Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 13 (29.3.1923)
- Date
- 1923-03-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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99 Eine Morölumg -er bayerischen Iu-en bei Minrsterpräfiüent v. Rnilling. W o h l iv o l l e u d e E n t <5 e g c n n a h m e de r V 0 r st e l l l! n g e n. Eine Abordnung der- Verbandes der Bayerischen Israelitischen KrcliuZgemeinden, der die jüdische Bevölkerung rechts des Rheins und in der Pfalz vertritt, hat sich am 11. März gitni Ministerpräsidenten v. Kni kling begeben undBorstellungerr über die Lage der Juden in Bayern erhoben. Sie hat aus die Schmähungen der jüdischen Bevölkerung und ihrer Gotteshäuser, aus die sich häufelnden, Leben und Eigentum bedrohenden Terrorakte hingewiesen und es als unerhörte Beleidigung erklärt, daß in Versammlungen und in der Presse die Juden 11nb die uns bedrängenden Feinde als innerlich zusammengehörig und voneinander abhängig bezeichnet werden. S i c h a t c s a I s M a n g e l a n R e ch t Z s eh u tz h t x v v r - g e h 0 b e n , daß solche Behauptungen unter Ansreizung der Volksleidenschaft gegen einen gtmzen Bevölterungsteil ausgestellt lverden dürfen. Es wurde von den Herren Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer (München), Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg) und Justizrat Dr. Hommel (Schweinsurt) nachfolgende Eingabe überreicht: „Der unterfertigte Verband als die nach seiner Verfassung zuständige Vertretung der jüdischen Bevölkerung in Bayern gegenüber Staat und Oesfenttichkeit gestattet sich. Der Bayerischen Staatsregierung folgende Erklärung zu imterbreiten: Die jüdische Bevölkerung in Bayern, zumal in der Landeshauptstadt, verlangt den Rechtsschutz der Behörden. Seit Monaten lverden durch gewalttätiges und aufreizendes Vorgeben nationalsozialistischer und völkischer Kreise, durch öffentliche Altschräge und in der Presse, durch öfseutl.iche Versaunnlun-5-en und terroristische jEinzelakte, durch Schmähungen itnb Verleuludnngen. durch Drohungen und die Vorbereitung 31t ihrer Verwirklichung Ehre, Existenz und friedliche Beläkigrtrtg in Beruf und Gesellschaft gefährdet und verletzt. Nnd dies in einer Zeit, wo Einheit itnb Geschlossenheit der Abwehr eines unversöhnlichen Feindes als erste vaterländische Pflicht erscheint. Die Bedrohung der jüdischer! Mitbürger hat -neuerlich einen Grad erreicht, daß das Verlangen nach Rechtsschutz gegen über der Staatsregierung unmittelbar erhöben werden muß. Rach der Mitteilung in Nr. 69/70 des „Bayerischen Kuriers" vonr lO./li. Mürz hat der Berichterstatter der nationalsozialistischen Partei am 9. März 1928 in öffentlicher Berfarnmhmg in München folgendes ausgesührt: „Die nationalsozialistische Bewegung bereite sich vor ans den Tag der Abrechnuna. die gründlich sein werde. Die nationale Eutehrung müsse endlich aufhören: wenn die Regierung nicht mitmachen wolle, werde rnan einfach über sie lstnwea,gehen, unsere Geduld ist erschöpft. (Stürmischer Beifall.) Gesprochen sei genug, jetzt müsse die befreiende Handlung folgen." Der Bericht fährt fort: „Das Originellste in der Rede Esters war wohl, wie er fich die Lösung der JudensragL vorstellt. Nichts einfacheres als das. Da erklärt eines Tages die Regierung, binnen 24 Stunden hätten sich alle Juden mit einer Decke, Kochgeschirr und Lebensmittel auf acht Lage und mit ihren Papieren in dem Lager zu melden. Wer bis zu einer bestimmten Stunde nicht da sei, werde erschossen. Sei dann die Gesellschaft beisammen, so wolle man durch Funkspruch den Ententemächten mitteilen, wenn die Franzosen nicht binnen einer gewissen Zeit rückwärts über den Rhein zögen, waren wir gezwungen, 50 000 Geiseln einer höheren Macht zuzuführen. (Stürmischer Beifall!) Da werde man sehen, wie das internationale .Kapital nicht einen Augenblick -zögern werde, die französische Armee zur Rückkehr zu veranlassen. Diese Lösung wäre so unblutig und menschlich als wie nur etwas." In diesen Ausführungen, die in osten tlicher Versammlung acimadjt werden durften und nach dem Bericht stürmischer Beifall weckten, erblickt die jüdische Bevölkerung in Bayern einen Mißbrauch des nationalen Gedankens zur '?( n f P e i t s ch u n a der Bolks'l-eidens cha ft. Sie sieht darin eine unerhörte Beleidigung und Schmähung eines ganzen, seit Jahrhnuderten im Vaterland e eingewurzelten Volkskeiles, der in innere Zusaunnengehörigkeit mit dem Feinde gebracht und dem aus das Handeln des Feindes Einfluß zugeschrieben wird. Die jüdische Bevölkerung iu Bayern ist nicht gewillt, viese tiefste Kränkung ihrer vaterländischeu Ehre hinzunehmen und ein Berhalten länger zu ertragen, das zu Aufhebung der persönlichen Sicherheit und öffentlicher - Gewalttätigkeit notwendig führen muß nnd in Zahlreichen Fällen schon geführt hat» Sie wendet sich darum an Die Staatsregierung. daß sie einem solchen Vorgehen Einhalt tue und der jüdischen Bevölkerung Den m der Verfassung verbürgten Rechtsschutz angedeihen lasse. Abschrift vorstehender Eingabe wurde den Skaatsunmsterieu des Innern und der Justiz Zuge-leitet." Der Herr Ministerpräsident hat die Ausführungen der Abordnung in längerer Audienz mit Interesse und Wohlwollen entgegengenonnnen. Ein neuer „Semi". „I u d e n b l ü t i g e evangeli s ch.e Ge i st l i ch e." In diesen Tagen, da jeder -gute Deutsche ein gerütteltes Maß voll Sorgen hat, hat natürlich auch Herr Gras Reventlow, der Deutschesten einer, schlaflose Nächte. Jetzt wissen wir weshalb. Er ist dahinter gekommen, daß die I u d e n P l a n m n ß i g Geistlichkeit unb T he 0 l 0 ge n s cha f t in Deutschland nt11 i h r e n R assen genösse 11 d lt rchsetzen, daß sie es verstanden haben, in großer Zahl besonders in die höheren Beamtenstellen der e v a u g e l i s ch e n Kirche einzudringen, vor allem iu Altprenßen. Einige Stichproben aus Der letzten Nunnner Des „ Re i ch s w axtM mögen folgen: „Im Konsistorium sitzt Superintendent Rosenfeld (Berlin), Kousistovialrat Josephsohn (Magdeburg) äst verstorben. Drei Generatsuperintendenten: Axensels (Berlin), Blau (Posen), Jaspis (Pommern). Drei Superintendenten: Mendelsohn (MeerfetD), Simsa '(Sonnenburg), Israel (Berlin). Theologische Wissenschaft: Professor Eißseldt (Halle), Neander und Philipp! (beide verstorben). Pastoren: Hehka (Posen; zwei Le Seur (Lichterselde), Lassou (Berlin), Apfelstedt (Thüringen), Rauh (Potsdam (verstorben), Durchstein (Simersdorf), Paulus (Kassel-Berlin), Magnus (Letschin), Mchlhose (Berlin). Arnold (Lichtenrade) — Mendelsohn jun. und Josephsohn jun., Söhne der genannten Superintendenten. Diese Namen sind aufs Geratewohl herausgegriffen und bilden nur einen Teil einer laugen Liste. Unsere Leser aus allen Teilen DeutschlanDs werden gebeten, dem „Reichswart" christliche Geistliche jüdischen Blutes namhaft zu machen. Es ist von größtem sachlichen Interesse, einen möglichst vollständigen Neberblick zu gewinnen, selbstverständlich auch über den jüdischen Einschlag in der katholischen Geistlichkeit der verschiedenen Kategorien." Wenn Herr Graf Reveutlow diese Statistik -beendet hat, könnte er vielleicht einen weiteren „Semi" veröffentlichen:! das Eindringen der jüdischen Redakteure in di« d c 11 t s ch v ö l lisch e P r e s s e. Hauptschristleiter und verantwortlich für Politik im „Völkischen Beobachter" ist — Herr Graf, setzen Sie sich zuvor! — A l sred Rosenberg. Sollte auch e r . . .I Zweimal wöchentlich. Knüppel-Kunze vergrößert sich. In der letzten Lenzingnumnrer kündigt Herr Kunze an, daß sein W 0 ch e n b I a 11 v 0 m 1. April a n wöchentlich z w e i m a l e r s ch eine n w i r d. Die B e g r ü n d n n g dieser Notwendigkeit dürfte uns nicht gleichgültig lassen: Den ärmeren Beziehern soll das zweimalige Erscheinen eine Tageszeitung ersetzen, deren Preis infolge der fortgesetzten Steigerung aller Herstellnngsmittel allmählich unerschwinglich wird. Das „Deutsche Wochenblatt" wird zweimal wöchentlich eine turzgesaßte Uebersicht der inneren und äußeren Politik bringen, die jeden, der keine lag l ich er s ch einende Z e i t it n g m e h r h a l t e n k a n u , über das wirklich Wissenswerte unterrrchtet. Herr Kunze gibt der Hoffnung Ausdruck, daß dadurch das „Deutsche Wochenblatt" einen immer größeren Leserkreis gewinnen wird.. Die Erfahrung hat Herrn Kunze gelehrt, daß sehr viele Arbeiter sich seiner Partei zugelvendet haben, weil sie den Beitrag in einer politischen oder gewerkschaftlichen Organisation nicht mehr zahlen konnten und deshalb gestrichen wurden. Der Beitrag für die deutschsoziale Partei ist billig, und man hat überdies noch Aussicht, in einer dentschsozialen Verkaufsstelle billige „Landleberwnrst" zu erhalten. Denjenigen Ilnbemittelten, die kein Blatt mehr halten können, will er nun ans ähnliche Weise unter die Arme greisen und dir wirtschaftliche Not und das Lesebedürfnis der breiten Massen seinen politischen Zwecken dienstbar machen. Wann endlich wird von unfern Freunden geglaubt werden, rvas mir so oft und eindringlich ausgesprochen haben: gebt u n s Gelegenheit, m ö g l i ch st billiges 9l u f k.l ä r n n g § m a t e r i a l in die Massen hineinzuwers-en, damit sie nicht ein Opfer wohlausgeklügelter Kunzescher Demagogie werden. Wir fürchten, die Erkenntnis wird kommen, wenn es zu spät ist.