Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 33 (16.8.1923)
- Date
- 1923-08-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Zeitungswelt. * Unter der Ueberschrist „Antisemit i smusin der R u h r - Hilfe" lesen wir in der „Königsverger Hartungschen Zeit-rirg" hom 9. August 1923: Wie weit «die antisemitische Verhetzung vorgedrungen ist, und wie bereits Organisationen von ihr erfaßt worden sind, die Lediglich der Nächstenliebe dienen sollten, beweist ein unglaublicher Vorgang, der sich kürzlich in Insterburg abgespielt hat. Ein angesehener j ü d i s ch'e r Ku u s m a n n erklärte sich aus Befragen bereit, ein aus dem Ruhrgebiet mit einem Kindertransport nach Ostpreußen gekommenes Kind in seiner Familie unterzubringen. Als er mit dem Leiter der Kinderverteilungsstelle, einem Flugingemeur Franz Jänicke, Rücksprache nahm, fragte ihn dieser, ob er „Semit" sei. Auf die bejahende Antwort erklärte Jänicke ihm, daß der Transport aus Kindern t r>e u d e u t s che r Eltern bestehe und nur bei ebensolchen „Deutschen" untergebracht werden sollte. Selbstverständlich blieb der jüdische Herr die notwendige Antwort nicht schuldig. Als chriftXiche Herren die Antwort des Herrn Jänicke erfuhren, erklärten sie, daß sie unter diesen Umstünden Ruhrkinder, deren Aufnahme sie bereits zugesagt hatten, nicht annehmen würden, da es gegen ihr Gerechtigkeitsgefühl verstoße, daß bestimmte vaterländisch fühlende Kreise wegen ihrer Abstammung und ihres Glaubens von der Zuteilung von Ruhrkindern ausgeschlossen sein sollten. Dieser Vorfall beweist wieder einmal aufs deutlichste, daß die Hetze der „deutschvölkischen" Kreise im höchsten Grade unvaterländisch und unsozial ist. Notleidende Kinder geraten in Gefahr, daß ihnen die angebotene Hilfe versagt wird, und vaterländisch gesinnte jüdische Kreise werden durch solches Gebaren aufs .schwerste verletzt. ' Selbstverständlich werden sich die Aufsichtsorgane, denen die Nuhrhi'lfe unterstellt ist, mit dieser ganzen Angelegenheit noch zu befassen haben. Bemerkenswert ist, daß alle - Kinder dieses nach Insterburg gegangenen Ruhrtransportes mit dem Hakenkreuz geschmückt waren, und daß der Leiter der 'Hilfsstelle, Herr Jänicke, ein Hakenkreuz aus seinen Visitenkarten führt. * In der großen dänischen Tageszeitung „Politiken" vom 20. Juni }923 finden wir unter der Ueberschrist „Schächten und Aale N S a l z", „E i n An t r a g u n d e i n e A b s a g e" folgende Notiz: Im Monat April d. I. sandte die Vereinigung der Tierfreunde „Svalen" in Kopenhagen an den Justizminister einen Antrag. Die Vereinigung führte aus, daß sowohl die jüdische Schlachtart /Schächten", welche darin 'besteht, daß man die Tiere verbluten läßt, als auch die von den Räuchereien angewandte Methode, Bake zu töten, dadurch, -daß man fie in Satz legt, damit sie iden Schleim Mausen, als Tierquälereien auszusassen seien. Deshalb mutete die Vereinigung dem Minister zu, ein Verbot gegen diese beiden Tötungswethoden zu veranlaffen. . Auf diesen Antrag ist jetzt im Juni eine Antwort des Justiz-- ministers Rhtter ergangen, des Inhalts, daß der Justizminister zurzeit keine Veranlassung habe, eine Gesetz esäuderung durchzuführen, durch welche allein die bemängelten Schlachtmethoden verboten werden könnten! * Im Heft 6 der „Jungen Republik", das sich mit der „Politik der jungen Ge n e r a t i o m" beschäftigt, schreibt Helmuth. N a t h a n über die D e u t s ch - j ü d i s cht I u g e n d- - bewe g u n g" : Unser Deiltschjudentum ist uns ideelle Grundlage, bestimmt aber gleichzeitig den Kreis der uns zugehörigen Menschen. Ausgabe dieser Arbeit kann es nicht sein, die schwierige Problematik Deutschtimt und Judentum lösen zu wollen'. Für uns steht die Möglich-' feit der harmonischen Synthese beider Seinskomplexe nicht in Frage, sie ist uns Selbstverständlichkeit. Der Wille zur Zugehörigkeit zum deutschen Volke (nrcht nur staatsbürgerlicher Art) ist uns allen gemeinsam. Aus der Bejahung des Deutschtums und seiner kulturellen Werte ergibt sich für uns eine bestimmte geistige, Einstellung. Inunserem volklichen Sein als Deutsche müssen wir die Grundlagen für amfer soziales und politisches Wirken erkennen', wobei das ethische Moment in beidem mitbestnnmt wird durch unsere Stellung zum Judentum. Wir stehen fast geschlossen (mehr- oder weniger geklärt) auf dein. Boden des religiösen Sozialismus. Von einer einheitlichen. Eingliederung parteipolitischer Art kann bei unseren Jungens und Mädels nichts die Rede sein; diese Frage liegt außerhalb des Bundes. Bei starkem.Willen zur Politik fühlen, nur uns gerade als Juden von dem häßlichen, von Lüge und Schmutz durchdrungenen Parteileben zurückgestoßen. Uns ist unsere politische Verantwortung bewußt, doch wie der große Teil der Jugendbewegung. sehen nur keinen Weg, diese unserer Art gemäß zu erfüllen. Gustav Landauer und Walter Rathen.au gelten vielen vonuns wegweisend. Wir enchfinden tiefsten Abscheu den Strömungen und Menschen gegenüber, die mittelbar oder unmittelbar den Tod dieser Leiden Führer verursacht haben, zumal, da wir ihre Verbrecherhand auch gegen. uns gerichtet sehen. . Wir erhoffen. und ersehnen die Genesung unseres Volkes nicht in mörderischeu Kämpfen nach innen und nicht nach außen, sondern im tatkräftigen Mitwirken jedes einzelnen für das Volkswohk. Unsere Bejahung der Lebensreform, die die Ablehnung des Alkohols und Nikotins mit bedingt, und der Wille zur Bernfsuwstellung ber vielen sind kleine Anfänge, die sich ausobigen Gedanken ergeben'. Mvfhkum i{? ein geheimnisvoller Duft, der gehaltvolle Schwere mit Blütenreinheit in vollendeter Form vereint. Es iff ein Genup, Myf?ikum als Parfüm, als Puder, Seife oder Toilettewajjer zu gebraudien, und es bereitet Freude, Menfchen um fidi zu haben, die von dem feinen, prickelnden Myftikum-Aroma umgeben find. 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