Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 17 (26.4.1923)
- Date
- 1923-04-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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134 „5ud uttd Die bedauerliche Schrift eines katholischen P r i e ft e r s. In drei Abschnitten gliedert Dr. theol. Philipp Häuser, Psarrkurat in Stratzburg bei Augsburg, seine Schrift *)«, Geschrieben wurde sie wegen des politischen dritten Teils, dem die Leiden ersten als Stütze dienen sollen, Schreckgespenst der Judenherrschuft in der Welt und in Deutschland. Hie monarchische, nationale, christliche Staatsordnung, hie republikanisch-deMokratische, inter- (oder a-)nationale, unchristliche (jüdische) — das ist Hausers Disjunktion. Hand auss Herz, Herr Dr. theol.: Wo steht in der Heiligen Schrift, daß nur die monarchisch-nationale Staatsordnung, für die Sie (hauptsächlich in Ihrer ersten Broschüre gegen das Zentrum) eintreten, christlich ist und niemals eine demokratische? Oder in welcher Dogmatik? Oder in welcher Enzyklika? Oder wo ist als Dogmaausgestellt, -daß nur eine monarchische, doch niemals eine demokratische Verfassung national ist? Um die Verwerflichkeit der deutschen Verfassung, darzutun, mißbrauchen Sie die Heilige Schrift in einer Weise, die einem saerao Illeologlao äoetor lvenig angemessen ist. Gern Zugegeben, daß die deutsche Verfassung nicht in jeder Hinsicht unseren Wünschen und berechtigten Forderungen entspricht, aber woher nehmen Sie die Autorisation, nunmehr in quasi- (oder besser Pseudo-)prophetischem Geiste das ganze deutsche Staatsleben in Grund und Boden zu verdammen, ihre katholischen Glaubensgenossen, die am Staat positiv Mitarbeiten, als Verräter der christlichen Sache — wegen Zusammenarbeitens mit Juden — zu brandmarken? In Ihre verstiegenen Ideen sind Sie so verrannt, daß es wahrlich unmöglich ist, Sie von deren Verkehrtheit in Kürze zu überzeugen. Ich muß mich darauf beschränken, einige Ihrer „theologischen" Gründe zur Judenfeindschaft zu beleuchten. Das Judenvolk des Alten Testamentes war kein Jdealvolk trotz seiner Auserwählung durch Gott. Mit vollen: Recht haben die P r o - pheten und Jesus von Nazareth dem Volke seine Sünden vorgehalten. Aber waren diese Gottgesandten nicht selbst Juden? Standen sie etwaganz allein? Die Tatsache, daß die mit Gottes Geist erfüllten Propheten aus dem Judenvolk selbst stammten und dort überhaupt Anklang fanden, ist doch schon ein Beweis, daß das Volk damals nicht absolut schlecht war, wenn auch ein großer T-eil des Volkes der allgemeinen Sündigkeit der Menschen unterworfen war. Und waren etwa nur Juden schlecht? Hätten die Propheten nicht auch Grund genug gehabt, andere Völker, die in abscheuliche Laster versunken waren, zu tadeln, wenn sie in diesen gelebt hätten? Waren die Greuel fremder Völker rächt viel größer als die Sünden Israels, da der Herr sein Volk vor -diesen warnte? So galten die Strasreden der Propheten nicht nur den Juden vorchristlicher Zeit, sondern allen damaligen Völkern; auch den heutigen Völkern und vielen Christen, die sich weder um den durch Moses verkündeten Dekalog noch um Christi Sittenvorschriften viel kümmern. Glauben Sie insbesondere, Herr Doktor, daß Jesus von Nazareth, den ich gleich Ihnen als dm. Messias und Gottessohn verehre, seine Aufgabe so eng. aufgesaßt hat, daß feine Strasreden nur den damaligen und jetzigen Inden gegolten hätten? Hätte er nicht in' Rom, A t h e n oder Korint h vielleicht noch s ch ä r s e r e u Tadel über menschliche Laster gefunden-als in seinem Heimatland?! Sollte er nicht auch heutzutage für viele Ta u fsche i n - C h r i ste n, die seinen Namen schänden, die härtesten Worte übrig haben? Sicher mußte er seine Mahnungen, Warnungen, Drohungen, Tadelworte anknüpfen an konkrete Verhältnisse und Ereignisse seines Lebens, aber sie galten für alle Zeiten und alle Völker. Es ist nicht angängig, sie aus. die Inden und solche, die mit ihnen zu tun haben, beziehungsweise die Sie in enge Jdeengemeinschast mit diesen stellen, zu beschränken. Wenn Sie namentlich die „Finsternis" (Johannesevangelium 1, 5) mit „Judentum" ausschließlich identifizieren, so ist das Ihre Privatexegese. Die Propheten und Jesus Christus waren Gottgesandte. Sie sprachen in höherem Aufträge. Sie aber Herr Doktor sind kein Prophet, Ihnen mangelt der Auftrag; deshalb sind Ihre Worte vermessen. Die Stellung des aus dem Judentum geborenen Christentums zu den bei der alten Religion bleibenden und die Christen hassenden Juden war selbstverständlich feindlich. Aber ebenso feindlich war das Christentum der heidnischen Staatsreligion, was Sie anscheinend nur mit einem halben Auge gesehen haben. Die damals nötige Schärfe des Kampfes mußte sich im Laufe der Entwicklung mildern, nachdem das Christentum seine Anerkennung und Weltgeltung verlangt hatte. Namentlich in unseren Tagen sind weniger die Anhänger des alleinigen Alten Testamentes die Feinde des Christentums, sondern vielmehr jene, die überhaupt keinen Gott anerkennen wollen. Mit den alttestamentlichen Bekennern des währen *) Jud und Christ oder Wem gebührt die Weltherrschaft? Von Dr. theol. Philipp Häuser-Stratzbera bei Augsbura. Reaensbum 1923, Vcrlagsanstalt vorm. G. I. Mauz. Gottes gegen Atheismus und Neuheidentum zu kämpfen, ist wahrlich eine bessere Aufgabe, als die Juden inr allgemeinen zu befehden. Die theoretischen, dogmatischen Unterschiede brauchen wir dabei nickst zu verwischen. Selbstverftmrdlich, soweit Juden den alttestamentlichen Glauben nebst seinen Moralvorschristen über Bord geworfen haben, sind sie ebensolche Heiden wie sonstige — getaufte oder ungetanste — Gottesleugner. Was Sie zu Pauli- Gedanken über das mosaische Gesetz, dem auch wir in gewisser Hinsicht (Dekalog!) .unterworfen sind, sagen,, wie Sie Pauli Gedanken umschreiben, dürfte recht nahe an Häresie grenzen — trotz Ihres Vorbehaltes auf S. 28. Wenn Sie sich überhaupt zu diesem Vorbehalt genötigt sahen, so mußte sich Ihnen der Gedanke ausdräugen, daß Sie Paulus zu einseitig interpretierten (z. B. ohne Rücksicht auf die konkreten- Umstände seines Schreibens). Zur ganzen Tendenz Ihrer Schrift: Recht berichten Sie, daß nach den Evangelisten Juden'bei der Kreuzigungr Christi sagten: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder." Aber vergessen Sie nicht, daß der Stifter der christlichen Religion am Kreuze nur Worte der Verzeihung hatte: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!" Sollen wir uns da, bei dieser liebreichen Gesinnung Christi, ganz inr Gegensatz dazu, zu den Vollstreckern eines Fluches machen? Denken Sie an Jesu Worte bezüglich der Ehebrecherin: „Mer von euch ohne Sünde ist, werfe den -ersten Stein auf sie!" ' Sie müssen differenzieren lernen: Gute und schlechte Juden, gute und schlechte Christen. Die guten Elemente aller Konfessionen und aller Völker müssen heute mehr denn je zum- Kampfe gegen jede Schlechtigkeit zusamnienstehen im privaten und öffentlichen Leben; sein Sondergut in religiöser oder nationaler Hinsicht darf dabei jeder pflegen. Eine solche Schrift wie die Ihre stiftet keinen Nutzen, zumal nicht in unseren bewegten Zeiten; denn sie entzündet Haß, für dessen Auswirkung in unruhigen Köpfen Sie mit verantwortlich sind. Wenn Ihnen Neichsregierung und Reichsverfaffung nicht passen, so denken Sie bitte an das, ivas Sie am heutigen dritten Sonntag nach Ostern aus dem I. Petrusbrief in der Epistel gelesen haben. Auch die ersten Christen haben fich ohne Ausruhrgesinnung dem heidnischen Staat anbequemt, der ihnen mehr zuwider sein mußte als uns die Mängel der deutschen Verfassung. Liebs ist der Grundsatz des Christentums! Studienassessor Felix J. tanger, 2. Vorsitzender öcs Wahlkreisverb. Berlin der Fentrumspariei. Jericho urrö öer „völkische Beobachter". BlindwüLi ger Mser gegen das AlteTestarnent. In seiner Nummer vom 12. April stellt der ^Völkische Beobachter" eine Betrachtung über den Bericht.der- Bibel an, in dem die Einnahme Jerichos in bekannter Weise dar ge stellt wird. Zweck der „geistreichen" und „witzigen" Uebuug ist, die christliche Religion gegendie jüdische ausspielen. Am Schlüsse der Betrachtung heißt es nämlich: „Die neutestarnentticherr Christen aber lehnen einen „Gott" ab, dev ans das Geinte jüdischer Schofarbläser feiger Horden die feindlichen Mauern nnx? wirft". Niemand wird vom „Völkischen Beobachter" verlangen, daß er sich, bevor er religionsgeschichtliche Studien unternimmt, über die Auffassung der Juden unterrichtet. Er 'hätte fich sonst überzeugen können, daß sich die meisten Juden dem Urteil Greßmanns und Kautschs anschließen, die die Erzählung vondem Fall Jerichos für eine fromme Sage haltern Als -geschichtlicher Kern wird nur die Tatsache anerkannt, daß die Stadt durch die Israeliten erstürmt wurde und daß dies wahrscheinlich nur durch Verrat 'der R a Hab möglich war. In seinem blindwütigen Eifer ist der völkische „Wifsensthastler" aber i n a n d e r e r Hinsicht Opfer einer katastrophalen Gedankenlosigkeit geworden. Dasselbe Neue Testament, besten Anhänger den Gott dev Jerichogeschichte ablehnen nnb in Arrfirhrrrrrgsstrrche fetzen, hält gerade die Verräterin Rahab dreinml dev Erwähnung für wert, stellt Rahab zweimal als Beispiel für rechten Glauben und rechte Werte hin, wie — einmal die Eroberung Jerichos selbst! So wird Rahab Mattst 1, 5 unter den Vorfahren Christi aufgezählt. Hebe. 11, 30-31 aber lesen wir: „Durch Glauben sielen die Mauern Jerichos, nachdem sie sieben Tage hindurch umzogen worden waren! Durch Glauben ging die Hure Rahab mit den Ungläubigen nicht unter, weil sie die Kundschafter in Frieden ausgenommen hat!" Und Jac. 11, 25 ist Rahab das Vorbild für die rechten Werke: „Desgleichen wurde nicht auch die Hure Rahab aus Werken gerächt, da sie die Boten beherbergte mü> auf einem andern Weg entließ". Unsere Achtung vor den GlaubeuHurkunden anderer Konfessionen verbietet unst in eine Polemik einzutreten, und billige, verletzende : Parallelen zu ziehen, die auf der andern Seite gerechte Entrüstung * Hervorrufen müßten. Wohin wir auch schauen: überall da, wo die Völkischen sich wissenschaftlich abmühen, um unsere Religion herabzusetzen, geschieht das auf Kosten ihres Christentums,