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Central-Verein-Zeitung · 1923-05-26 · 21 (26.5.1923) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
21 (26.5.1923)
Date
1923-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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172 Wohlfahrtspflege der Gemeinde, verpflichteten sich, während der ganzen Dauer der Sammlung von jeder Eingelaktion abzusthen!. Diesem Umstande ist es zu verdanken, daß schon in den allerersten Wochen weit über 100 Millionen nur in einem Teile der Branchen gesammelt worden sind. Der „Jüdische Bote vom Rhein", die Woäzenschrift der Kölner jüdischen Gemeinde, ist nach dreijährigem Bestehen dem großen Zei tu nässte vben erlegen. Der Schriftleiter des Blattes, Emil C o b n (Bonn), schreibt in einem „A b s ch ie d s w o r t": „Heute soll hier nur noch ein kurzer Dank ausgesprochen werden: Zuallererst -den Männern, die die Gründung des Blattes ermöglicht und mit Rat und Tat seinen Aufstieg begleitet haben; sodann den Herren der Kölner Gemeinde und all denen,, die ihm in der Zeit der Krise -ein Weiterbestehen ermöglichten: und schließlich allen, die ihm treu geblieben sind, als er im Sturm der Zeit gleich vielen -anderen größeren und älteren Blättern seine Segel eines nach dem ^anderen streichenmußte. Wenn so auch durchaus nicht alle seine Blütenträmne reiften, kann sich der „Jüdische Bote" doch sagen, daß feiiu Wirten nicht vergeblich war. Er sagt es sich so stark, daß er hier der Hoffnung aus vm baldiges Wiedersehen Ausdruck gibt, sei es in der alten,' sei es in irgendeiner anderen Form. Am Wochenfeste, dem Feste des Sinai, begrüßten wir dereinst die ersten unserer Leser, am Wochenseste grüßen wir die letzten, grüßen alle, die uns teuer sind. Sv mag auch unterm Zeichen unserer heiligen Taurvh das letzte Wort gesprochen sein, wie es einst das erste war. Ja, das Wort, das wir schrieben, der Ruf, den wir riesen, der Weg, den wir gingen, es war immer und überall ein und dasselbe: das Wort von der Lehre, der Ruf zmn Gesetze, der Weg zur lebendigen Form." „Der Kämpfer", Z e u f r a l o r fl a n d e r derrtsch - j ü d i s ch e n I u g e n d g e m e i n s ch a s t, liegt bereits in seiner zweiten Nummer Vor und läßt erkennen, daß die S>chriftleitung bei Friedrich B r v d n i tz in guten Händen liegt. Was das jüdische Jugendorgan will, sogt Fritz B o r ch a r d t in einem Leitartikel „D i e Alten nnd die I u n g e n" wuchtig und klar: „Die Jugend hat sich selbst ihre Bewegung geschossen. In ihre Hände ist unser größtes Gut gelegt, die Zukunft des deutschen Judentums. Wir werden es verteidigen gegen jede Bedrohung. Die Jugend braucht die Entscheidung für ein starkes Ideal. Ihr ist nicht mit. Halbheiten oder Kompromissen gedient; eine „neutrale" Haltung mag für die Alten gut sein, w i r beke n n e n uns f r e i nnd kl a x?} it m deutschen Vaterlande u n d z u m de u tf ch e n I u d e n - tum. Kämpfer wollen wir feinfür Recht und Freiheit, alle bis auf den letzten in unseren Reihen. Dann wird der Sieg unser sein!" Für körperliche nnd geistige Ertüchtigung. Eine vorn ,,R e i ch s - b u n d jüdischer F r o n t s o! d a t e n" ein berufene Versammlung. die am 16. Mai 19W zu Berlin in den „Sp i ch e r n s ä l e n" äbigehalten wurde, war von Jugendlichen aller Richtungen und von vielen Kameraden des Frontbundes und sonstigen - Gästen besucht. Nach den Begrüßungsworten des 1.' Vorsitzenden. Herrn Dr. L ö w e n st e i n . machte Herr Dr. Edmund Werner die Jugend mit bc m Zweck der Veranstaltung bekannt. Die jüdischen Frontsoldaten — führte er aus — wendeten sich -an die jüdische Jugend, um ihre tat kräftige Mi taub eit bei der Bekämpfung des Judenhasses in Anspruch zu nehmen. Herr Prediger Dr. Lehmann sprach in warmen Worten von der Notwendigkeit körperlicher, geistiger und seelischer Erziehung der jüdischen Jugend, nnd hob dabei insbesondere die Notwendigkeit der Selbstzucht auf allendiesen Gebieten hervor. In diesem Geiste forderte er die Jugend auf, ihre Persönlichkeit für die Allsgaben einZU-setzen, Ne der Jugend im Kampf gc-een den Judenhaß lind um die Erhaltungdes Judentums gestellt werden. Danach behandelte Herr Professor Dr. Karl Lew in in klaren, knappen nnd -eindrucksvollen Ausführungen die Seite der k ö r p e r l i ch e u E r t it ci) tigu n g. Er bedauerte es, daß so viele deutsche Juden sich rein geistigen Berufenzugewendet hätten, und stellte es als erstrebenswertes Ziel dar,« die Jugend lvfeder dem Hand w e r k -und der L a n d w i rt s ch a s t znznsnhren. Der letzte Gedanke wurde in der Aussprache besonders durch Herrn Marcus als Vertreter der jüdischen Handwerker unterstrichen. In der Aussprache kamen noch in bunter Reihen folge jugendliche Vertreter aller Richtungen zu Work. Vertreter des ..Barkvchba" und der nationaldeutschen Juden Lehnten (natürlich aus entgegengesetzten Motiven) die Mitarbeit ab. während die dentschjüdische Jugend — hier feien besonders die warmherzigen Ausführungen des Herrn Friedrich Brvdnitz hervorgehoben — sich bereit erklärte, ihre Kraft im Sinne der Anregungen der Frontsoldaten einzusetzen. Frau Dr. Sa moje sprach klug und herzlich als Frau zu den Frauen von deren Aufgaben in Lebensführung und Erziehung. Nicht verschwiegen darf werden, daß es während der Versammlung einmal zu stürmischen Auseingndersetz.lngen zwischen jugendlichen Zionisten und deren Gegnern kam, die bei der, gegenwärtig so gefahrdrohenden Lage doppelt bedauerlich sind. Der Diebstahl iiu Berliner jüdischen Museum. Von der Einbrechorb-ande, die das Museum der Berliner Jüdischen Gemeinde in der Oranienburger Straße heimgesucht hat, sind zwei, ein Ehr ist mvb ein Jude, gefaßt worden. Die geraubten Gegenstände sind bis auf einen ganz kleinen Teil noch nicht entdeckt worden-. Es wurden--entwendet: 163 Medaillen, meist fiKieme, und zwei -goldene: 9t) Münzen ans der Zeit Simons I. Maccab aus und der nachfolgenden Epoche: 10 goldene Trauringe aus dem Mittelalter: 1 goldenes Kettchen: 1 silberner Becher,- 17. Jahrhundert: 33 verschiedene Knltusgeräte. nieist Silber: 4 große Pokale und zwar 2 „Hachnassakh Kallah" mit he bräi schere Jnschristeri und den Nauwn sämtlicher Vorsteher; 2 Becher der alten Shnagog-e, 18. Jahrhundert. Kleine Chronik. Eine Ehrung ganz besonderer Art ist dem in Frankfurt a. d. Oder wohnhaften Pfarrer einer. Paul Bill er deck zrckeil geworden. Die theologische Fakultät der Universität Greifswald hat ihn im Hinblick auf fein Ko-mmenkarwerk zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch zum Doktor der Theologie ernannt. Das ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, die es für evangelische Theologen gibt. Der bejahrte Professor Dal man aus Greifswald, auf christlicher Seite der .beste Kenner des altjüdischen Schrifttums, hatte es sich nicht nehmen lassen, die Ernennung im Aufträge der dortigen Fakultät persönlich nach Franifurt zu überbringen. Uebrigeus dürfte gegenwärtig der Pfarrer Billerbeck' der einzige Inhaber dieser Auszeichnung in Frankfurt fein. Möge es ih-m vergönnt fern, fich derselben noch lange zu erfreuen! — Im Aufträge der Reichszentrale für Htt-matdienst hielt Rabbiner Dr. Krone t (Bopsing-en-) bei einem vater- Knidischen Abend im Kronensaas dortsalbst einen Vortrag über: ,31 u h r u n d Rhei n sollen uitf e r s ei n". Redner erntete reichen Beifall für die anregenden Ausführnngen, die mit einem starken Appell an die deutsche Eintracht endeten. — Die Ortsgruppe M ü n ch e n erlitt einen schweren Ver- 8u.fi' durch das Hinscheiden ihres langjährigen Ausschngmitgliedes, des Herrn Betriebsleiters Eugen Meier, der sich um die Arbeiten des Vevernes, besonders um die Werbung in dem ihm nahestehenden Krisen an- DSennenswerte Verdienste erworben hat. Unter der Ueberschrift „Vaterländische K a m p f s p i e l e" bringt der „Vorwärts" in Nummer 229 vom 18. Mai J92*5 eine satyrische Würdigung der völkischen Presseraufereien: Da es mit der Revolutionsspielerei nichts ist, veranstalten die Deutschvötkischen, um liebgewordene Gewohnheiten nicht aufgeben zu müssen, vorläufig Kampfspiele unter sich. Die Rauferei ist in vollem Gange und bie Dreckschleudern, die sonst gegen die Ministerbänke gerichtet sind, werden batterienweise gegeneinander ausgefahren. Der Ruhm der „Deutschen Zeitung", die den völkischen Größen um Wulle, Henning und Graese-Goldebe Unwahrhastigkeitvorgeworsen hatte, läßt die Freiheitspar teiler nicht schlafen. Jnl der mit Eichenlaub ulld Schwertern geschmückten „Mecklenburger! Warte" meldet sich Herr Henning selbst zum Wort, um dev „Deutschen Zeitung" echt deutsche Verse ins Stammbuch zu schreib ben. Er spricht von T o l ch st ö ß e n, die die „D e u t s ch e Zeitung" und ihre geistige Säule, der nicht ganz unbekannte Herr! von F r e h t a g h - Lo r i n g h o v e n , immer dann in den Rücken der Deutschvölkischen Partei führen, wenn sie in der Klemme sitzt. Er protestiert gegen den „jüdischen" Ton der D e -u t s ch e rr Zeitung". Also auch das Organ der Maurenbrecher und Sodensterne ist nicht mehr frei von Verjudung? Es sollte uns nichtwundern, wenn demnächst die Entdeckung austaucht, daß das Organ ‘ dieser Herren von marxistischem Geiste angekränkelt und von jüdi-' schein Kapital bestochen ist. Die „Deutsche Zeitung", die nicht gerade zimperlich ist, lvenn es gilt, andere 31t verunglimpfen, tobt ob dieser Unterstellungen. Sie wirst ihrem völkischen Kampfgenossen Henning von neuen-' Unwahrhastigkeit vor und macht die Feststellung, daß die denk?.', b a r sch ä r f st e n G e g e n s ä tz e die Deutschvölkischen, Richtung. „Deutsche Zeitung", von den Deutschvölkischen, Richtung „Freiheitspartei", trennen. / Man müsse ein irgendNne fre undschastl i ch e s Z u s a m m e n g e h e u mit Henning a b l e h n e n. Untev diesen Umständen wird man sich vergeblich den Kops darüber zerbrechen,. wie sich.-die deutschvölkischen Napoleons den Freiheit^ kampf gegen Republik und Poincarö,'vorstellen. Nicht minder eifrig in den Freiheitskampf aller gegen all< greift das deutschvölkische „Deutsche Tageblatt" ein. Est richtet die Mündung seiner großen Kanone aus die völkischen Freunde in Bayern. Herr P i t t i n g e r , aus der Heldenzeit des Herrn Escherich wohlbekannt,wird angeklagt, mit der „Donausöd e r a t i 0 n" zu liebäugeln. ■ Als den Herren Machaus und Fuchs derartiges nachgesagt wurde, nannte man das Hochverr a t. Weiter wird ihm vorgeworfen, ein Organ unter dem Titek „Nene Heimatlandbriefe" gegründet zu haben, um dem großdeutschvöltischen „Heiruatland" das Wasser a b z u g r a be n. Tatsäch-. lich hak das Landgericht München I die Führung des Titels „Neuei Heunatlnndbriese" verboten. Das „Deutsche Tageblatt" begrüß? diesen Eutscheid „i nr- I n t e r e s s e der Reinlichkeit d e %. p 0 litischen K amPfe s". Man wirst also dem früherer- Kampfgenossen Pittinger nichts Geringeres als Hochverrat und nnsallbere Kampfesweise vor. Diese kleine Blutenlese mag genügen, um zu zeigen, wie sich die Teutschvölkischen selbst einschätzeu. Iuöenfeinüliche Erholungsorte. Bansin (Inserat der Badeverwaltung: „Nur christliche Gäste"). Borkum. Dan aast. Ditzenbach i. Württ. Ernöd b. Friesach in Obersteiermark. Finsterbergen. (Fremdenverkehrsverein versendet Prospekte mit der Aufschrift: „Nur . für christliche Familien".) Heiligenhafen. Juist. Königsseld i. Schwarzwald. (Prospekt: „Israeliten suchen den Kurort in der Regel nicht auf.") Langeoog. Masserberg i. Thür. Murnau (Bayern). Spiekeroog. Understmatt, Schwarzwald. (Das Kurhaus versendet Empfehlungsschreiben mit dem Vermerk: „Für jüdische Empfänger ungültig.") Boiderbad bei Hall. Wald i. Oberpinzgaü. (Israeliten ausgeschloff.) Zinnowitz. HsteLs und Pensionen, die jndenfeindlich sind oder denenals ausgesprochen „christlichen Häusern" jüdischer Besuch' nicht willkommen ist. Arendsee (Villa ,Lu- Frl. Schulze, Hau- Waidmannsheil, beca", Logierhaus „Wotan"). Altheide (Haus Gerda). Auguftabad b. Neubrandenburg i. Mecklenburg (Kurhotel, Ves. Wilhelm Evert). Bahrisch-Zell (vr. von Mengershausens Kurheim „Tannerhof"). Berchtesgaden (Billa „Minerva", P^ftiön Malterlehen i. d. Schönau, Haus Schöneck a. Gut Fischmichellehen). Beurou (Hotel u. Pension Pelikan, Inhaber A. Hausen). Binz (Haus Gaebel, Quisisana, Hotel Polenberg). Braunlage a. Harz (Haus Anna-Liese, Bes. Billa Irmgard). Brunshaupten i. Mecklenburg (Pension Bella vista, Castle Mona, Fürst Bülow und M. Stichert, Lindenstraße 52). Buchenbach (Familienerholungsheim Wiesneck, Bahnstation Himmelreich-Höllenthal). Buckow, Kreis Lebus („Wilhelmshöhe"). Bauerhuser b. Köslin (Hotel Strandschloß), streng christlich. Blankenburg i. Harz (Pension B. Canz, Schleinitzstraße 3). Bad Elster i. Vogtland (Haus Sieglinde, Inh. Olga Steinhäulerll Fallingbostel, BezirL Lüneburg (Pension Kersten. Lungenkranke und Israeliten werden nicht ausgenommen). Flinsberg („Borussia", Villa Bergfrieden, Haus Bötticher, Haus Daheim, Inh. Grabe, Haus Feodora, Lug-irrs-Land, Haus von Bützingslöwen). Fügen i. Zillertal. Frankfurt a. Main (Bahnhofshotel „Kölnischer Hof', Bes. Laasz). Freudenstadti.Schwarzwald. (Palmenwalü, Kurhaus Teuchelwald, Haus „Freiheit, Inh. v. Beckerath). Friedrichroda (Villa .Charlotte, - AlexandN"

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