Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 6 (8.2.1923)
- Date
- 1923-02-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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45 tzitler, Sie Entente unS — Luöenöorff. Durch einige Zeitungen ging vor kurzem die Nachricht, die,Propagandagelder der Nationalsozialisten fließen aus ausländischen Quellen, und daß für Hitler eine große Summe in französischen Franken bei einer Münchener B'ank deponiert worden sei, was Herr Hitler stets l e u g n e t e. Trotzdem sind, wie der „Bayerische Kurier" meldet, neuerdings Gerüchte im Umlauf, welche den Geldzusluß an die Nationalsozialisten mit s r a n - zvsischen Quollen in Zusammenhang bringen. Tie Münchener Zeitungen fordern die nationalsozialistische Parteileitung aus, sich ganz genau über die Herkunft und den Zweck der finanziellen Nüttel zu äußern, die ihr vom Auslände reichlich zur Verfügung gestellt werden.. — Der Führer der bayerischen Sozialdemokratie, Aügevrdnerer Auer, erzählte im bayerischen Landtag, daß Offiziere der Landespolizei irr^staatlichen Lokalen mit staatlichen Waffen die nationalsozialistischen sAurmtrupps im Wassengebrauch ab richten. Unter den Führern der Sturmtrupps gebe es Leute, wie einen gewissen Lüttke, die Spitzel der Enteilte f i n b und deutsche Waffen la ge r beit E n t e u tetvm. missioneu verraten. — Bekanntlich hat der nationalsozialistische Führer 'Adolf Hitler in seinen Propagandareden oft geäußert, er sei der Vorbote eines G r ö tz e r e n. Das Organ der rechtsgerichteten Bayerischen Volkspartei, „Negensburger Anzeiger", gibt in einem Artikel zu verstehen, daß mit diesem „Größeren" kein anderer als General Ludendorss gemeint sei, und knüpft daran, die Bemerkung, weder der-bayerische Bauer, noch der bayerische Bürger, werde sich eine preußische Diktatur gefallen lassen. Die demokratischen Münchener Blätter spielen ebenfalls aus diese Vorgänge an und meinen, die Nationalsozialisten haben sieb in ihrem Eifer zu früh verraten und dadurch ihre Aussichten stark verschlechtert. „.Herr Hitler und Herr Wutlc, eine politische und wirtschaftliche Betrachtung", lautet das Thema eines Vortrages, ben Herr Dr. Ludwig 'Holländer in der Ortsgruppe Berlin-Alter Westen, am Dienstag, 13. Februar abends /49 Uhr, im Künstlerhaus, Bellevuestraße 3, halten wird. Durch Mitglieder emgesührte Gäste sind willwmmeu! (tti lUlo» Drei wackeren Männern zum Gedächtnis. Von C u r t B ü r g e r. Mit dem kürzlich verstorbenen Theotvgeu und Plnlosophen Ernst Troeltsch. der auch einige Zeit Unterstaatssekretär im Unterrichtsministerium war, ist der dritte Mann aus einem Trifolium politischer Gelehrter aus der Welt 'geschieden, die es sich zur Ausgabe gemacht hatten, an einem „neuen Deutschland" mitzuarbeiten, das, wie Troeltsch einmal nn zweiten Kriegsiahr schrieb, „nicht aus Haß, sondern aus schassenden, positiven Kräften geboren" sei, und die unsere Heranwachsende akademische I u g e n d in erster Linie unermüdlich für dieses hohe Ziel begeistern wollten. Friedrich N a u m a n n, Alfred Weber und Ernst Troeltsch haben einen guten Kampf gekämpft, wenn sie auch das heiß ersehnte Ziel nicht mehr schauen konnten, der unerbittliche Sensenmann hat sie mitten im rüstigen Schassen abberusen. Was das neue werdende Deutschland an diesen nimmermüden WortineittiTn verloren hat, die^ untereinander in inniger Freundschaft verbunden, jeder ans seinen: Spezialgebiet und oft in feinster Nüancierung, die finsteren Dämonen des Nassen-. Glaubens- und Klassenhasses insbesondere von der Heranwachsenden Generation iernhalten und den: n e u e n Deut s ch l and das F it n d a m ent au s den Säulen, d e r H u in a n i t ä t erbauen wollten, läßt sich heute, wo alles noch in: Fluß unb Ungewissen ist, gar nicht abschätzen. Diese drei Männer hielten fest an dem Glauben der U n z e r st ö r b a'r k e i t des' Gem e tilge sühls und hännnerten der Jugend unermüdlich die Mahnung des Dichters iu Hirn und Herz: Laßt allen Hader unb alten Zwist. Fragt nicht, wer der bessere Deutsche ist, 2-orgi nur, daß einem jeden die Seele brennt Und ein jeder des Volkes Not erkennt! Troeltsch hat bis znm letzten Atemzuge trotz aller bösen -Anzeichen der Heit die Hoffnung niciit sinken lassen, daß die unser ganzes politisches Leben vergiftende Kampstnelhode der moralischen Verlästerung rmd Ansthwärznng des Gegners dortz einmal, wem: die äußere Not'uns unter den Nägeln brennen werde, aushören müsse, und daß „nur Olachzngler und invaliden der Zdeen vor 1011 ihre alten Leierkästen Weiterdreben oder wieder hervvrhvleu werden". Am meisten schmerzte ihn, daß die „D r e i st i g feit d e r P h r a s e", wie er irr einem Vortrag der „Deutschen. Gesellschaft UN4" so überzeugend und temperamentvoll darwstegt hat. bei der großen Masse eine „kritiklose Gläubigkeit" geschaffen habe, die uns „mitunter überhaupt a n d e r Nt e u s ch h eit i r r e m a ch e n und sie uns als eine Masse von Betrug und Selbstbetrug erscheinen lassen könnte". Daher auch seine energische A b I e 1) n u n g d e r völki - s st) e n H a ß p r e di ge r gegen das Zudentum iu der bekannten Ilmsvage des Vvltskrastbnndes. Er teilte die Auffassung seines ihn: im Tode voran sgegaug-e neu Freundes Alfred Weber, des großen Heidelberaer, später Nlüucheuer. Soziologen, der iu dem Antisemitismus eine „Entwürdigung des deutschen Volles" erblickte, „mit der wir unö selbst besch:uutzen", dessem lustorisch geschultem Blick die Analogie zwischen D e n t s ch e n h a ß u n d I u d e n h a ß aus schritt und Tritt begegnete, - und der daher auch in seinen „Gedanken zur deutschen Sendung" unk Nech-t sageir durste: „Objektiv sein können aus dieser ganzen Welt wohl n tir b i e D e it t s ch e n — und vielleicht die I n de n. Sollte das ans einem ähnlichen Schicksal hervorgehen? Diese P a r a l l ele - m i t ben I n d e n wird mm: jetzt gar nicht los." Ulrich Naumann hat diesen Gedanken in seinem unermüdlichen Bestreben, die neuen Generationen des Vereins deutscher Stuidenten mit den: Geist eines neuen freiheitlichen Deutschland zu erfüllen, stets in den Vordergrund gestellt, und würde heute, wenn er noch unter uns weilte, durch die überzeugende Kraft seiner Gründe, durch die plastische Darstellung in seiner Rhetorik wohl kein Prediger in der Wüste mehr sein. Mit Judenhaß (nach beut Rezept, der Hitler-Garden), den B v r n e einmal einen „der pontinischen Sümpfe" nennt, welche das schöne Frühlingsland unserer Freiheit verpesten", wird unser ans tausend Wllnden blutendes Vaterland jedenfalls schwerlich wieder zu retten sein, sondern nur «dadurch, daß das Wort eines Mannes, den nun: eerade in völkischen Kreisen so oft als Mentor zu wahrem:, echten: Deutschtum empfiehlt, Gemeingut aller werde: „Deutsch s e i n heißt eine g e m einsa m c dl o t empfinde n," Dann wird auch die Saat, die diese drei vortrefflichen Männer mit nie erlahmender Begeisterung für ihre Ideale in die Herzen der Jugend ausaestreut haben, spät, aber doch noch herrlich aufgehen. Denn, wie Gustav Frey tag in dem Nachruf für seinen Freund, den badischen Minister Mathy, sagte: „Tüchtiges Leben endet ans Erden nicht im Tode, es dauert im Gemüt und Tun der Freunde, wie in dem Gedanken und der Arbieit des Volkes." MAX ELB Q.M.B.n, DRtSDEN 'ßluthntTi y FLUGEL-PIANINOS\ ./ALLEINVERTRIEB i Tür Groß-Berlin u.ümg j TKurfürötendamm 228,, DucanoJa- KunstpieJ-Pignos und Flügef Stpl. 13717 Backpulver Li k ö r e SINNER A-.G. KARL SRUHE- GRÜNWINKEL Zur notwendigen Ergänzung der fünfbändigen Ausgabe Der Born Indas Legenden, Märchen und Erzählungen. Gesammelt von Wl. J» bin Gorion Sechster Band; Kabbalistische Geschichten Erschienen iin Insel-Verlag, Leipzig. In Pappband.. 4200,— M. In Halbpergament.. ,7500,— M. Preise fre Stobbe Die luden in Deutschland.während des Mittelalters in politischer, sozialer und rechtlicher Beziehung. Preis in Pappband. 1500,— M. ch Jöhlinger Bismarck und die ‘ . Unter Benutzung unveröifealMter Quellen. ATejlag Dietrich Reimer, Berlin. Preis in Halbleinen. 3600, — M. ib leibend. xfelung einer Hau** bl** F arbnua«- m.} G in.ä.H., Berlin SW68. Lindenslr. 13. 4