Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 27 (5.7.1923)
- Date
- 1923-07-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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220 DieVeltkonferenz Mischer Zrauen in Wien. Von P a u l a Oll e n d o x* f fj (Breslau). Vor Monatsfrist fand in Wien die Wcltkonferenz indischer Frauen statt. Wir bringen heute einen zysaanmenfassenden. Bericht darüber aus der Feder unserer bewährten Mitkämpferin Frau Paula Ollendorff (Breslau). Die S ch> r i f L l e i t u n g. Einen Monnl liegt die Tagung hinter uns, und doch stehen mix noch mitten im Erlebe Ui jener herrlichen Tage. Der starke Ein druck Des Willens Zn,rn Frieden, der alle Delegierten trug, kann auch nicht Durch die bittereu poli-tischen Erfahrungen der Gegenwart verwischt werden. Nicht nur die Delegierten aller 21 Länder, auch tote, der verschiedensten Gruppen und -Parteien des Judentums trugen diesen Willen deutlich Zur Schau-. Und doch Zeigte sich hier bei aller starken Betonung unserer jüdischere Gemeinschaft, daß jede Vertreters n j e d e s L a n des ihr Land v e r t r -a t: Die eng-l-ische Vertreterin war in An scha u uuZ. Erscheinung und Gesamttypus Engländerin, die Frauen ctu§ Florenz und Nom w-axen Italienerinnen, und bei keiner Nationalität ließen sich Herkunft, Typus und die Zugehörigkeift zu ihrem Laude verkennen. So erhebend das Gefühl der Gemeinschast^ im Judentum war, so offenbar war die Vernein nur deip jüdischen- Nasse. Kein Chaw.berlain hätte die Töchter Albious -als solche verkennen können. Der Friede blieb durchweg gewahrt. Einfast mystisches Ge Ni hl Des Geführ tw-erdens hielt alle im Bann und verhindertes jegliche Polemik. Das zeigte sich schon beim ersten Thema: „Religiöse E r z i e h u n g", bei dern Neferen-t-m und Korreferent in das Ge fe tz . beziehungsweise den Sabbat, in den Mittelpunkt stellten, während in der Diskussion der n a t i o n a t e Gedanke und hu Gegen saß Zn, allen drei Standpunkten der Wille Zum Judentum als stärkster Faktor in der Erziehung! betont wurden. Ueberaus interessant waren Nleferate und Beratungen über Mädchen- und Kinder schütz. Tie Gedanken Zur Reinheit des Judentums, Zur kleberunndung. des tödlichen Ntttterinlismus, der unsere Ideale Zu Zerstören droht, das hohe. sittliche Pathos der Vorschläge Zur Heilung dieser Not, sie hoben die Versammlung aus dem dunklen Alltag weil hinaus in die Hoffnung einer lichteren Zukunft. Die sichere und Zuverlässige Art des englischen Delegierten Mr. Cohen, die xe-me und starke Persönlichkeit Bertha Pnppenheims, das sieghafte Temperament von Auitta Müller-Cohen, sie ttehen alle Tagesfchlagworte hinter uns und waren jedes für sich eine glückliche Erfüllung. Von großer Bedeutung um reu d ie A u> s io a n d e r u u g s - berichte. Tr. K a hu, wissenschaftliche inil statistischem Material über SA Millionen jüdischer Auswanderer, wurde ergänzt von der Sekretärin des ameeikanifchen Jüdischen. Frauenbundes, . Nkis; RaZo w f k h , die erschütternde Einzelheiten ans ihrer Arbeit in den Eniigrationslagern von Ellis und Castle Island mitteilte. Tie VerZweislung der Unglücklichen ist nicht zu beschreiben, die von dem getobten Lande der Freiheit nichts als die Statue im Hafen von New-Uork Zu sehen bekommen, lveil sie den strengen Einwandernng?- gesehen Amerikas nicht, genügen, und die Zurückgeschickt werden, weit gewissenlose Agenten. ihnen, borge spiegelt hatten, daß sich eine Hintertür öffnen würde, auch wenn ihre Gesundheit oder ihre Papiere nicht in Ordnung wären. Dringend wurde an alle Länder appelliert, die Auswanderung zu organisieren und Zu verhindern, daß die Unglücklichen-, die um jeden Preis aus der Hölle von Hunger und Elend und- Mord hinaus wollen, ohne gesetzliche Sicherheiten nach Amerika fliehen. Der Kongreß beschließt eine solche Organisntion, wie er überhaupt in allen feinen Entschließnugeu die in Wien begründete Gemeinschaft zum Ansdruck bringt. Eine Fülle von Gedanken und Anregungen wurde über uns ausaestreut. Berichte aller Länder er Zählten von der großen, mühevollen, fruchtbaren und oft fruchtlosen Arbeit unserer Gtaubensaeuossen inr Osten und im Westen, besonders die Ose wußte stark Zu fesseln mit dem, was sie von ihrer Arbeit Zur Förderung der Gesundheit unter den Juden Polens und Rußlands erzählte. Wir hörten von dem jungen j ü d i s ch e n F raue n b n n d H o l l a n d s und seiner rastlosen Tätigkeit, aus' der die Schaffung einer Rlnste ran stakt für jüdische Geisteskranke bemerkenswert ist und die Fürsorge für den Schutz durchreisender Mädchen, und Kinder vor Handel' und Ausbeutung. Wie beredt wurde die Lage der verlassenen Frauenmit ihren Kindern in Galizien und Polen« geschildert, die von den ihnen nur religiös angetrauten Männern verlassen und dann! sehr oft verleugnet werden, da ihnen jeder gesetzliche Schutz fehlt. Eine En'tschließujngdahin gehend, daß die Rabbiner in. den östlichen Ländern angewiesen sein sollen, keine religiöse Trauung Zu vollziehen, der nicht die zivilrechtliche Heirat vvrancelft, wurde einstimmig angenommen. Die Tagung war großzügig vonden- A m e r i k a u e r n vorbereitet und wurde ebenso durchgeführt. Tie Präsidentin, Airs. Kohuft, gütig und gerecht, bis in das kleinste an allen Fragen interessiert, drückte dem ganzen den. Stempel ihrer wundervollen, geschlossenen Persönlichkeit auf. Neben ihr leitete als mütterliche Freundin aller Delegierten Mrs. Harris^ die Sitzungen. Die , beiden amerikanischen Sekretärinnen, Mrs. Ste ruber gor und I Mrs. Sachs - B a r r, hatten' den Kongreß feit' einem Jahre vorf bereitet. ' *• I Eine Tagung Des Mitteldeutschen Nabbinerverbandes fand unter Leitung des Herrn Rabbiner K a h l b e r g in H a l l e a. S. statt. Auf der Tagesordnung standen neben geschäftlichen Angelegenheiten. die Referate von G o'l d m ä n n (Leipzig) über „D i e 'S t e l - l u n g und Bewert n n g des G e s e tz l i ch k e i t s p r i u z i P s i n der j ü d i s ch e n Religio n", von K a h l b e r g (Halle) „D i e. Tätigkeit der Rabbiner i n der A b iv e h r b e w e g u n g", sowie von S a t o m o n s k i (Frankfurt a. O.) über „D i e foZi a l e L a g e des Ra b b i n e r st a n d e §". Tie Besprechung des letzten: Themas füllte die Nachmittagssitznng völligaus, denn die materielle Not vieler Rabbiner ist so groß, day die anderen Fragen und Sorgen, dagegen verschwinden. Zur Beh ebung der N o t kommen vorläufig zwei Wege in Frage: die Rabbiner sollen durch Nebenerwerbden Weiterbestand ihres Nabbinats ermöglichen. Der A l l g e ni eine R a b b i n e r v e r b a n di n D e u t s ch l a n d, in dessen Vertretung der erste Vorsitzende Baeck (Berlin) in Halle an- ^wesend war, soll ar>fgefordert werden, den Rabbinern, die einen "Nebenberuf ergreifen müssen, Rückhalt und Förderung zu gewähren und entsprechende Richtlinien zu veröffentlichen. Namentlich soll er den Rabbinern beistehen, die immer noch nicht in die Beamtenb-esoldungsordmmg eingestnst sindst Als Zweites Mittel kommt der K a m p f g e g e n l e i st u n g 8 st arte, aber böswillige Gemeinden! in Frage. Ter Allgemeine Rabbinerverband in Deutschland soll mit dem Vorstand solcher Gemeinden in Verbindung' treten und die Verhandlungen v e r ö f s e n t l i ch e n. Im Falle des Mißerfolges sollen die Rabbiner aufgefordert werden, s o t ch e G e m e t n b e n z n boykottier e n. Inder A b e n d f i tz u n g wurden die beide n andere n R e s e r a t e besprochen. Die Äussühru-ngen G o 1 d - Innung, die Grundfragen des Judentums berührten, gaben Anlaß Zu längerer Anssprache. Im Anschluß an das Referat Kahlbergs loa-rde empfohlen, Cer Tätigkeit d e s C. D. w e i t g e h e n d st e U n 1 e x st ü tz u n g Z u g e iv ä h r e n. Nachdem S a l Z b e r g e r! (Erfurt) z n m E h r e n m i t g l i e d und K a h l b e r g (Halle) zmn V o r s i tz e n de n des .Verbandes gewählt worden war, wurde in vorgerückter Stunde die Versammlung geschlossen. : iHnc iuLerrratiorrale KmDerschrrtzstette beim Jüdisches FrLAenbUNd. Ans dem Weltkongreß jüdischer Frauen, der vor kurzem in Wien statt fand, wurde die Bildung einer internatbn ö l e n Z entr a l st eite für M n 11 -e r - u n d Kinder s ch u tz b e s ch l o s s e n , deren Leitung in die Hände des Jüdischen Fraueu-- buudes in Deutschland gelegt wurde, au dessen Spitze Frau Henriette; May, auch Dtttglied des .Hauptvorstandes des C. V., steht. Der Beginw der Arbeit der Zentralstelle wird darin bestehen, in Deutschland eine Liste der hier lebenden landfremden Kinder auszustellen, d. h. solches Kinder von Ausländern aller Nationen, die in Deutschland kein! Recht auf Erziehuna.sbeihilfe und Unterstützungen irgend w-elcher Art- Haben. Ter Zweck der gesantten Bestrebungen ist, der jüdischen Gemeiuschast jedes jüdische Kind zu erhalten und nicht aus Mange? iveitblickender sozialer Erkenntnis und aus dem Versagen von Mittelnl Kinder jüdischer Btütter in Hände kommen zu lassen und auf Wegegeraten zu sehen, die sie nicht nur individuell dem Judentum ent-, fremden, sondern auch durch Kriminalität und Prostitution zu Schädlingen innerhalb der füdischen Gemeinschaft werden lassen. Der! Jüdische Frauenbund wird einen kleinen Fragebogen an Vereine midi Gemeinden aussenden, mn die nötige Grundlage für die in Aussicht! genommene Arbeit zu erlangen. Diesbezügliche Anfragen: Geschäftsstelle des. Jüdischen Frauenbundes, Berlin-Wilmersdorf, Gieseler-. straße 16. j; Beteiligung an der Bekämpfung -cs Mä-chenbau-eLs. Der ,,H i l f s v e rein de r T e u t s ch e n I u de n" bat seit seiner Begründu na dem wichtigen Problem der Bekämpfung des Mädchenbandels sein! lebbastes Interesse entgegen gebracht und sich — soweit auf seinen Arbeüsgebieten die Möglichkeit dazu vorl-ag — an den Aktionen Zum Schutze von Frauenm\h Mädchen beteiligt. Jüngst fand im Einvern-eümen mit denn Jüdischen Frauenbund unter dem Vorsitz des ,,Hilssvereins der Deutschen! Inden" in Vorber-eit-ung. der Wiener Frauentaguna eine Konferenz statt,' in welcher der Generaldirektor der Londoner Association sor the Pro-i teetion os Girls and Women über die Fragen des Mädchen- und Frauens schutzes referierte, namentlich auch über eine Konferenz des Völkerbundes in Genf im Juli 1921, der er als einziger indischer Vertreter beigevrdnet ist. Dieser eingehenden Berliner Besprechung wohnten die Vertreter der großen jüdischen Organisationen bei, die den Fragen des! Frauen- und Mädchenfchntzcs ihr besonderes Interesse zuwenden, aber! auch über diesen Kreis hinaus waren einige Vertreter geladen. Es wurde beschlossen, an den Grenzübergängen an Land- und Flußwegen jüdische S ch u tz k v in i t e e s zu bilden, lieziehnngsweise die bestehenden auszubauen und der Beschassung von Arbeitsmöglichkeiten besondere Aufmerksamkeit zuzuwendcn. Ter Sitz der Zentrale ist Berlin: dieselbe setzt sich zusammen-aus, dem H'llssverein der Deutschen-Inden, dem Jüdischen Frauenbund, der Großloge für Deutschland, dem Arbeitersürsvrgemnt und der Zentralwohlsahrtsstelle der Deutschen Juden. Kleine Chronik. Seinen 70. Geburtstag begeht am 2. Juli der in> Weitesten Kreisen der deutschen Iudenheit als Schriftsteller bekannt gewordene frühere Relrgionslehrer der Magdeburger Cynagogeugemeinde, Dr. phif. M. Spanier in Magdeburg. Wir sprechen dem verdienstvollen lang^l jährigen Vorkämpfer für Deutschtum und Judentum unsere herz^ l i ch st e n Glückwünsche aus, in der Hoffnung, daß es ihm noch recht! lauge Vergönnt sein, möge, in voller , geistiger und. körperliches Frisch^ HD olivM cum digmtate zu genießen. , “““