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Central-Verein-Zeitung · 1923-05-04 · 18 (4.5.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
18 (4.5.1923)
Date
1923-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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143 Das Geheimnis -es Erfolges. D ie Pr o pa.g<rnld istische TätigkeitiderNationalsozialisten. In RiesenleLLern Zeigt der „V ölkische Be obachLe r" in seinen letzten Ausgaben an, daß die Hitler-Spende verlängert worden ist. Begründung: „Angesichts der noch immer ungestüm einlaufenden Beiträge für die Hitler-Spende, ist beschlossen worden, diese unter dem Namen „Hitlers völkischer K a m p f s ch a tz" fortzusetzen. Unser Ziel ist 100 Millionen Mark. Diese Summe kann erreicht, ja sogar weit übertroffen werden, wenn alle Anhänger, alle Anhängerinnen ihr Letztes leisten. Zeichnet für Hitlers Kampsschatz! Tut es heute! Das Wort „Morgen" hat schon das Geschick ganzer Völker besiegelt!" >t Unter dem Aufruf finden sich „W i n k e" für die propagandistische Tätigkeit, die manchem Central-Vereinler, der erstaunt über die Erfolge der nationalsozialistischen Partei ist, das Geheimnis des Erfolges enthüllen können: „Schreibe noch heute Deinem Freunde, oder Deiner Freundin, wo auch immer er (sie) sei. Setze ihm (ihr) Die Ziele der deutschen Freiheitsbewegung auseinander und fordere ihn (sie) ans, diesen Kamps mit allen Kräften zu unterstützen. Jeder von Euch hat irgendwo da drantzen in der Welt einen Bekannten oder Verwandten. Jeder von Euch korrespondiert mit jemand in Nord- oder Süd- oder Zentralamerika, in Spanien, i Skandinavien, Holland, Böhmen, Südslawien oder in! der Schweiz. (ValuLahilse ist dreifache Hilfe. Ein l Dollar ist heute 30000 Mark!)"; Im Briefkasten des „Völkischen Beobachters" finden sich! Quittungen über Geldeingänge aus aller Herren Länder: Argentinien ' 350 000 Mark usw. usw. Herr Hitler versteht sich eben auf Reklame und Propaganda, daß er einen ersten Posten in einem Werbebureau erhalten würde, falls er an seiner „heiligen Mission" in München keinen Gefallen mehr findet. Beschämend für uns jüdische Deutsche ist, daß wir von Hitler lernen müssen, wie rührig die Propaganda betrieben werden muß. Auch die jüdischen Deutschen werden einfehen müssen, daß sie das Tempo ihrer Gebesreudigkeit erheblich beschleunigen und das Maß ihrer Opserwilligkeit vervielfachen müssen, wenn nach dem Willen Hitlers das Geschick des deutschen Judentums nicht „Morgen" besiegelt werden soll. verleumderische hetze des „Göttinger Tageblatt". In seiner Nummer vom 6. März 1923 bringt das „Göttinger Tageblatt" einen Artikel, der „U n g l a u b l i ch" über sch rieben, folgenden Bericht aus dem Ruhrgebiet enthält: „.Deutsche" Firmen liefern die Reitpeitschen für französische Offiziere. — Wie uns aus Gelsenkirchen berichtet wird, hat dort ein Reisender der Lederwarenfirma I. Levy jun. in Eschwege kurz nach Einmarsch der Franzosen den Geschäften Reitpeitschen angeboten, trotzdem er von einigen Geschäftsleuten daraus aufmerksam gemacht wurde, zu welchem Zwecke diese würden verwandt werden. Hält man'dagegen die Tatsache, daß die meisten französischen Offiziere beim Einmarsch nicht mit diesen ,Instrumenten der Zivilisation' auZgerüftet waren, heute aber insgesamt damit herumlaufen, so haben unsere Brüder an der Ruhr jetzt wenigstens den Trost, daß sie mit deutschen Reitpeitschen geprügelt werden. EZ geht doch nichts über das Geschäft, namentlich wenn man Levy heißt." Eine Berichtigung der beschuldigten Firma lehnte das „Göttinger Tageblatt" ab. Sie wurde so gezwungen, die verleumderische Notiz in Nr. 62 der „Eschweger Zeitung" vom 14. März niedriger zu hängen. Sämtliche Peitschen- und Stockfabriken Güttingens, deren Inhaber Juden sind, Unterzeichneten mit Herrn Levy jun. eine Erklärung, daß, so widerlich es ihnen sei, auf einen derartigen Anwurf eiuzugehen, sie zur Steuer der Wahrheit feststellen müßten: „Die Firma I. Levh jun. führt keine Reitpeitschen und läßt auch nicht reisen; s i e k a n n s o m i t a u ch k e i n e R e i s e nden nach Gelsenkirchen entsandt haben. Auch die mitunterzeichneten Fabriken haben nachweislich, seit der Ruhrbesetzung keine Reisenden nach Gelsenkirchen entsandt oder aus andere Weise Angebote in Reitpeitschen dorthin gemacht." Inzwischen ist Strafantrag gegen das „Göttin: ger Tageblatt" gestellt worden, dessen Verleumdung die Runde durch die gesamte völkische Presse gemacht hat. Da sich die nachdruckenden Blätter und Blättchen darauf verlassen, daß man ihnen nichts tun wird, weil die Kontrolle für Privatpersonen sehr schwer ist, werden wir künftighin unser Augenmerk auch auf diejenigen Zeitungen lenken müssen, die unlautere Quellen benutzen. Der Abdruck mit „Quellenangabe" ist oft gefährlicher als die Originalnotiz, weil in dem Leser durch die „Quellenangabe" der Eindruck verstärkt wird, daß es sich um eine wahre Geschichte handeln müsse. /Zuf-rmgliche „Gäste". - Deutschvölkische in einer geschlossenen C.V.-Versammlung. Das Beispiel von Breslau macht Schule. Aus Erfurt erhalten wir folgenden Bericht: „Unsere Erfurter Ortsgruppe hatte sämtliche jüdischen Bürger für Sonnabend, den 27. April, zu einem Vortrage des stellv. Syndikus des C. B., Dr. Alfred Wiener, über „Der N a t i o n a l i s m us i n T h ü räuge n" eingeladen. Die Einladung war nicht durch die Presse, sondern lediglich mittels Briesumschlages den Erfurter Gemeindemitgliedern 'bekanntgegeben. Bei Beginn der Veranstaltung stellte es sich heraus, daß in dem vollen Saale etwa 30 bis 40 Deutschvölkische, anscheinend ein nationalsozialistischer Stoßtrupp, anwesend waren, denen sich fortgesetzt weitere durch eine Hintertür zugesellten. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Emil Kann, forderte darauf alle Anwesendendie nicht im Besitze einer Einladungskarte oder nicht durch Mitglieder eingeladen seien, auf, die Versammlung sofort zu verlassen. Mehrere der ungebetenen „Gaste" meldeten sich daraufhin zum Wort, mit den erlogenen Behauptungen, sie seien durch einen, jüdischen Herrn oder durch eine Zeitungsanzeige zum Besuche der Versammlung aufgefordert worden. Der Vortragende des Abends führte daraufhin au§, daß er sehr gern bereit sei, zu einer zu verabredenden Zeit und an einem zu vereinbarenden Ort auch den deutschvölkischen Kreisen unsere Stellung zum Nationalsozialismus zu f c n n 3 c i ch n c it, daß wir uns aber unter keinen Umständen Leute, die in ihren öffentlichen Versammlungen Juden den Zutritt vermehren, in unserer geschlossenen Mitgliederversammlung, in die sie noch dazu widerrechtlich eingxdrungen seiem dulden würden. Da die Eindringlinge trotz dreimaliger Aufforderung des Vorsitzenden, den Saal nicht verließen, mußten sie durch die Schupo, die -inzwischen erschienen war, an die frische Luft befördert werden. Die Versammlung konnte daraufhin beginnen und wurde zu allgemeiner Befriedigung zu Ende geführt. Das deutschvölkische Johlen, Pfeifen und Absingen antisemitischer Lieder vor dem Lokale konnte die Versammlung nicht stören." Aus dem Bericht ergibt sich die Lehre, daß unsere Ortsgruppenvorsitzenden unbedingt in solchen Fällen auf der Entfernung so unverschämter „Gäste" bestehen müssen. Besonders erfreulich ist, daß in der Versammlung anwesende^ Mitglieder des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" zur Aufrechterhattuug der Ordnung wesentlich beitrugen. §emö!ichs Grü-er. D. tz. D. und „Deutsche Zeitung". Die Völkischen suchen nach außen hin gern den Eindruck zu erwecken, als ob ihre Einheitsfront von Hitler bis Kunze innerlich so fest gefügt ist, daß sie jedem Ansturm trotzen kann. Wer hinter die Kulissen schaut, weiß längst, daß die vereinigten Hakenkreuzler nur einig sind in ihrem Judenhaß. In politischen Fragen sind die Anschauungen eines Hitler, der an der Seite des Obersten Tylander kämpft grundverschieden von denen des Nationaldemokraten Lech ins. Auch zwischen dem Großgrundbesitzer G r a e s e von der Freiheitspartei und dem Landenteigner K u n z e von den Nationalsoziälen dürste sich in wirtschaftspolitischen Dingen ein Abgrund auftun. Wenn der „Völkische Beobachter" auch auf der vierten Seite feines Blattes einen ausgezeichneten Handelsteil bringt, der jedem Börsenblatte zur Ehre gereichen könnte, auf der ersten. Zweiten und dritten Seite kann er auf die wirtschaftliche Weltanschauung seiner Geldgeber keine Rücksicht nehmen, denn er muß mit den M a i s e n und ihren wirtschaftlichen Anschauungen Fühlung halten. Durch eine „B r i e f k a st e n n o t i z" in Nr. 176 des offiziellen Organs der D. H. V., der „Deutschen Handels-Macht", wird dem Uneingeweihten ein kleiner Einblick verschafft in die Unstimmigkeiten, die aus taktischen Gründen sehr selten an die Öffentlichkeit dringen. Dort heißt es: „Leser der „Deutschen Zeitung". Die „Deutsche Zeitung" setzt den Kampf gegen die christlichnationalen Arbeitnehmergewerkschasteu munter fort.... In Nr. 103 bringt sie aus der Feder von Dr. Schmidt- Eichwalde einen Aufsatz „Gewerkschaftsirrsinn", der von Unwahrheiten, Verdrehungen und Gehässigkeiten nur so strotzt. Die „Deutsche Zeitung" will also keine Verständigung. Wir bitten unsere Mitglieder, die sich von dem Blatte bisher nicht trennen mochten, die Trennung durchzuführen. Die „Deutsche Zeitung" ist unserem Stande und den Bestrebungen des D. H. V. durchaus feindlich gesinnt. In ihren Spalten wird der Kampf gegen uns mit den schäbigsten Mitteln der Verleumdung geführt. Es wäre Selbstbetrug, diese Tatsachen länger übersehen zu wollen." Wenn der D. H. V. dem gelesensten Organ der Zudenhasser in Reinkultur den Vorwurf der Verleumdung mit den schabi gsten Mitteln macht, dann brauchen wir dessen Falscherkunststückchen, wie wir sie in der letzten Nummer unseres Blattes im Falle Brodnrh gekennzeichnet haben, nicht so tragisch nehmen. Wenn man uns, den Gegnern der „Deutschen Zeitung" nicht glaubt, —ihren Freunden wird man glauben müssen.

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