Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 6 (8.2.1923)
- Date
- 1923-02-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 2SM. Serlin, 8. Februar 1923 H. Jahrgang 4- Nr. 8 Mütter fürDeulsck unöIuüenMm Vryan Ves lLnlral-Verems veolsrw Stautsdüryeriüöiscken VlavvenSL« S^N^sri^sir^s dss OllcisntHrri.s Verlag u. Schriftleitung: Central-verein öeutscher Staatsbürger jüüisthen Glaubens e.v. Berlin SÜ) b8, Lin-enstr.13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Postscheckkonto: Berlin 30472 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Po st an ft alt zum Preise von vierteljährlich M. 300,— zu beziehe« Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Cxpedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 250,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mvsses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mil 50% Nachlaß. Die 90 mm breite Reklamezeile Ni. 1100,— Streitsache Naumann—tzollänöer. Der Unterzeichnete Dr. Max Naumann, Vorsitzender des Verbandes uationaldeutscher Juden, hat gegen den Unterzeichneten Dr. Ludwig Holländer, Syndikus des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, den Vorwurf wissentlicher Verbreitung unrichtiger oder entstellter Tatsachen erhoben. Ueber die Berechtigung dieses Vorwurfes ist vor einem mit Vertretern beider Organisationen und einem unparteiischen Vorsitzenden besetzten Schiedsgericht verhandelt worden. Die Verhandlungen haben folgendes ergeben: Soweit die -beanstandeten Angaben in den „Mitteilungen des .Syndikus" und in der „C. V.-Zeitung" erschienen sind, lehnt Herr Dr. Holländer die Verantwortung ab. Die fraglichen Angaben sind ohne sein Vorwissen erschienen. In der Zeitschrift „Im deutschen Reich" vorn April 1921 findet sich in einem Aufsatz des Herrn Dr. Holländer eine sachlich unrichtige Angabe, die jedoch auf einem Mißverständnis beruht. In der Denkschrift des Herrn Dr. Holländer vom Februar 1921 sind die beanstandeten Anführungsstriche nicht von Herrn Dr. Holländer selbst gesetzt, sondern ohne sein Wissen von einem Angestellten des Central-Vereins -in das Manuskript hineinkorrigiert worden. Im übrigen enthält die Denkschrift nur den Ausdruck persönlicher Auffassungen des Herrn Dr. Holländer. Nach diesen Feststellungen hält Herr Dr. Naumann den Vorwurf, daß Herr Dr. Holländer subjektiv unrichtige oder.entstellte Angaben verbreitet habe, nicht aufrecht. Herr Dr. Holländer dagegen bedauert, daß objektiv unrichtige oder irreführende Angaben ohne sein Wissen unter seinem Namen verbreitet worden und auch nachträglich nicht unverzüglich richtiggestellt worden sind. Die persönlichen' Streitigkeiten, die zwischen den beiden Unterzeichneten bestanden haben, sind durch diese Erklärung beige legt. Berlin, den 19. Januar 1923. Dr. N a u m ci n n. Dr. H o l l ä n d e r. Die vorstehende Erklärung entspricht den Feststellungen im Schiedsgerichtsverfahren. Justizrat Dr. Hugo Straßmann, . Vorsitzender des Schiedsgerichts. fin unsere Mitglieder! Unser Vaterland ist in Not. Es gilt, den bedrängten Brüdern an der Rnyr z« helfen. Wir wissen, vast fever indische Deutsche sich dieser Pflicht bcwutzt ist. Reichlich fliesten die Gabe«. Wenn wir Euch hier znr Pflicht mahnen, fo geschieht es, damit auch nicht der Geringste fehle. Der vorftan- -es Central-Vereins -eutfcher ' Staatsbürger Mischen Glaubens. I von Eisner bis Hitler. Bel Ler Bedeutung der jüngsten Münchener Vorgangs für die innere und äußere Politik des Reiches schien un» die Aeußerun-g einer unterrichteten bayerischen Persönlichkeit besonders erwünscht. - Wir geben sie im Folgenden wieder. Die Schrrftleitun g. München, das ehedem so gemütliche, behagliche und kultivierte München, ist nach dem Kriege die Stadt der politischen Spektatelstücke geworden. Vielleicht hat die in politischen Dingen geradezu kindliche Einstellung großer Teile seiner Bürgerschaft dazu geeignete Voraussetzungen -gegeben. Tatsache ist, daß die Revolution, oder besser gesagt, der Zusammenbruch eines über seine Kraft belasteten Volkes hier begann. Man hat gerade von jüdischer Seite dem Regisseur dieses traurigen Stücks verzweifelt wenig Sympathie entgegen gebracht. Die hilflose Regierung hatte E i s n e r aus der Hast entlassen; die Dinge nahiuen ihren Verlauf, aber schon nach wenigen Tagen waren angesehene Juden der Münchener Gemeinde bei dem neugebackenen Ministerpräsidenten erschienen, um ihn zum Rücktritt zu veranlassen. Eisner hat damals lächelnd abgelehnt; er habe keine jüdischen, sondern deutsche Ausgaben zu erfüllen. Auch die schwere Zeit der Räterepublik hat die Münchener Gemeinde mit bitterer Abneigung und ernsten Sorgen erfüllt. Als noch niemand aus dem bürgerlichen Lager den Helden um Toller, Wadler und Genossen entgegenzutreten wagte, schrieb Sigmund Frankel seinen erschütternden Brief an die „Münchener Neuesten Nachrichten", in dem er feierlich vor weiteren Schritten warnte und jegliche Verantwortung jenen Politikern zuerkannte. München wurde damals aus den Fesseln einer Desperadopolitik schlimmster Art befreit; kein Blatt, kerne Stimme verkündeten, daß unter den Befrerungstruppen auch jüdische Münchener gewesen, daß auch jüdisches Blut geflossen war. Eine vorzüglich organisierte, von oben gern gebilligte Judenhetze setzte ein. Das System war nicht neu; denn das Mittel, eine Sache — in diesem Falle die Sozialdemokratie — zu diskreditieren, hatte man schon am Anfang des 18. Jahrhunderis angewendet. Wurden doch damals die Steinschen Reformen, desselben Stein, den erst jüngst die „Münchener Neuesten Nachrichten" den größten politischen Reformer unserer neuen Geschichte nannten, als Versuch bezeichnet, „einen neumodischen Judenstaat einzusühren". Aber die Hetze war in den ersten Jahren derart plump und roh, daß -der größte Teil der Münchener Bevölkerung entweder ablehnend oder gleichgültig diesen Ergüssen des „Beobachters" gegenüberstand. Das änderte sich erst, als ein Mann mit dem ausgesprochenen Führertalent und einer bestechenden Volksrednerbegabung, wie sie Hitler besitzt, an die Spitze der Bewegung trat. Freilich gab dieser Bewegung die unglückselige Lage des Vaterlandes, seine sterig wachsende Bedrängnis ein unverdientes Tempo. Die Not nahm mit jedem Tage zu, die Zahl der Verdrossenen, der am Ausstieg des Reiches Verzweifelten stieg und stieg, und ihnen kündete Hitler sein flammendes Evangelium vom Kamps deutscher Weltanschauung gegen jüdischen Geist und jüdische Schuld. Kerne der sonst maßgebenden Parteien hatte diesem Redner einen gleich wirksamen,' einen gleich hinreißenden Kontrahenten entgegenzustellen. Nie wurde mit natioualen Erhabenheiten ärgere Demagogie getrieben! In der Bürgerschaft zollte man Hitler Beifall, weil man sagte, er brauche " diese Judenbekämpfung, um das nationale Gefühl zu erwecken, und schließlich „meine er ja gar nicht die eingesessenen angesehenen Münchener Juden, sondern nur diese Schlawiner aus. dem Wen!" Ja, selbst unter den Juden gab es einige Politiker, die da behaupteten, die Hitler-Bewegung wäre ihnen gar nicht so unsympathisch, wenn nicht gerade diese öde Judenhetze getrieben werden würde! i Die Regierung — lies Polizei — verhielt sich völlig „n e u t r a l", | Herr v. P ö hu er bekannte wenigstens, daß er kein Freund der Juden I sei, der jetzige Polizeipräsident versicherte den ihn interpellierenden