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Central-Verein-Zeitung · 1923-02-08 · 6 (8.2.1923) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
6 (8.2.1923)
Date
1923-02-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Münchener Juden aber stets, daß er ihr ruhiges und einwandfreies Verhalten anerkenne und nur auf die Gelegenheit hvarte, zu zeigen, daß er auch gegen die rechte Seite (lies Nationalsozialisten) scharf Vorgehen werde,' wenn Anlaß geboten sei. Die Veranstalter des Nationalsozialistischen Parteitages drohten der Regierung mit Gewalt; die Regierung, auf ihre Hühneraugen getreten, antwortete mit dem nervösen Schmerzensschrei des „Ausnahmezustandes". Die Juden, die da immer betonten, daß die Regierung schon mit den Hitler-Leuten fertig wenden würde, empfanden zum ersten Male den Triumph einer richtigen Einschätzung. Aber freilich' nicht lange: denn alles verlies ,,prog r n m mmäßig", und'am Abend teilte Hitler einer beifalltosenden Menge mit, jode Woche starte die Zahl der Partei und wenn sie sich selbst nicht stärke, stärkten sie die Regierungen. Die Nationalsozialisten zweifeln nicht, daß der Tag kommt, an dem dieses Mustergebilde von Staat niedergehen werde, da man keinen Putsch mehr zu machen brauche, sondern bloß mehr einen Blaser. Eine Woche zuvor hatte Hitler die nationale Einheitsfront „neuen Leim" genannt, hatte mit gröbsten Geschichtssälschungen die französische Revolution benutzt, um zu zeigen, daß damals (!) der Jude den Bürgerstand gegen den Adel, den er selbst vorher mit seinem jüdischen'Gift wurzellos und international gemacht, aufgehetzt habe. Und dann kam das Hitlersche Glaubensbekenntnis: „Deshalb darf die Parole nicht lauten: »Hier Arbeiter und hier Bürgers sondern ,H i e r I u d e u n d hier D e u t s ch e x\ In diesem Kampf nützen uns aber keine Proteste, sondern unsere Losung muß lauten: »Volk, lerne schweigen, beiße die Zähne Zusammen und sinne aus Roche und wieder auf Rache, lerne abrechnen mit denen, die dich in den Abgrund stoßenHier gibt es keine Verständigung, der Jude und seine Helfershelfer im Innern unseres Volkes bleiben ewig unsere Feinde. Wir wissen, wenn sie ans Ruder kommen, dann rollen M unsere Leser! Am 25. Januar d. I. haben wir unsere Mitglieder und Freunde gebeten, uns auf schnellstem Wege eine Kostenbeihilfe zukommen Zu lassen, die es uns ermöglicht, unsere „C. V.-ZeLtAAg" weiter erscheinen zu lasten. Damals stellte sich der Preis für ein Kilogramm Papier, das im Frieden 20 Pfennig kostete, noch auf 56® Mark. Leider hatte unser Notruf noch nicht den gewünschten Erfolg. Von den 60 000 Beziehern unserer „C. B.-ZeLtrssrg" sandten bisher nur zirka 6000 die erbetene Kostenbeihilfe. Inzwischen schnellte der Preis für ein Kilogramm Papier auf in® Mark, also aus über das Doppelte des bisherigen Preises, empor. Darum noch einmal ein ernstes Wort an unsere treuen Freunde: Wollt Ihr, daß unsere „C. V.-ZeiLrrng" fortbesteht? Dann helft; Helft schnell! Ermöglicht uns das Weitererscheinen der ,,C. V.- Zertnng" durch umgehende Einsendung von mindestens 6®® Mark für das erste Quartal 1923. Wer seine „C. V.-Zeitung" weiter erhalten und ihr ferneres Bestehen sichern will, zahle sofort aus das Postscheckkonto 304 72 des ■ „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", Berlin NW. 7 — unabhängig von feinem Mitgliedsbeitrag — wenigstens 600 Mark ein. RUtglie-er! §rrun-e! Helft uns in unserem Rumpfe für Deutschtum und Judentum! Central-Berern deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. B. unsere Köpfe in den Sand; wir wissen aber auch, wenn wir die Macht in der Hand haben werden: Sann gnade euch Gott!"" Das ist nach Münchener Begriffen weder Mastennoch Rastenverhetzung. Doch die Sensation dieses Abends war erst die Rede des englischen Grubenarbeiters Beamish, der Bayern als erstes Land feierte, das erkannt habe, wer der wahre Feind aller christlichen Völker sei! Wer nach diesem Bekenntnis noch gezweifelt hatte, daß die Hitler- Partei eine internationale Bewegung geworden sei, der wurde durch die Festnummer des völkischen Beobachters" zum Parteitag eines besseren belehrt. Da heißt es: „Viele in Deutschland kämpfen gegen uns, noch wehr ereifern sich über »Putsche" oder »geplante Morde" usw. Aber nur sehr wenige wisten, daß der Nationalsozialismus für die heutige Welt viel gefährlicher ist als ein Putsch: er ist der Herold eines neuen Zeitalters für ganz Europa, für die weiße Rasse überhaupt." Und weiter: „Der Nationalsozialismus glaubt, daß es einmal nach dem Untergang des gegenwärtigen Zeitalters eine Epoche geben wird, da das Hakenkreuz als arisches Erneuerungssymbol eingewebt sein wird in all den verschiedenen Fahnen der Völker der weißen Raste; er glaubt, daß es einst eine nationalsozialistische französische, englische, russische, italienische Arbeiterpartei geben wird, wenn auch vielleicht unter anderem Namen." Hitler selbst aber schrieb in seinem Geleitwort: „In all dem Geflunker und Geschwätz von „Einheitsfront" usw. haben wir nicht zu vergesten, daß sich zwischen uns und den Volksbetrügern, Arbeiterverführern und bürgerlichen Parteiverbrechern, zwei Millionen Tote schieben." Er hat dabei nur vergessen, daß unter diesen 2 Millionen Toten auch 1 2 0 0 0 Juden sind, die nicht für ben Internationalismus, nicht für die arische Raste, sondern einfach für ihr deutsches Vaterland gefallen sind. Eisners Karnpsrus: „Proletarier aller Länder vereinigt euch!" ist verhallt, ist in dem bitteren Chaos feindlicher Vergewaltigung zu grausamer Phantasterei geworden. Hitler und seine Gläubigen rufen die Antisemiten aller Länder unter ihre Hakenkreuzfahne! Vielleicht spricht nächste Woche ein Franzose aus Essen oder Bochum in München; vielleicht wird er dann, trotzdem seine Volksgenosten Kranke aus den Betten werfen und pflichttreue Postbeamten uen mit der Reitpeitsche aus dem Amt jagen, als arischer Gesinnungsgenosse mit klingendem Spiel in den Zirkus Krone geholh Im Zirkus München ist nichts unmöglich. Michael. Ern Prozeß mit antisemitischem Hintergrund beschäftigte vor kurzem a ch t Tage lang die Strafkammer des R o st o ck e r Landgerichtes. Es handelt sich um ein aus Antrag des Pros. Dr. Weinberg — der an der dortigen Universität seit Jahren als außerordentlicher Professor und Oberarzt der Medizinischen Klinik wirkte — wegen tätlicher und wörtlicher Beleidigung eingel-eitetes öffentliches Strafverfahren aeaen den Studenten (Kaufmann) U h l h o r n , einen bekannten Führer der Nosrocker Antisemiten, den Schriftleiter S ö f f i n a unb hm praktischen Arzt E! l f e.l d f. Uhlhorn, der Offizier gewesen und Kaufmann geworden war, sich aber nebenher auch dem Studium der Medizin widmete, nahm einen durchaus harmlosen Vorfall in einem Kolleg ^Professor Weinbergs zum Anlaß für einen judenseindlichen Ausfall. (Daß der Vorfall in der Tat sehr harmlos war, bezeugte wider Willen die -antisemitische „Hamburger Warte", indem sie vor dem Prozeß schrieb, daß. wenn nichts weiter passiert sei, dies in der Tat weder das Vorgehen der Studenten, noch das Uhlhorns rechtfertigen könne.) U h l h o r n stellte Professor Weinberg aus dem Flur der Klinik zur Rede und insultierte ihn tätlich (worüber dieser mit zwei Gegenstreichen quittierte). SöTTina batte dann den Vorfall in einer kleinen von ihm herausgegebenen Rostocker Zeitschrift in gehässiger Weise breitgetreten. Die Zeitschrift wurde seinerzeit aus Antrag des Rechtsbeiftandes Professor Weinbergs beschlagnahmt, und Ellfeldt hatte während des von der Universität eingeleiteten Verfahrens — das mit einer Ehrenerklärung für Weinberg und mit der Relegation Uhlhorns auf zwei Jahre endete — eine besonders markante iudenfeindliche Aeußerung gegen Weinberg getan. Obwohl von .ju-dengegnerischer Seite alles Aufgeboten wurde, um Professor Weinberg ins Unrecht zu setzen, endete der Prozeß mit einem vollen Mißerfolg für die Antisemiten und mit der vollen R e h a b i I i t i e r u n g Professor Weinbergs. Allein dem Herrn Ersten Staatsanwalt blieb es Vorbehalten, eine Verteidigungsrede für die Angeklagten zu halten; er mußte sich dafür auch gefallen lassen, daß ihm der Vertreter des Herrn Professor Weinberg, Rechtsanwalt Dr. G. Gold st a u b in Rostock, in mehr -als zwanzig Punkten völligen M a ngel an Objektivität nackwies. Und das Urteil der Strafkammer, das gegen Uhlhorn auf 20 000 Mark eventuell 200 Tage Gefängnis; gegen Sösfing aus 10060 Mark eventuell für je 1(00 Mark ein Tag, jedoch nur bis zum HöchWetrage von sechs Wochen, und gegen- Ellfeldt auf 5000 Mark mit derselben aushilslichen.' Freiheitsstrafe lautete, stellte fest, daß der vom Angeklagten gegen Weinberg versuchte Wahrheitsbeweis in keinem einzigen Falle gelungen s e i. Rechtsanwalt Dr. Gold st aub. der diesen antisemitischen Sensationsprozeß geschickt und erfolgreich führte, ist der. Vorsitzende unserer Ortsgruppe Rostock. In der letzten gut besuchten Versammlung der Ortsgruppe dankte der Referent des Abends. Redakteur S ch w e r i n e r aus Berlin, unter allgemeiner Z u st i m m u n ei Herrn Dr. Goldstaub für sein umsichtiges und mannhaftes Austreten, mit dem er die judenfeindlichen Umtriebe an der Rostocker Universität schonungslos an den Pranger der OessenMchkeit stellte. Musik und Judenhaß. Die „Deutsche Zeitung" verlegt sich schon seit längerer Zeit daraus, die Minderwertigkeit des Judentums auch darin zu beweisen, daß sie musikalische Werke jüdischer Komponisten (zuletzt sogar Dteihlers „Achte") herabsetzt. Trotz Mendelssohn. Meherbeer. Offenbach, Goldmark, Mahler spricht sie den Juden jede Fähigkeit zu bedeutendem musikalischen Schaffen rundweg ab. Neuerdings geht sie noch um einen Schritt weiter und protestiert sogar gegen die R e v r o d u k t i v n namhafter Werte durch jüdische Musiker. Sie schreibt am 28. Januar: „Der Berliner A e rzte ch 0 r will in seinem Konzert am 30. d. M. „E i n< deutsches N c q u i c m" von Brahms zu Gehör bringen, nachdem er schon im vorigen Winter die „Messe in C-moir von Beethoven aufgesührt hatte. Beiden Chorwerken liegen bekanntlich rein christlich-religiöse Texte Zugrunde, der Messe das apostolische Glaubensbekenntnis, dem Reguiem „Worte der Heiligen Schrift", überwiegend dem Neuen Testament entnommen. Wer sich aber als deutscher Christ in dieses Konzert verirrt, mutz sich im höchsten Grade ab ge stoßen fühlen durch die Gesichter, die ihm dort aus Chor und Orchester -entgegenglänzen. Sie gehören nämlich zu mindestens 90 vom Hundert, der semitischen Rasse an! Nun ist die Musik gewiß „international", solche rein religiösen Werke wollen aber auch gläubigen Herzens ersaßt und vorgetragen werden. Darum wird man gegen ihre Aufführung in biefeut Kreise gäsiz nachdrückl'ch Einsvruch erheben dürfen, ohne sich dem Borwurf völkischer Unduldsamkeit aus- Zusctzen." Die „Deutsche Zeitung" weiß offenbar nicht, daß sich die herrlichsten Berliner Ausführungen religiöser Chorwerke an den Namen des jüdischen Dirigenten Siegfried O ch s knüpfen. Wenn es nach ihr ginge, dürften wahrscheinlich Künstler wie Fritz Kreisler. .Carl F l e s ch, Moriz R 0 s e n t h a l, Artur Schwab e l, Ignaz F r i e d mann , Joseph S ch w a r z, Hermann I a d l 0 wke r und zahllose andere die Werke christlicher Komponisten nie zu Gehör bringen. Der „Jude Striudverg". Knüppel-Kunze wandte sich neulich in seinem Wochenblättchen dem Theater zu, weiterte gegen die llnsittllchkeiten des heutigen Sptelplcmes und sagte, daß diese „Schweinereien" selbst Schnitzler und den „Jud en Str indbe r g". in den Schatten stellen. In einer Zeit, da - von einem Parteigänger und Geistesgenosscn Kunzes

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