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Central-Verein-Zeitung · 1923-05-31 · Heft 22 (31.5.1923) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
Heft 22 (31.5.1923)
Date
1923-05-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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«n «>** „Die richtige Revolution". Eine Zuschrift an die Sch r i ft le i i u n g. Nein, lieber Herr.Schriftleiter, die vier langen Spalten Unsinn in einem kurzen Aufsatz zu widerlegen, ist unmöglich.- Und lohnt es beim der Miche? Ist denn die Gesellschaft, für die das nationalsozialistische Flugblatt bestimmt ist, der Wahrheit zugänglich? Es wendet sich an die „Revolutionäre". Aber, gemeint sind die Judenfresser. Es ergeht sich in afterwissenschastlichen Theorien, von einer Kindlichkeit,. die nicht an die Gelehrsamkeit des Unterqnartaners Karlchen Miesnick .heranreicht, meint aber im Grunde die Praxis des Gummiknüppels. „Ausklärungsblatt Nr. 30" steht an der Spitze des Wischs, der „die richtige Revolution" empfiehlt, verschickt von der „Deutschen Erneuerungs-Gememde"; und am Schluß wird „die aufsehenerregende Schrift: Judas ^chuldbnch" angepriesen. Na also, wer Augen hat, zu sehen, der sehe. Zürn liebersluß trägt das Exemplar, das Sie mir geschickt haben, den Stempel „Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei". Mithin Machwerk Hitlers oder seiner L)childknappen. „Aus klären" sagen sie, anshetzen meinen sie. Wenn die Stoßtrupps der Hakenkrenzter sich akademisch maskieren, kann sich ein Stein erbarmen. Dennoch — ich habe das Flugblatt gelesen und noch einmal gelesen, auch damit das entsprechende Kapitel der Schrift über das „Programm der Bewegung" verglichen, allwo auf dem Titelblatt ein angeblicher Allsspruch Bismarcks steht: „Der Nationalsoziali-smus paukt sich durch." Hier wie dort das gleiche Gewäsch über die Notivendigkeit, „zunächst an die Verstaatlichung der Börsen und- Banken heranzutreten". „Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschast" heißt es U\ der Broschüre; „Sozialisierung der Banken! Abschaffung des „ewigen" Zinses! Verstaatlichung aller Hypotheken" heißt es im Flugblatt. Als in der Paulskirche einmal ein exemplarisch dummer Antrag gestellt wurde, empfahl ein Redner, den Antragsteller mit der Ausführung zu beauftragen. Die nationalsozialistischen Forderungen ernsthaft zu bekämpfen, ist vollkommen müßig. Aber wenn man. der Hitler-Garde vorhielte, daß Bismarck, auf den sie sich beruft, die Gründung der Preußischen Zentralbodenkredit-Gesellschaft begünstigt und gefordert hat, glauben Die, damit Eindruck zu machen? Es kommt ja den „Aufklärern" gar nicht auf Bank, Zins, Hypotheken an, sondern ans den Kampf gegen die Inden. Lie wollen, wie die Broschüre sagt, „die Schlange anr Genick fassen": nicht ferner soll das Bolk wehrlos den „Dreihundert, von denen jeder jeden kennt", ausgeliesert sein; es gäbe keine „Reparationsfrage", wenn die „schmarotzenden, wuchernden Börsenjuden" eingesperrt und ihnen das „abgeaaunerte Geld" abgenommen würde. Im Flugblatt wird Unendliches von Zinsknechtschaft und Leihkapital phantasiert und dann das erlösende Wort gesprochen: Juden! Glauben Sie, Herr Schriftleiter, die Hakenkreuzler werden, wenn die Albernheit und Verlogenheit ihrer Behauptungen nachgewiesen wird, deren Wiederholr^g unterlassen? Wie oft ist nicht der Schwindel, den die Antisemiten mit Nl> thenaus „Dreihundert" treiben, äTsgedeckt worden? Man hat ihnen gesagt, daß die Wendung in einem Weihnachtsaufsatz von 1910 vorkam bei der volkswirtschaftlichen Untersuchung der Gütererzeugung: „Dreihundert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger ans ihrer Umgebung." Kein Wort' von Juden. Sind die Stinnes, Thyssen, Hantel, Krupp, Henckel-Donnersmarck, Stumm, Kirdorf, Hohenlohe und wie sie alle heißen, Juden? Wenn man zum hundertsten Male darlegte, wie unehrlich mit jenem Wort gekrebst wird, glauben Sie, daß nicht w e i t e r gekrebst würde? . In dem Flugblatt wird ein Mann der Wissenschaft als Eideshelfer angerusen: „Die Inden sind nach dem beruh inten Volkswirtschaftler Werner Sombart zu 99 Prozent die Träger des Kapitalismus." Hätte er's behauptet, er wäre ein Narr. Aber wenn mau uachwiese, daß er eine solche Statistik nie ansgestellt hak, was fruchtete es? Die Juden sollen „vorwiegend" die Inhaber des „zinsenhungrigen Leihkapitals" sein. Was nützt es, aus die Reichsbank und die bayerische Staatsbank zu verweisen? Ans Morgan und Baring? - Wozu denen, die nicht hören wollen, erzählen, daß schon die Fugger Leihgeschäfte selbst mit Kaisern gemacht haben? Höchstens würden die Fugger dann zu Inden gestempelt. Jnr Flugblatt wird behauptet, ' der „Börsenfürst Rothschild besitze allein mehr als 40 Milliarden, während das Vermögen der gesamten deutschen Großindustrie nur 12 Milliarden ausmacht". Woher dieser hanebüchene Blödsinn stammt, wird nicht angegeben. Aber glanben! Sie^dast es einen einzigen „NationalsoZialisten" bekehren wird, wenn Sie ihur sagen, daß es in Deutschland überhaupt keinen Börsenfürsten Rothschild gibt und daß der eine Herr Hugo Stinnes sicherlich nicht weniger Niilliarden besitzt als irgendein Rothschild? Hetze ist alles, Flugschrift und Flugblatt, auch die Aufforderung an die „Revolutionäre", ihre „jüdischen Führer" zu fragen, wie sie über Bank und Zins und Hypothek denken. „Ihr werdet erleben, daß sie kneifen und ausweichend antworten." Glanben Sie, Herr Schriftleiter, bcn Hakenkreuzlern wird die Schamröte in die Wangen steigen, wenn sie erfahren, daß Parvus, ein revolutionärer Jude, schon 1911 ein Buch veröffentlicht hat, worin er die Verstaatlichung der Banken verlangt? Und daß die Bolschewisten in Sowjetrußland, d*.e doch in Bausch und Bogen als Inden bezeichnet werden, die von Hitler und Genossen hier verschriebenen Rezepte so ziemlich ansprobiert haben? Was dem russischen Volke auch danach'bekommen ist? Es wäre verlorene Liebesmüh, all das zu erzählen. Auch daß die erfolgreichsten Bankgründer in Deutschland Hansemann und Georg Siemens waren, unverfälscht christliche Germanen. Und daß der Deutschnationale Dr. Helfferich ein recht tüchtiger Direktor der Deutschen Bank war. Aber, wozu in der Wüste predigen? An der Hetze gegen die Inden wird dadurch nichts geändert werden. Sie haben im Mittelalter die Brunnen vergiftet, haben Hostien gemartert, haben kleine Kinder zu Ostern geschlachtet!! Sie haben — j angeblich — den Weltkrieg angestistet, die November-Revotution gemacht, bcn Ruhr-Einbruch bestellt. Es gibt kein Verbrechen, das ihnen der Haß nicht andichtet. Am 18. Mai hat in der Paulskirche eine Gedächtnisfeier staktgefunden, an der auch Ludo Hartmann Alleinige Anzeigen - A nnahme Rudolf 9£osse; Anz eigen-Annahme für sämtl. Zjeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 8^V 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz / Eölu a. Rh. / Dresden / Düsseldorf / Erfurt ✓ Frankfurt a. 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