Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1923-06-14 · 24 (14.6.1923) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
24 (14.6.1923)
Date
1923-06-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277415-2277439--00637-2279783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

107 Judenhaß und Deutschenhaß.! Von B. S e g e l. (Schluß.) In dem Werke V -e r h a e x e n § ..La Belgique sauglante“ (vglden Aufsatz in Nr. 23) ist vom „j ü d i s ch e n G e i st" die Rede, aber nicht ein Wort wird gesagt von seiner „zersetzenden" Eigenschaft. Bald ist der „jüdische Geist", bald ist Bismarck der Erzieher der Deutschen zur Organisatrvn und zum nntzhasten praktischen Handeln, bald haben die Inden, bald die Preußen die deutsche Volksseele von den edlen Spekulationen zu der gemeinen und nichtswürdigen Arbeit hingelenkt, die darin besteht, Schisse und Maschinen zu bauen und sie in'der ganzen Welt zu verkaufen. Das Angebot an Belgien beweist, daß die deutsche Diplomatie sich den jüdischen Geschäftsgeist angeeignet habe; daß Be th mann ein I u b c war, haben ja die alldeutschen und konservativen Organe längst bewiesen; es bleibt nur noch zu entdecken, daß Bismarck semitischer Abstammung gewesen ist, dann sind alle Rätsel gelo»'e. Indessen, von dem Z e r s e tz e n d e n des jüdischen Geistes ist i * alledem nichts zu merken. Es ist auch amüsant, sich zu erinnern. daß die „Judenpresse" immer als die Vork ä m p f e v i n e ines V e r z i ch t f r i e d e n s gescholten wird, als heimliche Feindin der Einheit nnö Große Deutschlands, die kein Verständnis für die Herrlichkeit des deutschen Volkes habe. Wenn Scheler uns versichert, der zersetzende jüdische Geist, der im deutschen Geistesleben vorwalte, habe dieses in der Welt verhaßt gemacht, so verwechselt er Berhaeren mit einem anderen, viel älteren Schriftsteller, nämlich mit Edouard D r u m o n t, der in feinem Buch „La. Franke Juive“ vor mehr als dreißig Jahren ganz Frankreich als vom „jüdischen Geist" zersetzt und zerfressen hinstellte. Die Handvoll Juden in Frankreich hatte sich des ganzen Landes bemächtigt, aller Schichten des Volkes, aller seiner Reichtümer und Genullten, des ganzen riesigen Kolonialreiches, des ganzen geistigen Lebens, der Politik, der Kunst, der Wissenschaft, des Handels, der Finanzen, der Industrie, und alles hatten sie mit „zersetzenden Geiste" dnrchkrünkk. Scheler wäre eigentlich verpflichtet gewesen, sich bei Drumont zu erkundigen, warum dieser „zersetzende jüdische Geist" nicht auch die Franzosen in der ganzen Welt verhaßt gemacht habe. Dabei ist dieses ganze Thema vom „zersetzenden jüdischen Geist" von Drumont aus der Rüstkammer des deutschen Antisemitismüs ins Französische übertragen und -auf mehr als tausend enggedruckten Seiten breitgetreten worden. In Deutschland vertrat diese These besonders Treitschke mit großer, feierlicher Bered- 1 samkeit, aber auch er hatte sie nicht erdacht, sondern aus dem Arsenal f der Waffen herüb e r ge nommen, die seinerzeit gegen Heine und B ö r n e geschwungen wurden. Aber damals war das ein zersetzender französischjüdischer Geist gewesen. Die Juden Heine, Börne und ihre kleineren Genossen hatten den frivolen, spottsüchtigen, „zersetzenden" französischen Geist aus Paris nach der Heimat gebracht und die deutsche Volksseele damit vergiftet. Auf der Wanderung nach Frankreich ist nun das Französische von diesem „zersetzenden Geist" abgefallen, und jetzt kehrt er von dort nach seinem Ursprungsland als spezifisch „jüdischer" Geist zurück. Diese Lehre von der zersetzenden Kraft, die dem jüdischen Geist angeblich innewohnt, ist so oft und mit so viel Bitterkeit und Nachdruck wiederholt lvordeu, daß die Juden selber schon daran glauben; und unter der jüngeren Generation jüdischer Literaten gibt es eine ganze Anzahl, die, davon angesteckt, sieh als dämonisch, als Besitzer einer furchtbar zerstörenden Kraft fühlen, und diese kostbare Gabe in ohnmächtigen, krampfhaften Uebertreibnngen „literarisch zu verwerten" bemüht sind. Sie haben. Mitglieder und Zreunöe! Denkt an Eure Vierteljahrsbeiträge! nicht ein Fünkchen jüdischen Empfindens, wahrhaft jüdischen Geistes in sich, aber an dem „Zersetzenden" sollt ihr sie erkennen, und in den meisten Fällen richten sie es gegen das Judentum. Auch mit dem anderen Kronzeugen, A n d r e S n a r e s , der beweisen soll, daß der „zersetzende jüdische Geist" in Deutschland mitgewirtt habe, den Deutschenhaß zu erzeugen, ist Scheler das Mißgeschick widerfahren, daß er nichts von dem sagt, was Scheler ihm in den Mund legt. Suaros hat eine Reihe von Schriften unter den: Gesamttitel „Commentäires sur la guerre des Boches" veröffentlicht, deren Deutschenhaß schon an förmlichen Wahnsinn grenzt und jede Spur von Zurechnungsfähigkeit vermissen läßt. Es ist überhaupt sehr seltsam, daß ein besonnener Schriftsteller sich auf einen solchen Zell gen beruft. Das Kapitel ,,0'est 1a guerre!" ist wohl nur als Ausdruck eines Perversen Sadismus zu verstehen. Was er in einer der maßvollsten r u h i g st e n Stell e n des Abschnitts „Nous et eux" über Harnack und Ostwald im zerstörten Löwen berichtet, läßt es als ein starkes Stück erscheinen, einen solchen Schriftsteller vor die Schranken zu führen, damit er Zeugenschaft ablege für die „zersetzeilden" Qualitäten des jüdischen Geistes, auch wenn er etwas Derartiges gesagt hätte. Er sagt a der nichts Der artige s. „Zwischen detr Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands and de» Auslands Berlin 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz / Cöln a. Rh. / Dresden / Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. / Lalle (Saale) Lamburg / Hannover / Leipzig ✓ Magdeburg / Mannheim / München / Dtürnberg / Stuttgart / Prag / Wien / Budapest / Warschau / Basel / Zürich Sally Oppenheimer und Frau Edith geb. Biermann' zeigen die Geburt ihrer Tochter Jlse Sybille an. München, 30. Mai 1923, Löwengrube 18. -\ „{Rowenta“ der elektrische Heiz- und Kochapparat für Reise und Haus, V____> Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands E.B. (Bodenkultur - Verein). Zur Ordentlichen Hauptversammlung am Sonntag, den 1. Juli d. I., 11 Uhr vormittags, in Charlottenburg, Verwaltungsgebäude der Synagoge, Fasauenstraße 79/80, Sitzungszimmer, werden die Vereinsuritglieder hierdurch cingeladen. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über Tätigkeit des Vereins. 2. Kassenbericht. 3. Entlastung des Vorstandes und des Schatzmeisters des Vereins. 4. Satzungsänderungen (88 5 und 16). L. Neuwahl des Vorstandes. 6. Verschiedenes. Der Vorstand. Emil Frankel, Vorsitzender. Ja unserer Gemeinde ist die Stelle eines Mora, smIiMWH DObiiöElen Bclfgionoltlpra und WWra zu besehe». Befähigung, mit Orgel und Chor 311 Lsungiereu. Verheiratete Bewerber, welche befähigt sind, au den Feiertagen Predigten zu halten, erwünscht. Wohnung, bestehend ans zwei Zunmern. Wohnküche und Zubehör, in neuem Hanse. Gehalt nach Tarn. Der Vorstand der Synagogengemeinde Grünberg i. Schl. Lebensstellung. Für größeres industrielles Unternehmen, A.-G., wird zur Vertretung und Unterstützung des Direktors allererste kaufmännische Kraft von größter Vertrauenswürdigkeit für sofort oder später gesucht. Bedingung: Reiche kaufmännische Praxis, Gewandtheit im schriftlichen und mündlichen Verkehr mit Vertretern und Kundschaft, geschickterVerhandlungsleiter, mit Organisationstalent, Leichter Anpassungs- und Ansfassungsgabe. Jurist, der obigen Arisorderunoen entspricht, nicht ausgeschlossen. Bei zufriedenstellenden Leistlingen hohe Bezüge und Prokura. Wegen Wöhmmgsmangcls können nur unverheiratete Bewerber (Altersgrenze 40 Jahre) berücksichtigt werden. — Nur erstklassige Persönlichkeiten belieben Lebenslauf, Zeugnisabschriften, Referenzen, möglichst Bild, wie Einkommenswünsche, Antritts termin einzureichen unter j. m. 15 778 an Rudolf Mosse, Nresden. ReichsbundjudischerFrontfoldaten Ortsgruppe Berlin Abi. Stellenvermittlung IGefchastssührerKamerad CurtKsinski, Berlin ^l018, «r. Frankfurter Straße 75. Tel. Amt Alexander 1687. II Geschäftsführer Kamerad Arthur Meffow, Friedenm:aße14. Die Herren Arbeite der werden gebeten, bei Ernstellung von Personal unsere Stellenverutitllung gutigst inAnspruch zu nehmen. Zulchr.erb.an Kamerad Arthur Messow, Friedenstr. 14; Sprechstunden Diensm «.Donnerstagsbis?Nhr. AreSielleirvermWmiS. Mehlgrofchandlung sucht tüchtigen Vertreter zurUnterstützung desChefs mit Aussicht aus Beteiligung. Off.unt.Lo.ü. 74SanFilialexpeoition Rudolf Moffe, Berlin, Rofenthaler Str. 48. Für meine Kiuder (Junge 12 Jahre, Mädchen ÄflS emösOWlt ljesvlht. Bedingung: streng rituelle Verpflegung, Gefl. Angebote anZoseph Rosenthal, Gleiwitz, Breslauer Str.35. Für mein Manufaktur-, Herrenu.Damenkonfektions - Geschäft suche ich zum I.Lirlid.I. einen der auch gut eingeführte Landkundschaft besuchen kann. — Bild,Zeugnisseu. Gehaltsansprüche erbeten. — Wohnung u. Pension im Hause. Kaufhaus LouisWeinberg Oelde i. Wests. «»«»»Uk-Liliciuil» uuik UNITED ÄMER1CAK LIMES Nach NORD-, ZENTRAL- UND SÜD¬ AFRIKA, OSTASIEN USW. Billige Beförderung über deutsche und ausländische Häfen.— Hervorragend« iil. Klasse mit Speise- und Rauchsaal Erstklassige Salon-u.Kajßtendampfer Etwa wochentl. Abfahrten von HAMBURG »ach NEW YORK Auskünfte u.Drucksachen durch HAM BÜRO .AMERIKA LINIE HAMBURO und deren Vertreter In: BERLIN W8: Unter den Linden 8, Potsdamer Piatz3 u.Leipziser Strasse (Kaufhaus Tletz) rDas «2sfc>TcLree -Paradier U. Direkte Sohnellrußs- und Oampferverbindunaen Herddeich—-Mprderney Seewege über Bremen/Bremerhaven oder Hamburg/Cuxhaven und «eifio an« Auskunft und Führer durch die Bade-Verwaltung und die Refsehuro*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.