Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 18 (4.5.1923)
- Date
- 1923-05-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie man Mische Geschichte studiert. Von H. Stern (Berlin). Wir haben im den letzten Jahren mehrfach Gelegenheit gehabt, uns mit Darstellungen der jüdischen Geschichte voll Verfassern ausgesprochen antisemitischer Prägung zu beschäftigen. Mit einer einzigen Ausnahme handelte es sich' um Werke von Nichtsachleuten, und da die Verfasser ohne jede Ausnahme gar kein Hehl aus ihrer parteipolitischen Einstellung machten, war das Ergebnis jener Beschäftigung für uns weniger eine Mehrung unserer geschichtlichen Erkenntnis, als ein erweiterter und vertiefter Einblick in die Psychologie des Antisemitismus und der Antisemiten. Diesmal haben wir es nun wirklich einmal mit einem Fall aus den höheren Regionen der Fachwissenschaft zu tun; aber das Ergebnis ist leider — das sei voraus-geschickt — auch kein anderes. Es handelt sich allerdings nicht um eine neue jüdische Geschichte, sondern nur um einen anspruchslosen Literaturbericht über die Geschichte der Judew der aber so viel Zu sagen hat, daß es wohl lohnen mag, ihn einmal etwas näher betrachten. — Berichterstatter ist der auch bei uns schon bekannte Freiburger Historiker Geh e i m r a t G. v. Below; sein Referat steht in der bedeutendsten Fachzeitschrift für den Geschichtsunterricht, „Vergangenheit und Gegenwart", HKrausgegeben von Professor Dr. Fritz Friedrich, 1923, Heft 1 (Verlag von B. G. Teubner). Unter der Sprtzmarke „Geschichte der Juden" stellt v. Below zusammen: I. Elboge n, Geschichte der Inden seit dem Untergange des jüdischen Staates. — Otto G i l d e m e i st e x , Judas Werdegang in vier Jahrtausenden. — W. M eister, Judas. Schuldbuch. — Otto Kernholt, Vorn Ghettozur Macht. — O -tt o H a it s e r, Geschichte des Judentums. — Dr. Max Naumann, Vom na tionald eutschen Inden. Um auch den leisesten Verdacht zu vermeiden, es handle sich bei uns wieder einmal -imi die vielberusene jüdische Empfindlichkeit gegen unliebsame Kritik, möchte ich mit keinem Worte auf den Inhalt der Besprechung -eingehen. Nur so viel sei gesagt, daß die antisemitischen Werke die Zustimmung des Kritikers finden. Was uns beschäftigen soll — und es genügt für unsere Zwecke vollauf — ist einzig und allein die Kennzeichnung der Literatur, die ein Fachgelehrter in einer wissenschaftlichen Zeitschrift als „Geschichte der Juden" ausbietet. An der Spitze steht das Werk eines anerkannten Historikers; den Schluß macht, die Streitschrift eines Juristen im Haupt- und Juden- Politikers im Nebenberuf. Dazwischen stehen die schon oben gekennzeichneten Werke, die den besonderen Vorzug haben, daß sie offen und ehrlich zu erkennen geben, daß sie, mit Wissenschaftlichkei-t gar nichts zu tun haben und zu tun haben wollen?) K e r n h o 11 stellt sich in der Vorrede zu seinem Buch als Nichtsachmann vor und erklärt: „Mein Urteil ist lediglich danach gerichtet, ob die geschichtlich feststehenden Tatsachen meinem Volk genützt oder geschadet haben." Also, mag das Buch als hervorragende Bereicherung der antisemitischen Literatur und wertvolles Lehrbuch für angehende antisemitische Vortragsreisende und Redakteure seine Bedeutung haben — vielleicht auch für den A n t i s e m i t e u v. Below. Wie aber kann der Historiker v. Below dieses Buch Geschichtslehrern als Lehrbuch der jüdischen Geschichte anpreifen?- — Noch klarer liegt der Fall bei W. Meister. Dessen berühmte Anklageschrift gegen Alljudaan stammt aus der stürmftchsten Revolutionszeit und wird am besten durch einige Zitate gekennzeichnet: „Der Kre-uzzug gegen das Auswärtige Amt reicht bis auf den Wiener Kongreß zurück. Seit 1890 hat die jüdische Schadchenpolitik das Auswärtige Amt in Judas Fangarme getrieben, so daß kein wahrhaft deutsch Empfindender inehr Zutritt hatte." „Weil der Kaiser ein Persönliches Regiment führte, haben sie alle Minen springen lassen, um ihn zu gewinnen . . . Eulenburg wurde vernichtet, weil er den Kaiser auf Chaimberlaiu aufmerksam gemacht hatte." „Der Byzantinismus der alljüdischen Presse täuschte dem Volke vor, daß man im Auslande uns uni ihn beneide . . . Sie gaben ihm Haschisch, sparten nicht mit Weihrauch und Myrrhen und stahlen ihm dabei Szepter und Krone." „Die Judenwahlen von 1912 führten über das Jndenvorspiel von Zubern in den Judenkrieg und in den Judeusriedeu." „Es ist erweislich, daß hinter den wesentlichsten der auf Schule und Kirche bezüglichen modernen Nesormbestrebungen Judas Jscharioth steht . . . die sogenannte liberale Theologie . . . steht im Banne der alljüdischen Ideen. Ter pseudopädagogische Gedanke des Moralunterrichts ist jüdisch: die modernen pädago- ■ gischen Schulresormbestrebungen (Einheitsschule) wuchern aus jüdischer Muttererde." Das dürfte genügen, um die Quellen zu kennzeichnen, aus denen nach der Ansicht eines Universitätsprosessors der Geschichte deutsche *) Mit Ausnahme von Gildemeisters Buch, .das, ich nicht kenne, habe ich sie in den Organen des C. D. — „Im Deutschen Reich", den „Mitteilungen des Syndikus" und der „C. V.-Zeitung" — teils tun besprochen, teils eingehend behandelt. 144 Geschrchtslehrer ihre Wissenschaft schöpfen sollen. Nette Aussichten eröffnen sich, da für den Geschichtsunterricht, und so manche traurige Erscheinung in unserem Schulleben findet ihre Erklärung-. . . . . - Aber etwas derartiges ist natürlich nur möglich, wenn die Front gegen den Juden gerichtet ist. Sicherlich hätte Herr Geheimrat v. Below jene „Werke" nicht in die Hand genommen, geschweige denn sie einer Besprechung gewürdigt, wenn sie in demselben Geiste von der Geschichte der Azteken oder '-irgendeines afrikanischen Kulturvolkes handelten. In anderen Fällen weiß man, was man dev Würde der deutschen Wissenschaft schuldig ist. Ein Beispiel dafür bietet im selben Heft Universitätsprofessor Dr. Felix Salomon (Leipzig) in der Besprechung ‘ eines Buches über französische Geschichte. Nachdem er dem Patriotismus des Verfassers seine Verbeugung geinacht, dem Haß und Groll gegen den Todfeind sein Verständnis bezeugt hat, führt er fort: „Ein wissenschaftlicher Wert ist indessen denr Buche nicht bei zu niesten, als Kenner der französischen Geschichte kommt der Verfasser nicht in Betracht. Für politische Reden bietet die Darstellung manches Material, für den Unterricht kann sie nicht Verwendung finden ..." — Aber was vom jüdischen Geschichtsschreiber zu fordern ist, daß weiß v. Below ganz genau: „Die Voraussetzung für eine unbefangene Darstellung der jüdischen Geschichte ist die Jeruhaltuug der naiven Apologetik." — Sehr richtig — aber ist die Fernhaltung der sinn- und würdelosen, so gar nicht naiven Sündenbocktheorie, der lächerlichen Judenriecherei und haßerfüllten Besudeluugsmethode nicht eine ebenso wichtige „Voraussetzung für unbefangene Darstellung der jüdischen Geschichte"? W i l he l m v. Hum b o ld t hat vorch'undert Jahren so unvergänglich schöne Gedanken „über die Ausgabe des Geschichtsschreibers" geäußert, daß sie auch für Herrn Geheimrat v. Below noch Geltung haben -dürsten. Wenn man aber sieht, wie wenig vom echten deutschen Idealismus jener Zeit aus 'seine heutigen Bannerträger von eignen Gnaden gekommen ist, dann kommt uns wenigstens der eine 'tröstliche Gedanke, daß an diesem traurigen Niedergang des deutschen Geistes doch nicht allein der „jüdische Geist" 'schuld sein kann. Nation und Menschheit. lieber dieses Thema sprach am- 26. Avril in unserer Ortsgruppe Osten, Herr Pfarrer ' v. Wicht. Die leitenden Grundgedanken seiner tiefschürfenden Rede waren ungefähr solaende: Es gelte für die Frage, wie sich im einZelnen Menschen das Verhältnis zwischen Nation und Menschheit auswirken solle, eine Lösung zu finden. Eine Trübung dieses Verhältnisses könne eurerseits dadurch eintreten, daß der Begriff der Nation mit dem reinen Machtgedanken unter Außerachtlassung des Wirkens über die Grenzen des eigenen Volkes hinaus verknüpft werde (Macchi-avelli). Anderseits erfolge eine solche Trübung dadurch, daß in mißverständlicher Ausdehnung nur für den Einzelrnenschen geltender sittlicher Grundsätze aus das Leben der Gesamtheit den Lebensnotwendigkeiten des eigenen Volkes keine Rechnung getragen werde. (Tolstoi.) Das richtige Verhältnis zwischen Nation und Menschheit im Leben der Persönlichkeit werde dadurch hergestellt, daß sowohl das eigene Nolkstuur als kulturelle und sittliche Kraftquelle anerkannt lverde und aus dieser Kraftquelle des Volkstums über die Grenzen des Volkes hinaus übernationale Werte der Menschheit dargebvacht würden. Als Verkünder dieser Gesinnung bezeichnete der Vortragende den Propheten Jesaia und Christus. Indem er so die gemeinsame Grundlage des Judentums und Christentums in seiner Würdigung des Verhältnisses zwischen Nation und Menschheit darstellte, wies der Redner aus die naturgegebene Notwendigkeit der Versöhnung und Verständigung zwischen deutschen Juden und Nichtjuden hin. Semen Ausführungen wurde herzlicher Beifall zuteil. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Assessor Dr. M a h e r, der darauf hinwies, daß die ganze Geschichte der jüdischen Gemeinschaft den Kampf des Rechtsgedankens gegen den Machtgedanken widerspiegele, wie er sich auch im passiven Widerstand an Rhein und Ruhr zeige, Lehrer A u e r b a ch, der betonte, daß über alle trennenden Schranken des Dogmas hinweg bem Gedanken der Menschheit und Menschlichkeit gemeinsam zum Siege verholfen werden müsse, und Studienrat Dr. Henning, der als Christ die Kampfesweise der Indenhetzer geißelte und zur Versöhnung, im Volke aufrief. Der letztere Redner bemerkte u. a„ daß von seinen 15 Schülern indischen Glaubens alle auf dem Felde der Ehre gebliebenseien, Nach den beifällig ausgenommenen Ausführungen der Redner in. der Aussprache faßte Pfarrer v. Wicht in seinem Schlußwort die tiefen 'Eindrücke des Abends wirksam zusammen. Unlautere Elemente, die beabsichtigten, die Versammlung-zu stören und . zu sprengen, wurden vor und während der Versammlung nnter Mitwirkung ' von Angehörigen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten entfernt. °" Die Mitgl red erversa muUmrg des HilfsvereiM dev Deutschen Inden findet am Sonntag, 6. Mai d. I., im Logen-- haus, Kleiststraße 10, um 12 Uhr statt. ' Die Vorsitzenden Dr. James Simon und Dr. Paul N ath an werden den Bericht über die Tätigkeit des Vereins im vorigen Jahre und die gegenwärtige Loge erstatten Wie seit seiner Begründung.war auch in 1922 ein vauptteld der Arbeit die Fürsorge für die Auswanderer, sowohl für die einzelnen Reisenden, wie für diejenigen, die in geschlossenen Transporten von den großen Schiffahrtslinien vorn Osten her durch Deutschland bis zum Einschisfungshafen geführt werden. Den Auswanderern, die Hilfe irgendwelcher Art benötigen, wird sie durch den Bahnhofsdienst des Hilfsvereins in Ltentsch, Osnabrück, Bentheim, Berlin und die Lokalkomitees in Hamburg und Bremen zuteil. Ferner verl mittelt er den Verkehr der in Südamerika eingewanderten Glaubens- I genossen mit ihren Verwandten in Rußland, soweit es sich um Geld-. ] Überweisungen, TokumeutenseNdurigelk und Informationen handelt.