Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 30 (26.7.1923)
- Date
- 1923-07-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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In der „Germania" vom 18. -Juli 1923 lesen wir unter der Überschrift „Juden und Jesuiten als Verbündete": „In Münster ist bekanntlich vor einigen Wochen die Druckerei des"stzialdemokratischen Blattes durch einen Bombenanschlag zerstört worden. Die Stadt Münster hat nun dem Verlag einen Kredit erössnet, mit dessen Mitteln er sich Maschinen und Papier neu beschaffen kann. Die „Westfälische Landeszeitung", eines der schlimmsten nationalistischen Hetzblätter, macht dazu folgende geistreiche- Bemerkungen: „Die aus Mitteln dieses Kredits beschafften Maschinen, Papiere usw. werden Eigentum der S -tadt, bis die Verbindlichkeiten beglichen sind. Dadurch wird die eigenartige und politisch charakteristische Lage geschaffen, daß die politisch vorn Zentrum beherrschte Stadt Münster Eigentümerin des linksradikalen „Volkswillen" wird. Die Stadt Münster und die sie beherrschende Zentrumspartei dürfen sich danach in Zukunft nicht beschweren, wenn man sie - für die politische Haltung des „Volkswillen" voll verantwortlich macht." Diesen logischen Unsinn kann man aus sich beruhen lassen. Größeres Interesse kann indes der Umstand beanspruchen, daß die „Mecklenburger Warte", ein besonders tüchtiges völkisches Organ, die Entdeckung des münsterischen Blattes aufgreist und unter der Ueberschrift: „Juden und Jesuiten als Verbündete" mit folgendem Kommentar versteht: „Diese Schiebung von Rot und Schwarz beleuchtet blitzartig die Zusammenhänge., welche Fernerstehende meist nicht begreifen wollen. Sie bestätigen nur aufs neue, daß Jesuiten und Juden ih r e n Fr reden mit ei n a nd er ge s chlosf en h a b en, im heimlichen Bündnis miteinander stehen und sich nur bekämpfen, um dem' dummen Michel Sand in die Augen zu streuen. Die schwarze und die goldene Internationale si n d einig und verbündet zum Untergänge Deutschlands. Das und nichts anderes beweist die Unterstützung der Ultramontanen von Münster des linksradikalen „Volkswillen". Der Fall ist in vieler Hinsicht lehrreich, weil er die Beziehungen klar legt, die man sonst ängstlich vor den Augen der Oeffentlichkeit verhüllt." Nachdem nunmehr mit der Mecklenburger Tranlampe in das münsterische Dunkel hineingeleuchtet worden ist, liegen die Dinge ziemlich klar: Die Juden haben — mit Einverständnis der Jesuiten — die Druckerei in die Lust gesprengt und die die Stadt Münster beherrschenden Jesuiten bewilligen — mit Einverständnis der Juden — einen Kredit zur Wiederrichtung der Druckerei. Wir müssen zutzeben, daß das münsterische Geld — trotz Tumubtschädengesetz und ähnlicher jesuitischer Bestimmungen, die die Allgemeinheit zur Schadenersatzleistung völkischer Bübereien verpflichten — schlecht verwendet worden ist. Man hätte es für den Bau einer Kaltwasserheilünstalt in Mecklenburg bestimmen und durch liberal zu erteilende Freiplätze dafür sorgen sollen, daß die beklagenswerten Opfer der Julihitze sich an weniger gefährlichen Orten austoben können als in den spalten völkischer Organe." kleine Chronik. Zur Ehrung der im Kriege Gefallenen enthüllte die Synagogenxemeindc Mosbach (Baden) am Sonnabend-, den 23. Juni, eine Gedenktafel. Von einer Einladung der Oeffentlichkeit wurde Abstand genommen, weil die gegenwärtige ernste Zeit für prunkvolle Festlichkeiten nicht angetan ist. — Der Krieger- und La n d w e h r v e r e i n Berlin-Friedenau hat zum Gedächtnis aller im Weltkriege gefallenen Friedenauer auf dem Maybachplatz in Friedenau ein Denkmal errichtet. Zur feierlichen Einweihung am Sonntag, den 15. d. Mts., wurde auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ein geladen, der dieser Einladung mit großer Freude nachkam. Unter Führung des Kameraden Kirfchner, der als Vertreter der Ortsgruppe Berlin am Denkmal einen Kranz niederlegw marschierten die jüdischen Frontsoldaten, mit Orden und- Ehrenzeichen geschmückt, in langem, geschlossenem Zuge nachdem Sammelplatz und nahmen am Denkmal Aufstellung. Nach der Feier, bei der die Geistlichen der drei Konfessionen sprachen, marschierten sämtliche Vereine nach dem Rathaus, wo im Bürgersaal ein zwangloses Beisammensein stattsand, welches echt kameradschaftlichen Geist atmete. Bunt durcheinander saßen die Vertreter der Kriegervereine, der Innungen und der jüdischen Frontsoldaten. Ein Kompendium der jüdischen Apologetik. Von Pastor Windsuhr (Hamburg). Der Durchschnittsantisemit hat es bequem und leicht. Wenn er zum Kampfe ausrückt, nimmt er sein „Handbuch der Judenfrage" her, welches ihm leichtes und schweres Geschütz allzeit bereit zur Verfügung hält. Er braucht es nur aufzustellen, um je nach Bedarf das eine oder das andere im gegebenen Augenblick abzuseuern. Die Wirkung bleibt in den meisten Fällen nicht aus. Der Gegner wird in Bälde zum Schweigen gebracht. Zwar ist es im großen und ganzen nur eine beschränkte Anzahl von immer wiederkehrenden Punkten, gegen die man sich zu wehren hat. Allein diese wenigen großen Einwände gründen sich auf eine derartige Masse von Einzelheiten, daß schließlich nur noch einer, der ganz in diesen Dingen lebt, die rechte Antwort stets bereithaben kann. Das Abwehrmaterial liegt sehr zerstreut und findet sich noch obendrein manchmal an Stellen, die schwer zugänglich sind und dem Gedächtnis entschwinden. Diesem Uebelstande ist nunmehr zum guten Teile abgeholsen durch das groß angelegte Werk des hochbetagten ehemEgen österreichischen Rabbiners und Parlamentariers Dr. Jos e p h -S. B l o ch mit dem Titel: „I s r a e l und die V ö l t e r nachjüdi s ch er Le h r e" (Bertin-Wlen, ohne Jahr, Verlag Benjamin Harz. LII und 830 Seiten; Grundpreis geb. 20 Mark). Das umfangreiche Buch ist infolge einer Anregung I e l l i n e k s vom Jahre 1893 entstanden, der damals in einem offenen Briese den Verfasser dazu ermunterte, indem er ihn einen Herkules im antisemitischen Augiasstall nannte. Man könnte ihn noch treffender als den Herkules bezeichnen, der der Hydra einen Kopf nach dem andern abschlägt. Er geht wahrhaftig mit schneidiger Waffe und sengender Fackel den Vorwürfen der Gegner zu Leibe. Und wenn das Ungetüm auch noch nicht gleich tot ayi Boden liegt, — es sind immerhin noch einige Köpfe sitzen geblieben —, so darf er doch-hoffen, sein Schwert als ein brauchbares Instrument den Kampfgenossen in die . Hand gegeben zu haben, mit dem sie nicht nur weiterhin wacker fechten, sondern nach dessen Muster sie sich auch weitere Waffen schmieden können. Wie die M i s ch n a durch eine lange Epoche ausschließlich mündlich tradiert und dann erst schriftlich sestgelegt wurde, so geht es ähnlich dem antisemitischen Stofs. Bloch zieht alles dasjenige in den Kreis seiner Betrachtung, was bisher an Einwendungen gegen das Judentum gleichsam kanonisiert wurde in den Schriften von Wagenseil, Eisenmenger, Rohling, Justus (Briman), Euer, Wahrmund, Fritsch und Dinter. Damit dürste auf diesem Gebiete nichts von irgendwelcher Bedeutung unter den Tisch gefallen sein. Das buntscheckige Material ist nach einer mit Humor gewürzten allgemeinen Charakteristik der Antisemiten als Einleitung geschickt in g r o h e G r u P p e n gegliedert. Man findet da all die bekannten Schlagworte wieder: Gibt es jüdische Geheimgeietze?; Talmud und Christentum; Der Schulchan Aruch und seine Geltung; Gesetze über Mein und Dein; Wucher; Vom Eide; Vom Kulturwert des jüdischen Volksstammes; Das Gebot der Nächstenliebe; Nealisrrnus und Mammonismus; Zur Blutlüge u.a. m. Damit kennzeichnet sich das Buch als erster Teil eines umfassenderen Werkes, dem noch ein zweiter folgen müßte mit einer Entgegnung auf alle die Fragen, welche erst in neuerer Zeit brennend geworden sind, wie etwa: Die Naffensrage: Anteil der Juden am Wirtschaftsleben, an der Wissenschaft, an der Presse; Verhalten der Juden im Weltkriege, daheim und im Felde. Wenn auch der Verfasser solche Ergänzung bisher nicht ins Auge gefaßt hat, so wäre ihr baldiges Erscheinen durch ihn selbst oder einen anderen Berufenen dringend zu wünschen. Ein sehr wesentlicher Vorzug des Buches besteht darin, daß der Verfasser, soweit es möglich ist, nicht referierend schreibt, sondern I die Quellen selber sprechen läßt. Er führt den gegne- , rischen Vorwurf meistens im Originaltext vor und widerlegt ihn > dann wiederum mit den eigenen Worten anerkannter Autoritäten. Alleinige Anzeigen-Annalime Rudolf Mosse, Anzeigen-Annalinie für sämtl. 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