Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 21 (26.5.1923)
- Date
- 1923-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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fluch üie tzpgierrek B e m e r k u n g e n zu einem wissenschaftlichen Handbuch. In der dritten Abteilung des vor kurzer Zeit erschienenen vierten Bandes des Handb u ch e s de r Hy g i e n e, von- Nt. Nubner, Max Gruber und M. Ficker hat der 'Privatdozent Fritz Lenz tu M ü n ch e n eine Abhandlung über N -a? s. e u hy g i e n e verösfen'tlicht. Es ist hier nicht der Ort, sich mit den -auch sonst vielfach sehr anfechtbaren Ansichten, Hypothesen und Forderungen des Herrn Lenz auseinanderzusetzen, und man könnte seine Abhandlung ruhig -den Aerzten überlassen-, wenn nicht -schwere Anwürfe gegen die I u den es nötig machten, Herrn Lenz ' in diesem Blatte entgegenzutreton. Ra s se n h y g i e ne ist für Lenz „im wesentlichen Anwendung der allgemeinen Biologie als der Lehre von -der Erblichkeit, Variation, Anpassung und Allslese auf die Erhaltung der Gesundheit", und zwar soll hierbei- „Nasse" nichtdie anthropologische Nasse bezeichnen, sondern im- Sinne von „Geschlechtern" gebraucht -sein. Allerdings fügt Lenz gleich hinzu, „daß die Rafsenhygiene -auch Vörden großen Unterschieden die An gen nicht verschließen darf, die die verschiedenen anthropologischen Nassen darbieten. Dieser Anschauung folgend bespricht er dann die „Unterschiede der großen Nasserl" und kommt auf Seite 50/51 auch aus die Juden. "Er bemerkt da, daß Inden, Griechen und Ar-lnenier, „die ebenfalls von vorwiegend vorderasi-atijcher Nasse sind", sich besonders durch -große Gewandtheit im Handel und Verkehr auszeichnen. Dies scheint er also als von jeher vorhanden gewesene „Rasseeigentümlichleit" zu betrachten. Er fährt dann Wort lidy fort-: „In gleicher Richtung wirkten offenbar die Ausleseverhältnisse während des viele Jahrhunderte langen städtischen Lebens -und der säst ausschließlichen (Lenz vergißt zusagen: durch die Umwelt erzwungenen) Beschäftigung im Handel und in ähnlichen Berufen". Undmin fährt er mit folgenden, höchst charakteristischen Worten fort: „P o n der Nrerze u g u n g, d e r Le be n s >bedü r f n i s s e n i ch t n u r d n r ch. eigene N e i - g n n g I, sondern vielfach auch durch, gesetzliche Beschränkung ausgeschlossen, konnten in der Hauptsache i m-me r' n>xt r f o -l che Juden eine F a m i l i e g r ü n den, w e l ch e d i e Angehörigen der Wirtsvölker ganz besonders gut zu n e h nt-e n verstände n1). So dürfte es kommen, daß die Juden sich nicht nur durch Klugheit und Rührigkeit, Fleiß und Beharrlichkeit, sondern vor allem auch durch die Fähigkeit auszeichnen, sich in die Seele anderer Menschen e i n z u f xi h X e n n n d f i e na ch i h r e m W i I l e n z u l e n k e n I. Neigung und Fähigkeiten führen sie daher immer wieder zu Betätigungen, bei denen das Ei n ge h e n a n f d i e jeweiligen Neig u n g e n d e s P u b l >? k u in s ' u n d d e r e n L e n k u n g E r f o l g b ri ngt I. Berufe, denen sie sich mit Vorliebe und Erfolg zuwenden, sind daher, vor allem die des Kaufmanns, Händlers xmd Geldverleihers, des Journalisten, Schriftstellers, Politikers,, Schauspielers, Musikers, Rechtsanwaltes und Arztes. Obwohl man den Juden die Fähigkeit zuschöpserischen Leistungen ans dem Gebiete des Geistes keineswegs absprechen kann, .tritt d o ch a u ch hier i h r e Beteilig n n a a n de r U r e r z e n - gung hinter ihrer vermittelnden Tätigkeit zurück. Im ganzen dürfte dev jüdische Geist nächst dem germanischen als die hauptsächlich treibende Kraft der modernen abendländischen Kultur anzufehen sein. Es kann keine Rede davon fei.rr, daß die jüdische Eigeuart^aus Vererbung unmittelbarer Einflüsse der Umwelt (Unterdrückung während der Ghettozeit u. ä.) zurückzusühren sei. Immer ist vielmehr die idiotypische Beschosfenheit einer Bevölkerung einerseits durch ihre Abstammung und anderseits durch die Ausleseverhiiltu'iffe bestimmt. A u f de s e W e i s e e r k t ü r t s i ch a u ch z w a n g los d i >e A b n e i g u n g d e r m e ist e n I uden g -e ge n das Waffe n h a n d w e r k -ün d übe r h a u p t gegen offene Ge tu a 11 I. Während der römischen Kaiserzeit ivxrrde die jüdische Bevölkerung im Orient mehrfach zum überwiegenden Teile nieder gemacht. Dabei kamen natürlich Vorzug stveisje solche Individuen davon, die sich nicht offen auslehnten, sondern unter dem schein der Unterwürfigkeit ihr Leben b e w a h r te n u n d d -a m i t i h r Bl u k s e r b e d e n k o rrr - m enden Geschlecht e r n e r h i e t t e n. I n ä ly n l X ch e r R i ch t u n g Züchte n d tv i rk te >auch di e Gh e t t oze i t nx i t i h r e n vielen Vers o I g u nge n" I. So also malt sich irn Kopfe des Privatdozenten für Hygiene Fritz Lenz in München jüdischer Geist und jüdische Art und jüdisches „Blutserbe". Das sind die Lehren, die ein deutscher akademischer Lehrer der kommenden Aerzkegeneration einverleibt, und so stehen sie in einem „Handbuch" der Hygiene, das sogar „akademischen Lehrern" als Nachschlagewerk dienen soll. Ich müßte ein ganzes dickes Werk schreiben, um Satz für Satz dieser unhaltbaren Darstellung, dieser Geschichtsklitterung Zu widerlegen. In Kürze sei aber doch folgendes gesagt: Die alten Juden waren ein B a u e r n v o l k und nur ein solches. 'Sie waren in erster Linie Viehziichter und dann Landbebauer. Sie waren so sehr Bauern, daß Salomo seinen Prachtkempel von ausländischen Baumeistern und Werkteuten entwerfen und bauen lassen mußte, und daß die Juden Handel und -Seefahrt durch die Phönizier betreiben ließen, die in Wirklichkeit das „Handelsvolk" des Altertums waren. Lenz könnte auch sehr gut wissen, daß die alten Jxrden heldenmütige Kämpfer waren und daß unter ihnen Feiglinge und Ueberläuser mindestens nicht häufiger waren als unter den Kämpfern des Weltkrieges; er könnte aber auch wiffen, daß sie heldenmütige Bekenner waren, die wahrhaftig nicht „unter dem Schein der Unterwürfigkeit ihr Leben bewahrten", sondern lieber Scheiterhaufeu und siedendes Oel, Not und Tod erlitten, als ihrer Religion untreu wurden. VLeiß Lenz ferner nicht, daß man die Juden nach Zerstörung ihres Staates gewaltsam vom Ackerbau. „von der Urerzengnng" abhielt, daß man ihnen mehr als ein Jahrtausend lang dann nur den ,.Handel und das Geldverleihen" gestattete? Daß man sie von allen Wissenschaften, mit Ausnahme der ärztlichen, ausschloß, und daß ihnen sonst n'nr die geistige Beschäftigung mit Thora und Talmud blieb, und daß sie dadurch geradezu auf Geist ' gezüchtet nmrdeu? Weiß Lenz nicht, daß bis zur Revolntivn ein Jude zwar „Kaufmann, Händler und Geldverleiher, Journalist, Schriftsteller, Politiker, Schauspieler, Musiker, Rechtsanwalt und Arzt" lx'erden konnte, daß ihm aber im übrigen jeder andere Berus, nicht de jure aber de facto versagt war? Hat Lenz gar nicht gemerkt, daß die Presse, sogar die sogenannte „wisfenschastliche", der Ententeländer mit dem-selben wissenschaftlichen.Ernst und ^Nachdruck, mit dem es Lenz vom „jüdischen Geist" schreibt, vom „germanischen Geiste" behauptete, man könne „ihm zwar nicht die Tätigkeit zu schöpferischen Leistungen auf dem Gebiete des Geistes äbsprechen", aber die Beteiligung der Deutschen „an der Urerzengnng trete hinter ihrer vermittelnden Tätigkeit zurück?" Solche Behauptungen Pflegen sich immer da einznstellen, wo an Stelle von Tatsachen mit Sentiments gearbeitet wird. Solche Behauptungen Pflegen aber auch aus dem tstrsenal der deutschen A n t i s -e m i t-e n mit Wonne in das a n t i - deutsche Arsenal der Chauvinisten aller deutschfeindlichen Länder übernommen zu lverden. — Als das deutsche Heer aufgelöst wurde, da verwandelten sich seine Berufsoffiziere in "„Kausleute, Händler, Geldverleiher, Journalisten, Schriftsteller, Politiker, Schauspieler, Atusiker, Rechtsanwälte und Aerzte". Geschah dies vielleicht, weil doch in diesen Offizieren stets die „idiothpische Beschaffenheit" fo be- * stimmt war oder geschah dies durch die rohe Gewalt der Umwelt, durch den Zwang, einen Berus zu haben, der es ermöglichte, den Lebensunterhalt zu verdienen? Genau so erging es den Jxrden! Und nun nehmen tvir einmal an — auch ich kann den vielen Lenzschen Hypothesen einmal eine nachbilden — dieser Zustand, in dem das ganze deutsche Volk sich jetzt befindet, der Zustand der erz w u n g e n e n Abrüstung und Verhinderung in der militärischen Ausbildung dauere wie bei den Juden fast zwei Jahrtausende. Wird dann die „Abneigung gegen das Waffenhandwerk xxnd überhaupt gegen offene Gewalt eine Folge idiotypischer Beschaffenheit" oder nicht doch der „Vererbung xmrnittelbarer Einslüffe -der Icknwelt (Unterdrückung während der Ghettozeit)" sein? Und zunx Schluß: daß die Juden die Völker „nach ihrem Willen lenken" «ist eine alte, wenn auch sehr beliebte Erfindung der Antisemiten, und es wäre -durchaus nicht nötig, diese Behauptung zuxu tausendundersten Male zu widerlegen, selbst wenn sie in einem „Handbuch der Hygiene" steht, daß aber der ärztliche Beruf nach Darstellung eines Arztes zu denen gehört, „bei denen -das Eingehen auf die jetveiligen Neigungen des Pubtikxnns und deren Lenkung Erfolg bringt", ^xcn; mir doch neu. Ich habe immer geglaubt — ich bin vielleicht altmodisch —„daß der Arzt seinen Beruf xmd feine Kunst so ausübte, daß er gerade erhaben wäre über die „jeloeiligen Neigungen des Publikums". Oder soll das nur von den jüdischen Aerzten gelten, daß sie diesen Neigungen nachgeben und nachgehen? Als deutscher und als jüdischer Arzt erlebe ich heftigen Widerspruch gegen diese den ganzen Aerztestand schwer kränkenden Anschuldigungen. Die Ausführungen von Lenz Zeigen, wohin es kommt, lvenn man von den Höhen der Wissenschaft in die Niederungen -der Parteilevdenschaft hinabsteigt. Die von' ihm beschrittenen Pfade sühren in das Land der Dinier, Fritzsche, Roth, Quindel und wie diese Herrschaften alle heißen mögen, aber nicht in das Land der voraussetzungslosen Forschung. Ich möchte, ihm das Goethe-Wort zurnsen: „Es tut mir weh/ daß'ich dich in der Gesellschaft seh." Sanitüisrat Dr. A l f r e d S t e i n t h a t, Brnunschlveig. GO Ntthrkittder! Aus Meiningen wird uns geschrieben: Durch die erfolgreiche Dermittelnng und Tätigkeit der Meininger Ortsgruppe des Neichsbundcs jüdischer Frontsoldaten trafen 20 Kinder aus dem Rxchrgebiet, begleitet von Herrn Dr. B. Jakob (Dortmund), in Meiningen ein. Die Kinder, die aus den ärmsten Verhältnissen komnren und sehr der Pflege bedürfen, fanden bereits Evi hiesigen- Familien die liebevollstL Ausnahme. Möge ihnen der Aufenthalt in unserer gastlichen Stadt gut bekommen und mögen sie bei ihrer Rückkehr eine freie Heimat finden. Jüdische Not. Der „N a ch r i ch t e n d i e n st - der Zentralw o h l s a h r t s st e l l e der deutschen Juden" teilt mit, daß die Sammlung für die Erhaltung der in ihrem Bestände schwer bedrohten jüdischen W o h l f a h r t s e i n r i ch t u n g e n in Deutschland gute Ergebnisse zeitigt. In einer großen Reihe von Gemeinden haben gerade inchen letzten Monaten für jede -einzelne Institution Aktionen stattgefnnden, deren Erträgnisse sich ans Viele Millionen belaufen; so vor allem in Breslau, Frankfurt, Hamburg, Köln. Besonders erfreulich sind die Resultate in einigen mittleren und kleinen Gemeinden. So bat Zwickau Zirka 6 Millionen an die Zentrale bereits abgelvesert, Dinslaken mehr als Million, ans Westfalen sind mehrere Millionen in Aussicht gestellt. An den bisherigen Ergebnissen der Sammlung hat Groß-Berlin den größten Anteil, wo zum ersten Male in der Entwicktu-ng des jüdischen Wohlfahrtstvesens die schärfste Konzentrierung im Sammelwesen zur Durchführxmg -gelangt ist. Aus den maßgebendsten Persönlichkeiten der Industrie- und Handelswelt tvurde ein Finanzausschuß z-usammenberusen, der die Durchführung der Sammlung nach Branchen in die Hand nahm. Sämtliche sozialen Einrichtungen Berlins, auch die offene *) Vom Verfasser gesperrt.