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Central-Verein-Zeitung · 1923-05-17 · 20 (17.5.1923) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
20 (17.5.1923)
Date
1923-05-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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160 Arrm 1 oo.Geburtstage ^epmannSteinthals. Von Dr. Hugo Sternth al. , Die Gegenwart berauscht sich gern in lauten äußerlichen Festlich-- keiten an den Taten ihrer „Helden". Die Unrast und die Jagd nach Erwerb und Sinnentaumol läßt nur geringe Spanne Zeit zur Einkehr und Versenkung in die wahrhaft Großen der Menschheit, die still und unverdrossen, ihrer Berufung getreu, mitarbeiteten an dem stolzen Bau der Kultur. Am 16. Mai wurden es 100 Jahre, daß H e h m a n n Steinthal in dem kleinen Gröbzig im Anhaltischen das Licht der Welt erblickte. Manche kennen seinen Namen, viele nennen ihn mit Verehrung und Dankbarkeit — doch allzu wenige wissen, wer er war und was er bedeutete für Deutschtum und Judentum. Er ist eine der Gestalten, auf die das deutsche Judentum mit Stolz Hinweisen darf, weil er mit gütigenr Ernst und mahnender Liebe den Juden an seine Pflicht erinnerte, ihm feine Fehler vorhielt und seinen Stolz wachrief. Ein tief religiöser Mensch, ein unerchütterlicher Optimist und Idealist, eine reine, rührend kindliche '^eele, schritt er mit sieghaft bescheidener Sicherheit unbeirrt durch das Leben. Aufrecht, trotz vieler Schicksalsschläge das Leben bejahend, gütig und frei aller Bitterkeit gegen Menschen und Geschick, voll Gewißheit an die Unvergünglichke'it, Wahrheit und Einzigkeit seines Gottes, kämpfte er für die Ehre des Indent ums. Wie eine Mahnung an uns heutige Juden klingt sein selb st sicher er, selbstprüfender Nus, auserwählt zu sein, „nicht um die Höhe zu bezeichnen, auf welcher wir ständen oder jemals gestanden hätten, nicht um -uns als die Vorzüglicheren unter unfern Mitmenschen hinzustellen, sondern um uns jederzeit die Kluft vorzuhalten, die unsere Wirklichkeit von der idealen Ausgabe der Sittlichkeit trennt, die Kluft zwischen unseren Mängeln und dem von dm Propheten gezeichneten Vorbilde/' Das stolze Bewußtsein der Auserwähltheit trieb ihn nicht dazu, sich zu überheben, oder sich besser zu dünken, denn die „andern". Dieses „Anderssein" war ihm sittliche Aufgabe von ungeheurer Schwere, eine unerbittliche Forderung, gut zu sein-, „damit das Böse aus deiner Mitte gebannt werde!". So war er ein unermüdlicher Mahner und Lehrer, ein edles leuchtendes Vorbild, wenn er auch in großer Bescheioenheit von sich sagte: „Weder bin ich Prophet, noch ist es mein Beruf, Sitte zu predigen; aber ich liebe meine Glaubensgenossen wie der Prophet und wie der Sittenprediger, ich liebe sie alle und jeden, Mann und Frau, auch diejenigen, deren Wandel die stärkste Rüge verdienen." Verankert war in ihm auch deutsches Wesen, deutsche Art und deutsche Kultur. Und sein Wort „Neben den Propheten begeistern uns Lessing und Herder, Kant, Fichte und Schiller, Goethe und beide Humboldt, die ebenso wenig außerhalb des deutschen Volkes erstehen konnten, als die Propheten außerhalb Israels" war ein Bekenntnis seiner deutschen Gesinnung. Meisterlich hat er mitgewebt am bunten Teppich deutscher Bildung und seinen Namen eingegraben in die Annalen deutscher Wissenschaft. Großes hat er als Philosoph geleistet. Als Schüler Herbarts hat er mit seinem Freund und Schwager Lazarus die Völkerpsychologie als Sonderwissenschast geschaffen und wertvolle Arbeiten in seiner „Zeitschrift für Völkerpsychologie uriD Sprachwisse n s ch a s t" (seit 1869) für die Erkenntnis der sozialen Psychologie beigesteuert. Sein ganzes Denken wurzelt in dem Urgrund der Sittlichkeit — sein Hauptwerk ist die „Allgemeine Ethik" Alleinige Anz eignen-Annahme Sud o If Messe, Anz ei gen-Annahme für sämti. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz ✓ Co ln ct. 9U). / Dresden ✓ Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. / Lalle (Saale) Hamburg / Hannover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim / München / ^Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien / Budapest / Warschau ✓ Basel / Zürich Berlin Leipziger Str. * Alexanderplatz Frankfurter Allee Hermann Tietz Berlin Leipziger Str. * Alexanderplatz Frankfurter Allee Damenwäsche - Bettwäsche Handtücher - Tischgedecke Taschentücher. 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