Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 11 (15.3.1923)
- Date
- 1923-03-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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83 Trotz Rom unö Iu-a. Deutschnationale Volkspartei und E i n h e i t s f r o n t. Das offizielle Organ der Deutschnationalen Volkspartei für Schlesien ist die „Schlesische Tagespost". Im Reichstag hat Herr HeWrich maßvolle Worte gesprochen, die Notwendigkeit der Emheitsftont in Deutschlands schwersten Schicksalsstruiden überzeugend betont und damit einenscharfen Strich Aegen die äußerste Rechte gezogen. Um. so mehr muß man. sich loundern, daß die „Schlesische Tagespost" einen Aussatz aus „Deutschlands Erneuerung", der im bekannten deutschvolkischen Müdchener Verlage von I. F. Lehmann erscheinenden reelMradikalen Wochenschrift, veröfsentlicht. Wieder einmal können wir feststellen, daß b er Ka mPf der Deu tschvölkische n si-ch nicht n u r gegen I u b e n, s o n d e r n a u ch g e g e n d a s E h r i st e n - tum richtest und daß der deutschvöl tische Judenhaß zugleich Whvdoden für die „A n t ii; - Rom - B e \v e g u n g" ist. . Der Aufsatz, ein Haßgesang übelster Sorte, enthält folgende Stelle: „Trotz Rom und Juda wollen wir leben und werden nur leben. Es gärt im Volk und unterirdisches Grollen kündet Ungeheures an. Haß lebt in den Herzen, Haß glüht ans den Angen, göttlicher befreiender Haß! Schlagt mit Peitschen drein und schürt diesen Haß!" usw. Hat die Deutschvölkische Partei wirklich -:n Interesse daran, daß der Haß „aus den Augen, glüht" in einer Zeit, wo man „Rom und Juda" in mustergültiger Treue an der Arbeit sieht, dem Vaterland zu helfen? „Rom und Juda" könnten den deutschvölkischen Schriftstellern tagtäglich Vorb ild für wahres, deutsches Empfinden — deutsches Sprachelnpfinden eiugeschlossen — sein. völkische Rultur im Osten. Ein j u d e n;v e i n e r k a u f m ä n n i j ch er Verba n d. Wie dem „Textilmarkt des Ostens" aus seinem "Leserkreise mitgeteilt wird, hat.Bialla die zweifelhafte Ehre, in seinen Mauern einen kaufmännischen Verein zu beherberge^ welcher recht eigenartig die Interessen der Kaufmannschaft ioahrzuuehmen scheint. Bisher spielte sich in diesem Verein alles in ruhigen Bahnen üb, und es gehörten ihm auch die dort seit Jahren ansässigen und in gutem Leumund stehenden jüdischen Kauflente an. Früher^ gab es dort eine Orts g r u P Pe de s D e u t s ch Volk.i. s ch e n ch u tz - und Trutzbundes, der übrigens dort noch heute unter dem Namen „Heimat schütz" fortbestehen soll, und die von diesem ausgestreute Saat scheint sich jetzt in dem „Verein der Bialler K a u s l e u t e" auszuwirken. In letzter Zeit spitzten sich die Verhältnisse in diesem kaufmännischen Verein derart zu, daß es der Besitzer des H o t e ls „D e u t s ch e s H a u s", Herr Nitz schm an n, bei »welchem der Verein tagt und seine Zusammenkünfte abhült, fertigbrachte, eine angeblich von unbekannter Hand angebrachte Aufschrift „I üben r a u s" deutlich und für jedernlann sichtbar stehen zu lassen und trotz Aufforderung nicht zu entfernen. Ein jüdischer Kaufmann forderte ihn auf, die Aufschrift zu entfernen. N. tat es jedoch nicht, sondern suhlte sich dadurch beleidigt und strengte die P r i v a t t i a g e gegen den jüdischen Kaufmann F. an. Dieser wurde vom. Schöffengericht frei gesprochen und die gesamten Kosten wurden denn Kläger auserlegt. Konsequenterweise richteten die Bialler jüdischen Kaufleute an den Vorsitzenden des kaufmännischen Vereins ein ,S ch r eiben, in dem sie erklärten, es könne ihnen nicht Zugemutet werden, ein Lokal zu besuchen, das mit der Aufschrift „Juden raus" beschmutzt ist. Sollte es dem Verein nicht möglich sein, den Spruch zu entfernen oder durch Verlegung des Vereins Abhilfe zu schassen, seien sie genötigt, aus dem Verein auszutreten. Darauf wurde ihnen vom Vorsitzenden des kaufmännischen Vereins die Antwort zuteil, d a ß f i ch d i e G e n e r a l v e r s a m m l it n g mit d cm A uZtrit t sämtlicher Herren e i n v e r st a n d e n e r k l ä r t h ä t t e. „Wir. sind", so führt der „Textilmarkt des Ostens" in seiner Nummer vom 1. März aus, „immer bisher der Ansicht gewesen, ' daß eine wirtschaftliche Organisation, wie es eine kausmännische sein soll, keinesivegs dazu da ist, politische oder religiöse Tendenzen zu verfolgen oder Berufskollegen auf diese Weise abzusondern. Uns will es scheinen, daß der Bialler Vorstand dieses sogenannten kaufmännischen Vereins am allerwenigsten dazu 'berufen ist, derartige Beschlüsse, selbst wenn sie aus Wunsch der Versammlung gefaßt sein sollten, zrezulassen. Er muß, wenn er Anspruch darauf erhebt, als Vertreter einer kaufmännischen Organisation zu gelten, sofort die Bert r n u e n s f r a g e stellen und die Konsequenzen aus der Abstimmung ziehen. Oder soll Bialla wirklich schon fo weit „kultiviert" fein, daß es gezwungen ist, in seinen Mauern einen antisemitischen kaufmännischen Verein zu beherbergen? A u f d a s Verdienst, de r K u l k u r im Osten zu dienen, kann Bialla auf diese Weise sicherlich keinen Anspruch e r h e b e n. ..Hauer, bleib vom Iuöen weg!" Wenn zwei dasselbe tun... Der „S ch w ä b i s ch e L a n d m ct n n", Bundes sehr ist des Württembergs che n Bauern- und Weingärtnerbundes, briügt in seiner Nummer 2 einen antisemitischen Artikel, der dem „Völkischen Beobachter" zur Ehre gereichen könnte. Die Frage, warum der Bauer vom Juden wegbleibeu müsse, wird beantwortet durch den Hinweis aus das jüdische Sittengesetz unb die jüdische Sittenlehre, die es gestatten, daß jeder Nichtjude vom Juden betrogen werden kann. Ein p r a k t i s ch e s B e i s P i e l soll den Bauern die Augen öffnen über „jüdisches Geschäftsleben, jüdische Sittengesetze und jüdische Verderbtheit": „Kommen Zu einem. Landwirt im Hohenlohe scheu Zwei Juden und schmeicheln und speicheln und hudeln und iudeln solanae mit dem nuten Aianne, bis er iWm.ein Prachtpferd für einen nach seiner Meinung anßerorden-tlich hohen Preis, nämlich für beinahe 1000 600 Mark, verkauft hat. Als der Handel sertia war, sraat unser Werbeverkäufer, was ein iunger Gaul kosten würde, und erfährt zu seinem arenzenkofen Schrecken, daß er das Pferd, welches ein selten schönes Tier war. run mindestens 2000 600 Mark Zu billia verkauft habe. Wohl ist er seht unglücklich über seine gutmütige Harmlosigkeit, mit der er geclanbt hat, Zwei gerissenen Vertretern der indischen Rasse entaeaenircten zu können, aber es ist nichts mehr ZU machen, verkauft ist. verkauft." Fast zu gleicher Zeit erscheint in der „B-uchäuer Zeitung", dein in Oberfchivaben. und in Hohenzollern meist gelesensten Bauernblatt, .eine Notiz ans. Künzelsau mit der Neberschrift: „Gute G e s ch ü s t e". „Bei dem letzten Pserdemarkt verkaufte ein Bauer ein Pferd, das er vor ungefähr acht Tagen um 860000 Mark gekauft hatte, um 1,8 Millionen Mark. Gefordert hatte er 2 Millionen Mark. - Ein anderer Bauer ans Oberamt Oebringen hat in gleichem Zeitraum ebenfalls an einem Pferd 1 Million gewonnen." Die Moral von der Geschichte „Wenn zwei dasselbe tun, ist es lange nicht dasselbe". Eine Fälschung des Choschen Hamischpath § 227 mufj dazu herhalten, den Beweis zu führen, daß ein Verdienst von einer Million Mark auf der einen Seite ein „gutes Geschäft" und auf der anderen ein Akt jüdischer Verderbtheit ist. Zauberkünstler als Hetzapostel. Der n e u e st e Trick des I u>d e n h a s s e s. In Görlitz fand jüngst im Stadthallensaal ein Vortrag des Herrn Joachim B e il a ch i n i aus Berlin, des Sobnes des bekannten Zauber^ künstlers, statt. Der Saal lvar dicht mit Besuchern gefüllt, die neugierig lvaren, lvie sich die Wissenschaft zu der Frage des Untergangs des Abendlandes stellt. Die Neugier der Besucher wurde durch diesen Vortrag loenig befriedigt, beim nachdem man zwei Stunden auf die P o i n L e des A b e n d s wartete, war in wenigen Worten der Weisheit letzter Schluß: die R a s s e n f r n g e! Als Vorbereitung zu diesem, in ein wisseuschaftliches Atäntelchen eingehüllten Antisemitismus ging Redner ausschließlich auf die Wunder des Weltgeschehens ein. Fast naiv mutete es au, als per Redner, der eben noch von ehernen Naturgesetzen gesprochen hatte, plötzlich der germanischen Rasse eine lauge Lebensdauer, iveissagte, wenn, sie sich rein e t halte, d. h. lveuu sie es v e r m e i d e n würde, sich' mit einer bei uns lebenden „k u r z k öp s i g e n , minderwertigen Rasse" zu v c r m i s che n. Tieseft neuesten Trick des Judenhasses wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten, damit sie in ähnlichen Fällen unterrichtet sind. Es ist eigentlich kein gutes Zeichen für die Werbekrast des Judenhasses, daß er sich seine Redner schon aus den Kreisen der Zauberkünstler verschreiben must! wolfgang preßls Glück unö Gnöe. Einer der „erfolgreichsten" Hetzer, der „Werkzeugschlosser" Wolfgaug Preßl, 'scheint jetzt kalrgestellt worden zu sein. Preßt hat seit Jahren als besoi.derer Freund und Vertrauter des He r rn K n ü p p e l - K u u z e Vorträge sckr die natiomrlsozial.istische Partei gehalten. In aller Erinnerung ist noch fein g e w a l t s a m e s E i ndringen in das Herren h a u s, mn den Vortrag"des Oberst v. Albert zu -stören, der vom Fronksoldatenbund als Referent für eine Auft'lä rungs versa in nrlung gewowneu war. Vor einigen Monaten ruachte er den Versuch, eine u a t i>v n a l rep n b l i k a n i s ch e P a r te i zu gründen. In den Kammersälen in der Teltower Straße -in Berlin hatten sich ganze 20 Personen eingefunden, trotz riesenhaster Plakate an den Anschlagsäulen. So mißglückte der Versuch Preßls, sich selbständig zu machen. Er teilte somit das Los vieler junger Leute, die in einem Geschäft ausgeterint haben, und dann glauben, sich auf eigene Füße stellen zu können. Für ein Kunzesches Konkurrenzunternehmen reichten die Qualitäten des Herrn Preßt nicht ans, der in München von Beruf koimnuinstischer Spitzel gewesen ist. Jetzt will das Geschick, daß er zum zweiten Male in Maincheft, s ch eite r t. Die P-a r t e i l e i -t u n a der Nationalsozialisten in München teilt mit: „Herrn Wolfgang P r e ß l, bislang Nkitglied der Völkischen Freiheitspartei oder emer ähnlichen Gruppe in Berlin, wird die Ausnahme in die N a t io >n a lso z ia listi sche Arbeiterpartei v e r w e i g e r t. Sämtliche Ortsgruppen wollen daraus achten."