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Central-Verein-Zeitung · 1923-07-12 · 28 (12.7.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
28 (12.7.1923)
Date
1923-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Personifikation aller Laster des modernen Deutschland". Daß dieses Deutschland doch auch noch eine andere liebenswerte und anerkennenswertere Seite hat, sollte ein so kenntnisreicher Mann wie Dubnow 1914 noch gewußt haben; als Geschichtsforscher sollte ihm 1 9 23 doch schon die Erkenntnis aufgedämmert sein, daß der übelbernsene Militarismus, Nationalismus und Antisemitismus wahrhaftig kein deutsches Reservat ist. Als russischem Juden endlich dürste -ihm -auch nicht unbekannt sein, daß -in die so in Lande Zehntausende seiner -gequälten Landsleute Gastfreundsch>aft gesucht und gesunden haben, und daß nicht zuletzt an den deutschen Bildungsstätten Hunderte seiner östlichen Skammesgenossen sich erst die Eignung erworben haben, Bücher zu schreiben. Neben deur selbstverständlichen Recht der Kritik, das inan deur Geschichtsschreiber zubilligen muß, hat er die Pflicht des Taktes und auch der Dankbarkeit zu respektieren. Auch das gehört zur Objektivität, aus die gerade Tubnow so stolz Ist. Wir wo llen ihm zu m Sch 1 u s se d e s - halb ganz offen sagen, daß jede Beleidigung, die dem deutschen Volke zugefügt wird, uns mittrifft, und daß wir nicht gesonnen .sind, die Fensterscheiben z u bezahlen, die ein A u ß e n st e h e u d e r ein - wirft — selbst wenn er Dubnow heißt. H. Stern (Berlin). Uns alle geht es an! Der "olgende Brief aus München verdient nach dem rohen Ueberfall nuf Kommerzienrat Frankel besondere Beachtung. S ch r i f 11 c i t u n g. 9lts die verdienten Gründer unseres Vereins fein Ziel in die Worte zusammenfaßten: „Selbstverteidigung im Licht der Oeffentlichkeit" haben sie wohl hauptsächlich an die Verteidigung der jüdischen Gemeinschaft gegen Angriffe gedacht, die sich gegen die Eesamthert richten; und bei deur Wort Verteidigung schwebte ihnen wohl auch nur die Verteidigung in Wort und Schrift vor, während in jenen Jahrzehnte zurückliegenden Zeitennur selten die Notwendigkeit sich ergab, g e g e n gewalttätige A n griffe v o n A n t i s e m i t e n s i ch rn i t k ö r p e r t i ch e r A b tu -e h r z tt verte i d i g e n. Allein die Zeiten haben sich gewandelt, und heute kann es dem Friedliebendsten unter uns begegnen, daß er, von irgendeinem Rohling, der die Lehren der antisemitischen Hetzblätter in die Tat umZusetzen beliebt, durch Hohn und Schimpf gereizt, in einen Kamps verwickelt wird, der nicht mehr mit geistigen Waffen allein auszutragen ist. . Es ist nicht jedermanns' Sache, sich solchen Kämpfen mit einer gewissen Freudigkeit auszusetzen, Alter, körperliche mib seelische Verfassung werden manchen veranlassen, solchen Konflikten nach Möglichkeit aus dem Weg 31t gehen, vielleicht auch einmal eine absichtliche Herausforderung zu überhören oder 31t übersehen, ohne daß man ihm deshalb schon den Vorwurf mangelnden Akutes machen dürfte. Zuletzt w i r.d i m m er d a s e i g e n e T a k t g e f ü h l d a rüber e n t s ch e i d e n in ü s s e n, v b e s, j e n a ch O r t tutb Gelege n h e i t, die Würde eines Juden erfordert, e t n e \i £ it m m e l tu e g e n einer aut i f c m itis ch e n A' e <m ßer u 11 g z it r e ch t z u w e i s e n , 0 d e r 0 b m a n sie i nt B e tu it ß tsei iv eige tr e it W e r t e s a u ch e i n tu a l v 0 r tt e h m i g no rier e n> d a r f. Wer sich aber der dornenvollen Aufgabe unterzieht, auch als einzelner gegen antisemitische Anpöbelungen mutig auszutreten, -verdient sicher unser aller .Dank, Anerkennung und Unterstützung, selbst wenner iit der Hitze des Gefechts die Grenzen der gebotenen Abwehr einmal mit Haaresbreite überschreiten sollte. S e l b st v e r st ä n d l i ch e Pfli ch i\ sollte es für jeden unserer Glaubensgenossen sein, deur Juden-, der durch Einschreiten gegen antisemitische Uebergrifse in Gefahr kommt, z n x Seite zu stehen. Es sollte nicht Vorkommen, wie es leider nach uns zugegangenen Berichten geschehen ist, daß einer unserer Freunde, seinem leidenden Zustand zum Trotz, atlf der Promenade eines Badeortes einen' berufsmäßigen antisemitischen Hetzer zur Rede stellt und als daraus dessen durch das Bewußtsein ihrer Ueberzahl erntutigte Freunde ihn umringen, mit -aufehen muß, wie die in der Nähe befindlichen Glaübensgenossen tun, als ob sie die Sache nichts an ginge und ihn schmählich im Stich lassen. Ja, einige besonders Vorsichtige sollen sogar am nächsten Tage noch im großen Bogen um den unbequemen Freund herumgegang'en fein, obwohl sie bis dahin mit ihm gern und freundschaftlich verkehrt haben. Unsere Feinde pflegen oft das gute und altjüdische Wort „Ganz Israel bürgt füreinander" uns vorzuwerfen und gegen uns nuszuspielen, als ob es ein« Eintreten der jüdischen Gesamtheit für schlechte und unwürdige Glieder der Gemeinschaft fordere. Wir alle w t f f e n, daß die s e Deut u n g f a l sch i st u nd daß jede schlechte Tat eines» I u d e n von in: u 8 ebenso, ja noch mehr v e r u r t e i l t w i r d als die eines Andersgläubigen, gerade weil ganz Israel dafür verantwortlich gemacht wird. In seinem guten und berechtigten Sinn muß der Satz aber hochgehalten werden, gerade heute in den Tagen der Verfolgung: wer opferwillig, ei^ für jüdische Ehre gegen böswillige Beschimpfung, muß der tatkräftigen Unterstützung aller Juden sicher sein. l ii n ch e n , im Juni 1923. Die zehn reichsten Männer öer Welt. Eine judenfreie Liste. Nach einer Aufstellung der „New Port Times", die in der Stettiner „Ostseezeitung"' vom 17. Junr wiedergegeben ist, sind die zehn reichsten Männer der Welt: Henry F 0 r d, Autoutobilb alter, 5 5 0 M i l l i 0 n e n T 0 l - l a r, John D. R 0 ck e s e l l e r 500, der Herzog v 0 n W e st - nt i n sie r 150, Sir Basil Zahnrow, Hugo Stinnes, Percy Rockefeller, Baron H. Misui, Baron K. Jwasaki, "I. B. Duke und George F. Baker se 100 Aiitliotten, der Gaekwar v. Bnrodi 125 und T. B .Walker „100 bis 300 Millionen". Unter den zehn Genannten befinden sich zwar keine Juden, wohl aber an erster Stelle ein bekannter Judengegner. Gibt es einen schlagenderen Betoeis, daß der Judenhaß von der L ü g e lebt, als diese kurze eindrucksvolle Statistik. Da sie einem Blatt entnommen ist, in dem der völkische Abgeordnete Herr Mittel mattu leitartikelt, ist die Uebertragung von Namen und Zahlen aus der „Netv Dort Times" getoiß unverdächtig. Einunö Auswanderung -er jüöischen /luslänöer. E i n e S t aii ft ii d e s A. F. A. a n s d em I ah r e l 9 2 2. , 9tach Mitteilu.ugon, die wir aus den Kreisen des Arbeiterfürsorgeamts der jüdischen Organisationen Deutschlands erhalten, gestaltet sich das Verhält ms der Einurrd dAustoanderturg der vorn A. F. A. erfaßten jüdischen Ausländer im Jahre 1922 folgendermaßen: In den Fürsorgestellen sind insgesatnt . . * K < « * 2 665 neu S'.'getvanderte Personen gemelbet. Abbefördert töurden durch das Fürsorgeamt insgesamt . . 11 247 Die Abwanderung übersteigt hiernach die Zuwanderung NM. 8 582 Aus den Bergbaugebieten sind in der Zeit vom September 1922 bis Februar 1923 durch die FÜrforgestellelt des Arbeitersürsorgeamts über 6060 jüdische Arbeiter nach dem Anstande befördert worden. Hierdurch ist es zu erklären, daß die Zahl der jüdischen Arbeiter in diesen Gebieten sich in der letzten Zeit außerordentlich verkleinert hat. * Nationalsozialistische Kultur. In Nr. 4 des „M iesbacher A n 3 e t g e r " lesen unr: H. H., B a d T ö l z. Ihre Beobachtung über die Tölzer Jodquellen ist sehr interessant. Daß vom Wasser alle ihr Heil erwarten, wilßten wi.r. Aber daß die Jtwen in Tölz täglich Jodloasser trinken, sich Jodwasser in die Stiefel schütten, in der Hoffnung' ihre krummen Nasen irnd die Plattfüße tvegzubringen, tvnßken wir nicht. Daß die Inden aber überdies täglich im Jodwasser baden, das glaubt Ihnen der stärkste Gaul nicht. Heilgruß! Besitzer von Hotels und Pensionen in den Bade- und Kurorten sehen die B ä d e r l i st e in der G. V.-Zeitung, tvie atts vielen an uns gerichteten Briefen hervorgeht, als einen durchaus unberechtigten feindlichen Akt an. Die Herren können sich bei den S chmierfinken v 0 n d e r A r t de s „M i e s b a ch e r A n 3 e i g e x" b e - danken, tveun jüdische Deutsche, die etwas atlf ihre Ehre halten, au.s Kurorte verzichten, in denen die „nationalsoziale Kultur" sich allzusehr bemerkbar macht. völkische unter sich. „H a l b j u d e" v. G r a e s e. — Ter „n i e d e r 1 r ä ch t i g e" K u n 3 e. In Herrn Kunzes „Deutschem Witzblatt" finden sich ltxtter der Ueberschrist „Par!antentarisches" Verse, von denen einer also beginnt: v. Graes e: Sollte st b u er n Ha l b jnde sei tt Das völkische „Deutsche Tageblatt" bemerkt hierzu: „Herr Kunze weiß, daß Herr v. Graefe d e.m sein ganzes Vernrögert angeboten hat, der den Nachweis erbringt, daß durch seine und seiner Vorfahren Adern auch nur ein Tropfen jüdisches Blut rollt. Herr Kunze kennt die Erklärung des Herrn v. Graese in der Presse, Herr Kunze weiß, daß Herr v. Graese dreimal tm Reichstag in aller Oefsentlichkeit diese Feststellung gemacht hat, trotzdem bringt der völkische Herr Ktlnze e i n e n d e rartiqen niederträchtigen Angriff. Ein Kommentar ist überflüssig, seine Kampfesweise mag kurzsichtig sein, völkisch ist sie bestimmt rticht." Die attsgeregte Verteidigung des „Deutschen Tageblatts" klingt ja nicht ganz überzeugend. Wenn man schon im v ö ii i s che n Lager- Herrn v. Graese für einen Halbjuden hält, so wird damit nur die bekannte Behauptnng Adolf Hofsmanns bekräftigt, daß die Erscheinung des großen Antisemitenhäuptlings in dieser Hinsicht geradezu su.ggestiv wirkt. Das ist ein Pech, aber es läßt sich nicht ändern, ft . W. L.

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