Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 16 (19.4.1923)
- Date
- 1923-04-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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126;' Die Balsour-Erklärung und die Ratistkation der Beschlüsse von St. Remo durch den Völkerbund hat die Palästinaarbett auch im neuen Oesterreich wieder in den Vordergrund gerückt, und auch in zionistischen Kreisen hat die Erkenntnisdurchgegriffen, daß diese Arbeit durch den jüdischen Nationalismus nicht gefördert, sondern im Gegenteil nur auf^das Schwerste behindert werden könne. Unbeschadet der Sorge um den Wiederaufbau Palästinas wollen nur auch in Oesterreich nichts anderes fein 'und bleiben als deittschö sterreich i s ch e St a a t s b ü r g e r j ü dis ch e n G l a u b e n s! Die Mische Weltanschauung. Bon Rabbiner Dr. Krön er (Oberdorf-Bopsingen). Welches ist die jüdische Weltanschauung? Sicherlich die, welche die Bibel festgelegt hat, der Glaube an ein göttliches Wesen, das allmächtig, allweise, allgütig ist und die Welt mit Liebe leitet. Das ist in kurzen Zügen auch die Weltanschauung der jüdischen Gebete. Diese Weltanschauung hat sich, tote die jüdische Lehre selbst, ganz so wie es der erste Stttenspruch der Pirke Abot manifestiert, von Mose bis in die Tage 8sras, ja bis ans unsere Zeit fortgeerbt. Die geisterbezwingende griechische Kultur, welche gerade in jenen Sittensprüchen sich lebendig ausmalt, hat trat; ihrer verführerischen Macht den Zentralgedanken der jüdischen Weltanschauung bei den jüdischen Ethikern niemals erschüttern können, die griechische Philosophie wurde von ihnen immer wieder eingewoben in das fertige, unverrückbar feststehende jüdische Weltbild. Und alle die nachfolgenden jüdischen Philosophen, die nachstrebenden Plaioniker, Neuplatoniker, Aristoteliker haben ihre Zeitphilosophie benutzt, um die Kriterien der jüdischen Weltanschauung wissenschaftlich zu stützen und zu festigen. Je-Huda Halevi, Bachja, Mainnmi haben den Geist ihrer Zeit begriffen tmb ergriffen, nur mit das Sonnenlicht der jüdischen Weltanschauung desto heller erstrahlen zu lassen. A l l e Schatte n, die -das Sonnenbild hätten zerstören können, skeptische, fatalistische, pessimistische Weltausfassungen der Zeitphilosoph ieeir, sind von denjüdischen Denkern s i e g r e i ch ü b e rnutnben und als Schatten menschlicher Denkschwäche stigmatisiert worden. Die Lebenskraft der jüdischen Weltanschauung hat selbst im Gedankenkreise jüdischer Mystiker sich behaupten können. Eine Idee der W el t v e r ach t u n g oder gar eines schlechten W e l t w i l l ctt§ h a t s i ch nie m a l s i tn I it d e n k u m f e st - setzen könne n. Ein Schopenhauer ist für das echte Judentum eine vollständige Unmöglichkeit, ebenso aber auch ein Darwin und ein Nietzsche, die statt der Harmonie den Katnpf in das Leben als treibendes Motiv gesetzt haben. Deshalb silld auch Hiob und Kohelet für das Judentum nicht Lehrbücher, noch weniger Systeme geworden, nur Bilder menschlichen Seelenkampfes, der aber doch am Ende — echt jüdisch — mit dein Siege der Weltbejahnng endet. Weltverachtungen sind im Judentum dahinhuschende Nebelbilder, die immer wieder von der am Ende hervorbrechenden Sonnenkraft verjagt werden. Es ist so recht bezeichnend für das Jndentnm der Satz: „In meiner Eile meinte ich, daß das ganze Menschentum trügerisch sei!" Es bleibt deshalb ewig wahr der Gedanke, beit der singende David ansspricht: „Mit dem Liebesuchenden bist du liebevoll, mit dem wahren Geisteshelden bist bn vollkommen, mit dem zur Reinheit Strebenden bist bu rein, aber mit dem ewig Ringenden bist du im Kampfe begriffen", eines der gedantentiessten Worte der ganzen Bibel, das in seinem ethischen Werte gar nicht tief genug' erfaßt werden kann! Das Weltbild malt sich der Menschheit meistens so, wie sie es selbst schaut, es ist der Reflex ihrer Borstellungen und Anschauungen. Dem Judentum erschien der Gott und seine Welt stets als das Bild der Liebe, des Geistes, der Reinheit, die zu verstehen und in ihrer Vollendung zu erreichen als höchster Lebenszweck galt. Das Ringen in der Welt ist ihm eben auch ein Gottgewolltes, eilt gleichsam divinatorisches Mittet zur Erkenntnis und. Erfüllung der höchsten Lebensaufgaben: es hat bei alle tt K ä m P f e u i h m n i e m a l s d a z u g e d i e n t, ein S y st e m d e r p e s f i tu i ft i s ch e n W e l t a n s ch a u n n g d a r a u f a u f z u b n n e n. Diesen alten Sonnengtanz hat das Jndentnm sich bis zmn heutigen Tage bewahrt, kein Leiden, kein Martyrium, kein Pogrom hat die Lebensnnd Sonncnkraft jüdischer Weltanschauung brechen können, ein Wunder der Geschichte und ein Trost zugleich, der uns die Kraft geben soll, auch in unseren finsteren Tagen auszull a r r e tt, nur den jüdischen Jnbelgesang zur Wahrheit zu bringen: „Wenn auch Gott mich oft gezüchtigt, dem Tode hat er mich nicht preis gegeben." Vatertanüsverräter Hitler. Ein neues Attentat gegen d ie R ei ch s ei nh eit. - Hit l e r und seine Gmosseni können, und wollen' Bayern nicht zur Ruhe kommen lassen. In dem Augenblick, da. Poincarck seinem Macht- Null on gegenüber Deutschland in brutalster Meise aufs nme. Ansdruck gegeben hat, haben die National sozialisken nichts Besseres zu tun, als Bayern in e i ine neue schwere Krise zu stürzen. Die bayerische Negierung wird in den nächsten Tagen die Verhaftung der Herausgeber des „B ölki s che n, Beoba ch t e r s", E cka r t und des Redakteurs Wege r vom „Miesbacher Anzeiger", auf B erlangen des S ta als ge r i chtsh o fes in Leipzig vornehmen müssen. Bekanntlich sollten: sich beide Führer der Nationalsozialisten wegen Beleidigung des Neichspräsidenten Ebert und des ehemaligen Reichskanzlers Dr.. Wirth vor dem Staatsgerichtshos verantworten. Ihre Weigerung, dort zu. erscheinen, veranlaßte den Haftbefehl, ans den Hitlers „B ölki sch e r Beob ach t e r" in seiner Ausgabe vom 13. April mit folgender Glosse antwortete: „Der Staatsgerichtshos zum Schutze der jüdischen Vorrechte hatte für den 12. April nach Leipzig eine Verhandlung gegen Dietrich Eckart angesetzt gehabt wegen „Beleidigung" der unantastbaren Persönlichkeiten Fritz Eberts und Dr. Wirths. Da Eckart pflichtgemäß nicht erschienen war, wurde das Verfahren ansgesetzt und gegen ihn Haftbefehl erlassen." Hitler will es also offensichtlich ans eine Machtprobe ankommen taffen. Die „Arbeitsgemeinschaft vaterländischer Verbände" sprach am letzten Freitag beim Ministerprüsidenten Dr. v. K nIlling vor und stellte die Forderung, die bayerische Staatsregierung solle die Haftbefehle ab lehnen. Am Sonnabend nahm der Ministerrat zu der Forderung der vaterländischen Verbände Stellung. Er kam einmütig zu dem Beschluß, daß die bayerische Staatsregierung nach Gesetz und Vertrag den. Vollzug der Haftbefehle! n i ch t ablehnen könne. Die „B a y e r i s ch e Staatszeit n n> g" und „D i e Korrespondenz der Baher ischen Volksparte i" unterstreichen diesen Standpunkt durch den Hinweis, daß Bayern nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch verpflichtet sei, sich den bestehenden Gesetzen rückhaltlos zu fügen, nachdem durch Einsetzung des süddeutschen Senats beim Staatsgerichtshos bayerischen Sonderwünschen weitgehendes Entgegenkommen gezeigt worden ist. Das volksparteiliche Zentralorgan, die „Zeit", richtet an die Adresse der Nationalsozialisten und vaterländischen Verbände eine deutliche Warnung: „Wenn die Nationalsozialisten und die vaterländischen Verbände darauf beharren, die Ausführung etwaiger Haftbefehle und die Auslieferung der Angeklagten nach Leipzig unter allen Ilmstünden zu verhindern, so beschwören sie einen Konflikt herauf, der gerade unter den heutigen Verhältnissen die alterschwersten Folgen nach sich ziehen könnte." 'Die „Zeit" ist zwar von den „Persönlich lauteren Absichten" Hitlers überzeugt, ruft ihn aber mit folgenden geharnischten' Worten zur Ordnung: „Dem (persönlich lautere Absichten. Schrift.) steht aber gegenüber, das; sich auch Hitler und seine Leute dem Ra-auantisemitismns schlimmster Art in die Arme geworfen haben, und auf diese Weise die schlechten Instinkte der Massen wachrnsen. Ferner geht Hitler und seinen Anhängern jedes Gefühl für die politischen Erfordernisse des Augenblicks ab. Denn sonst würden sie nicht gerade jetzt, wo Einigkeit und Geschlossenheit oberstes Erfordernis ist, der eigenen wie der Reichsregierung trotzen und offenen Widerstand gegen bestehende Gesetze predigen. Das ist ein sehr gefährliches Beginnen, dem die bayerische Regierung mit allem Nachdruck begegnen müßte." Der „Völkische Beobachter" macht sich darüber lustig, wie „die selbstverständliche Absage an das Leipziger Nevotntionstribu-nal" die ganze „H e b r ä e r p r e s s e" in Aufregung, versetzt. Bon Einsicht oder Einkehr keine Spur. Hitler und Genossen haben es wieder einmal ans einen o s s e tt c n B r u ch de r N e i ch s e i n he i t abgesehen, Haben die Franzosenmit neuen Hossmmgen erfüllt und sind wie Vaterlandsverräter schlimmster Sorte den Kämpfern an der Ruhr in den Rücken gefallen. So reißen sich die Führer des Judenhasses m Tentschland ihre patriotische Maske selber vom Gesicht und erscheinen jedem Vaterlandsfreund als. das was sie sind: V o l k s v e r r ä t e r tt n d B o l k s » verf ü h r e r! Sch . . . r.