Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 12 (22.3.1923)
- Date
- 1923-03-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Witt dich kurieren', so kann er cmtnuirten: .Ich traue dir nicht': wenn er sagt: ,Jch Witt dich durch jemand beiten lassen, der nichts kostet': so kann er sagen: ,Ein Arzt für nichts ist für nichts.'" Es ist also der Patient, der von einen: unentgeltlichen Arzt nichts hält, und ich glaube, daß au diesem Sprichwort gar nichts Jüdisches ist. Was übrigens die indische:: Aerzte des Talmuds und des Mittelalters betrisst, so :n::ß u:nn bedenken, daß sie sehr oft zugleich Professoren der Theologie waren und für dieses Amt weder Gehalt bezogen noch irgendeine Bezahlung annabmen, ein Idealismus, der unfern Verfasser an: wenigsten hätte berechtigen sotten, von ihnen als von geborenen Materialisten und Geldschneidern zu sprechen. Unsicherer ist die Beeinslnssung durch den Parsismus. Außerhalb der Religion ist sie zwar wie immer, von vornherein anzunehmen, aber bei der unsicheren Datierung der persischen Schriften n:nß es noch immer bei dem Verfahren bewenden, das z. B. Bökler: (die Verwandtschaft der jüdisch-christlichen mit der persischen Eschatologie 1902)..eingeschlagen hat: einer einfachen Gegenüberstellung der hier wie dort sich findenden Vorstellungen. Wie energisch aber das Judentum in: Exil seine religiöse Eigenart betont Hai, beweist am besten der zweite Teil des Propheten Jesaja. Völlig auf den: Gebiet der Vernlutnugen bewegen wir uns in: ersten Teil, der frühbiblischen Zeit. So außerordentlich Lehrreich die Ausgrabungen und Funde in Palästina und im vorderen Orient für das Verständnis der Bibel sind, so wenig wissen wir noch immer über die Zugehörigkeit vieler Völker, ihren ursprünglichen geistigen Besitz und ihren Einfluß auf Israel, z. B. der Philister oder der Hettiter. Die These Hroznhs, des Entzifferers ihrer Sprache, daß sie indogermanisch fei, ist fast allgemein abgelehnt. Trotzdem wollen wir ohne weiteres zugeben, daß die Senaten vieles von ihnen entlehnt haben können, z. B. den Reis, den Hund und den Hahn. (Wenn aber der Verfasser n:ei::L, daß mit der Bedeutung des Hahnes als heiligen: Tier bei einzelnen arischen Völkern das K a p v r e - Schlagen znsammenhänge, so wirft er, da dieses erst in: Mittelalter anftaucht, unkritisch die Zeiten durcheinander, und wenn er erklärend hinzusetzt: „d. h. das noch heute bei den Ostjuden übliche Totschlägen eines bei den Füßen gefaßten und dreimal um das Haupt geschwungenen Hahnes als Sühneopser (Kappore) am Versöhnungstage", so wird der Hahn erstens nicht totgeschlagen, sondern geschlachtet und zweitens nicht am Versöhnnngstage, sondern vorher. Wichtiger als dies oder die sehr zweifelhaften Entlehnungen aus den: Kriegswesen (die wir aber gleichfalls den Ariern überlassen wollen), find die angeblichen Beeinflussungen in der Religion. Die Aehnlichkeit mancher biblischen Erzählungen und Persönlichkeiten mit indogermanischen Sagen und Mhthen, z. B. Simsvn und Herkules, Opferung Isaks und Iphigeniens, Paradies und Gefilde der Seligen ä., ist zwar immer bemerkt worden, aber über das Abhüngigkeitsverhaltnis sind wir im unklaren. Von einen: „orgiastischen Zug" im legitimen'Kultus Israels wissen wir nichts (so daß „fröhlich sein vor dem Herrn" schließlich zum Kennzeichnen der Feste wurde!) Die Vergleichung des Herrn Zebaoth mit dem Zeus Stratios der Indogernwnen ist rein äußerlich und die Bezeichnung Gottes als des Vaters soll bei den arischen Völkern aller Zeiten deswegen die innigsten Gefühle „auslösen", weil sie ursprünglich „arisch" ist, woraus sich dem Verfasser überhaupt manches erklärt. Die Bezeichnung hat aber hier und dort einen total verschiedenen Sinn, was hier nicht weiter ausgesührt werden kann. Schließlich soll auch die israelitischste Erscheinung, die Prophetie, aus der Fremde stammen. Immer wieder wird bei solchen Erscheinungen der methodische Felzler begangen, Parallelen für Quellen zu nehmen. Aber schließlich, was liegt daran! Die Hauptsache ist nicht, woher die Bibel ihre Stoffe hat, sondern :vas sie daraus gemacht hat. Das erkennt denn auch der Verfasser in dankenswerter Weise an, wenn er schließt: „Troß aller Abhängigkeit von den Nachbarknltureu ist schließlich die israelitisch-jüdische Kultur — gipfelnd in den: universalen sittlichen Monotheismus, der Grundlage unserer heutigen religiösen und sittlichen Weltanschauung — ein starkes Eigengcwächs. —- Israel ist das bibelschöpferische Volk — das bleibt sein Verdienst ::::: die Menschheit!" Kein Volk der Welt hat jemals seine ganze Kultur aus sich selbst erzeugt. Die G e r n: a n e n z. V. waren, als sie in die Geschichte eintraten, vollkommene Barbaren imb brachten rein gar nichts mit, alles haben sie „entlehnt" und ihr Bestes haben alle christlichen Völker zwei Faktoren zu danken: Hellas und Israel. Alle KulLurrassen sind Mischrassen, alle Kulturen sind Mischkulturen. B. Jacob (Dortmund). i\. /% i Wenn Ihnen daran liegt, l weitesten jüdischen Kreisen von allen 1 i i Familienerei gnifjen 1 i! Kenntnis zu geben, dann lassen Sie alle I!! m Verlobungs-, Vermählungs-, Geburtstll 1 Anzeigen durch die »C V.-Zeitung« I? i (Blätter für Deutschtum und Judentum, Aufl. über 6o ooo Expl.) y 1 bekanntgeben, wodurch ihnen zweck¬ 1 entsprechende Verbreitung gesichert ist. Zeilenpreis für Familienanzeigen: % z. Zt. Mk. I2CO-— für die ygespalt., 27mm breite Nonpareillezeile (Rudolf Mosses Normalzcilehraesser Nr, 4), abzüglich I 50°/0 Nachlaß für Mitglieder! 1 Anzeigenannahme bpi allen Filialen und Agenturen der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse. 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