Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 8 (22.2.1923)
- Date
- 1923-02-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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61 gesetzte IkLeressen erwerben. And was wird erst aus dex nächsten Generation werden? Immerhin, im Falle eines Konfliktes Zwischen ihren: alteu Vaterland und einem anderen europäischen Staat werden sie alle mit Herz und Hand ans seiten des ersteren stehen. Aber im Falle eines Konfliktes zwischen ihrer neuen und ihrer,alten Heimat? Die Erfahrungen, die wir ün Weltkriege mit den Deutsch-Amerikanern gemacht, lassen hierüber keinen Zweifel übrig . . . Soll man etwa deswegen jeden auswandernden Deutschen aus der Volksgemeinschaft ausstoßen? Es ist klar, daß ein Mensch seine Volkszugehörigkeit, die, wie gesagt, ein Bekenntnis ist, nur für seine Person und, nach besten Wissen und Gewissen, nur nachden m v m c n t a n g e g e b e n e n N m st ä n d e n angeben kann. Aber immerhin, er kann sie bestimmen und angeben. Wie aber soll ein Mensch bestimmen, welcher Rasse er angehört? Ein berühmter Wiener Anthropologe, Friedrich Müller, sagte kurz und bündig: „Rasse ist Schwindel!" Er wüßte nicht, was Rasse sei. Aber der durchschnittliche österreichische Bürger soll es wissen! Da könnte ihm vielleicht ein, Landsmann nachhelsen: der berühmte Berliner Anthropologe Professor Tr. Felix v. Luschan, ein gebürtiger Oesterreicher, Direktor des Museums für- Völkerkunde, ein Fachmann von Weltruf, eine der ersten Autoritäten aus seinein Gebiete in Deutschland. In seinem neuesten Werke „Völker, Nassen, «sprachen" (Berlin 1922, Weltverlag), legt er in gemeinfaßlicher Weise die Grundbegriffe der Anthropologie und Völkerkunde dar, wie sie nach denn gegenwärtigen Stande der Forschung sich darstellen. Es ist also ein Berufener, der zu uns spricht, und es sind die letzten Ergebnisse der Wissenschaft, die uns dargeboten werden. Luschan belehrt uns, daß die Zahl der Nassen von einem Autor zum anderen steigt. Blumenbach zählte s ü n f Nassen, Busson sechs , Peschel j iebe n, Agaßiz acht, Morton z w e i u n d z w a n z i g , Crawsurd sechzig. „Daraus folgt, daß der Begriff Nasse überhaupt nicht feststeht." Friedrich Müller, der den Begriff Nasse als Schwindel bezeichneio, wollte die arische Sprachen sprechenden Völker zu einem „Volksstamm" zusammengesaßt wissen. Luschan bemerkt hierzu: „Aber diese Verwandtschaft ist zunächst eine rein sprachliche, es ist grundfalsch, von einem indogermanischen Volksstamm zu sprechen, einen solchen gibt es nichi und hat es nicht gegeben. In gleichem Sinne ist auch der Begriff einer arischen Rasse durchaus abzulehnen . . . Von einer arischen Rasse zu reden ist ganz unzulüstzg, und gar von einem arischen Schädel oder gar von einem arischen Gesichtstypus zu sprechen, ist, wie schon Max Müller gesagt hat, ebenso töricht, als wollte man von einer langköpfigen Sprache oder einer brünetten Grammatik sprechen." Dir - Negierung zu ersuchen, Zuerst den Begriff Rasse festzustellen, aber da die Zeit kurz bemestenist,' sö könnte man zu praktischen Zwecken ein verkürztes Verfahren einschlagen und vorderhand nur zwei Nassen stipulieren: die jüdische und die nichtjüdische,' die Merkmale wären dann mit Händen zu greifen: wer sich zmir Judentum bekennt, der gehört zur jüdischen, alle änderen zur rnchijüdischen Rasse. Der praktische Zweck wäre erreicht. Es handelt sich nMali ch einzig und allein darum, nach den: sinnlosen Wortlaut des Artikels 89 . des Vertrages von Tr i a n o n , die jüdischen Bewerber um das österreichische Staatsbürgerrecht nbweisen zu können, da sie „der Rasse nach nicht^zur Mehrheit der österreichischen Bevölkerung gehören". Aber bei der Stipulierung der jüdischen Rasse muß man sich an das — Religionsbekenntnis halten, worüber alle Anthropologen höchlich erstaunt sein dürsten. Ein a n t h r v p o l o g i s ch e s Merkmal der jüdischen Rasse gibt es nämlich nicht, wie uns derselbe Lnfchan belehrt: „Der Laie Pflegt freilich immer von einen: einheitlichen jüdischen Typus zu sprechen. Der aber existiert nur in seiner Einbildung und in rnanchen Büchern, nicht aber in Wirklichkeit. Es gibt Juden mit Hellen und mit dunklen Augen, Juden mit schlichten: und mit krausem Haar, Juden mit hohen und mit schmalen Nasen, Juden mit sehr kurzen und breiten Nasen, und vor allem schwankt ihr Kopfindex zwischen 05 und 98, also so sehr, als er u u x inner h a l b der.Spezies Bl e n s ch s ch wanken k a n n." Im somatischen Sinne sind „die Juden die allernächsten Verwandten der Antieniet, also, ausgesucht gerade derjenigen Leute, die eine im engsten Sinne des Wortes a r i s ch e Sprache reden." „Vermutlich ist es der a l l - 6 enteilt o r : e n t a l i s ch e Zug, den wir so selten bei den Juden, wir auch bei den anderen Orientalen" (Armeniern, Griechen, aber auch bei Südländern) „vermissen, der jene Autoren verleitet, sich einer: einheitlichen jüdischen Typus zu suggerieren. Diesen Kollegen kann ich nur raten, sich einmal an einer religiösen Feier in einer griechischen oder armenischen Kirche zn beteiligen und s:cy da die frommen Gläubigen anzusehen: sie werden erstaunt sein, wie viele „reinjüdische Typen" sie ha sehen werden, ohne daß ein einziger 'wirklicher Jude in der ganzen Gesellschaft sich befindet" . . . Diese Stipulierung einer „nichtjüdischen Rasse" schlechthin würde auch sonst viele Schwierigkeiten beseitigen. Sollte man nämlich die Nichtjuden nach Nassen in: landläufigen Sinne gliedern, so müßte beispielsweise Marie von E b n e r - Es ch e n b a ch, väter- . licherseits eine Gräfin Tubska und mütterlicherseits eine Gräfin l Kinsky, aus der germanischen Raffe ausgeschieden und der slawischen j zugewiesen werden. Ebenso würde es sehr, sehr vielen anderen deutschen zn-astcL- Cx^ädimibztGl Leinen, Wäsche, Ausstattungen von der einfachsten Art bis zur vornehmsten Prunkausführung Waschstoffe jeder Art für Kleider, Bissen, Röcke, Morgenröcke, Kinderkleider, Schürzen usw, Bitte Probensendung Nr. 7S mit Angabe des Zweckes zu verlangen Die Preisliste Nr. 72K (mit zahlreichen Abbildungen) wird auf Wunsch zugesandt >nd&rhao$ vncLlv&’sch® fSo* DIE IDEALE DER HAUTPFLEGE MM -»ED “120 pflMWbiiwr „Rtppo" feinste ungesalzene Mßbutter» wie Teedutter, unter Kontrolle Sr. Ehrw. des Herrn Provinzialrabbiners Dr. L. Cahn, Fulda, hergestellt. 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Ludwig RosenlhalS Antqüäriat. IKÜNchM, Hikdegardstr.lt. \~\-eich 'varbelteH^.A^