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Central-Verein-Zeitung · 1923-08-02 · 31 (2.8.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
31 (2.8.1923)
Date
1923-08-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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251 Erste zmö vierte Seite. Der Handels keil des „Völkischen Beobachters". Man sollte annehmen, daß die Leser des hakenkreuzgezierten „Kampfblattes der nationalsozialistischen Bewegung G r o ß d e u t s ch l a n d s" Nationalsozialisten sind, die dem § 11 ihres Parteiprogramms „Abschaffung des arbeitsrrnd mühelosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschaft!" in gegenwärtiger Zeit besonders stürmisch'zujubeln. Auf der ersten Seite kommen die Leser des „Völkischen Beobachters" denn auch voll und ganz auf ihre Kosten. An allem Unglück ist die verjudete Börse schuld. . . . Wie soll aber dieser „Giftbaum Börse" zum Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen werden, hochverehrter Herr Alfred.Rosenberg, wenn die vierte Seite Ihres Hitler- Blattes einen Anblick gewährt, der jeden Anbeter des tz 11 schaudern läßt? Dieser Handelsteil könnte einem Börsenblatt zur Ehre gereichen. In ihm findet jeder Börsensreund, was das Herz begehrt: Stimmungsbild von der Berliner Börse, Besprechung der Borgänge ails der Münchener Börse ganz im Stil der Börsenblätter, Münchener Freiverkehrskurse, tabellarische Ueberficht über die Augsburger und Frankfurter Kurse, dazu halbseitige Kurszettel, und in sehr klarer Anordnung als besondere Beigabe eine Tabelle — S ch w a n k u n g s k u r s e. Wenn sich Herr Hitler entschließen könnte, den Börsenteil des „Völkischen Beobachters" aW S o n d e r b l a t t herauszugeben, würde man sich nach diesem Teil seines Blattes vor jeder Börse reißen. „R o s e n b e r g s C ch w a n k u n g s k u r s e" könnten berühmt werden! Ms pfaößnöer in öen Toö. A u ch e i n W e s e n s f r e m d e r? Zn den Wirren der Abstimmung in Oberschlesien starb durch Mörderhand ein junger deutscher Jude, Rudolf Haase (Rhbnik), im Dienste für das ideutsche Vaterland. Als Pfadfinder war er für den deutschen Plebiszitkommissar tätig, seiner Pflicht bis in den Tod getreu. Vor einiger Zeit geißelten wir an dieser Stelle die Wandlung in der Einstellung des deutschen Pfadfinderbundes zur Aufnahme jüdischer Mitglieder. Der Vater des jungen Haase, den diese Unterwerfung unter die völkische Parteipolitik doppelt schmerzlich berühren mußte, st e l l t uns ein Schreiben Z u r Verfügung, das ihm nach der Ermordung seines Sohnes vom damaligen R e i ch s s e l d me iste r des P f a d f i n d e r b und e s S u g i n g. In diesem Briese heißt es: „Durch eine unserer Schristleituna übermittelte Todesanzeige erhalte ich Nachricht von dem Ableben Ihres Sohnes Rudolf- Ferdinand. Den durch diesen Schickfalsschlaa so hart geprüften Eltern spreche ich mein aufrichtigstes-innigstes Verleid aus. Der wackere junge Held hat nach einigen Geleitworten Ihres Sohnes Friedrich den Tod unter ganz besonders eigenartigen Verhältnissen gefunden. Ihr Sohn Friedrich schreibt davon, daß sein Bruder feines Festhaltens zur deutschen Heimat wegen meuchlings ermordet wurde. Ich bin tief erschüttert ob solchen Schicksals. Wissenswert wären mir selbst die näheren Umstände, unter denen Ihr Sohn imden Tod gegangen ist, wie Sie es in der Todesanzeige zum Ausdruck bringen und dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie gestatteten, daß Ihr Sohn vielleicht in einem gesonderten Nachruf Näheres darüber berichtet. Ich bin überzeugt, daß alle Bundesangehörigen an dem Tode ihres Kameraden lebhaftesten Anteil nehmen. Außerdem aber wirkt gerade die Schilderung solcher Fälle am nachhaltigsten aus.alle ein und bringt ihnen erst zu Bewußtsein, unter welchen Verhältnissen unsere deutschen Brüder in ihrer deutschen Heimat kämpfen und leiden müssen. Ihr Sohn Rudolf- Ferdinand ist eines der vielen Opfer, die dieser Nachkrieg fordert. Auch sein Leben ist unserem armen Vaterlande geopfert. Hoffen wir und glauben wir daran, daßaus der Asche unserer Toten in nicht zu ferner Zeit die Rächer ihres Todes erstehen werden, die unserem Volke eine neue Seele einhauchen und unserem Vaterlande die Freiheit bringen. Dieser Gedanke möge auch Ihnen den Trost geben, dessen Sie in solch harter Zeit bedürfen. Mit der nochmaligen Versicherung meiner innigsten Anteilnahme verbinde ich den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung und verbleibe , *! Ihr ergebenster | : r gez. C. Freiherr v. Seckendorfs, 1. Vorsitzender und ReichZfeldmeister des D. P. VT Der angeforderte Bericht wurde abgesandt, aber — heißt es in der Zuschrift des Vaters an uns: „Allerdings ist uns schon vor zwei Jahren ausgefallen, daß wir nach Einsendung des ausführlichen gewünschten Berichtes nichts mehr von einem Nachruf oder einer anderen Mitteilung in der Pfadfinder-Zeitung gehört haben. Vielleicht stand dem schon damals im Geiste des Herrn ReickMeldmeisters die-in dem Bericht erwähnte Tatsache entgegen, daß unser Junge auf dem jüdischen Friedhof seine Ruhestätte gefunden hatte." Und dennoch bleibt wahr, was Dr. Haase am Schlüsse seines Gerichtes an den Feldzeugm-eister schrieb: „Auch dieses fünszehnrhrige Kind ist ein Pfadfinder aus dem Wege gewesen, 'der zu einem euen Aufbau Deutschlands führen muß." Deutschvölkische und Deutschfeinöliche. Im Leitau,fsctz der vorletzten „C. V.-Zeitung" hotten wir festsrellerr ' können, daß eine antisemitische Internationale lebhaft tätig, ist. In der Hmgener „Neuen Freien Press e" vom 26. Juli ' finden sich aktuelle Ergänzungen zu den in unserem Leitaufsatz <m- , geführten Tatsachen, die so wertvoll und beweiskräftig sind, daß * wir den Aufsatz des Hagener Blattes in ganzer Ausführlichkeit wiedergeben. S ch r i f t l e i t u n g. Hugo W a ch e n f e l d aus Hagen, der „tapfere" Antisemit, hat den Kamps gegen das Judentum auf seine Fahne geschrieben. Nicht nur den Kamps gegen die deutschen Inden, nein, Hugo will ganze Arbeit machen; mit Stumpf und Stiel will er die Juden der ganzen Welt ausrot-ten. Dü Pogromliste für Deutschland hat er offenbar schon fertig, deshalb wendet er sich jetzt an Gleichgesinnte im Ausland, mit auch da nach dem Rechten sehen zu können. Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht . einen Briefwechsel zwischen dem AntistuniLenhäuPtling in Hagen und zwei Gesinnungsfreunden in Paris imb London, der interessante Einblicke in die Psychologie und Arbeitsmethode des internationalen Antisemitismus gestattet. Der Brief des deutschen Hakenkreuzlers lautet: " *•*;■ Hagen, den 24. März 192Z. Herrn Ilrbain Gohier, Paris (VII). Sehr geehrter Herr Gohier! Der Hauptgrund, warum ich mich an Sie wende, ist das geradezu wahnsinnige Chaos, das — für den Kenner — seitens der internationalen Judenschaft Zwischen Frankreich und Deutschland uusgerichtet wird. Die Verjudnng in beiden Ländern macht unglaubliche Fortschritte, und die Knebelung in Deutschland nimmt einen derartigen Grad an, daß man fast verzweifeln möchte. Tim nun den Deutschen vor Augen zu führen, was für einen ver^ hängnlsvollen Einfluß das Judentum in Frankreich ausübt. würde ich Ihnen Zu sonderem Dan? verpflichtet sein, rvenn Sie mir eine Liste derjenigen französischen Juden übersenden wollten, die auf politischem, wirtschaftlichem, finanziellem, literarischem, journalistischem und sonstigen: Gebiet Frankreich beeinflussen. Es wäre mir besonders erwünscht. wenn Sie mir vor allen Dingen auch die wichtigsten Namen derjenigen französischen Offiziere nennen wollten, die Juden sind, überhaupt alle hervortretenden Persönlichkeiten, die Juden oder mit Jüdinnen verheiratet sind. Stimmt es, daß der Präsident Poin-ears mit einer Jüdin verheiratet ist? Es sollte mich freuen, von Ihnen zu hören.. Mit hochachtungsvoller Begrüßung! ' ' > - gez.: Hugo Wachenseld. In dem A n t w o r t.s ch r e i b e n des französischen Antisemiten- Häuptlings wird zunächst geklagt, daß die Juden in Frankreich übermächtig seren — bei einer Gesamtzahl von kaum ein Prozent der Bevölkerung! — und daß die Franzosen „überall nur die Rolle der Untergeordneten" spielten. Dann werden die Ziele der französischen Antisemiten folgendermaßen formuliert: Die europäischen Zivilisationen und die Weiße Rasse können nur durch den allgemeinen KreuZZüg gegen den gemeinsamen Feind, den Juden, gerettet werden. Die Christenheit muß sich gegen den Juden wieder znfammenfmden, so wie sie sich zur Zeit der Kreuzzüge gegen den Sarazenen zusammengetan hat. Nur durch einen gemeinsamen Haß, in einem gemeinsamen Krieggegen denselben Feind können die Weißen Völker sich wieder aussöhnen. Auf eine ä h n l i ch e A n f r a g e d e s H a g e n e r A n t i f e mite n antworte pderSchriftwart der antisemitischen ( Vereinigung „Th e B r i ton s" in London, daß auch England völlig von den Juden beherrscht werde und daß sich die Welt jetzt „unter den Absätzen unserer astatischen Eroberer" befinde: Sie werden sich freuen, zu hören,, daß ein- Einverständnis unter den verschiedenen Rassen zustande gekommenist, und die Juden werden, das wird nicht mehr lange dauern, einen Schlag, bekommen. der sie ein bißchen überraschen wird. Die Politik, die angenommen werden muß, ist die: Die Juden aus Europa hinauszuwerfen, und ein Einverständnis zwischen den arischen Rassen herb-eizufübren. Mit dieser Politik, dessen sind wir sicher, werden Sie übereinstimmen.' Der „Völkische Beobachte r" beeilt sich, fern Einverständnis mit dem ersten — pogromistischeu — Teil dieses Programms auszudrücken. Denn für die Dummen im Lande gibt es nichts Einfacheres als die Vorstellung, durch einen „Kreuzzug" gegen die Juden (die in den westeuropäischen Ländern nicht mehr als ein Prozent der Bevölkerung ansmachen) aller Not ein Ende zu fetzen. Etwas heikler ist das. Problem, wie nach der Vertreibung der Juden ein „Einverständnis zwischen den arischen Nassen" herbeigesührt werden soll. Doch auch dann hat der „Völkische Beobachter" einen Trost: Wenn dann noch Feindseligkeiten zwischen Deutschen und Franzosen bestehen sollten, so würden wenigstens beide Teile wirklich für ihr Volk kämpfen und nicht für die jüdischen Börsenbanditen. Also Kampf und Krieg aus jeden Fall! Was werden dazu die Freunde der deutschen Hakenkreuz'ler in London und Paris sagen? Daß auch Hugo einverstanden ist, ist kaum zu bezweifeln. Daß er seine werte Person aber in dem kommenden Kreuzzug emsetzen wird, ist bei der Tapferkeit, die er im Felde bewiesen hat, kaum anzunehmen.

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