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Central-Verein-Zeitung · 1923-02-01 · 5 (1.2.1923) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
5 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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37 /lus dem finstersten Oesterreich. Ein Universitätsproseffor als Ritualmordaposlel. — Der Rasscnparagraph. — Die Nufflerus:clauauss Frage. — Jüdisches Geld für den Stephans dom. Der katholische Theologe, Umverfitatsprofessor (!) Dr. Richard Schlögl, dessen- Bibelübersetzung eine scharfe Ablehnung wissenschaftlicher Kreise fahren hat und von der päpstlichen Kurie auf den Index gesetzt wurde. Veröffentlicht rn der antisemitischen „Reichspost" einen Artikel, in welchem er das Vorkommen zahlreicher Ritual morde fest stellt und diese Erscheinung damit erklärt, das; sich die Juden durch Genus; von Christenblut vor der ewigen Verdammnis bewahren wollen, sür den Fall, daß Jesus doch der verheißene Messias sein sollte. Dadurch erklärt es sich, meint Schlögl, daß die „Alliance Jsraelite" alle Prozesse über Nitualmorde unterdrückt. Der Artikel des prosessoraleu Ritualmordapostels hat in liberalen und Jüdischen Kreisen große Empörung hervorgerusen. Die „Wiener Morgenzeitung" ruft Schlögl das Wort „Verl e u m d e r" zu und fordert ihn auf, im Wege der Klage zu beweifen, daß es je einen Ritualmord gegeben hat, und daß die „Alliance Jsraelite" irgendeinen Prozeß über einM solchen Mord unterdrückt hat. Daß ein Universitätsproseffor sich nicht scheut, dieses infame Lügenmärchen aufzuwärmen, das hundertmal von den hervorragendsten christlichen Religivnsken'nern als blödsinnige, gemeine Ausgeburt rohen Hasses bezeichnet wurde, spricht Bände über die traurige Kulturentartung gewisser Wiener Kreise. — Das österreichische Parlament hat mit allen christlichsozialen und deutschnationalen Stimmen einen Zusatzparagraphen zum Volkszählungsgesetz 'angenommen, laut welchem in den Konskriptionsbogen ausdrücklich angeFeben werden muß, zu welchem Volk und zu welcher Rasse jeder in'Oesterreich Wohnende gehört. Konfessionslose nrüssen bemerken, welcher Religion sie früher angehört haben. In der Debatte griff der sozialdemokratische Abgeordnete Leuthner sehr scharf die Regierung und die Parlamentsmehrheit an, indem er daraus hinwies, daß in der jetzigen antisemitischen Negierung zwei Minister jüdischer Abstammung sitzen. Die neueste Judenhetze der Regierungsparteien bezeichnet er als Voltsb e s ch w i n t> e I u it g und als Demagogie. — Ter der Regierungskoalition angehörende Großdeutsche Verband hat an den österreichischen Hochschultag ein Schreiben gerichtet, in welchem das Versprechen abgegeben wird, daß die Bestrebungen des Hochschulverbandes nach Einführung des Numerus clausus für jüdische Studenten und Lehrer seitens des Großdeutschen Verbandes mit seinem ganzen parlamentarischen Einfluß gestützt werden wird, damit die „jüdische Herrschaft" über das deutsche Volk in Oesterreich gebrochen wird. — Die Türme, Nischen und Säulen des Wiener Stephansdoms, der eines der ältesten und schönsten deutschen Baudenkmäler ist, gehen einem allmählichen Ruin entgegen, weil die Domverwaltung nicht über genügende Mittel zur rechtzeitigen Renovierung verfügt. Auf einen Ausruf der christlichen Blätter flössen die Renovierungsspenden nur sehr spärlich ein. Nunmehr haben die liberalen und jüdischen Zeitungen eine fleißige Propaganda sür die Erhaltung des kostbaren Wiener Wahrzeichens begonnen, woraufhin von jüdischer Seite Spenden im Betrage von mehreren Millionen eingingen. « ttiliefott ttlcwc Norüau. Von Ernst G o.t h. ' Seine Wiege stand in Budapest, sein Schreibtisch in Paris, wo sich nun auch sein frisches Grab wölbt, seine Feder meisterte sechs lebende Sprachen, sein Wort erklang in der ganzen Welt — dennoch war er immer ein deutscher Schriftsteller und ein deutscher Jude und — mag er sich später auch dem Zionismus zugewendet haben — er verkörperte wie kein Zweiter die großartige Kulturshnthese von Judentum und Deutschtum: Aus uralter Tradition jüdischer Geistesschulung erwuchs seine scharfe, rationalistische Logik, seine mächtige, kritisch-aualhtische Begabung, aus deutscher Wesenheit der universelle Reichtum seiner Bildung, sein Wissen und Forschen um die tiefsten, inneren Zusammenhänge aller Doktrinen. So gerüstet erschien er als Dreißiger in der vordersten Reihe jener, die in deutscher Sprache und mit jüdischem Bekenuermut sür Licht, Wahrheit und Aufklärung kämpften, und fast ein halbes Jahrhundert laug blieb sein Name rings aus dem Erdball geliebt, bewundert, gehaßt und gefürchtet. Den Nus dieses Namens begründete gleich sein erstes Buch: „Die konventionellen Lügen der Kulturmenschheit" — ein Zornschrei gegen die' Feigheit der Zeit, die anmaßende Autorität der Großen, die dumpfe Ges wöhnung der Kleinen, doch gleichzeitig eine wissenschaftliche Tat: die Anwendung neuer, naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, der Evolutionslehre^ auf die Erscheinungen des Staats- und Gesellschaftslebens. Ein Buch« das als die erste große Sozialkritik des Jahrhunderts mit der blendendenk Lichtflut seiner Gedanken revolutionierend wirkte — und das heute nicht mehr gelesen wird, nicht gelesen zu werden braucht, weil sein Jn^ halt, seine Begrisssprägungen längst so völlig in den VorstellungskreiH und in den Sprachschatz aller Gebildeten übergingen, daß diese — schlagen, sie seine Seiten von ungefähr auf — nur „Gemeinplätze" zu finden meinen,: vergessend, daß Gemeinplätze nichts sind als einstige Wahrheitssunde, die zu Selbstverständlichkeiten reisten. Dennoch ist es heute noch lehrreich, daran zu denken, wie dieses Buch bei allen Widerspruch erregte, nicht nur bei den angegriffenen Erben den Vergangenheit, sondern ebenso bei jenen, deren Sache es führte: denn am Gewordenen ist jeder irgendwie beteiligt, die Zumutung, das Ganze des Bestehenden einer Neuprüfung zu unterziehen, schreckt jeden aus der Ruhe liebgewordener Vorstellungen auf --woran sich bis hellte, da die „Konventionellen Lügen" und die ähnlichen „Paradoxe" etwa dreißig Auslagen erreicht haben, nichts geändert hat. Allein dieser allgemeine Widerstand bestimmte frühzeitig Nordaus Weg. Einsam schritt er immer an allell Herden inib Cliquen vorbei. Einsam, aber umso rüstiger, umso, zielbewußter. Das zeigte der zweite große Streich, zu dem er zehn Jahre später ausholte. Seine erste Attacke hatte man ihm fast schon verziehen. Könige, Kirchen, das Kapital, die Aristokratie waren am Ende ihrer Macht zusicher und Kritik zu gewöhnt, um Zurückzuschlagen. Anders der Klüngel, den er jetzt traf, da er sich mit den neurotischen Erscheinungen der Literatur und Kunst anseinandersetzte und in'den zwei Banden der „Entartung" nachzuweisen suchte, daß die ganze „Moderne" der Jahrhundertwende auf Nervosität, Neurasthenie, Perversion, kurzum auf geistige Abnormität zurückzuführen sei. Und mit noch heftigerem Dieb traf er die dekadenten, snobistischen Mitläufer und Bellmuderer dieser „Epidemie", die Sensationshascher, die Schlagwortenthusiasten. Ein wütendes Gezeter und Gekeife war die einzige Antwort — die Nordau vorausgesehen hatte, als er in der Vorrede seines Buches sagte: „Ueber die Folgen meines Beginnens bin ich nicht im Zweifel. Es ist heute ungefährlich, die Kirche 3 Tüchtige ersteVerkaufskraft. 1 i I 1 t t I « 1 i Dame oder Herr für mein lebhaftes Schuhgeschäft per sofort, eventuell später gesucht, welche an selbständiges Arbeiten gewöhnt, energifch und imstande ist, 12 Personen zu beaufsichtigen und den Chef voll und ganz zu vertreten. 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