Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 27 (5.7.1923)
- Date
- 1923-07-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277415-2277442--00662-2279811- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
219 „Im Sommer ist -er betrieb eingestellt!" Lernen wir von unseren Gegnern! Jeder Geschäftsmann wird wissen, daß er ein noch so berechtigtes Ruhebedürfnis nicht befriedigen darf, wenn die K 0 n k u r r e n z wacht und arbeitet. Solange die Politischen Partei e n, die den Judenhaß auf ihre Fahne geschrieben haben, nichtihreBure a u s w ä h x e n d des So rn m e r s st r e n g g e sch l o s s e n halten, solange ^n ü s s en.ßiid) die Bureaus i n a l l e n Ortsgruppe n d e s C e n t r a l - V e r e i ns S o m nt e r a r beit leisten, und zwar mindestens mit der Arbeitssreudigkeit unserer Gegner. Rasten wir, während die anderen arbeiten, so werden wir r o st e n. In der neuesten Nummer des Knnzeschen „W o ch e n - blattes" finden wir einen Arbeitsplan, der anschaulich beweist, daß die sommerliche Ruhe im Programm unserer Todfeinde nicht vorgesehen ist. Er lautet: Arbeitsplan des Landesverbandes Groß-Berlin für die Monate Juli und August 1923. Zeit 9. bis Io. Juli. A.-G., Süd, Versa mmluna in den Kammersäleu. Redner: Scheibler. Klinge. 17. bis 22. Juli. A.-G. Nord. Versammlung im Kricaervereinshaus. Redner: Scheibler, Mrrtz. 23. bis 29. Juli. A.-G. Ost. Versammlung tu der Brauerei Friedrichs Hain. Redner: Kunze, Tusche. 30. Juli bis 4. August. A.-G. West. Bersammluna bei Schramm, Wilmersdorf. Redner: Stock. Kluppe. 6. bis 11. August, A.-G. Süd, Versammlung iu Ternpelbos. Redner: Stock, Scheibler. 13. bis 16. August. A.-G. Nord. Versammlung Reinickendorf. Redner: Tusche, Mertz. 20. bis 25. August, A.-G. Ost. Versammlung in Lichtenbera. Redner: Kunze, Stock. _ 27. August bis 2. September, A.-G. West. Versaunnluna in Steglitz. Redner: Scheibler, Krinze. Was können wir von unseren Gegnern lernen? Die Ar.beit d e s Cent r ei l - V e r e i n s t| a, r f n i ch t v e r n a ch l ü s s i g t w e r de n . w e il e s S o nr m e r ist. An die 'Stelle des erholuu-gsuchenden Vorsitzenden oder seiner Mitarbeiter müssen diejenigen mit doppeltem Eifer treten, die elf Monate des Jahres im Vertrauen darauf, daß die Führer schon auf dem Posten sein werden, tatenlos zu ge sehen, Haben. Das Motto der Ha u pt ov rs ta n dssitz un a: „Arbeiten, arbeiten und nicht v e r Z;o e i f e t n!" gilt be- - sonders für diesen Sommer. Graf Reventlows neueste Ent-eckung. Juda fordert „k a t h o l i s i e r t e n B o l s ch e w i s m u s"! Im 13. Kapitel seines Buches „D e r S t a a t a t s £• r g a uis - rn u s" sucht Oskar Hertwig den 2kachweis zu erbringen, daß im staatlichen Organismus die Religion fast ausgehört hat. zu den Positiven Kräften zu gehören, die ihm iu früheren Zeiten die festeste Stütze gewesen ist. Aus dem Schoß der katholischen Kirche sei die schwarze Internationale hervorgegangen, der Ultramoutanismus, der sich von der Zentralleitung in Rom bei seinen Entscheidungen in Politischen Angelegenheiten, zuweilen zum 'Nachteil des allgemeinen .Staatswohls bestimmen lasse. In diesem Zusammenhänge sei auch die A l t i a n c c I s r a eilt e 31t errvähnen. in lvelcher ein Teil des Judentums zu erkennen gebe, daß seine nichtwirtschaftlichen Interessen mit denen der staatlichen Gemeinschaft doch innerlich nicht Zusammenfalle, Hier werden vorsichtig 'Gedankengänge aueiuandergereiht. die von katholischer Tmd jüdischer Seite als abwegig imb falsch in Wort und Schrift gekennzeichnet worden sind, (von uns zuletzt in dem Leitaussatz der vorigen Nummer der „C. V.-Zeitung"). — Graf R e v e n t l 0 tu in semer fast Mitleid erregenden Unwissenschastkichkeit sieht sogar i n n e r e Z lp, s a m m e n h ä n a e zwischen den angeblichen kirchlichen und Politischen Einflußsphären Roms und Judas. In einer Fußnote zu einem Aufsatz „Kirche und Politik", der einen Herrn Adalbert V 0 l ct zum Verfasser hat, weift der Graf auffällig daraus hin, daß Volcks Gedanken auch die seinen sind. („Reichsw a r t" v 0 m 23. I un i.) Welche Gedanken entwickelt Herr Bolck? Die Bolschewisten hätten begriffen, daß das russische Volk ganz ohne Religion auf die Dauer nicht zu leiten ist und wollten durch Unterstellung der gtäubigen Seelen unter die römische Kirche dem Untergang des Bolschewismus Vorbeugen. Daher (!) habe der P a p st am 10. Mai 1922 durch ein „Konkordat" ein B ü n d n i s rn i t den Bolschewisten q e s ch l 0 s s e n. Und dann sagt Volck wörtlich: „Rom i st revolutionär i nt e r e s s i e rt; Phrasenhaftigkeit. um nicht zu sagen Verlogenheit der formalen Demokratie verheißt ihm Beeinflussung der an allem irre gewordenen russischen Gemüter. Rom giert nach politischer Macht, wittert irt Rußland Morgenluft, hofft vorn Osten Europa aufzurollen. In einem schweren Jrrtume sind diejenigen befangen, die Bolschewisten und Jesuiten sür geschworene Feinde halten; seitdem das Judentum sich un Jesnitismus eingenistet hat, ziehen beide an einem Strang. Zunächst gilt es, alles, was nicht römisch-katholisch ist, zu vernichten. Glaubt Rom dann Europa zu beherrschen, so hofft das Judentum, mit Hilfe des annoch revolutionären Jesuitismus die Grundlagen der römischen Kirche so weit unterminiert zu haben, um auch das letzte nicht rein jüdische Bollwerk — Rom — sprengen zu können. I u d a w ü r d e d a 11 n u n b ehinde r t h e r r s ch e n." Es ist kein Zufall, daß zu gleicher Zeit in der neuesten Nummer des nunmehr drei in a l wöchentlich erscheinenden „D e u 11 ch e n W 0 che n b l a tts" eine Serie von Aufsätzen beginnt, in denen ein Herr Erich Rudolf unter der Ueberschrift „Papst, Jesuiten und Inden" die französische, russische und deutsche Revolution „kritisch" würdigt. Die Tendenz dieser „llussenschaftlichen" Abhandlung geht aus der Ilebcvfchrist deutlich hervor. Wie haben wiederholt seststcllen können, daß der Haß gegen Rom mid Juda Gemeingut der Deutschvökkischeu geworden ist. Nur wegen der zahlenmäßigen Minderheit der deutschen Juden tuenden sie sich mit besonderem Eifer gegen diese. Zudem furcht eil Reventlow und Genossen, große Teile des deutschen Volkes, die sie den Zwecke;! des Judenhasses noch hoffen dienstbar machen zu können, vor den Kops zu stoßen, wenn sie ihr w a h res Gesicht zeigen und neben der a n tisemiti s ch e n Bewegung eine l e b - h a f r e A n t i - R 0 m -Be io e gu n g 0r g a nisieren. Dieser Rücksicht scheint auch der Artikel Volcks entsprungen zu sein, die in dies e m Falle zu der tollhäuslerisch-paradoxen Schlußfolgerung geführt har. e i n v 0;n I u d e n tum g e f ö r d e r t e r k a t h 0 l i - s i e r t e r B 0 l s ch e rv i s m n s soll die W e l t h e r r s ch a f t s - g e l ü st e I u d a s befriedige n. Auch der Juli ist Heuer naß und kalt. Heiliger Wotan! Du entziehst uns im Hochsom.mer die alles belebende Sonne! Laß die Sonne wieder scheinen! Tn es deiner getreuen völkischen Wissenschaftler wegen, denen ein Sommer ohne stechende Sonne die mildernden Umstände entzieht. Sch— r,. Gegen öen „unchristlichen Judenhaß". Ein Brief Be uth euer Kath oliten. In B e u t h e n wurde vor einiger Zeit auf dem H e l d e n s r i e d - h 0 f de r j ü d i sch e n G e m e t n d c ein Handgranatenattentat verübt. ohne daß es bisher gelungen ist, die Verbrecher zu ermitteln. Als einziges Zeichen der Anteilnahme an dieser Schandtat ging Herrn Oderrabbiner Tr. Kopfstein (Veuthen).. dessen hervorragendes Ei'utreten sür unä'ere Sache schon lviederholt. die besten Ergebnisse gezeitigt hat, nachstehendes Schreiben zu: Sehr geehrter Herr Oberrabbiner! In der letzten Sitzung der hiesigen katholischell Friebensgesellschast „F r a t e t 0" (Ortsgruppe der Internationalen katholftüM Liga; tarn die Rede auch auf die 'frevelhaften Angriffe auf die Sunagoge und den jüdischen. Fried ho st die vor kurzem in Belfthen unternommen worden sind. D i c E n t r ü ft u n g üb e r diese S ch u r k e u. st r e i ch e rv a r a l l g e nr e i n. Im Aufträge Fratekos drücken wir hiermit Ew.^ Hochnmrdell als dem Vertreter der jüdischen Gemeinde unser anfrichtrges Bedauern aus und versichern Sie, daß wir, die wir die Be- 4 a m P f n n g v e s V ö t k e r R a s s e n - u n d Kl affe n - k a m P f e s a u f u u sere F a h n e gef ch r i e b e n h a b e u, unseren vauzen Einfluß anibieten :verben. um in den uns zugänglichen Kreisim den: d u r ch a u s u n ch r i st l i ch e n I u d e n!) a ß eruaegenzutreneu und die häßliche Flut des Antisemitismus ein- Zlldämmen. Mit vorzüglicher Hochachtung! Der Vorstand der .katholischen Fviedensgesellschaft „Frateko". Studien rat Knopf, Studienrar F. Stonner, Kaufmann N 0;o 0 r n y, Kaufmann I. D r z e s g a. Herr Oberrabbiner Dr. Kopfstein ließ den Herren^ eine Antwort zugehen, die allgemeine Zustimmnng finden dürste: Ntir Ihrem schätzenswerten Schreiben haben Sie mir eine seelische Freude außerordentlicher Art bereiter. Ihre von; religiöse;: Geist getragene und demgemäß umfassende Gerechrigkeir atmenden Ansführungen werde ich den lveitesten Kreisen meiner Gemeinde zur Kenntnis bringen. Gestatten Sie auch mir eine kurze Erklärung: Schon als Student, in Würzburg (Bayern) stand ich mit' gleichaltrigeu katholi'chen Theologen des dortigen Seminars in freundschaftlichem Verkehr. Einen Teil der Vorlesungen, grundlegend für emseren späteren Beruf, hörten wir bei den gleichen Dozenten. In .ans erstarkte der unerschütterliche Glaube an Gottes Gnaden- - walten und die Erkellutuis von der Einheit des Atenschentums. In diesem Sinne erstrebte ich, ins Amt getreten,, ein v erst ä u d n i s v 0 l l e s einheitliche s Z u s a m m e n a r b c i t c n ziu i sche n Katholiken u nd Juden. Meinem Streben war nicht immer voller Erfolg beschieden. Die Wirnisse jeweiliger politischer Ziele erwiesen sich vorübergehend als stärker. Segnen werde ich den Tag, an dem zur Wiedergesnndung der Menschheit denn doch das Band der Zusa m me ugehöri gkei t' er neu t geknüpft wird; dann wird man die Lebenden nicht hassen llnd die Toten im Grabe nicht beschimpfen. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. K 0 p s st ein, Oberräbbiner.