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Central-Verein-Zeitung · 1923-07-26 · 30 (26.7.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
30 (26.7.1923)
Date
1923-07-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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243 Mfte- Zerlchenftlö, Zürth, gestorben. Der langjährige Vorsitzende unserer Ortsgruppe Fürth, Professor Dr. Feil chen s e ld, ist uns durch plötzlichen Tod entrissen lvorden. Gleich seinem verewigten Vater, unserem unvergeßlichen Freund, dem Oberrabbiner Wolfs. Feilchenseld in Posen, hat er in unermüdlicher Treue unseren Bestrebungen gedient iumb sich um die Entwicklung unserer Ortsgruppe Fürth große Verdienste erworben. Sein Andenken wird uns zu nie rastender Tätigkeit anspornen! wesentlichen aber die schweren methodischen Fehler des Verfassers, seine grundlegenden Jrrtümcr einer wissenschaftlichen Beleuchtung unterzogen werden. Daß der Verfasser, wie er selbst schreibt, wenig ton eigenen Untersuchungen ausgeht, darf man ihm sicher nicht zum Borwurf machen. Aber eine Zusammenstellung aus vielen einzelnen Forschungsergebnissen hat die erste Ausgabe, das vorhandene Material kritisch zu sichten und zu wägen: widersprechende Ergebnisse verschiedener Forscher sind klar zur Darstellung zu bringen; dann erjt darf dazu Stellung genommen werden. Nicht eine einzige dieser g r u n d l e g e nd e n R e ae ln hat G ü n t h e r beachtet. Schon oben wurde erwähnt, wie wahllos er zitiert; er hat offenbar sehr viel gelesen: aber wenn er hie Urteilsfähigkeit als „Kernmerkmal nordischen Wesens" hinstcllt, ch scheint er nur wenig nordisches Blut zu besitzen. Da werden nebeneinander ein Anthropologe wie Eugen Fischer zitiert, der nur mehr historisch und ästhetisch interessierende Gobinean, ein öder Völkischer Schwätzer, Herr Hauser: und von allen dreien werden die Aussagen als gleich stichhaltig betrachtet, allen wird die gleiche Glaubwürdigkeit zugcbilligt. Im Abschnitt über die Juden werden gar die ältesten Talmudfälschungen gebracht, deren Widerlegung allmählich langweilig wird, deren Quellen allerdings schamhaft verschwiegen sind. Denn nach der Art, wie Günther die Traktate ansührt, ist zu vermuten, daß er sie nicht im Urtext nachprüfen, konnte. Mag dies -eine gewisse Entschuldigung fein, so liest man dagegen mit Staunen eine neue Auffassung des K a m p s e s zwischen Goliath und David, nach der der gutgläubige no rdis che Recke Goliath in gewohnter Wei£e zum Zweikampf zwischen den feindlichen Reihen aufgefordert habe, und d a b e i ,,t risst i h n tödlich d e r aus der Entfernung geschleuderte Stein". Alan. ist überrascht, glaubt sich nicht recht zu erinnern und sieht in der Bibel nach? Da steht genau das Gegenteil. Selbst der angeblich für die Nordrasie „bezeichnende Wortwechsel der Helden" findet so statt, wie nur je in den homerischen Kämpfen. — E i n Beispiel für viele. — Aus Widersprüche innerhalb seiner eigenen Ausführungen kommt es Günther nicht au: „Die Ostrasse hat keine überragenden Menschen hervorgebracht" (S. 188). Aber Rembrandt und Beethoven sind in ihrer Geschichtsbildung sehr stark oder fast ganz ostifch (S. 167). Kann man sich zwei größere Vertreter deutschen und germanischen G e i st e s in Musik und Malerei v o rstellen? Sollte nicht allein diese eigene Feststellung Günther darüber aufklären, wie widerspruchsvoll, wie öde schematisierend, wie unhaltbar seine Behauptungen über die Minderwertigkeit des alpinen (ostischen) Menschen sind, dieser Rasse, die einen großen Teil der süddeutschen Bevölkerung, in Baden und der Schweiz sogar den überwiegenden Rassensaktor darstellt (S. 171/172). Ist tatsächlich in diesen beiden Ländern die Vaterlandsliebe, das Gefühl für Ehre und Freiheit geringer ausgebildet? Und das behauptet doch Günther vom alpinen Menschen (S. 236). Kants extreme Kurzköpfigkeit will -er als krankhafte Bildung erklären; aber wie steht es mit den Kurzköpfen Luther und . Bismarck? Nachdem mit solcher Folgerichtigkeit „bewiesen" ist, daß dem ostischen Menschen die Schöpsergabe fehle, ist es nicht zu verwundern, daß sie auch dem Juden abgeht. Als Rassefremder vermag dieser nicht, „die seelischen Tiefen der nichtjüdischen Völker zu erkennen". ,,Es ist ihm verwehrt. Großes, Dauerndes, Echtes zu schassen aus dem Geist eines fremden Volkes".. Das wird in interessanter Weise bewiesen an dem "Beispiel des „Juden" — d'Annunzio (S. 417)! O, si taeuisses, Herr Dr. Günther! Eine weitere Besonderheit des Verfassers, die sich durch das ganze Buch zieht, ist seine Methode, eine Unzahl von Behauptungen zu bringen, die er zunächst selbst als zweifelhaft kennzeichnet; kurz darauf aber baut er ans eben diesen Behauptungen weiter auf, a!ls feigen sie fest,, erwiesen. So steht letzten Endes der größte Teil seiner weitgehenden Folgerungen aus dem lockeren Fundament unzähliger „wahrscheinlich, scheinbar, vielleicht". Man erinnere sich, daß gerade diese Methode es ist, die dem Dilettanten Chamberlain imrner wieder zum schärfsten: Vorwurf gemacht werden muß. Daß der körperliche Habitus der Nordrasse wertbdtont dargestellt ist und daß dies naturwissenschaftlich durchaus unzulässig ist, wurde schon oben erwähnt. Aber die Darlegungen Günthers gehen ja weit über das Gebiet der Naturwissenschaften hinaus. Untersuchungen über Rasseverhältnisse, wmn sie Tiinmer auf den seelischen Habitus übergreifen, sind ^10109,1 jidje Forschungen; und für die Soziologie ist das Streben nach unbedingter Wertsreiheit die erste und grundlegende; methydologifche Forderung. Das ist namentlich von Max Weber während seines ganzen Lebens aufs entschiedenste vertreten worden und ist heute von den Soziologen fast restlos anerkannt und in ihren Forschungen durchgeführt. Günther scheint von d-iefem Grundgesetz nichts zu wissen. Er macht gar nicht den Versuch! eines objektiven Urteils, sondern seine. Wissenschaft ist aus „nordischer Bedingtheit" heraus' gesehen. Denn nach ihm hat jede Raffe ihre eigene Auffassung! selbst d!er gleichen wissenschaftlichen Wahrheit, die sich im deutschen Geist „ganz anders eingebettet" finde als etwa iw jüdischen Geiste (S. 419). Man kann daher ruhig sagen, seine ganzen Untersuchungen über die Nord- und Ostrasse sind schon deshalb wertlos, weil er von vornherein jene lichr mvb diese schwarz malt, weil er offensichtlich überhaupt rächt bemüht ist, eine rein sachliche Darstellung zu geben. (Schluß folgt.) Die Münchener Ingen-- un- Stuöentengruppe nationalöeutjcher Iuöerr. In den „M ü n che net N e u e ft c n N a ch r t ch t c n" und in der „Münchener Zeitung" vorn 9. Juli finden wir folgende von der antisemitische Presse bereits aufgegrifsene und mit Kommentaren versehene Erklärung. Das deutsche Volk, durch eigene Schuld entwaffnet, von seinen. Erbfeinden bis aufs äußerste gemartert, ringt gm seinen Bestand. Seine Helden iund bewährten Führer im Felde, deren Vaterlandsliebe und Tatkraft die ganze Welt bewundert, werden ihm von traditions- und getoissenlosen Mitbürgern entfremdet. Wie jeder -treue Deutsche, verurteilen auch wir die Beschmutzung und Verkleinerung alles wirklich Großen, das in unserer Zeit und in unserer 'Heiinat erstand. Wir erheben Einspruch gegen die unbegründeten! und trotzdem wiederholten Angriffe Dr. Wieners, des Syndikus des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, gegen General Ludendorsf. Nachdem deutsches Recht, wie zu erwarten war, zugunsten des Feldherrn gesprochen unb der Syndikus gegen das Urteil Berufung eingelegt hat, halten wir es für unsere Pflicht, von dem Treiben Dr. 'Wieners und seiner an Zahl leider nicht unbedeutenden Hintermänner entschieden abzurücken und ihr Verhalten öffentlich zu brandmarken. , Die Münchener Jugend- und Studentengruppe ' natwnaldeutscher Juden. cand. med. Hans Aufrecht, 1. Vorsitzender. Diese Erklärung bedarf eigentlich keines Kommentars; wir werden indessen aus diese Angelegenheit noch zurückkommen müssen. stöel, Handel und Volksgemeinschaft. Das Blatt des Herrn Stegerwald, „Der Deutsche", bringt in seiner Nummer vom 12. Juli 1923 einen Aussatz „Adel. Handel und V 0 l k s g e m eins ch a s t", in dem gegen einen Notschrei im „Deutschen Adelsblatt" Stellung genommen wird: Die jüdische m a t e r i a l i st i s ch e W e l t a n s ch a u 11 n g mache e s dem Adel fast unmöglich, in manchen Bernsen, wie dem des Handels, etwas zu l ei st e n. Darauf antwortet der Artikelschreiber des „D e u t s che n": . . . Dann aber ist es doch einfach ein Vorurteil, und zwar ein reichlich blödes, daß es Berufe gäbe, die „von der jüdischmammonistischen Weltanschauung durchsetzt" seien. Warum denn immer dieses träge Selbstbelügen. Ein jeder Berus ist das, was sein Träger ans i h in m a ch t. Es gibt auch Gutsbesitzer, adelige sogar, die so „hellhörig" sind, daß sie bessere Mehrer des Mammons darstellen,' als ihre Hosjuden. Der Mensch macht den .Berus, bringt ihn herunter oder adelt ihn und nicht umgekehrt. Da hat kein Stand, kein Berus vor demandern etwas voraus. Im „Deutschen Adelsblatt" kommt hier eine Gesinnung zum Ausdruck, die nur verderblich genannt werden kann: die unb die 'Berufe sind mammonistisch verdorben, also. lasse ich meine Finger davon. Ist das nicht eine erbärmliche Passivität? Nun, wenn diese Berufe verdorben sind, dann hast du, auch dir vom deutschen Adel, die Pflicht und die Schuldigkeit, dich dafür einzusetzen, daß das anders wird. Und wenn du, auch du vom deutschen Adel, über den Juden und den jüdischen Geist stöhnst, was hindert dichchdaran, tüchtiger zu werden als die Juden? Das ist d e r e i n z i g e Antisemitismus, der Erfolg verspricht unb unser würdig i st. Die Negation ist ewig unfruchtbar und führt nur dazu, daß schließlich darüber mit Reckt hinweggegangen wird. Solange die Anhänger des I berechtigten Alten diesem nicht durch tüchtige Mitarbeit an dem, was ist, den Platz frei machen, so lange sind sie gar schlechte Anwälte ihrer Sache. Wir sind überzeugt, daß vom „würdigen" Antisemitismus bis zu fernem völligen Versiegen nur ein kleiner Schritt ist. Unter diesem Gesichtspunkt können wir die Kritik des „Deutschen" nur unterstreichen.

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