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Central-Verein-Zeitung · 1923-07-19 · 29 (19.7.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
29 (19.7.1923)
Date
1923-07-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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235 Maßlos lieben! Maßlos hassen! Deutschnationale Jugend erziehe r. Auf' dem LandesjugendLag der Jugendgruppe der Deutfchnaitionalen Volkspartei in Hamburg, der nach dem eingehenden Berichte der „Hamburger Nachrichten" mit einer „zündenden Ansprache" des „von Jubel, empfangenen" Alfred Roth endigte, wandte sich auch A. O. Sievek i n g (Hamburg) an die Jugend. Was er über Revolution und Staats form ausfuhrbe, hat uns hier nicht zu kümmern. Aber einiges aus seiner Rede verdient scharf gebrandmarkt zu werden. Er sagte: „Schon seit der Nibelungenzeit war es deutsche Art, maßlos zu lieben und maßlos zu Hassent Etwas vom Geist der Urzeit lebt noch in deutscher Jugend. Sie umfaßt mit begeisterter Liebe die großen Gestalten deutscher Vergangenheit und bedenkt mit unauslöschlichem Haß die kleinen Gestalten deutscher Gegenwart. Aber Liebe und Haß lassen sie glauben an Deutschlands Zukunft." Solche unerhörten Worte fallen fast zur gleichen Stunde, in der Reichskanzler C,u n o bewegten Herzens alle Stände, Berufe, Bekenntnisse zur Einmütigkeit aufrust. Das sind die Mahnungen in dunkken Tagen des Vaterlandes an eine Jugend, die heute mehr denn je starke Mäßigung und kräftige Zügelung nötig hat. Von diesem „unausl-öschlichsten Haß" beseelt, dessen Notwendigkeit ihnen nun von Führern ihrer Bewegung bescheinigt wird, griffen deutschnationale Jünglinge zur Mordwaffe gegen Walther R a >t h e n a u. Die Deiutschnationalen Pflegen mit starker Betonung den „christliche n" Staat zu fordern. Ihre zahlreichen Angänger im Priestertalar predigen sonntäglich die „Religion der Lieb e". Merken jene Kreise nicht, welche ungeheuerliche Verhöhnung von Liebe, Religion und wahrem Christentum solche Predigt „des unauslöschlichen Haffes" bedeutet und wie ste zu neuen Gewalttaten geradezu anfeuert? Ein Dokument unserer Zeit. Der Reichsfeldmeister des Psadfinderbundes an einen Dresdner Freund des C. V. Der Vorfall entbehrt des Reizes der Neuheit: Wieder einmal ist einem Bunde die Erkenntnis gekommen, daß seine jüdischen Mitglieder „wesensfremde" Elemente seien. Ein Beschluß, der dies „seststellt", wird gefaßt, und ob nun die bisherigen Freunde kurzerhand vor die Tür gesetzt werden oder ob man es ihrem Takt überläßt auszuscheiden, ist eine Frage von minderer Wichtigkeit. Die Leitung des Deutschen Psadfinderbundes hat in jahrelanger, zielbewußter Tätigkeit die ihr vertrauenden jungen Menschen zu der Ueberzeugung gebracht, daß die Juden unter die wesensfremden Elemente zu rechnen seien, die aus seinen Reihen ausgeschlossen werden muffen. Man ist sehr zuvorkommend bei der Behandlung dieser Frage gewesen, hat sogar zwei jüdischen Pfadfindern in Dresden Gelegenheit gegeben, der Aussprache, die dem Beschluß voranging, beizuwohnen, um zu zeigen, wie leidenschaftslos, wie vornehm man denke. Auch der Ausschluß der bisher dem Bunde zugehörigen Mitglieder wird nicht direkt ausgesprochen. Man stellt ihnen anheim . . . Einer von den beiden Pfadfindern, die der Sitzung beiwohnten, geht zu einem älteren Freunde und trägt ihm die Angelegenheit vor. Er kann nicht begreifen, daß man ihn, der für den Gedanken des Bundes gewirkt hat wie kein Zweiter in seiner Vaterstadt, zwingt, die Freunde zu verlassen, mit denen ihn gemeinsames Erleben Jahre hindurch verband. Er will wenigstens Klarheit haben, warum es so sein soll. Und der Freund, ein treuer und bewährter Freund auch unserer Sache, schreibt an dieLeitung der F ü h r e r w o ch e des Pfadsinderbundes, die eben den „Judenparagraphen" beschlossen hat, einen klaren, männlichen Brief, in dem er die Unsinnigkeit dieses Beschlusses gerade an dem Einzelfalle, wie er sich bei seinem jungen Freunde darstelle, hinweift. Nach mehreren Wochen erhielt unser Freund von dem Reichsf e l d m e i st e r des Deutschen Psadfinderbundes ein ausführliches Schreiben. Und nur dieses Schreibens weaen gehen wir auf diesen heute leider alltäglichen Borsall ein. Denn es ist ein erschütterndes Dokument für den Verfall deutscher Geisteskultur, es wirst in das Halbdunkel völkischer Wühlarbeit ein jähes Licht. Der Herr ReichsseLdmeister erkennt zunächst „die hervorragende Pflichterfüllung dieses jungen Menschen" an", aber: in der Vorkriegszeit haben die Juden im Psadsinderbunde eine typisch jüdische Rolle gespielt: „Hang zu Äußerlichkeiten, ungesunder persönlicher Ehrgeiz . . . ProtzenLum und Frühreife." Als nach Friedensschluß die Psadsinderei sich umstellte, erwies sich „die Ungeeignetheit des Inden überhaupt für eine Gemeinschaft, die sich aus Selbstlosigkeit und persönliche Werte ausbauen muß." Für den Herrn Reichsseldmeister steht es fest, daß ein „Jude zwar dem Paragraphen nach, aber nie dem Wesen nach Deutscher sein kann". Der Herr Reichsfeldmeister und seine Freunde haben „in Friedens-, Kriegs- und Nachkriegszeit ein klares Bild über den zersetzenden Einfluß der jüdischen Elemente innerhalb und außerhalb unserer Reichsgrenzen gewonnen". Und was führt der Herr Rerchsseldmeister zur Stützung dieser Behauptung an? Den verleumderischen Bericht der „Deutschen Zeitung^ über eine Versammlung, die vom Central-Berem gemeinsam mit der deutsch-jüdischen Jugendgemeinschaft veranskaltet wurde, wofür der verantwortliche Redakteur der „Deutschen Zeitung" sich vor dem Strafrichter wird verantworten müssen. Die großen politischen Parteien hatten mit dem „Juden- Paragraphen" den Anfang gemacht. Ihre Anhänger sorgen dafür, daß' die Heranwachsende Jugend aller Schichten im Sinne dieses Parteiprogramms erzogen wird. Darum werden um diese jungen Menschen chinesische Mauern errichtet, darum werden ihnen Scheuklappen angelegt, damit sie nichts anderes sehen als das ihren Führern und deren Hintermännern genehme. Man erzieht ste zu Eigendünkel und Gedankenträgheit, wenn man ihnen einprägt, daß die Tatsache, einen Langschädel zu besitzen, hinreicht, um alle anderen Leistungen aus geistigem oder sittlichem Gebiete wettzumachen. Ihr jungen jüdischen Freunde im Lande! Eine Ehre soll euch das sein, was man euch als Schimpf nachsagt. Seid stolz, von Menschen solcher Art wesensfremd genannt zu werden. Ihr seid die Werdem den, ihr könnt noch strebend bemühen und darum winkt euch nach dem Goethe-Wort die Erlösung. Hg. Kauft keine Mtisemitenblätter! Beachtenswerter Brief an die „C. V. -Z eitung". Jedermann weiß, daß Zur erfolgreichen Durchführung des Abwehr-- kamvfes eine ständige U e b e r wachung der gegueris chen Presse unerläßlich ist. Es werden daher von seiten der Berliner Hauptstelle und der Landesverbände alle dieieuigen Zeitungen ständig gelesen, die rein antisemitischen Schlages sind. Mithin ist es nicht erforderlich, und sogar recht überflüssig, daß noch irgendwelche anderen Personen sich der Mübe unterziehen, derartige Blätter auf ihren angreisenden Inhalt bin Zu untersuchen. Dennoch geschieht dies in viel größerem Urusange, als man ahnen möchte. So erhielt ich z. V. aus Ostfriesland (!) eine Nummer der „Wahrheit", in welcher der Aufsatz vom Kamps der jüdischen Jugend gegen die nationale Jugend rot angestrichen tvar. Anscheinend glaubte der freundliche Einsender, daß an zuständiger Stelle diese Verleumdung übersehen worden wäre. Unseren Mitgliedern soll deshalb zugerufen werden: Kauft keine Antisemitenblätter! Haben doch schon Berliner Bahnhossz-eitungshündler geäußert, daß das ^Deutsche Wochenblatt" oft mehr von Juden als von Christen verlangt wird. Ganz anders verhält es sich natürlich mit der Ueberwa-chung aller übrigen Zeitungen, insbesondere der Provinzpresse. Da ist es selbstverständlich, daß die Hauptstelle oder die Landesverbünde alle in Frage kommenden Blätter nicht ständig halten können. Um so mehr ist es Pflicht unserer Mitglieder, vor allen derer in der Provinz, alle für uns wichtigen Veröffentlichungen, mögen sie in einem noch so. unbedeutenden Dorsblatt stehen, an die zuständige Stelle zu senden. In der Regel ist zur Bearbeitung diesev Angelegenheiten der Laudesvevbandsshndiku-s Zuständig. Sollte der Fall von allgemeiner Bedeutung sein, so wird er von ihm aus nach Berlin weitergegeben-. Gerade in unbekannteren- Zeitungen finden sich heute, und das ist eine neue Taktik unserer Gegner, irgendwelche erlogenen Geschichten, die dann von dort aus die Runde durch ganz Deutschland machen. Hier gilt es, daS llcbd gleich an der Wurzel zu packen, um die dunkle Quelle cmszudecken, aus der solche Lügen fließen. In diesem Zusammenhänge darf vielleicht betont werden, daß stets da, wo Juden namentlich angegriffen werden und die Anprangerung zu Unrecht erfolgt, die falsche Scham vor Stellung des zur Verfolgung notwendigen Strafantrages endlich einmal aufhört. Die davon Betroffenen sind cs der Allgemeinheit schuldig, selbst wenn es für sie persönlich unerquicklich fein sollte, hier von dem ihnen zustehenden Recht Gebrauch zu machen. Bon gang besonderer Bedeutung ist aber die Unterstützung seitens derjenigen Mitglieder, welche Leser wissenschastlicher Zeitschriften find. Gerade in diesen finden sich deV öfteren Aufsätze, die mit größtem Erfolg für unsere Sache verwertet werden können. Deshalb ergebt an alle VeZieher fachwissenschaftlicher, schöngeistiger oder allgemeinbildender Zeitschriften der Ruf erhöhter Aufmerksamkeit und Mitarbeit. Dr. I u l i u s C h a r i g (Hannover). Millionen für öen Kopf Hitlers/ Das Ende einer Verleumdung. Mit der Erzählung, daß von jüdischer Seite auf die Ermordung Hitlers eine Belohnung von Millionen ausgesetzt worden sei, peitschten im April die Nationalisten ihre Anhänger auf. Es stellte sich bald heraus, daß die Attentatsgeschichte die Erfindung eines NaLionalsoZialisten Richard Weber war, eines üblen Burschen, der damit einen Racheakt gegen einen jüdischen Händler verüben wollte, der ihn wegen Unregelmäßigkeiten entlassen hatte. Weber wurde verhaftet, da er offen Mordabsichten gegen nationalsozialistische [ Führer geäußert hatte. Kürzlich ist er, laut „Frankfurter Zeitung" von dem Schöffengericht auch noch wegen Diebstahls von Türklinken und Schwindeleien zu 5 Monaten 1 Woche Gefängnis verurteilt worden«.

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