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Central-Verein-Zeitung · 1923-06-21 · 25 (21.6.1923) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
25 (21.6.1923)
Date
1923-06-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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einem Familienzwist, bei dem „Gewitter die Lust reinigt", wahrhaftig nichts zu tun. Die patriarchalische- A n f f a s s u n g der Gesellschaftskiaste:: wird Dem gegebenen Tatbestände nicht gerecht. Diese patriarchalische Austastung mag für die Besitzenden und Herrschenden an g eneh in und b eruh ig e ndstein; für die in ihren Rechten geschmälerte Klasse ist sie eine Besteidigung. Der Aufstieg eines neuen Standes, sei es des Fürstentums gegen Kirche und Adel, des Bürgertums gegen Adel und Geistlichkeit, und schließlich der industriellen Arbeiterschaft gegen die bisher herrschenden Klaffen, vollzieht sich in wesentlich anderen Formen als in denen eines Familienzwistes. Katastrophen treten ein, die keinerlei kleine Maßnahmen von Persönlichkeiten mehr aufhalten können. Nicht um eine V er - fchw ö r u ng e in zet ner Me ns che n handelt es sich dann — auch nicht um solche von Juden —, sondern um eine Bersch w ö r u n g der Z e i t e n. Leser: Sie eimnal in A r n d t s „G e i st der Z e : t", 2. Band, die bedeutende Stelle über die sranzösischRevolution nach. Einzig und allein Juden für die ne::e Stellung der industriellen Arbeiterschaft «verantwortlich zu machen, das heißt denn doch, cs an Verständnis für weltgeschichtliche Vorgänge fehlen lassen. Es mag für die bisher allein herrschenden Klassen schwer sein, den Blick klar zu halten, wenn Privilegien zufammenbrechen; es mag nicht leicht fein, das nnruhevolle Chaos einer solchen Epoche ohne persönliche Haßgefühle zu beurteilen, — wer aber als „K ristdeut sch er" zu der Oesfentlichkeit spricht und eine einzige Gruppe, die Juden, für alles verantwortlich machen will, der muß von einer andere n Warte als der Des verbitterten Parteim a n n es die Dinge erkennen können. Daß a u ch Juden an den Novembervorgängen teilgenommen haben, gibt kein Recht zu der Behauptung: Die Juden sind schuld an der Revolution, wenn man mit diesem Worte überhaupt das kraftlose Znsnminensinkcn eines seiner Ausgäbe nicht mehr gewachsenen Regierungssystems bezeichnen kann. Unv nun zum Kaiser. Auch am Sturze des Kaisers sollen nach Ihrer Meinung nrir die Inden schuld sein. Sie haben eine Auffassung von: Kaisertum, die man als legitimistisch bezeichnen kann, eine Auffassung, die mit einigen Abweichungen der Jude Stahl in seiner Rechtsphilosophie fiir die preußischen Konservativen philosophisch forinuliert hat. Ich ehre diese Auffassung; wem sie Herzenssache ist, dem bleibe sie unangetastet. Mil l i o nc n v o n . nichtjüd i s ch e n Deut s ch e n st e h e n frei l ich anders z u r K a i s e r s r a g e. Es ist ein menschlich schöner Zug Ihres Herzens, daß Sie dem Kaiser gerade jetzt, in seinem Leide, die Treue bewahren. Ich verwerfe es, und mit mir wohl jeder anständige Mensch, über den Kaiser als Menschen eines ungeheuer schweren Schicksals liche Worte zu sagen. Aber ganz läßt sich doch ' die Person des Kaisers, seine Negierungsweise, die Art seiner Aspirationen nich t von.der No t trennen , die uns betroffen. Gewiß, er. wollte uns herrlichen Zeiten entgegeusühren. Wen: aber, wie ihm, eine solche Macht gegeben, der macht sich der Hybris schuldig, wenn er das Augenmaß für seine Fähigteiten verliert. Die Idee des Kaisertums in Ehren! Es gehört aber schon viel dazu, die Idee des Kaisers mit der e >:: pirischen P e r s o n des letzten H o h e n z v 1 l e r n zur Deckung zu bringen. Wiederum muß ich Sie daran erinnern, daß für zahllose nichtjüdische Deutsche die Kaiseridee ihren Glanz verloren hat angesichts der Tatsachen, die ihnen eine durchaus nicht parteipolitisch gefärbte Literatur über Wesensart und Handlungsweise Wilhelms ll. gegeben hat. Ich glaube, wenn Sie die Briefe Kaiser W i l h e l::: § a n Niki, die Schriften von Ha n: a nn , Waldersee, Eckardstein u. a. gelesen Hütten — Sie wären vorsichtiger im Ausdruck gewesen. Doch es kann sich hier nicht darum handeln. Kaisertum nnd Republik gegeneinander abzuwägen.. Ich habe mich nur mit Ihrem Nrteil zu befassen, „die Juden haben de:: Kaiser verraten". Die Juden? Und verraten? Verrat ist in der deutschen Geschichte oft genug geübt worden. Aber den Sturz des Kaisers ans Verrat zurückzuführeu, nur auf Verrat von Juden, dazu muß man schon Ä e:: t s ch -völkische P a r t e i s ch r i f t e n als h i st o r i s ch e Quellen - l i t e r a t u r b e t r a ch t e::. Ich finde in der wissenschaftlich ernst zu nehmenden Nachkriegsliteratur der letzten Jahre, n i ch t ein::: a l in: K r v n - p r i n z e n b u ch , einen Hinweis, der Veranlassung geben könnte, Ihrer ungeheuerlichen Behauptung auch nur den Schein der Wahrheit zu geben. ' < Wiederun: stoße ich bei Ihnen auf eine durchaus unzulängliche stnelodramatische Auffassung von geschichtlichen Vorgängen, wie sie in Ihren Kreisen üblich ist. Eine in ihrer Anlage noch unübersehbare Weltkatastrophe, vor deren Größe wir erschüttert stehen, wird von Ihnen wie ein literarisches M o t i v der N:belunge::sage — das Hagen-Siegfried- Motiv — behandelt. Wie können Sie es wagen, d i e deutschen Juden des Verrates zu zeihen, weil auch einige Juden als deutsche Politiker am Ablauf der Geschehnisse beteiligt gewesen sind, Juden, für die wir ebensowenig verantwortlich zu machen sind, wie Ihre Stammesgenosse:: für Männer wie Dorten.und Sme.ets, Mach au und Fuchs und für die politischen Meuchelmörder der letzten I a h r e. Freilich, wenn , inan (was Sie ja nicht tun) alle links gerichtete Politiker der Novembertage, wie Kautsch und' Liebknecht, Gothen:, David oder Erzberger, zu Juden oder Judenstämmlingei: macht, dann freilich könnte man im Stile von Riccault de la Marliniöre bei diesen: beliebten «piel von einem „coiriger la politique" sprechen. Nebenbei: Sie scheinen nur Juden zu kennen, die dem Kaiser und der Kaiseridee feindlich gesinnt sind — die Zahl der Ihnen bekannten Juden scheint nicht groß zu sein! 1 Alleinige Anze i gen~Ann ahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deatsohlanda und des Auslands T r rlin 8W 19, Jerusalemer Straße 46 - 49 / Breslau / Chemnitz / Cöln a. Rh. ✓ Dresden ✓ Düsseldorf / Erfurt Frankfurt a. M. / Lalle (Saale) Lc u l urg / Lannover / Leipzig > Magdeburg / Mannheim , München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien / Budapest '/ Warschau / Basel / Zürich Am 11. Juni ist uns unser zweiter Sohn geboren. Wir nennen ihn Julius. I. Schnauzer und Frau geb. Lustig. Güstrow (Mecklenburg) Hageböckerstrasse 28. ^.--- . J i Die glückliche Geburt eines gesunden Jungen z zeigen an Max Gottschälk und Frau " Susanne geb. Stahl-Liiienthal.! Berlin W30, den 11. Juni 1923 * NoHendorfstrasse 29/30. Statt jeder besonderen Anzeige. Gerda Jonas Kurt Oppenheimer Verlobte. Juni 1923 Fränkisch-Crumb^ch Gau-BSckelheim (Odenwala) (Rheinhessen) / r Siddy Baer Siegfried Meier Verlobte. Pirmasens Heilbronn Turnstrasse 7 Weststrasse 62 Juni 1923. ✓ Statt Karten. Elsbeth Bernheim Max Richard Verlobte. Nürnberg-Fürth, im Juni 1923 zurzeit Alexandersbad. ^Erscheint verspiitet) Einladung zu der am Sonntag, den 24rJuni d« I., vorm. 11 Uhr. im Saale der Ressource von 1794. Berlin IV. Schaoowstr.6/7,stattstndendl'n ordentlichen Hauptversammlung. Tagesordnung: ü) Jahresbericht d.Vvrstaudes i ib.die Verein§tätigkeit. ü) Kassenbericht des Schatzmeisters, e) Bericht des Prüfungsausschusses. 6) Entlastung des Voiftandes e) Wahl enznnl Vorstand und zuinPrüsungsausschutz. f) Satzungsänderungen: H4 Abs. 2 mld 3: Aenderung der Beiträge für , Mitglieder bzw. immerwährende Mitglieder. 85 Abs. 1: Erhöhung der Spende; Abs. 2 soll Wegfällen. § 10 Abs. l: Aenderung des Termins zur Hauptversammlung. tz 10 Abs. 2: Veröffentlichung der Einladung und Tagesordnung nur im „Neichscmzcigcr". - § 10 drittletzter und vorletzter Absatz: Aenderung des Wahlmodüs. Ser Vorffavd dcr Mdifchen MndenamiM für Semfchlan-, L $■ Kommerzrrrm'it Gerfvn Simon, Vorsitzender. gocxooooooocooooooaxjooooooooocxoag 8 PrivatfekretSrin § Q gesucht für Münchner Grotzsirma. Q O Verlangt wird selbständige Art eit, kauf« O O mannische Erfahrung, Stenolypie, etwas O g fremde Sprachen, Intelligenz und rascheste g O Aüssass'.mgsgabe. 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