Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1923-04-12 · 15 (12.4.1923) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
15 (12.4.1923)
Date
1923-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277415-2277430--00550-2279687
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

119 „jewish lthronicle" gegen Graf Reventlow. Wie die deutschen Iudenhasser in England moralische Eroberungen machen. Wie 3tt erwarten war, hat die angesehene große englische Wochenschrift „Jewish C h r o n i c l e" in ihrer Nr. 2818 vom 6. April Stellung zu den F ä I f ch n ngen der Herren Hitler und Graf R e v e n L l o w genornmen, die wir jüngst in unserem Leitaufsatz „Graf Redentlow verleumdet weiter" niedriger gehängt haben. Das englische Blatt stellt fest, daß ein Satz seines Berichts aus d e m Z u s a nt m enh an ggerisse n w u r d e, um der gesamten deutsckM jndensein'dLichen Presse eine Sensation zu bieten: die jüdischen Deutschen des Ruhrgebiets Hütten die Franzosen herbeigerusen, um einem Pogrom in München vorzubeugen. „Jewish Chronicle" unterst reicht die Entgegnung der „C. V. - Z e i L u n g", des Hauptorgans der deutschen Judenheit, und setzt hinzu: „Es ist Zu erwarten, daß Graf Reventlow gesetzliche Schritte gegen den Verfasser des Artikels unternimmt, dann werden sicherlich über dieses Kapitel interessante Dinge ans Tageslicht kommen." So bedauerlich die Wirkungen für uns in Deutschland in einem Zeitpunkt sind, da wir mehr als je zuvor auf die Sympathien des Auslandes angewiesen sind, — es muß nachdrücklichst darauf hingewieseu werden, daß unsere arme, gequälte Rnhrbevöl.kerung es dem Verleumdungsfeldzug des Herrn Grafen Reventlow zu verdanken hat, wenn der „Jewish Chronicle" sich nunmehr eingehend •mit de r j u de n f e i nd l i ch e n Propaganda im Ruhrgebiet beschäftigt. Das Blatt will dadurch beweisen, daß die Fälschung des Grasen Reventlow der leitende Gedanke für all die Niederträchtigkeiten ist, unter denen die Juden im Ruhrgebiet schon vor Erscheinen der „Sensation" zu leiden hatten: Verräter u u ter französische m S ch u tz zu sei. n, an denen man einstens stlrch'tbare Rache nehmen werde. S o machen d'e Deutschvölkischeu, als seien sie mit Blindheit geschlagen, „moralische Eroberungen" in England und schlagen i n Stücke, was dieRegierung in u n e r m ü d «l i ch e m Eifer u n d d u r ch p 1 a u m ä ß i g e Arbeit a u f g e b aut hat u n d weiter aufzuLauen bemüht ist. vom Renegaten zum /irrer. E r b a rt l i ch e s z u m Münchener H o ch v e r r n t s p r o z e ß. In den Berichten über die Hochverratssache Fuchs-Mach ha ns spielte auch die Persönlichkeit eines gewissen Kohlenhändlers Munk eine bedeutende Nolle. Er soll der Mann gewesen sein, der das ganze Unternehmen finanzierte. Nach einer Meldung des Prager „Sozialdemokrat" hieß Herr M u n k früher Jacob M u n d und ist in Brünn als Jude geboren. Als Vertreter einer Wiener Firma verschwand er nach Aufdeckung eines Fehlbetrages von 60 000 Friedenskronen nach Amerika und tarn erst bei Ansbruch des Krieges wieder nach Europa zurück. Er trat aus dem Judentum aus und änderte feinen Vornamen in Johannes um. In M ü n ch e n etablierte er sich als Kohlenhändler und suchte Anschluß an die Hitler-Leute. Schließlich landete er bei den Monarchisten, die seine kaufmännische Geschicklichkeit zu schätzen wußten-. — Es ist schwer, keine Satyre zu schreiben. Kn die rnöustrrellen Geldgeber Hitlers. Eine zeitgemäße Warnung im „Bayerischen C o u r i e r". Aus industriellen Kreisen fließen den Nationalsozialisten Gelder zu. In den allermeisten Fällen nicht deshalb, weil die Geldgeber Gefallen an dem wüsten Pogromtreiben Hitlers haben, sondern aus der falschen Einstellungheraus, die Hitler-Bewegung könneder organisierten freien und christlichen Arbeiterbewegung Abbruch tun und der wirtschastsfriedlichen, den Streik verurteilenden Arbeiterschaft neue Arbeiterntassen zuführen. Wie irrig diese Auffassung ist, geht aus einem Schreiben hervor, das der „Bayerische Courier" aus Wirtschaftskreisen erhält und in dem es heißt: „Es ist ein offenes Geheimnis!, daß aus gewissen Kreisen der Schwerindustrie — wir sagen mit Absicht gewisse Kreise, weil wir wissen, daß es allgemein behauptet unrichtig wäre — der nationalsozialistischen Bewegung beträchtliche Geldmittel zur Verft'rgung gestellt werden, lieber die falsche Einstellung dieser industriellen Kreise ist wohl kein Wort zu verlieren. Bei diesen Herrschaften gilt das Wort: „sie haben alles vergessen und nichts gelernt". Sie werden die gleiche Erfahrung machen, wie seinerzeit, Gesinnung läßt sich nicht mit Geld erkaufen. Gerade die sogenannten ..Gelben" waren in der Revolution 1918 die wildesten Revoluzzer. Bei diesen Leuten waltet der Glaube, die Hitler-Bewegung könne sowohl der sozialistischen wie auch der christlich organisierten Arbeiterschaft Abbruch tun und ihre Anhänger zu sich herüberziehen. Was heute die Nationalsozialisten an wirklichen Arbeitern zählen, ist ein sehr kleiner Bruchteil, dagegen haben sie aus dm Reihen der Kommunisten Ueberläufer, die außen das Hakenkreuz und innen den Sowjetstern tragen." Die Ansichten dieses Wirtschaftspolitikers decken sich durchaus mit unseren eigenen Erfahrungen. Das „Lumpenproletariat" unter den Anhängern Hitlers ist wahrlich kein Gewinn, den die Industriellen als Aktivposten buchen können „verantwortliche" im „Deutschen Wochenblatt". Wie i n e i n e ur T a u b e n s ch l >a g . . , Während eines Prozesses, den der Oberbürgermeister Krause und Stadtrat Schneider aus Schneidemühl gegen den verantwortlichen Leiter des Kuuzeschen Wochenblattes führten, machte der Vorsitzende des Schöffengerichts die klassische Bemerkung: „Jedesmal ein anderer Verantwortlicher! Im „Wochenblatt" wechseln die Redakteure wohl alle 14 Tage?" Der Angeklagte mußte zugeben, daß er noch nicht einmal so lange Leiter des Wochenblattes gewesen ist. Wir haben uns die Mühe gemacht, festzustellen, wie groß das Hin und Her der Verantwortlichen im Betriebe des Herrn Kunze ist. Es waren Schriftleiter: 1921, Nr. 1 bis 11: R. Wittstock. Nr. 12 bis 14: Richard Kunze. Nr. 15 bis 22: Friedrich S ch m i d t. Nr. 23: Richard Kunze. Nr. 24: Richard Kellas. Nr. 25 bis 46: A. D n x. Nr. 47 bis Schluß: A. D i e b o w. 1922, Nr. 1 bis 14: A. Diebow. Nr. 15: H. B e c r und Haus L i p i u s t i. Nr. 16: H. Bee r. Nr. 17 bis 32: Lipinski. Nr. 33 bis 34: Günther L e h in a n n. Nr. 35/36 bis Schlttß: Lipinski. 19 2 3, Nr. 1 bis 9: L i P i n s k i. Nr. 10: Hans K ö h l e r. Nr. 13: Tusch e. Der Verbrauch des Herrn Knüppelknirze an „Verantwortlichen" wirft ein helles Schlaglicht aus die U n v c r n n t w ortlichkeit des Wochenblatt-Inhalts. Niemand hat Lust, längere Zeit Sitzredakteur zu spielen und für die Verleumdungen des Herrn Kunze vor Gericht die Anklagebank zit zieren. Herr Kunze selber., der noch im Jahre 1921 hie und da verantwortlich zeichnete, scheint ein Haar in der Suppe gefunden zu haben und sitzt tapfer im Zuschauerraum, wenn seine jungen Leute verteidigen sollen, was er als „lauterste und reinste Wahrheit" dem staunenden Volke verkündet hat. Kunze scheint sich eilt altes lateinisches Sprichwort für seine Lebensarbeit zurechtgeknüppelt zu haben: „Verleumde darauf los, einer wird schon sitzen" . . , Dunkle Fragen. Sie ausländisch e Finanzie r u n g der N a t i o na lsozialiste n. Der „Bayerische Kurier" bringt in seiner letzten Svmtabondnummer unter der Ueberschrift „Ungeklärtes aus dem völkischen Parteileben" eine beachtenswerte Feststellung: „Der „Völkische Beobachter" (Nr. 52) hält die von Dr. Heim neuerdings gegebene Darstellung der. Unterhandlungen, die zwischen ihm und einem französischen General im Jahre 1919 gepflogen wurden, für unzureichend, und gibt der Meinung Ausdruck, daß diese ganze dunkle Geschichte vor den Staatsanwalt gehöre. Wir sind lveit davon entfernt, dem völkischen Blatte das subjektive Recht zur Stellung einer solchen Forderung zu verweigern, nehmen aber gleichzeitig an, daß sich das so hochentwickelte ^nationale Aufklärungsbedürfnis des „Völkischen Beobachters" auch aus andere dunkle Fragen erstreckt, so beispielsweise arrf die Frage der ausländischen Finanzierung der Nationalsozialistischen Partei und auf die weitere Frage, wie es kommt, datz sich dir gegenwärtige Politik dieser Partei so vollkommen wir den französischen Absichten und Zielen deckt." Herr Hitler wird seit geraumer Zeit von allen Seiten, nicht bloß von sozialistischer, mit Fragen bombardiert, woher die außerordentlich hohen Summen stammen, mit denen er seine Belvegung auspumpt. Er lehnt es grundsätzlich ab, den neugierigen Fragern hierauf Antwort zu geben. Reiner unserer Freunüe will unseren C. B. im Stich lassen. Jeder, dem Deutschtum und Judentum ans Herz gewachsen ist, verlangt rastlosen Kampf gegen einen zu. allem bereiten Gegner. Hast Du für diesen Rumpf auch Gpfer gebracht! Säume nicht, noch heute deinen Vierteljahrsbeitrag 1923 (Januar bis März) von mindestens 3000.— M. dem C. V. aus das Postscheckkonto Berlin Nr. 80472 oder auf das Bankkonto Dresdner Bank, Tepk. 6, Lindenstr. 7, abzusenden. Wer diesen Betrag nicht aufbringen kann, zahle nach Selbsteinschätzung. Zeder, derim Rückstände ist, zahle noch heute!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.