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Central-Verein-Zeitung · 1923-04-19 · 16 (19.4.1923) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
16 (19.4.1923)
Date
1923-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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öismarcks Enkel und Chamberlam. Raisenthe-orre und Wirklichkeit. Die „Niederdeutsche Zeitung" vom 8. April berichtet über omcn Bchlch des „I u n g - Bismar cf - B u n d e s". in- Berlin bei OttoBi s m a r ck, dem Enkel des deutschen Kanzlers: „Ganz so einen Vierkantschädel wie der Altkanzter nach den Bildern hat der Enkel nicht, aber doch, einen mächtigen Kopf mit dunkl e in voll e n H a a r, d er f n ft einen südlnndische n Eindruck macht." Hofsentlich ist den Rassenfanatikern des Bismarck-Bundes ack oeuius demonstriert worden, das; der Nassenapostel E h a m b e r l a i n , der in diesen Kreisen noch heute wie ein Heiliger verehrt wird, mit seiner Theorie elendiglich Schisfbruch erlitten hat. Als Merkmale der germanischen Rasse gibt er nämlich in seinen ,M> r u u d lagen des 19. I a h r h n n d e x t s" Seite 496 m: „Große, strahlende Himmelsangen, goldenes Haar, die Riesengestalt. Ebenmaß der Muskulatur, der längliche Schädel (den ein ewig schlagendes, vor Sehnsucht gequältes Gehirn aus dev Kreislinie des tierischen Wohlbehagens nach vorne hinaus hämmert), das hohe Antlitz (von einem gesteigerten Seelenleben znm Sitze seines Ausdrucks geformt)." Armer Bismarck! Rabbiner Professor De. Liegrrrurid Salfelb in Mainz, der frühere- Vorsitzende unserer dortigen Ortsgruppe, einer der treuesten und bewährtesten Mitkämpfer für unsere Bewegung, feierte jüngst seinen 8 0. Geb u r L s t a g. In unermüdlichem Eifer hat Professor Dr. Salsech seine Lebensarbeit auf. der Kanzel, in- Versammlungen und am Schreibtisch der heiligen Sache des deutschen Judentums gewidmet und sie gefördert wie kaum einer vor ihm. Wenn ihm in diesen Tagen die Herzen tausender jüdischer Deutscher in Dankbarkeit entgegeuschluaeu, so war das der spontane Ausdruck allseitiger Anerkennung der selbstlosen, hingebungsvollen Treue dieses wackeren Mannes. Die ersteir Blätter der Bibel. Eine Veranstaltung, die weitesten Kreisen-bekannt zu werden verdient, bat neulich in Dortmund ihren Abschluß gesunden. Sie bestand in* einer N e i lz e v o v u l ä r - w i f f e u - s rb a f t l i ch er V o r l e s muie u über das Indent nun die an den vier März-Sonntagen. vormittags 14 Uhr, Rabbiner Tr. I aeob irr der Synagoge über das Thema hielt: „D i e e r st e n B l ä 11 c r d e r B i b e l", und zwar: 1. Tie biblische Schöpfungsgeschichte und die moderne Wissenschaft. 2. Das Paradies. 3. Der klebennensch. 4. SinMnt rmd Völkerbund. Tie Vorträge waren außerordentlich stark besucht. Die Zuhörerschaft wuchs von Vortrag zu Vortrag, so daß das große Gotteshaus kaum ausreichte. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschte sie (z u m g r ö ß t cn Teile Ni ch ti u d c n aus tii te n S ch i ch tc it b c r V e - Völker n n g) von Anfang bis su Ende den sedesmal etwa anderthalbstündigen Darlegungen. Diese hatten unmittelbar nichts mit Abwehr m tun, und trotzdem kann eine bessere nicht gedacht worden. Denn die dadurch erzielte höhere Achtung vor der Religion, und dem Schrifttum der Juden kann sich ans die Dauer unmöglich mit Antisemitismus vertragen. In dieser Hinsicht sind die Schlußwort kennzeichnend, die ungefähr lauteten: „So hat uns die Bibel in den ersten Blättern von denn natürlichen Menschen (Adam) über den moralischen (Noah) %i dem religiösen (Abraham) geführt.-* Ich bin am Ende. Was ick wollte, war: zu zeigen, welch' einen unvergleichlichen Schatz die Menschheit an der Bibel hat, daß sie noch immer das Buch der Bücher ist und hofsentlich bleiben wird. Ties wollte ich zeigen aus Grund einer selbständigen und unparteiischen wissenschaftlichen Forschung in volkstümlicher, d. h. für jedermann verständlichen Darstellung. Damit werden nach meiner Nebnzongnn'g am sichersten auch die höchsten praktischen Ziele gefordert: die Menschen dein Göttlichen und untereinander näher.zubriuaeu und über Volk, Bekenntnis und Rasse hinaus eine Gemeinschaft im Höchsten, einen wahren Völker- und Menschheitsbnnd an bahnen zu Helsen." tleberwacht die Nuhrhilfssammtungeu! In-Tilsit war von ' einem „£> ilfsaus s eh u ß f ü r die not! c i d e n d e R u h r - bevölkerung" eine Versammlung einberusen, worden, in der ein „Vortrag und Aufklärung eines uns bem Ruhr gebiet vertriebenen einflußreichen Arbeiters" gehalten Iverden sollte. Weder die Einberufer der Versammlung noch der Redner waren namentlich angegeben, und als die Veranstaltung! stattsand, erössnete kein Mitglied dieses Ausschusses dieselbe, sondern der Redner, der sich gar nicht vorstellte, ging sofort zu seinem Thema über und behauptete, daß er Sozialist wäre, wenn er auch nicht parteipolitisch aus das Programm der. sozialdemokratischen Partei sestgelegt wäre. Dieser unbekannte Mann begann nach einigen diu -leitenden Worten über die Rnhraktion e inen a t i o n a l s o z i a l i st i s ch-, a n t i je in i t i f ch c H etze , so daß die Erschienenen aufs gröbste irregesührt wurden. Er forderte dann zu einer Lammluna auf, die auch einen r e ch t a n s c h n l i ch c n B e t r a g ergab. Ter Neinüberschuß sollte der Ruhrhilse zugute kommen. Wie Dann sowohl die ,.T i l s i t e r Z e i t u n g" wie auch die „Tilsit e t A! I g e m e i n e Z e i t u n g" übereinstimmend berichteten, verschwand der Referent plötzlich nach seinem Vorträge, ohne daß ^er sich die Reden der Tisknssionsredner mitangchörk hätte. Wie die Tilsiter Blätter sehr richtig bemerken, erscheint cs höchst zweifelhast, daß diese Gelder wirtlich dev Ruhrhilfe zugesührtlverden. Es hak eine viel größere Wahrscheinlichkeit, daß das gesammelte Geld für nationalsozialistische Zioecko verwandt llürd. Wir 'warnen dringend alte Kreise vor einer Veranstaltung, die vom „Hilssansschuß für das Ruhr¬ .us Amt tmtt gebiet" veranstaltet wird, und bitten unsere Vertrauensleute und Vorstandsmitglieder, die angekündigten R u h r h ilfs s a m ml u n g e n a u r das Schärf ft e s u ü berw a ch e n und den Namen des . Agitators eventuell polizeilich seststellen zu. lassen. Die „Berj«dm»g" -er Presse. Es ist furchtbar,, auch die deutschvölkische! „Pommersehe Tagespost" ist durchaus verjudek. Das beweist sie durch einen Aufruf an ihre Leser in Nr.'68 vorn 22. März. Da lesen wir nun folgendes: „Der völkische Gedanke hat in unserer Zeit wärmste Fördern ng -erfuhren. Trotz der Angriffe unserer Gegner aind des^ wirtschaftlichen Boykotts -den eine Reihe (! d. Red.) jüdischer Geschäfte über unseren Anzeigenkeib verhängt, werden wir nicht Nachlassen. Dieser Kampskannaber nur dannden, Sieg bringen!, wenn, auch unsere Leser ihre Pflicht tun und der nationalen- Presse immer weiteren Eingang verschaffen." _ Man, greift sich an den Kopf. Die „Pommersch^ Tagespost" jammertdarüber, daß eine Reihe jüdischer Geschäfte (also nicht alle) den „Boykott" über ihren Inseratenteil verhängt Haben-. Ja, durfte es denn überhaupt soweit kommen.' Warum hat sich denn die „Pom-mersche Tagespost" das jüdische Geld nicht schon lange verbeten.'^ Es entspricht doch durchausnicht ihrem. Wunsche, jüdischen, Geschäften durch Inserate Kunden Zuzuftrhren, und es ist doch auch zweifellos mit ihrer deutschvölkischen Würde und Ehre unvereinbar, Judeugeld anzttnehmen. Aber es ist schon, wahr. Vom Gelde gilt doch noch immer das alte Wort: „Non ölet". Wir lernen aus. dem, Werberufder „Pommerschen Tagespost." aber noch etwas anderes. Da nach der eigenen Mitteilung der Zeitung erst eine Reihe jüdischer Geschäfte den,' Boykott über das Blakt spät genug verhängt hat, gibt es doch sicher noch eine andere Reihe, die munter nnd stramm das Blatt finanziell unterstützt, das sie mit den gemeinsten Lügen, Verleumdungen und Hetzereienbekämpft. Dummheit oder Würdelosigkeit? Vielleicht auch beides zusammen. Man weiß jedenfallsnicht, über was man mehr staunen soll, über die W ü r d e l o s i g feit ge w i s s e r j ü d i- :f ch -e x I n sere n t e n oder über die deu-tschvölkische Geschäftstüchtigke-it der „Pommerschen Tagespost". Die „Verjuduüg" macht eben vor der deukschoölkischeir Presse nicht halt. Atttifemitischer V-Boot-Vortrag. Unter dieser Spitzmarke brachten wir in Nr. 11 unserer „C. V.-Zeitnng" eine kurze Notiz über den Vortrag des Korvettenkapitän Bernhard vor einer Schülergruppe des „V e r e i n s f ü r d a. s D e <xi t s ch t u m i m A u sland" inr Kölligstädtischen! Nealghmnasium zu Berlin. Der Vor-, sitzende des Vereins, Herr Wirklicher Geheimrat v. Dirksen, keilt uns mit, daß der Redner, nicht von „Juden in der Regierung" gesprochen und daß der Vorsitzende der Jugendgruppe die erste Gelegeuheik lvahrgenonnnen hat,, die b e d a u e r l i ch e E n t g l e i s n n g des Vortragenden Zurückzuweisen. — Da der Vorsitzende des „Vereins für das Deukschtmn im Ausland" uns vorher bereits schriftlich erklärt hat, daß der Verein nach wie vor Fragen p a r t e i P o l i t i s che r oder konfessionell e r Ar k ab - lehnt, daß der in Frage stehende Vortrag nicht im Aufträge der Hauptleitung gehalten wurde und daß die -Schulgruppe angelviesen worden ist, in Zukunft bei Auswahl von Rednern vorsichtiger zu sein, ist die Angelegenheit, wie nur gern feststellen wollen, in loyalster Weife erledigt -worden. Wie Beltachini je. zum Indeniiaster wurde. Aus-Kassel.wird uns aeschrieben: „Sie haben in -einer der letzten Nummern Ihres Blattes einen Artikel gebracht, in dem sie auf die eigentümliche Wirksamkeit des Zauberkünstlers BeUachini jr. hin wiesen. Ich glaube. Ihnen mitteilen zu können, welches die äußere Bevanlassutzg war, daß Joachiin Bellachini zu den Antisemiten gegangen ist. Vor einiger Zeit beschäftigte die Strafkammer in Kassel ein- Beleidigungsprozeß. Joachim B.e l l a d) i n i, derzeitiger Witdnnger Theaterdirettor, nnd der Er per i m enta lpsyehologe Leo E r i ch s e n aus Schreiberha".. standen sich als K l ä g e r und B e k l n'g t e t gegenüber. UrsPrüigAch bildeten Bellachini nnd Erichsen eine gemeinsame Zauberkünstler-, Hypnose- und Snggestionsgescttfchast, wobei sie gute Geschäfte machten, '-später Jt'aiii es zu einem Streit zlvifchen beiden. Bellachini nannte seinen Sozius „Galizianer" und dieser kletterte in den Stammbaum des Bellachini stkukher und wollte seststellen, daß weder der alte noch der' neue Bellachini sich mit diesem italienischen Namen schmücken dürfen, sondern daß der alte Herr B c t t a ch* hieß und der junge, der nur eine Tochter von ihm geheiratet habe, sich schon gar nicht Bellachini neunen dürfe. Außerdem warf er Bellachini öffentlich vor, daß er sich einmal in Insterburg des Betruges schuldig gemacht habe. Für den gegen Erichsen erhobenen Vorwurf der Kurpfuscherei wurde Bella ch i u i zu 10 000 Al a x t Geld st rase verurteilt, bie gleiche Strafe erhielt Erichsen für den nicht bewiesenen Vorwurf des Betruges gegenüber Bellachini." — Weiter wird uns geschrieben: „Herr Bellachini, der so dringend die Reinhaltung der germanischen Nasse verlangt und vor der kurzköpsigen, minderwertigen Rasse warnt, d. h. vor den Juden, scheint in seiner eigenen Familiengeschichte schlecht Bescheid zu wissen. Er Ivürde sich sonst erinnern, dgtz sein B ater u n b G roßvnt e x s t ü her B c r l a ch hi e ß e n, gut e I n d e it w a r e n u u d auf d c r W a H t s ch e i a m B e rd y ch o w e r T a m m i n P v s e u e inen b c k a nuten G a st h v f ' „B e r t a ch s Hotel" betrieben. Erst als der Vater des jetzigen Rassesanatikers zur Zauberei überging, vertauschte er den bürgerlich-schlichten Namen mit dem wohlklingenden „Bellachini". Ter Sohn sollte seine Abstammung und die „Nasse" seiner Vvrsahreu doch nicht so schnell vergessen und daran denken, d-aß 'nur ’ unsaubere Vögel ihr eigenes Nest beschmutzenV Kleine Chronik. Herr Dr. .Zames S im an-'sprach« <rat Sonntag, den 15. April, mittags 12 Ahr, im Vortragsraum der Synagoge, Berlin, Fufgneust raße, über „B i b i l f ch e S i o f \ e a u f d e r Oper n b ü h n e". — Die 16. R e a l s d)Vi c B e k l i n-, B'ötzowstraße, hat nach dembekann-teu fort« schrUtlichcn Politiker den- Namen „Oscar-Casfel-Schule" erholtem

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