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Central-Verein-Zeitung · 1923-07-26 · 30 (26.7.1923) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
30 (26.7.1923)
Date
1923-07-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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246 Neben einer Fülle von Zitaten jüdischer Autoren des Mittelalters und der Neuzeit liefern ihm da einen wesentlichen Beitrag die Ueber- Setzungen, welche die beiden christlichen, als gelehrte Sachverständige bekannten Professoren Nöldecke itnb W ft nsche ihrem im Prozesse BLochgegen Rohling dem Wiener Landesgerichte eingereichten Gutachten beigefügt haben. Bisher war diese wichtige Arbeit den meisten unerreichbar. Und gerade sie leistet um so bessere Dienste, als man über das "Urteil ihrer Verfasser als Nichtjnden mit großem wissenschaftlichen Ansehen nicht ohne weiteres mit dem Achselzucken des Mißtranons hinweggehen kann, wie es so oft den Aeußernngen j ü d t s cfi e r Gelehrter gegenüber geschieht. Daneben finden sich zahlreiche historische Berichte und nicht zum wenigsten a.uch kulturgeschichtliche Wilder aus Heidentum und Christentum, durch deren Herbeiziehung vieles an den Vorwürfen uberhanpt erst verständlich wird. Manchen polemischen Seitenhieb auf den Gegner hätte man dabei im Interesse der Sache lieber unterdrückt gesehen, obwohl sich der Unmut, der ihn veranlaßte, nur zu gut begreifen läßt. Auch das wenige wirklich Anfechtbare hat der Verfasser keineswegs unterschlagen, vielmehr ehrlich sich bemüht, die psychologischen W u r 3 e l n ft n f gu 3 e i g e n, ans denen es emporwuchs. Man kann nicht leugnen, daß manches Stück der angezogenen rabbimschen Literatur, Keine der Bigotterien, die das menschliche Ge- | müt zur Grausamkeit verleiten, ist so stupide wie der Antisemitismus. Er beruht weder auf Vernunft noch wurzelt er im Glauben. Er strebt angeblich nach einem Ideal — kurz gesagt: er ist so eins von den dumpfigett, südlichen Unkräutern, die auf dem Morast des Rassenhasses wachsen. Der bekannte englische Staatsmann Lloyd George über den Antisemitismus. (»Deutsche Allgemeine Zeitung" vom 15. Juli 1923h Zumal wenn ihm in einzelnen seltenen Fällen, wie der Verunreinigung im Zelt, Seite 209, der Kommentar fehlt, für den mit den Dingen nicht vertrauten Leser eine schwierige Lektüre b l e i d t. Etwas guter Wille gehört schon dazu, um mitdenkend zu begreifen. Aber es gibt keinen anderen Weg der einwandfreien Auseinandersetzung. Jede erleichternde Umschreibung würden die Gegner als Abschwächungsversuch anszulegen bereit fern. Der gute Wille freilich ist die Klippe, an der alle -noch so verstaudesklar vorliegenden Abwehrgedanken hoffnungslos abprallen. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, sowie Sach-, Orts-, Namen- und S teilen re gifter gewähren dem Benutzer des Buches die Möglichkeit, auf jede Frage schnell die Antwort zu finden. Bei aller aufrichtigen Anerkennung der geleisteten Arbeit darf nun aber doch nicht versMüegen werden, daß ihr auch einige Mängel anhasten, die zum Teil um so bedauerlicher sind, als sie sich noch während -des Druckes mit einiger Sorgfalt hätten vermeiden lassen. Dahin gehören in erster Linie die vielen Druckfehler. Ihre Berichtigung erfordert ganze 32 Druckseiten! Und dabei sind noch durchaus nicht einmal alle ersaßt. So muß es z. B. Seite 216 Helen Keller statt Helene heißen, und auf Seite 279 ist gratiani zweimal mit großem Anfangsbuchstaben zu schreiben. Durch akkurateres Korrekturlesen hätte jenes fatale Gefühl der Unsicherheit dem Leser erspart bleiben können, das 11)11 jetzt manchmal unnötigerweise in den Berichtigungen nachsuchen läßt. Auch an sonstigen Schönheitsfehlern mangelt es nicht. Wenn einmal für Zitate und eigene Worte des Verfassers besondere Typen gewählt wunden, so mußte diese Sonderung auch sauber durchgeführt werden. Das ftare Bild wird beeinträchtigt, sobald, wie etwa auf Seite 282 bei den Worten „So schamlos usw/h falsche Typen zur Anwendung kommen. Ferner scheint in den Uebersetzungen, soweit sie nicht von Nöldecke und Wünsche herrühren, manchmal das hebräische Original noch gar zu sehr auf Kosten der deutschen Sprache durch. So Paßt auf Seite 161 der Vordersatz „Wer einen'Boten sendet" nicht zu dem Nachsatz; es hätte heißen müssen „Wenn jemand einen Boten sendet". Ein Zweiter Mangel des Buches steht mit dem ersten in einigem Zusammenhang: der hohe Preis. Die 32 Seiten Drucksehlerberichtigung bedeuten bei der heutigen Buchhändler-Schlüsselzahl Tausende von Mark unnötiger Belastung des Käufers. Und das will etwas heißen bei einem Buche, welches nicht die Bibliotheken zu zieren bestimmt ist, sondern eine enorm praktische A b z w e ck u n g hat und in gerade fovtelen Häusern zu finden sein sollte, wie die gegnerischen Schriften auch. Bei einer Neuauflage dürste daher zu erwägen sein, ob sich der Umfang nicht auch sonst noch verringern läßt durch Kürzung mancher Breiten, etwa in der Weise, daß mir die .wesentlichsten Stellen im Wortlaut wiedergegeben werden, während für die gleichartigen oder weniger wichtigen eine genaue Quellenangabe mit kurzem Hinweis auf das, worauf es ankommt, genügt. Auf Einzelheiten einzugchen, die im Zusammenhang des Ganzen schließlich nur Nebensächlichkeiten sind, hat keinen Wert. Immerhin mag bemerkt werden, daß Origenes, der aus Seite 6 mit dem Prädikat des Heiligen verschen ist, der Kirche als Ketzer gilt. Maimoni-des Seite 61 war in Kairo nicht Leibarzt des Sultans Saladin, sondern der feine§ Wezirs al-Fadil. Die Behauptung Seite 39, daß die Offenbarung des Johannes eine wahrscheinlich echte Schrift des Lieblingsjüngers Jesu sei, dürste bei den allermeisten Theologen auf Widerspruch stoßen-. Auch geht es doch wohl kaum an, das Dankgebet „daß du mich nicht ein Weib hast werden lasten" Seite 360 k. geradeswegs auf Sokrates und Plato zurückzufülhren. BeU den Ausführungen über Todesurteile und Hinrichtungen Veite 215 ff. ist ganz außer Acht gelassen die selbst von jer. Sanhedrin I I und VII2 zugestandene Einschränkung der Kompetenz jüdischer Gerichte durch, die Römer. Es bleibt aber ein wesentlicher Unterschied, ob man rein theoretische Bestimmungen in dieser Richtung trifft, unter dem Eindruck einer Zweifellos oft ungerecht verfahrenden feindlichen Macht, oder ob man wirklich Gesetze schafft. Daß auch die Register einer sorgfältigen- Durchsicht bedürfen, zeigt das Fehlen des Namens WcchrmWd im Namenregister. Doch genug davon! ' Wer Bl 0 chs inhaltsreiches Buch zur Hand nimmt, wird sich a l s Freund d a r a n e r f r e u e n und zum Kampfe gestärkt fühlen. Die Feinde werden es nicht ohne Beschämung lesen können. Möge es. bald eine neue Vervesterte Auslage erleben! 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