Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 20 (17.5.1923)
- Date
- 1923-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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159 Ein Rückzug -es Grafen Reventlow. Ach ad Ha am und „Die Weisen von Zion". Von dem sundamenttosen Gebäude der „Weisen von Z i o n" bröckelt Stein um Stein ab, und gerade Graf Reventlow gehört, sicherlich zu seinem Leidwesen, zu denen, die seinen endgültigen Zusammenbruch beschleunigen. Kürzlich wurde nämlich in Moabit wieder eine Verleumdung des edlen Grasen zur Strecke gebracht. Als vor längerer Zeit die Weisen - von - Zion - Theorie ins Wanken geriet, tauchte in der deutschvölkischen Presse eine aus einer französischen Hetzzeitung übernommene Behauptung auf, daß die Weisen von Zion, diese Berfassungsurkunde Attjudaans, den unter dein Narnen Achad Ha'am bekannten zionistischen Schriftsteller Ushcr Ginzberg zum Urheber hätten. Dieser habe zwar in die Verhandlung des Zionistenkongresses im Jahre 1897 nicht eingegriffen, aber die Geheimsitzungen seien durch den Vortrag jener Gedankengänge ansgefüllt worden, die danach als die „Protokolle" in. die Oesfentlichkeit gelangten. — Die Verhandlung ergab die völlige Haltlosigkeit der Behauptungen des Grafen Reventlow. Es kam zwischen den Parteien, von denen Reventlow selbst zugegen war, folgender Vergleich zustande: „Graf Reventlow bedauert, aus dem französischen Antisemitenblatt „La V i e i l l e France" die Behauptung, Ginzberg sei der Verfasser der „Weisen von Zion", übernommen zu haben, und erklärt, unter Uebernahme der Kosten des Rechtsstreites, daß er heute diese lediglich auf die Darstellung der „La Viertle France" gegründete Behauptung nicht anfrechterhalten kann. Er übernimmt auch die Verpflichtung, diesen Vergleich in-dem „Deutschen Tageblatt" zu publizieren. Jahrelang ist diese Verleumdung geglaubt worden, itub in zahllosen Köpfen war sie eiserner Bestand völkischer Beweisführung. Der Vergleich wird ihre Wirkung nicht im Augenblick allslöschen. Wir aber werden nicht locker lassen, bis Stein um Stein vom Lügengebäude der „Weisen von Zion" abgetragen ist. Deutschenverfolgungen ln Gberschlesien. Die Pole:: g e l e h r i g e S ch ü l e r Hit l e r s. Am 3. Mai hat Polen sein Rational fest gefeiert. Die „Kreuzzeitung" veröffentlicht in ihrer Nr. 216 vom 12. Mai einen Sonderlbericht aus Kattowitz. Der Kattowitzer Korrespondent stellt fest: was von polnischer Seite geschehen sei, f c ge ein Lraur i ges Z e n gn i s ab von dem sittlichen Zustand eines Volkes, das durch die Hetzarbeit jeden sittlichen Halt v e rl o r e n ha b e. Darur fährt er fort: . . . Wenn ein Geistlicher, der als Direktor eines polnischen Gymnasiums ulld Oberschlesier doppelten Pflichten untersteht, in einer öffentlichen Rede fordert, daß den Deutschen im Lande die Zungen heransgerissen loerden mü-ßten, damit sie in Polen ihre gottverdammte Sprache nicht mehr sprechen könnten, und daß sie so schnell wie möglich das Land verlassen sollten, so ist über einen solchen moralischen Tiefstand jedes weitere Wort überflüssig. ' Selbst wenn dieser Prediger christlicher Milde seine Worte nur bildlich aufgesaßt haben sollte, als Angehöriger seines Standes muß er mehr als jeder andere wissen, daß. solche Reden von denen, <tuf die sie gemünzt sind, nur w ö r t l i ch verstanden werden. Das ist dann auch im großen Umfange geschehen. Ueberall trgt der L e i t g e d a n k e zutage: A l l c Deutschen sind if o s ch n e l l wie möglich aus dem Lande zu treiben? ... Ein Kesseltreiben gegen die Deutschen hat auf der ganzen Linie eingesetzt. ... Es gehört die ganze Zähigkeit eines aufrechten deutschen Mannes dazu, trotz solcher wiederholtere heimtückischen Angriffe beider Stange zu bleiben. Zum Lächerlichen ist auch hier nur ein Schritt. Großartige strategische Angriffe mit Sanitätskolonnen, gepumpten Lastautos und anderem Zubehör wurden gegen die deutschen Städte vorgetragen. Do hat es an zahlreichen Orten s ch w e r e A u s s ch rei - t u n g e n gegeben. Namentlich scheint man in T a r n v w i tz übel gehaust zu haben. Die alte Bergstadt hat auch in den rmr.uhigsten Tagen der Abstimnnmg nationale Verhetzung und Gewaltat aus ihren Mauern sernznhalten gewußt. " Das ist nun vorüber. Eine Anzahl stadt- und landfremder Hetzer hak es in der letzten Zeit fertiggebracht, den Frieden aus der. Stadt zu treiben, um den Deutschen den Aufenthalt dort zu verleiden. In mehreren Nächten wurden die Schaufenster deutscher Kausleute und Geloerbet reibenden mit* Teer beschmiert, Schilder heruntergerissen und zertrümmert!, uslo. - Der Berichterstatter der „KreuzZeitung" verschweigt, daß der polnische Haß sich in v e r st ü r k t ern Mn ß e g e g e n d i e o bersch l e si s ch e n I u d e n richtet, die nach loie vor Träger des Deutschtums in Oberschlesien sind. Vielleicht verschweigt er diese Tatsache, weil er sonst tiefste Scham empfinden müßte über den verwerflichen deutschen Judenhaß, n a ch d e s s c u M e t h o b c die Polen jetzt gegen Juden unb De ritsche wüten. > „Gestirn reizt man nicht, man tötet sie." Eigenartiger Verlaus eines Gerichtsverfahrens. Der dritte Hand- und Werfzettel des „Deutschen Volks-- rats", herausgegeben von Dr. Heinrich Pudor (Leipzig), ist betitelt: „Macht ganze Arbeit mit den Juden!" An der Spitze findet sich folgende Aufforderung: „Bestien reizt man nicht, man tötet sie." Es bleibe jedem unbenommen, zn entscheiden, ob Die einzelnen Inden Bestien sind oder nicht. Aber das Judentum selbst ist die Bestie allen nichtjüvischen Völkern gegenüber und hat so gehandelt. Es hat keinen Zweck, diese Bestie durch bloße Sticheleien noch mehr zu reizen, om wenigsten heute, wo sie die Macht haben. Aber befreien muß man sich von ihnen: „Bestien reizt man nicht, man tötet sie." Am- 38. August 1920 erfolgte Anzeige des Eentral-Vereins, Ortsgruppe München, am 9. September 1920 Anklageschrift mit dem Anträge, vor dein Landgericht Leipzig, 9. Strafkammer, das Verfahren zu eröffnen. Am 13. April 1921 ergeht der Eröffnungsbeschluß des Amtsgerichts Leipzig: Verhandlung am 7. Mai. Pudor wird zu 2 0 Mark Geldstrafe (!?) verurteilt. Das Urteil ist in seiner Begründung sehr merkwürdig. Es-stellt nicht gerade -Mmmderte Zurechunngsfähilgkeit fest, kommt aber doch mit Rücksicht auf die geistige Verfassung des Angeklagten zu der geringen Bestrafung. Der Angeklagte legt Be r ufu n g ein. Termin wird auf den 6. Oktober 1921 anberaumt. Durch Eingabe des Eentral-Vereins, Ortsgruppe München, vom 7. Juni veranlaßt, ersucht die Staatsanwaltschaft um Mitteilung an die Erössnungskammer, ob dem Antrag auf Eröffnung vor der Strafkammer entsprochen worden ist. Die Erössnungskammer recherchiert und stellt fest, daß das Schöfseugericht, obwohl kein Verweisungsbeschluß vorlag, eröffnet und abgeurteitL hat. Nach Hin und Her zwischen den. beteiligten Instanzen lehnt die Eröffn u n g s kam me r einen neuen Antrag der Staatsanwaltschaft auf Eröffnung des' Haupt Verfahrens ab, da inzwischen Verjährung eingetretcn war. Dagegen war nach dem Standpunkt der E r ö f s n u n g s k a m m c r das Urteil des Schössengerichts als unzuständigen Gerichts nichtig. Im objektiven Verfahren sind .nachher die Flugblätter eingezogen und vernichtet worden. Irgendeine Böswilligkeit von Gerichtsbeamten hat sicherlich nicht Vorgelegen. Rechtfertigt aber die Aufhetzung zur Tötung: „Bestien reizt mall nicht, man tötet sie" ein solch zahmes Verfahren, das schließlich im S n n d e v e r l a u s c it dnrst-e? vom „jüüisthen" Bolschewismus. Gegen die B e L h ä uf e r u n d R a b b i n e r. Die Verleumdung, die Juden benutzen den Bolschelvisnms auch, um ihren angeblichen H a ß g e g c n d t e ch ristli che R e l i g i o n austoben zu lassen, hat erst kürzlich ihre Opfer in- Warschau gefordert. Wer die Wahrheit über den Bolschelvismus nicht in den Lesebüchern der Herren Hitler, Kunze und Wulle finden null, weiß, daß der Bolschewismus lv e d e r „j ü d i s ch" ist, noch daß die Juden von ihm im mindesten geschont werden. Ans verschiedenen Zeitung? Meldungen der letzten Woche geben wir zum Beweise der „Schonung der jüdischen Religion" nur die folgenden wieder: In Tiflis loerden Geistliche und Würdenträger der georgischen Regierung durch die Sowj-etregiernng schärfer verfolgt. Im Bezirk Senaki sind von ihnerr 100 K i r ch e n it n b 4 S yn a g o gen beschlagnahmt. Aehnlich gehen die Sowjetbehörden in anderen Land es teilen vor. — Nach einer Meldung der Londoner „Jewish Times" versuchten . j ü d i s ch e K o m in u n i ste n in Iekater n n oslaw den Gottesdienst an den Peßachfeiertagelr zu stören. Die jüdische Gemeinde wandte sich um Schutz an christliche Arbeiter, die einige jugendliche Ruhestörer verprügelten. Ebenso konnten in Violen Häusern die Sederfeiern nur dadurch abgehalten werden, daß chrisk-- liche Nachbarn Störungen jüdischer Kommunisten kräftig abwehrten.— Der Gro ß r a b b i u e r v o n H o m e I ist nach einer Meldung aus Riga unter den gleichen Beschuldigungen wie die katholischen gefangen gesetzten Geistlichen verhaftet worden. Es wird ihm binnen kurzem der Prozeß gemacht loerden. — Nach Zeitungsnachrichten, die aber noch der Bestätigung bedürfen, soll sogar die Sowjetregierung die A u s ü b u n g der Beschnei d u n g verboten haben. Wasein solches Verbot für die religiös gesinnte Jndenheit bedeuten würde, bedarf keiner Erläuterung. — Diese kleine Btrunenlese wird hoffentlich manchen Judengegner ein wenig nachdenklich stinnnen.- für die Bolschewismus und Judentum eins sind.