Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 24 (14.6.1923)
- Date
- 1923-06-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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195 Die jüdischen Deutjchen im Nuhrgebiet. -Ein Brief des Düsseldorfer Regierungspräsidenten. Zur Kenntnisnahme unserer Leser veröffentlichen wir folgenden Brief des Herrn Regierungspräsidenten Grützner (Düsseldorf, zurzeit Barmen, der uns vom Empfänger zur Verfügung gestellt worden ist. Ter Negierungsprüsident. Düsseldorf, den 25. Mai 1923. B B. II. 175 B. z. Z. Barmen (Postfach). Auf das gefällige Schreiben vom 8. Mai 1923 gestatte ich mir. Ihnen folgendes Zu erwidern: Ich muß es auf das Schärfste mißbilligen, wenn es eine gewisse Presse fertig bringt, die jüdische Bevölkerung Düsseldorfs einer sranzosenfreundlichen Gesinnung Zu zeihen. Im Gegenteil habe;.d) festzustellen, datz sich die jüdische Bevölkerung aller Schichten nicht nur während des Ruhreinbruchs, sondern auch bereits vorher gegenüber den Besatzungsmächten durchaus einwandfrei benommen hat. Ich «bestätige Ihnen ferner, daß die Führung der sonderbündlerischen Bestrebungen in Düsseldorf auch nicht im geringsten in jüdischen Händen liegt. Ich werde nicht verfehlen, bei jeder Gelegenheit, insbesondere bei Vorträgen fiat unbesetzten Gebiete, Zum Ausdruck zu bringen, daß die Verdächtigungen, die der „Gollnower Anzeiger" und die „Deutsche Zeitung" über die Haltung der jüdischen Bevölkerung im besetzten Gebiet gebracht haben, aus den Fingern -gesogen sind. gez. G r ü tz n e r. Obwohl bei allen ehrlichen Deutschen n i e m n 1 s ein leiwr Zlueim aufkam und anskouunt, daß die jüdischen Deutschen an Rhein und Ruhr genau so des Vaterlandes unsägliches Leid durchkosten ilnd empfinden, wie die christlichen, es also der Erklärung des selbst ause.eu'iesenen sitegierungspräsidenten Grützner garnicht erst bedurfte, ist sie deshalb -von gewissem Nu-tzen, weil sie da s ge me i ngeführ-liche Treiben d e n t s chvölk i sche r und geno i s se r d e u t sch n a t i o na l e r 5t r e is e , die ans die „Deutsche Zeitung" schwören, vor aller Oefsentlichkeit brandmarkt. Diese streife schellen sich nicht, die Juden als die an der Ruhrbesetzllng Schuldigen anzuschwärzen. Verleumdungen, die noch dazu geeignet sind, die Schuld der Franzosen zu verkleinern. Die gesamte dentschvölkische Presse schweigt alle die Fälle, in denen jüdische Deutsche durch französische Willkür leiden, tot. Und auch folgenden Fall, der soeben bekannt wird, wird sie so wenig veröffentlichen, wie die übrigen. Der Frankfurter „Israelit" meldet: „Bingen, 1. Juni. Der in Bingen als Polizeiwachtmeister tätig gewesene .frühere Kültusbeamte M a x W o l f, rvnrde vor klirzem von der französischen Behörde festigen um men uub nach Verbüßung einer G e sä n g n i s ft r a fe ans teilt besetzten Gebiet -aiiv gewiesen. Wolf ist ein äußerst ansrechter Mann gut deutscher Gesinnung und hat daraus nie ein Hehl gemacht, was er. ein Sechzigjähriger, mit Ausweisung und 3 0 'T a g e n G e s ä n g u i s zu büßen hakte. Er hat sich nach Hirschhorn begeben, um sich dort von der erlittenen Pein zu erholen." So oder ähnlich wie Wolf ist es auch manchem anderen aufrechten jüdischen Deutschen gegangen. Traurig, daß man nicht in den Tagen zwangsläufiger deutscher Einheitsfront der Notwendigkeit überleben ist, eine solche natürliche Hingäbe an das Vaterland auch nur zu erwähnen. - * ~ - wenn §orö Konkurrent wird ... Der Bluff aus Amerika. Ter anLisemitischen „N i e d e r d e u t s che n Zeitu n g" ist vor kurzem ein übles Versehen zugestoßen. In Nr. 19 druckt sie einen Artikel „D er F o r d s ch e M o t o r t r a k t o r" ab, der einer interessierten Kreisen nähestehenden Korrespondenz zu entstammen scheint. Aus den bemerkenswerten Zusammenhang der „Niederdeutschen Zeitung" mit diesen Kreisen sei hier nur hingewiesen. Aber einige Satze dieser Notiz, die sich gegen die unbegründete Begünstigung des Fordschen Motortraktors durch das Reichsaußenministerium wendet, oerdienen festgehalten zu werden: „Und bei alledem handelt es sich um ein Fabrikat, das die deutsche Industrie -in zumindest gleicher, ja erwiesenermaßen überlegener Güte herzustellen in der Lage ist. Wir sollten doch nie vergessen, Vatz der Begrifs ,Bluff' aus Amerika stammt!" Herr Ford ist der Apostel des Weltantisemitismus. Seine Dollar ahnt man hinter mancher Unternehmung. Seine Schriften haben die „Weisen von Zion" popularisiert und werden in ganz Deutschland planmäßig in großer Zahl verbreitet und als unumstößliche Offenbarungen angesehen. Und nun schreibst Dm ehrliche „Niederdeutsche Zeitung", vom Fordschen Motortraktor: „Wir sollten doch nie vergessen, daß der Begriff „Bluff" aus Amerika stammt!" Was für Fords Motortraktor recht ist, ist für sein j u deng e g n eris che s S ch r i f-t t u m billig: Bluff aus A m e r i k a. Wir lassen nicht locker! K n ü p p e I k u n z e s W u t g e h e u l ü b e r >d e n . B. Seit einiger Zeit kommt uns kaum eine deutschvölkische Zeitung zu Gesicht, in der nicht der C. B. mehr oder minder liebevoller Betrachtung gewürdigt wird. Wir verzeichnen diese Erscheinung mit Befriedigung. Denn Wutgeheul bedeutet immer, daß der Hieb s a ß. Wir haben gegenwärtig eine kleine Auseinandersetzung mit Herrn Apotheker S t a e g e m a n n, dem Vorsitzenden des Deutschnationalen Bundes der Hauswirte zu Berlin, dessen Organ, das fast unter Ausschluß der Oefsentlichkeit erscheint, vor einiger Zeit die Behauptung ausstellte, daß d e r E e n t r a l - V c r e i n d i e >g r o ß e 9t a mpforganisntion d e r I n d e n ge ge n >a l l e s s e i, lv a s deutsch s ü h l t. In seiner Furcht vor dem Staatsanwalt flüchtet sich Herr Staegemann in die zweifelhafte Oefsentlichkeit des „T e u t - s ch e n W o ch e n blatte s", das ihm mit Worten Balsam in seine verletzte Seele zu träufeln sucht, die in solcher Dreistigkeit allerdings nur selten geschrieben wurden: „Der Eeniral-Verein der in Deutschland ansässigen Hebräer erfüllt bekanntlich in erster Linie folgende Aufgabe: Ueberall dort, wo jüdische Frechheit, Verlogenheit, Betrügerei oder Unzucht eine Aeußerung des Mißfallens ans deutscher Seite verursachten, geht er gegen die sich ihrer Haut wehrenden Deutschen mit allen Druckmitteln vor, die einer reichen Person aus Grund unseres römischen Rechtes Zu Gebote stehen." Herr Kunze wird natürlich wieder vom Unheil des römischen Rechtes zetern. wenn aller Voraussicht nach Herr K. Tusche, der ohne Uebertreibung wohl der 14. verantwortliche Redaktetir des „Deutschen Wochenblattes" ist. nicht nu'it von Herrn Staegemann die Anklagebank zieren wird. Spitzels Abfuhr. E i n T p r u ch d e H S t a ß f tt r t e r A m tsge r i ch t s. Es gibt sonderbare -Käuze unter den Dentschvölkischen! Lebt -da in Staßfurt als Mitarbeiter am ,„S t a ß f u r t e r Tag e b l a 11" , in dem Hottenrotts Pogromantisemitismns lvütet, ein. Herr Erwin Nothardt, Hakenkreuzler reinsten Wassers. Was tut cr eines Tages? Er meldet sich zur Aufnahme in den Reichs b u n d j ü d i i ch e x F tont f o l d a t e n. Da gute Judenmit Stolz den Namen Lehmann und Müller und Christenden Namen Kohn und Hirsch tragen — warum sollte nicht auch Rothardt von Abrahams Samen stammen? Aber unsere jüdischen Frontsoldaten, die sich kein 3: für ein U machen lassen und jeden sich bei ihnen Meldenden wegen Frontdiensttätigkeit und Herkunft ans Herz und Nieren prüfen, merkten alsbald den Braten. Und in der Zeitschrift des Reichsbnndes jüdischer Frontsoldaten „Der Schild" wurde eines Tages ,.D a s A>u f n a h m c g e s u ch. eine s S p i tz >e l s" niedriger gehängt. Herr Röthardt aber, statt sich in die Ecke zu verkriechenrief den Kadi an. Wegen Beleidigung: denn was er tat, ist natürlich keine Spitzelet. Die Entscheidung des Skaßsurter Amtsgerichts, deren prägnante Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, lautet also: B e s ch l u ß. Die Eröffnung des Hauptversahrens ward abge lehnt. Die Kosten trägt der Privatklüger. G r ü n d e. Der Angeklagte ist Schriftleiter der Zeitschrift „Der Schild", einer Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. In dieser Zeitschrift hat er im November-Dezember 1922 einen Artikel veröffentlicht unter der Ueberschrist: „Das Aufnahmegesuch cines Spitzels". Er wendet sich darin gegen den Privatktäger. Wenn dieser sich zur Ausnahme in den Bund jüdischer Froutsoldateu meldet — wie er offenbar nicht bestreitet —, so übt er damit die Tätigkeit eines Spitzels aus und kann sich nicht wundern, wenn er als solcher bezeichnet wird. Der Ausdruck Spitzel ist damit für ihn nicht beleidigend. — Im übrigen enthält der Artikel eine Kritik dieses Verhaltens des Privatklägers, die auch in ihrer Form nicht über den im politischen Kampfe üblichen Ton hinausgeht at-n't» eine Ehrenkränknng des Privatklügers nicht enthält. Staßfurt, den 23. Mai 1923. Amtsgericht. gez. Trude. Armer Erwin Röthardt! 0*’i!llilS!IlH|*ii<iillinni*,,i,nsili!lllu«*<iiiinnill,n null' ,i*iMi!iUi!?”'*iil!l!Illliii..*iHi!]iiiiiiiiMjiij|||||iinii,iiii[|||f|in.o f Sroßberlmer Mitglieder! f §§ Demnächst erhaltet Ihr eine wichtige Drucksache! §§