Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 16 (19.4.1923)
- Date
- 1923-04-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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127 völkische Hetze und Amerika. T ch r eibe n eines Deutschamerikaners, das Bände spricht. Ohne jeden Kommentar wollen wir den Brief eines Deutschamerikaners, am 10. Februar 1923 aus A P i a (Samoa)' an -uns gerichtet, abdrucken, um den Inhalt nicht abzuschwächen: „Aus der mir regelmäßig Zngehenden „C. V.-Zeitung" ersehe ich leider, daß die judenfeindliche Flut in Deutschland noch immer im Steigen ist, und daß schwere Kämpfe zu bestehen sind gegen die, welche erfolgreich auf P ö b e l i n st i n k t e spekulieren. Für den seine Heimat liebenden Allslandsdeutschen sind die politischen und ökonomischen Verhältnisse Deutschlands, namentlich nach der türzlichen Besetzung der Ruhr, außerordentlich schmerzlich, am schmerzlichsten aber, daß statt innerer Eintracht u ii d Samlnl ung gegHn den äuß er e n Fei nd die d e -u t s ch v ö l k i s ch e Hetze das A u s e h e n D e u t s ch l a n d s i m it s l a n d n o ch w eite r h e r a b w ü r d i g t. Wie i n Deutschland die Dentschvölkischen, so Hetzen in den Vereinigten Staaten von Amerika die K u - K l u x - G e h e i ni b ü n d l e r gegen Katholiken und Juden. Die amerikanischen Behörden fassen -aber fest zu, und es ist zu hoffen, daß die von minderwertigen Elementen geleitete Bewegung nicht viel Unheil wird anrichten können. Tie Hetze -gegen die jüdischen Deutschen ist nicht nur eine große Undankbarkeit g e g e n die o p s e r w i l l i g e n I it d c n i n D e u tschl a n d, deren patriotischer Sinn über jeden Zweifel erhaben ist, wie alle diejenigen bezeugen können, die -aus Deutschland gekommen sind und mit Inden über das Unglück ihres Vaterlandes gesprochen haben, sondern -auch ein großes Unrecht gegen die Deutschamerikaner j ü d i s ch e n G l a n b e n s. Ich will nur daraus Hinweisen, daß zurzeit wieder großartige Hilfsaktionen der D e u t s ch a m e r i k o n e r im Gange sind, um deutsche Kinder, deutsche Studenten, deutsche Schriftsteller, den Mittelstand und die Intellektuellen zu unterstützen, wofür bereits sehr beträchtliche Summen eingegangen sind. In allen diesen Aktionen stehen Deutschamerikaner jüdischen Glaubens an erster Stelle. Der Präsident des Hitfswerks, Dr. Baruch, ist Jude, und die neueste Bewegung, Kleidungsstücke zu sammeln und nach Deutschland für die ärmere Bevölkerung zu senden, ist von den Herren Mosessohtt und Stttzkind in New-Uork organisiert. Das ist die Quittung der Ausländsdeutschen jüdischen Glaubens für die wüste Hetze in der Heimat. Mit deutschem Gruß A. G u r a u, Apia (Samoa)." Ausland unö deutscher Iascismus. Die 1 ranzöfifche Pr e 's s e 'beobachtet s ch a r f. Wir werden in den nächsten Nummern unserer „C. V.-Zeitnng" 3 t i m m e n d e r a u s k ä n d i s ch e n Pres s e veröffentlichen, die jedem, der in diesen schweren Tagen des Nuhreinbrnches noch deutsch fühlt, zu denken geben müssen. Unter der sensationellen Ueberschrist: „S u dendorsf m a ch L A n st r e n g u n ge n, d i e b a y e r i s ch e B e w eg un g über g-anz De u t schlan d a u s z ub r e i t en", lässt sich der „Ma tin".vom 27. März durch einen Berliner Spezialko r re spondenten melde in „Die Nachrichten, die von Bayern kommen', nehmen einen immer bedrohlicheren Charakter an. Die Agitation der National- . wziatisten in diesem Land trifft nur auf ein Hindernis! Das ist die von Tag zu Tag stärker in die Erscheinung tretende Feindschaft Zwischen dem Prinzen Rupprecht nnd Lndendorff. Der erstere wollte die bayerische Monarchie zu seinem Vorteil wieder aufrichten und stützte sich dabei auf die Bayerische Volkspartei, welche in Bayern am stärksten vertreten ist. Der Zweite beschränkt sich nicht auf Bayern, sondern er betrachtet das Land nur als Ausgangspunkt einer reaktionären Bewegung, die sich von dort aus über ganz Deutschland ausbveiten soll. Aber alle Bewegungen arbeiten in enger Verbindung mit den Nationalsozialisten Hitlers, die glänzend organisiert sind." Herr Hitler sucht in einem Leitartikel seines „Völkischen Beobachters" vom 11. April nachzuweisen, daß die Franzosen und Bolschewiste n in rührender Eintracht zusammen arbeiten. Die Franzosen würden mit Wohlbehagen das abdrucken, was die kommunistischen Zeitungen in ihren Blättern über den Ruhreinbruch bringen. Dr. Enno sähe »ruhig zu, wie das deutsche Volk verraten wird. Vielleicht schlägt Herr Hitler jetzt an seine e i g -e n e B r u st. Seine Bewegung ist gleichfalls für die Franzosen unbezahlbar. Eine abwehrende Geste des Herrn Hitler zur Entkräftung dieser -unserer Ansicht: „Doch, doch, die Franzosen Zahlen ja . . / erwarten wir nicht. Aufruf zu einer Conrad Ienzen-Stiftung. „Gegen die Bosheit des E. V." Herr Konrad Jenzen, Obertelegraphensekretür der deutschen Reichs- Post und Führer der Kunze-P-artei in Schlesien ist wiederholt mit dem Strafrichter in Berührung gekommen. _ Erst kürzlich hatte er sich vor dem Gvrlitzer Schöffengericht wegen öffentlicher Beschimpfung einer Religionsgesettschast, Vergehen ans 8 100 des Neichsstrasgesetzbuches, zu verantworten. Im Herbst vorigen Jahres, an einem Sonntag, ist nach der Anklage im Hanse Emmerichstraße ein Flugblatt und andere Schriften antisemitischen' Inhalts verteilt worden. Dieses Flugblatt, Nr. 108, h -e r ü nsgegeb -e n v v n der Deut s ch e u E x n c n c r u n g s - gemeinde in Leipzig, strotzte vor Beschimpfungen der indischen Religion. Ans eine Anzeige hin leitete die Staatsanioaltfchaft ein Verfahren ein. Der Angeklagte gab ohne weiteres zu, Flugblätter von der Deutschen Erneuerungsgemeinde bezogen zn haben, auch das beanstandete Flugblatt in et loa .100 Exemplaren. Er bestritt aber, es öffentlich verbreitet zu haben. Er will es nur Brieffendungen beigesngt haben, die er an Bekannte' richtete. Ein Zeuge bekundete, das Flugblatt mit Zeitungen -und anderen antisemitischen Zeitschriften im Briefkasten seiner Wohnung gesunden zu haben. Er sei entrüstet gewesen über den Inhalt des Flugblattes mit seiner Hetze und seinen Beschimpfungen der indischen Religion. Der A n k l a g e Vertreter betont, daß das Flugblatt in seinem Inhalt beschimpfender Natur ist. Der Angeklagte sei der Verbreiter und müsse bestraft weiden. Zugute kann ihm lediglich gehalten werden, daß er glaubt, was in dein Flugblatt gedruckt stand. Der Angeklagte sollte in der schweren Zeit unseres Vaterlandes etwas Besseres zn tun wissen-, als solche Flugblätter zu verbreiten. C r b eantragte 10 0 V 0 M a r k G e l d st r a f e. Rechtsanwalt Webel als Verteidiger des 2lngeklagteu verlangte nach längeren Darlegungen die Freisprechung Jenzens. I. sei io oder der Verbreiter des Flugblattes, noch sei dessen Inhalt beschimpfender Natur gegenüber der jüdischen Religion. Das Flugblatt beschäftige sich nur mit den Lehren des jüdischen Talmud. Und wenn die ihm zu Gebote stehenden Uebersttzung-cn des Talmud -echt sind, daun wäre auch der Inhalt des Flugblattes währ. — Nach längerer Beratung verkündete das Gericht das Urteil. Es lautete -aus 10 00 0 M a rk G el d str a s e -oder a u f je 200 M a r t ein Tag Ges ä n g n i s. Eine iueitere Verurteilung Jenzens -erfolgte vor der Görlitzcr Strafkammer als Berufungsinstanz wegen Beleidigung des ermordeten Ministers Rathenau. Der Angeklagte hatte das Flugblatt ..Der Wahrheit eine Gasse" verbreitet, in dessen Inhalt das Gericht schwere Beschimpfungen des toten Ministers erblickte. Das Gericht -erkannte an Stelle der erstinstanzlichen Strafe von vier Monaten Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe auf drei Monate Gefängnis und 3000 Mark. „So hat denn wieder einmal die Bosheit triumphstrch Der jüdische Eeutral-Verein hat wieder einmal einen seiner gefährlichsten 'Gegner . . . zur Strecke gebracht", leitet Kunze seine Hochrufe ans Jenzen ein. Und „Nun erst recht", schließt Kunze, „werden wir mit alten Mitteln, die die Gesetze Zulassen, kämpfen gegen den furchtbarsten Feind unseres Volkes. Damit alle, die sich ln die vorderste Linie dieses Kampfes stellen, wissen, daß sie nie von uns verlassen werden/ wollen wir —* Freunde im Lande —- jetzt den Anfang machen mit einer K'vnrad-Jenzen-Stistung." Vielleicht interessiert sich jeweils bei- Verurteilungen von dcutschsozialen Führern der Staatsanwalt dafür, ans welcher Quelle die Geldstrafen beglichen werden. Eine neue Hritzldung des Herrn Noch. „D eu tf ch cx Befr.-eiu n g ö b u nd In Nr. 6 der „Deuts ch v ö l k i s ch e n Blut t e x " vom 9. April veröffentlicht Alfred Roth, der Begründer des „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbu.ndes" einen Br'i-eß in denr es heißt: „Unsere Sache Marschiert! Die tätigsten Mitarbeiter haben sich nns angeschloflen und wir dürfen voll Zuversicht d^r weiteren Entwicklung der Dinge entgegensehen. Es ist anznnehmen, das; sie in absehbarer Zeit so weit herangereift sein werden, um die innere rlusgestaltung des Deutschen Befreinngsbundes vorzunehmen. — Ich war während der letzten Wochen im Ruhrgebiet, um die dortigen Zustände von Augenschein kennen zn lernen. Unmittelbar nach Ostern werde ich in Hannover, Hessen, Württemberg und Bayern darüber Vorträge halterr. Anschlietzend reise ich voraussichtlich nach Deutsch-Oesterreich zn Vorträgen. Infolge besonderer Schwierigkeiten hat sich leider das Heransbringen der angetttndigten Denkschrift bisher verzögert. Das wird aber nun in allernächster Zeit geschehen können, so datz unsere Freunde dann völlig darüber ins Bild gesetzt werden, was von ihrer Mitarbeit erwartet wird, und in welcher Weise sie sich voll ziehen soll. Suchen Sie auch geeignete Persönlichkeiten für den D. B. B. zn gewinnen und ihm die Mittel für seine bedeutsame Arbeit znznftthren." Die Neugründung spricht eine beredte Sprache. Wir wußten es: Herr Roth ist nicht tot. Hei lewet noch! Arbeitet aufs neue mit Hochdruck am „Deutschen Befreiungsbund", auf daß das deutschvölkische Morgenrot einer neuen Zeit erscheine. Und wir? Wir «haben u n s e r e Freunde wiederholt — um im Rothschen Deutsch zu sprechen — „ins Bild -gesetzt", was wir von ihrer Mitarbeit -erwarten. Leider 'bleibt der Erfolg vielfach aus.