Geist des Wuchers, und das ist erzieherische, allerdings mühevolle Arbeit. Und das andere ist verführende, irreleitende und irreführende Arbeit, irreführendes Geschwätz, das allerdings weniger Mühe fordert — denn zum Wortemachen gehört nicht viel — und die Menschheit verdummt." Wir verstehen die Erregung des „Völkischen Beobachters" nicht, daß Herr Dr. Heim Aufsichtsratsmitglied der „Deutschen Bant" ist. In derselben Ausgabe, in der die Deutsche Bank als die „größte Judenbank" bezeichnet wird, steht aber auch eine Aufforderung des Verlages des „V ö l k i s ch e n Beobachte r s", die folgenden Wortlaut hat: An unsere Leser! Schlageten- T e n k m a l s s p e n d e n bitte n w i r n i ch t an uns, sondern direkt an die Dentsche Bank eins e n d en 3 u wollen. Verlag „Völkischer Beobachter". ‘ Und damit die Hakenkreuzler ganz besonders erfahren, was völkische Reinheit und Hakenkreuzlerkonsequenz ist, steht in derselben stummer noch eine Anzeige, die ebenfalls vom Verlag des Blattes herausgegeben ist; es heißt in derselben: „D i e A n z e i g e n h oben deshalb im „Völkischen Beobachter" so großen Erfolg, weil die Leser des Blattes wissen, daß i m % n ze >: genteil n u r einwandfreie Firmen Ausnahme finden." Im Text teil wird also die Deutsche Bank als „größte Judenbank" Deutschlands bezeichnet, im I n s e r a t e n t e i l wird aber verlangt, daß die Spenden für das Schtageter-Denkmal an die Deutsche Bank (also die „größte Judenbank" Deutschlands) abgeliefert werden sollen. Damit der Hakenkreuzler nicht aus dem Staunen herauskommt, versichert schließlich der Verlag, daß die „Deutsche Bank" — weil sie im Inseratenteil Aufnahme gesunden hat — eine für Hitler- Leute einwandfreie Firma sei. Realpolitiker, die ihr eigenes Heim im Glashause haben, sollen nicht mit Steinen werfen!

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