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Central-Verein-Zeitung · 1923-02-22 · 8 (22.2.1923) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
8 (22.2.1923)
Date
1923-02-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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60 Die Jahresversammlung -er Gesellschaft sür -ie Wisseuschast -es Judentums. Am Mittwoch, den 7. fertntar/tcmb die GeNera lversarnmlurirt der Gestllsch ast zur Förderung der Wissenschaft des Judentums statt. Der Vorsitzende Professor Dr. So beruh ei in, erstattete Bericht über das verflossene Jahr und widmete dein vor wenigen Tagerr verstorbenen stellvertretenden Vorsitzenden Rabbiner Professor Dr. Bloch (Posen) warme Worte. Er regt an-, seine Aufsätze über die Geschichte des Hudenkilms inr Osten in einem- Werke zu vereinigen. Der Vorsitzende bezeichnete die Gctdverhältnisst^der Gesellschast als trotz der schweren Zeiten befriedigend, da. eine groß-elende in Europa, wie ein bedeutender Beitrag des Kultuswnds des Joint Distribution Cvnnnittee in New-Pork es cnnößlicfjt haben, die Zeitschrift der Gesellschast weiter und besonders begehrte ältere Werke neu hera-uszngc-bieu. Jerner besteht die Hoffnung, daß bis Ende des Jahres die „Mochiita" erscheint unb daß die große Arbeit der ..Germania Iudarca" weiter fortgesetzt wird. Anstelle Professor Blocks wurde Rabbiner Dr.' B a e ck nun stellvertretenden Vorsitzenden und Professor Dr. Weil, Direktor an der Staatsbibliothek in Berlin, in den Vorstand gewählt. Die Leiden -er russisch-jüdischen Gefangenen in Ungarn. Inden letzten Tagen traf eine größere Zahl r u f f i s ch - i ü d i f ck e r Kriegsgefangener in W i e n ein, die seit mehr als vier Jahren inr berüchti-grrn u n g aris ch e n I n t e r n i e r n n g s l a g e r Z a l a e g c r s z e g angebracht haben. Viele der indischen Kriegsgesangenen sind in diesenr- Lager durch Hunger und Ali ß Handlung zugrunde gegangen. Mehrere derselben standen einige Jahre im Felde, bevor sie in bk Hölle von Aa-laegerszeg gekommen sind. Die Befreiung der Reste dieser Unglückliche tl ist aus das Eintreten der liberalen Abgeordneten im ungarischen. Parlarnent zurückznführen. Don denen die grauenvollen Zustände im Interniernrrgslager der Oessenilichkeit enthüllt lvurden-. Diese jüdischen Heimkehrer sind jetzt irr Wien ohne jede Stütze. Die Wiener russische Gesandtschaft verweigert ihnen jede Hilfe. Sie loandterr sich .deshalb an die Delegation des ostgalizischen jüdischen' Nati-onalrates mit 'der Bitte, ihnen die Reisesvesen für Berlin vorznstrecken, da sie hoffen, daß die Berliner russische Gesandlfchast für ihre Heimkehr nach Rußland sorgen wird. Nene jüdische Voltsschulcir in Bayern. Ein bayerischer Hanptlehrer schreibt uns: „Es dürfte viele bayerische Genreinden und Lehrer interessieren, daß demnächst weitete kleinere Vvlksschnlstellen aufgelöst, dagegen neue j ü d i s ch e V o l k s s ch u l st e l l e rre r r i ch t e t w erd e n . wenn die betreffenden Gemeinden den Antrag dazu stellen. Die bayerische Regierung wird den Gemeinden in rveitgeheudsiem Maße^ entgegengekornnrerr. Alle bayerischen Genteinden, ivolche m-chr als Kehn Schüler bäten, mögen umgehend einen diesbezüglichen Antrag bei der zuständigen Kreisreg kenn lg -stellen. Diese Bergünstignng bedeutet einen großen Fortschritt für die Gemeinden., da die Lehrer vorn Staate besoldet werden. Eine einfache Eingabe genügt: z. B.: „Die nnterzerchnere Verwaltung hat heute 'besch-lofsen., eine israelitische BvlWchule zu errichten und die Kosten für derr Sachbedarf zrr tragen. Ein ^chullokal wird zur Bersügting gestellt." Der Sachbedars ist nur jährlich Mark (zweitausend Mark) rrnd die Veheiznng des Schnllotals. In solchen- Gemeindelt, in Nxleben die Beheizung aus städtischen (Eerueinde-) Mirtetlt bestritten wird, erfolgt die Beheizung durch die politische Gemeinde. Es wäre also dringend zu wünschen, daß alte Gemein-deu Bayerns voll, diesem' Rechte raschen. Gebrauch machen, lv v ul i t e i n e E n t l a fr u n g de r j ü d i-s ch e n Ge me i n de rr n nd g; e i ch z e i t i g e : u e B e r s o r g n n g bei* Lehrer erfol g t. Auch die „Bayerische Staatszeituug", das amtliche Organ der bayerischen Regierung, hat sich bereits mit dieser Frage beschäftigt. < u ilUt-on Völker, Raffen, Sprachen. Aus Wien romint die Nachricht, die dortige Negierung habe angeordnet, daß die Fragebogen für die nächste inr März vorzunehmende Volks- Zählung zwei neue Rubriken enthalten sollen: Volkszugehörigkeit und Rasse. Namentlich mit der zweiten Rubrik hat da eine hochweist Behörde eine grundstürzende Neuerung eingeführt, und hundert Prozent der Oesterreicher, die Mitglieder der Regierung initinbegrifsen, werden in die größte Verlegenheit geraten, wenn sie gewissenhaft sein wollen. Wie soll ein Mensch seine Rasse bestimmen? Er kann wohl wissen, welche seine Muttersprache ist, obwohl mancher in seiner Kindheit zwei Sprachen gesprochen und m jeder ein gleich inniges Verhältnis hatte, wie z. B. Marie v. E b n e r - E sch e n b a ch, die ursprünglich tschechisch schrieb und erst durch den Erwählten ihres Herzens, den nachmaligen General v. Ebner-Eschenbach, beftimnit wurde, ihr großes Talent der deutschen Literatur zu weihen. Auch K o nrad F erd i n a nd M e Y er schwankte lange zwischen dem. Französischen und Deutschen. Bei A l e r a n d e r v. Humboldt war dies bekanntlich sein ganzes Leben lang der Fall. Etwas weniger schwierig wäre es einem modernen Menschen, seine Umgangssprache zu bestimmen, obwohl sehr viele sich in. ihrem Umgänge Zweier oder gar dreier Sprachen bedienen. Das gilt besonders von den Angehörigen der höheren Klassen. König Eduard Vit. von England sprach deutsch sogar mit Vorliebe. Der Präsident der tschechoslowakischen Republik, Masaryk, hat alle seine großen Werke, denen er seinen Weltruhm als Gelehrter verdankt, in deutscher Sprache geschrieben. Immerhin kann jedermann diejenige Sprache, der er den Vorzug gibt, der er etwa die ersten stärksten seelischen Erlebnisse verdankt, der er die größte Ausbreitung wünscht,vor allein: in der e r s e i n e Kindex c r 3 i e h t, als seine M ulte r s p r a ch c bezeichnen (obwohl seine „K i n d e r - spräche" vielleicht richtiger wäre). Umgangssprache wäre dann diejenige, die er mit_ der jüngeren Generation seiner Familie spricht. Daun aber wäre die Sprache schon eines der Kriterien, die seine V 0 l k s - Z u g e h ö r i g k e i t b e st i m m c n. Wonach soll nämlich ein Mensch seine Volkszugehörigkeit bestimmen? Etwa nach der seiner Eltern? Inr Sommer 1921 hatten der deutschösterreichische und der tschechoslowakische Staatspräsident eine Zusammenkunft, ersterer war von sechs hohen Staatsfunktionären begleitet, die alle zufälligerweise tschechische Namen trugen, sie stammten also, wie übrigens ein sehr großer Teil der Wiener, von tschechischen Eltern ab, das Tschechische war im' buchstäblichen Sinne ihre Mutter-, wenigstens ihre G r v ß m u t ter s p ra ch e. Diese Tatsache führt uns gleich auf die Volkszugehörigkeit. Diese ist offenbar nicht von der Abstammung, nicht einmal Don der Mutter- oder Umgangssprache abhängig, sondern sie ist ein persönliches Bekenntnis: demjenigen Volke gehört ein Mensch zu, mit dein er sich staatlich, kulturell, wirtschaftlich, politisch verbunden fühlt, und für dessen Gedeihen er zu arbeiten und Zn kämpfen entschlossen ist. Auch hier sind, wie bei allen menschlichen Dingen, die Grenzen fließend. Alle die Hunderttausende Deutscher, die jetzt ans Deutschland und Deutschösterreich in ferne Länder auswandern, werden sie bis an ihr Lebensende sich wirtschaftlich und Politisch, staatlich und kulturell mit ihrer alten Heinrat verbunden fühlen? Schon binnen . kürzer Zeit werden sie in jeder dieser Hinsichten andere, vielleicht entgegen- UNITED STATES LINES BERLIN W8, ünt. d. Linden 1, BERLIN NW40, In.validenstr.93 und alle bedeutenden Eeisebureaus General-Vertretung: Norddeutscher Lloyd, Bremen MAX qm B h DR Eis DEN ELB Li k 5 re Backpulver SIN NEU A-.G. KARL SRUHE-GRÜNWINKEL s>J L.A.Henckets Iwillingswerk — Solingen tßM Fabrik feinster Gtahlwaren mit der bekannten Swillmgsmarke _£_£J Volle Gewähr für jedes Stück. f/X Harr pt Niederlage: ill Berlin U66, Leipziger Straße 117/118. Eigene Verkaufsniederlagen- Köln a. Ry., Dresden-Ä., Frankfurt a.M., Hamburg, München, Wien!. 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