Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 17 (26.4.1923)
- Date
- 1923-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Äiizelmrmmer 100 Nt. Srrlin, LH. -lpril 1923 II. Jahrgang ■> Nr. 17 »▼»'Hfl Kälter fürOruffektamM unöludenlum, soryan des tentral-Verems öeutsrher Staatsdüryer jüdischen Aavdens'Ä» des Judentums Verlag u. Schristleitung: Lentral-Verein üeutfcher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SWbS, Linöenstr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Postscheckkonto: Berlin 30472 Telegrammadresse: Centralveretn Lindenstr. 13. Berlin. Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Postanstalt zum Preise von vierteljährlich M. 1200,— zu deziehO« Alleinige AnZeigenannahme: Annoncen-Expeditiorr Rudolf Blosse, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 1200,— für die 7 gespaltrm geile nach Rudolf MosseS NormalzeUenmefser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50% Nachlaß Die 90 mm breite Reklamezeile Bi. 5000,— Die Gegner rüsten zum Enökamps. - Allgemach wird t% Frühling. Die Vereins- und Bersammtungstätigkett Kaut ad, wer! man nach des Tages Last und Hitze einen <^>aziergang in die reine Frühlingsluft dem Tabakqnalm in Vereinslokalen vorzioht. Hie und da scheint man in Ortsgruppe« des Central-Vereins bereits >den ermüdenden FvühlmgSlüften erlegen M sein. Der Winter ist ja vorüber, und mit der nächsten Versammlung hat es Zeit nach den Herbstssiertagen. Wenn KMeekränzchen oder SKatNubs eherne Gesetze für ihre gesellige Betätigung in den verschiedenen Jahreszeiten geschaffen haben, darf diese weise Zeiteinteilung denkenden Gentval-Vereinlern für ihre Verslammlungstätigkeit und Arbeitslust nicht zum Muster dienen. Die Gegner bleiben das ganze Jahr hindurch cm 'bei: Arbeit. Sie müßte doppelt und dreiftrch erfolgreich fein/wenn wir drei Vierteljahr nichts tun. In dem steinften Mecken weiß heute jeder, w-as unsere Müde rm trauten Verein gegen uns im Schilde führen; daß sie losschlagen werden, sobald der Zeitpunkt erfolgversprechend ist. Sicherlich wird nicht ausschlaggebend sein, ob esdannkaltoderwarmist. Es ist kein Zufall, daß man Hitlers 34. Geburtstag äußeren Anlaß fein ließ, durch Millionenspenden die ungeheure Werbetätigkeit der Nationalsozialistischen Partei in Fluß zu halten. „Der Kampf ist verzweifelt und kann nur mit letzter Opserbereitschaft durchgefnhrt werden", schreibt der „Völkische Beobachter" in seinem Geburtstagsgruß, „Deutschlands Führer" betitelt. „Der Glaube lebt in uns Nationalsozialisten und wird durch nichts erschüttert werden, daß Hitler einst nach unvermeidlichen schweren Kämpfen das völkische Deutschland zimmern wird." Die „Deutsche Zeitung" übertreibt nicht, wenn sie sich aus München drahten läßt, daß die Hitler-Feier einen Höhepunkt in der lawinenartig anschwellenden nationalsozialistischen Bewegung bedeutete. Achttausend Menschen füllten den Riesenraum des Zirkus Krone auf dem Marsfeld, Tausende drängten sich vergeblich vor den Toren. Inmitten der Sturmabteilungen und der vaterländischen Kampfverbände „Reichsflagge" und „Oberland" war der ehemalige Justizminister Dr. Roth als Gratulant erschienen. Als Hitler den Zirkus betrat, gab es ungeheure Kundgebungen für ihn. Esser, der die Versämmhung leitete, teilte mit, daß das vorläufige Ergebnis der Hitler-Spende in Deutschland 11257 600 Mark, aus der Tschechoslowakei 7341 tschechische Kronen und aus dem übrigen Ausland 2 120 000 Mark betragen. Diese Mitteilung über die gewaltige Stärküng des Kampffonds ries Begeisterungsstürme hervor. Im Preußenparlament war es der Wortführer der Deutschnationalen, der deutschvölkisch orientierte Abgeordnete Schlange, der trotz Ruhreinheitsfront im Stile der Wulle und Graese sprach und vom volksparteilichen Herrn v. K a r - dorff mit Zornesworten gegen die vaterlandsverräterische völkische Hetze zur Ordnung gerufen wurde. Man war in den Wandelhallen allgemein der Ansicht, daß es sich um ein« rednerische Entgleisung des Herrn Schlange gehandelt Hab«. Da erhebt sich am letzten Dienstag Herr Bäcker, der Chefredakteur der „Deutschen Tageszeitung", um unter große« Bewegung des Abgeordnetenhauses zu erklären, die Rede bei Abgeordneten Schlange sei nach Inhalt und Form auf den einmütigen Beschluß der deutschnationalen Fraktion gehalten worden. Geben wir uns keinen falschen Hoffnungen hin. Nicht nur aus wahltaktischen Gründen, um den Herren Wulle und Graefe das völkische Wasser abzugraben, isteinsehrgroßerTeil der deutschnationalen Parlamentarier de« Völkischen mit Herz und Hand verbunden. Sie sind Fleisch vom Fleische der Völkischen, fördern, organisieren und leiten in planmäßiger, stiller Tätigkeit die völkische Bewegung und werden in Erscheinung treten, wenn die Rüstungen zum End» kampf beendet sind. Vor uns liegt ein Rundschreiben des Herrn Kunze an sämtliche Ortsgruppenvorsitzenden der Deutschsozialen Partei: „Es ist unbedingt notwendig, daß jetzt mit allen Kräften ein« umfangreiche Werbearbeit und AufÜärungsarbeit begönne«' wird. Redner, Flugblätter, Handzettel und Plakate sind stellt verfügbar und können von der Geschäftsstelle cmgefordort werden." Also Herr Kunze, der wirklich keinen Winterschlaf gehalte» hat, beginnt jetzt seine Arbeit. Wir wissen, daß er eine» sechswöchigen Rodnerkurfus dieser Tage beendet, in dem mehrere Dutzend Getreuer ,/msgebildet" werden. Redner, Flugblätter, Handzettel in Hülle und Fülle! Znm Sturm bereit trotz Frühlingssonne und Maienwonne! Und wir wollen nach den „Anstrengungen" des Winters der wohlverdienten Rrche pflegen? Bleibt ans dom Posten! Darum hassen die Gegner unsere Aufrüttelungsrätigkeit im Innern und unsere Abwehvarbeit nach außen so sehr, darum füllen sie ganze Spalten ihrer Presse mit Gift und Galle gegen unsere Aufklärungstä tigkeit, weil sie erkannt haben, daß wir uns trotz aller Verschleierung ihrer Ziele, trotz aller Kulissenarbeit nicht mehr überraschen lassen. Sie wissen, daß wir uns nicht stoisch und fatalistisch einem Geschick ausliefern-, das sie uns zugedachr haben. Sie fühlen es täglich, daß sie schon am Ziel ihrer Wünsche wären, wenn sie noch die Juden des Mittelalters und des Ghettos vor sich hätten, die sich von den feindlichen Schergen kampflos niedermachen ließen. Bedenkt, jeder Tag ohne unsere Arbeit ist Gewinn für -den Gegner. Die Sache des Central-Vereins ist unabhängig von Launen und Wetter wie der Vernichtungswille des Gegners. Der Frühling muß unsere Kräfte neu beleben, unseren Arbeitswillen stärken! Glaubt nicht, daß Frühling ist, weil Frühling im Kalender steht. Erkämpft euch den wahren Frühling des Rechts und der Freiheit durch Arbeit ohne Unterlaß. Artur Schweriner.