Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 27 (5.7.1923)
- Date
- 1923-07-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2277379-2277415-2277442--00665-2279814- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
222 Wachet auf! Das folgende Schreiben eines geschätzten Mitarbeiters, das wir chronischen Platzmangels wegen mit einiger Verspätung veröffentlichen, enthält Wichtiges und Beherzigenswertes. Der Brief wird daher heute noch das Interesse unserer Leser finden. S ch r i f t l e i t u n g. Die letzte H a u p 11) o r ft n n b s t a g u n g des C. V. sah über den gewähnten engen Rahmen hinaus eine Reihe von Männern, bier aus ha rtgehümm erlern Pflichtbewußtst in an der Abwehrfront stehend, ihren Posten unter Mühen und Zeitaufwand verlassen hatteil, um sich und andere stark 31t machen für die hehre Aufgabe: Hüter der deutschen Inden - heit zu sein.', Unvergeßliche Stunden, da der einzelne verweilen durfte in einem Kreise t a 11 rüstig c r , von hohen Gedanken beseelter Männer. D -e n. t s ch e s Volksempsinden, s ü d i s ch e s Gefühl, gehaart mit dem ernsteil Willen, Deutschland voll denr Hasse der politisch Verrannten _bu befreien, waren Ziel ulld richtungweisend. Wer Mitarbeiten durste, dessen Herz schlug höher. Hub bennod) — die bittere Neige wird keinem der Anwesenden geschenkt. Tie Anssprache ergibt eine Fülle nicht fortzNlengn.'ender Tatsachen, das; der Judenhaß in allen Teilen des Deutschen Reiches schwelt. Bitteren' Gefühles denken die Hörer an jene Lauen und Lässigen ihres eigenen alltäglichen Kreises, die immer wieder leichtfertig de Win in „(f s i st ja a (l e s gar n i ch t so f ch l i m m." Die Führer stehen auf: „Wir wissen aus eigenem, wie groß die Gefahr, daß hier lind dort bereits v e r n i ch t e l ist, was wir in mühseliger harter Arbeit der Aufklärung und Entgiftung geschaffen. -Aber — wenn wir immer wieder in das Land hinaus müssen, wu unseren Brüdern und Schwesterir erst noch zu sagen, daß der Feind stündlich sieberhast rüstet und mit einer Aktivität sondergleichen am Werke ist, und wir betteln sollen um die Mittel der Abwehr, dann heißt das: die gesährdetsten Stellen der Front verlassen, und mls Bettelwert Hingebell." Hochachtung vor solchen Offizieren — gepaart aber damit geht die Bitterkeit gegen die e i g e n s ü chtige t r ä g e Bi affe, die solche Führer so klagen läßt. Gibt' es denn noch jüdische n O p f e r s i rr ll? Sind wir vom Materialismus der Zeit so angesressen, daß Ivir den Kamps unl das Schicksal aller nur einem knappen Hundert übrnassen, während Hunderttaufende gleichmütig im Alltag der Meimneg leben: „Al i ch trifft es ja nicht!" Jeden trifft es! Wenn die Stunde kommt, dann wird es zur Anklage zu spät sein, die jeder dem anderen zuschlendert: „Ihr seid die Schuldigen, die Säumigen'" I e d e r h nt b a s Schicksal, das er v e r d in ll t! Wollt ihr die Erhaltung deutschen Judentums, dann gebt dem (5. V. nicht nur Mittel, gebt euch sei b e r euer jüdisches Herz wieder. Entfaltet in but Ortsgruppen Tatkraft, erwecket das Verantworttichteitsgesühl gegenüber dem Großen lmd Ganzen. Erkennet, daß der Kamps gegen den Judenhaß und dessen vernichtende Gewalt gigantisch ist und ben W i l l e n erfordert, selbstverständliche Opfer freu d i g darzubringen. Unsere Ablvehr darf nicht eilabmtm, bis der Weg frei ist. um frei von geistiger und rlationalistischer Knebelung, aufrecht und stolz als deutsche Juden leben zu könuell, als Glieder des freien deutschen Volkes. Petz d u (Magdeburg). Emil Cohn, „Judentum". Ein Ausruf an die Zeit. Georg Müller, Ai ü n ch e n 1 923, 252 Seiten. Man steht vor diesem Buche mit geteilter Empfindung. Sehr vieles ist darill, wozu man rückhaltlos seine linbedingte Znstiumlung geben nlöchte und auch kann, und doch schwingt alich zugleich eiu Protest mit gegen die Art, in der es gesagt ist, gegen — wenn es gestattet ist, in einer ernsten Betrachtung ein Work aus denr Geschäftsjargon anzuwenden — die Ausmachung des Ganzen. Es beginnt mit einem leidenschaftlichen Bekenntnis des Autors, in dem er sich als einen reuig Ilmgekehrteil hinstellt und Dinge von erschütternder Wucht ankündigt. Und nun erwartet man ein Neues. Unerhörtes, ganz Starkes. Und was kommt? Eine Predigt über die Zeitschäden, wie jeder ernsthafte Rabbiner sie dntzendmal von der Kanzel herab gehalten haben muß, wenn er seine Pflicht erkennt. Weil es aber mit solchem Pathos angekündigt ist, wirkt nun das, was schlicht vorgetragen zmn Nachdenken an regen würde, gerade nicht mit der nötigen Wucht. Drei große Schäden der Zeit werden genannt, der Kapitalismus, das ist die -Anbetung des Geldes als Zweck des Lebens statt seiner Wertung als Mittel des Lebens, bn Sexnalismus, das ist das Hillanssallell aus dem Geheimnis des Schöpsnngswiltens in der Liebe iircb ihre Wertung als Genuß, der Nationalismus, das heißt das Versinken in die Enge des eigenen Volkes und das Vergessen, daß Volk nlir Durchgang zlir Menschheit ist. Das meiste, was da gesagt ist, kann man glatt -unterschreiben, und man freut sich über die Klarheit der Darstellung und die Knappheit des Ausdruckes, die hier das Gesagte in feiner Wirkung steigern. Und man ginge mit voller Befriedigung von diesen Ausführungen hinweg, fühlte man' nicht, daß in der logischen -Begründung etwas nicht ganz einwandfrei ist. Emil Eohn sucht seine Kritik der Zeit voll einem Punkt aus zu begründen. % findet den Gr lind fehler in dem Rationalismus, der voll den Ausgängen des 18. Jahrhunderts her die Seelen vergiftet. Nun ist es gewiß wahr, daß der Rationalismus — die S uch Falles aufs Vernünftige abzustimmen —, unsere Menschen entseelt lind ihr Fühlen blutleer gemacht hak. Aber ist man denn berechtigt, so ohne weiteres den Rationalismus abzutun, selbst wenn man über ihn wieder hinaus zu neuer Schätzung des Naiven und Urfprünglichell gekommen ist? Es hätte ohne ihn keinen Lessing gegeben und keine Emanzipation der Juden und kein konstitutionelles Staatsleben, und auch nicht die moderne Technik. Mau kann die Schäden einer Geistesrichtung bekämpfen, aber doch iimiler nur so, daß man anerkennt, wieviel Gutes sie gebracht, und inbem man ihre llebertreibungen ablehnt. Aber ganz abgesehen davon, ist denn die Verknüpfung der obengenannten Schäden mit dem Rationalismus logisch absolut richtig? Beim Nationalismus sieht jeder sofort ein-, daß er gerade aus dem Dunkeln des Irrationalen kommt, aus dem mißleite den Gefühl derer, die Wider Vernunft und Denken ihrem Instinkt die Zügel schießeil lassen, der „Bildungs- und Fortschrittsphilister" ist immer der Gegenpart des Chauvinisten und will seine Ruhe haben; pnd über die Verknüpfung von Sexualität mit Rationalismus kann man > geteilter Meinung sein. Emil Cohn zum Beispiel nennt es den Ausweg i aus dem rationalistischen Denken, wenn man sein Liebesleben ganz und | die beste, für zarte. raeL^e baut § 0 desberaer. Rh. Kur1iirketiba-»Go-esberg? für Nervöse und innerlich Leidende. Sanität?,- rat Dr. Stähly, Direktor Buiin. Empfehlen unseren pikanten, schmackhaften feinen Haushaltkäse in Stanniol Perle von Wein in Tilsiter-Form, 8 bis 9 Pfund Preis uro Pfttnd ca. 7800 M. steilm Borsteh Preis entspr. einem Dollarstand v. ca. 60 000. Tafelkäse pikant., schnittig, rote Rime. in Blöcken zu 4 vis 5Pfund. Preis pro Pfund ca. 7800 Bl. freibleibend. Versand nur in 2 Blöcken. Von beiden Sorten gegen Nnerkennnngen vor. Versand nur gegen Nachnahme. Nach dem besetzten Gebiet nur gegenVorlasse. Veremcknng wird nicht berechnet. Reellen, prompte Bedienung. Verlangen Sie Probesendung. Eurt Knbath «L Co., Wandsbek i. Holnein. Fernruf Elbe. 3539 N. 2. Ondulieren Sie sich zu Bause! lflftälf4*3 83*1 gibt schöne, bleibende Locken. vUSsV^»Lse B Aus Wunsch portofrei eine Probe dieses wertvollen Mittels durch: Henrh Michaels, Berlin, Lothringer Stk. 75. Billa ,,Seegarten" Fernruf Nr. 178 Konstanz a.V. „.. taasm&mwmmmvmmiwm .Direktion: Fran 3r, Kleber Töchlerpensionat und SaushaltungssOule W i e i e r. Erste Sielerenzen. — Nähet es durch Prosvekte. AordfeedadÄordemey Hoffmanns Hotel Falk. Streng rituell.. . Fernruf 48. Gegründet 1844. »*»»*«*« *♦♦♦»-»<*• ,*♦»♦♦♦• •♦♦♦*♦*• | ®eynljaüfen. j I Merksml inta Püvsl-MltsgUch 1! Fcrnspr. 423. Hugo Frank, Bahnhofstr. 15.! Anschrift: Postfach 51. bei Landeck Httaldsanatorium „Germanenbad" für chronische Kranke und Erholungs« bedürftige. Leitender Arzt: Sanitätsrat vr.Nonfe. Herrliche Gebirgslage. Bel Bestellungen bitten wir auf die „C.V.-Zeitung" Bezug zu nehmen olzwollel in allen Stärken Holzwoliejabrik r/ranzKoliMCo. Nürnberg) dehnbar gewölbt. grau, braun, schwarz % Siegfried Saas. G. tu. 0. h.. Sannover-Wüile!. wlehbergkkr. 4ö. Drahtanschrift: Unitas Hannover. — Fernsprecher: Nord 409, 7612,9.094. BREMEN AMERIKA OSTASIEN AUSTRAUEN Regelmäßiger Personen- und Frachtverkehr mit eigenen Dampfern. Anerkannt vorzügliche Unterbringung und Verpflegung für Reisende aller Klassen. Reisegepäck - Vensicherang 5 Nähere Auskunft duroh NORDDEUTSCHER llDtd ♦ BREMEN* und seine Vertretungen in Berlin: Norddeutscher Lloyd, KajtttenbureauBerlin, Unter d. Linden 1 (Hotei Adlon) Montanus, Generalvertretung, Invalidenstrasse 93 Transatlantisches Reise- und Verkehrs* bnreau, Budape3ter Strasse 5 Welt - Reisehureau „Union“, Unter den Linden 22