Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 5 (1.2.1923)
- Date
- 1923-02-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2277415-2277420--00459-2279586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
38 vnzugreifen, denn sie verfügt nicht mehr über Scheiterhaufen . . . Uebel «Der ist das Schicksal desjenigen, der sich -unterfängt, ästhetische Moden als Formen gelstrger Zersetzung zu kennzeichnen . . Mag sein, bafj er bei vreser augernernen Götzenabschlachtung zu summarisch vorging und stellenwnse auch dort rein rationalistische Maßstäbe anlegte, wo gefühlsmäßige richtiger gewesen wären — im wesentlichen hat dieser temperamentvolle Protest urgesunden Empfindens gegen künstlerische Charlatanerie Recht behalten und die -—sichtlich an Tajne geschulte — Art, mit der Nordau die Grundtrrebe und Seelenzustände bloßlegt, denen gewisse Literaturperver- «l.raten entspringen, bleibt mit ihren oft verblüsfend treffenden Analysen eine kritische Mersterleisturrg. Doch die wenigen Bücher, von denen hier gesprochen wird, was sind!}?. }P.,.er üwßen, von unbegreiflichem Fleiß und noch unbegreiflicherer I^/iblügkeit sprechenden Reihe seiner Werke, in der Kritisches neben Philologisches neben Politischem steht, in der dickbändige Renebeschreibungen von Fahrten durch alle Kulturen Europas erzählen („Vom Kremel zur Alhambra") und in der es sogar Gedichte, Novellen und überraschend viele Romane und Dramen gibt. Diese sind freilich ur Mehrzahl fast vergessen und stehen an der Peripherie seiner Erolge, doch nicht an der Pheripherie seines Denkens, seines kämpferischen Wvllens. Zeigen ihn seine wissenschaftlichen und kulturhistorischen Arbeiten als guten Europäer, so zeigt ihn seine Belletristik als guten Juden. Die Empörung über Judenhaß und Judenverfolgung, die bohrende Frage nach den Gründen solcher Ungerechtigkeit und nach den Mitteln, sie zu beheben, ballt sich ihm zu immer neuen Konflikten dramatischer und epischer Art, und immer wieder steht der geistige, kulturfördernde, edelgesinnte und dennoch geächtete Jude im Mittelpunkt dieser belletristischen Werke, deren Erfolg gering war, weil ihr polemischer Tendenzgehalt die künstlerischen Elemente überwucherte, die aber just uns als kostbare Dokumente eines rastlosen Kampfes gegen uralten Wahn und haltlose Rassentheorien wert sein müssen, und in denen das reine, gütige und kluge Menschentum dieses großen jüdischen Kulturstreiters reiner erstrahlt als Ln anderen, gelefeneren seiner Bücher. Und weil er ein Streiter für die Kultur der ganzen Menschheit, weil er ein Weltbürger war, mußte ihn die nationalistische Welle, die mit dem Kriege Europa überflutete, hinwegfegen. Dasselbe Frankreich, das jahrzehntelang stolz darauf war, ihn zu beherbergen, trieb ihn aus der Ruhe seiner Studierstube, raubte ihm sein Haus, sein Geld, seine Bücher — er konnte freilich nie ganz heimatlos werden, denn, kaum verjagt, nahm ihn Spanien begeistert auf, drängte sich zu seinen Vorträgen, verlegte seine Bücher (hier entstand die deutsch noch nicht erschienene „Biologie der Ethik"), und kurz nach Friedensschluß wurde er Ln England gefeiertdennoch kehrte er im Vorjahre als ein gebrochener Mann nach Paris zurück. Sein Glaube an die Kultur Eurovas war dahin und solch schmerzlicher Enttäuschung hielt auch sein erstaunliches Physikum nicht stand. Immer schlimmer lauteten die Nachrichten an seine Freunde, bis nun die schlimmste und letzte kam. Wo es geistig freie Menschen und wo es Juden gibt, wird sie tiefe Trauer wecken. M. Friedmann, Waldsaflen. Es ist uns infolge der Raumverhältuisse unserer Zeitung leider unmöglich, alle Personalnachrichten zu. veröffentlichen, die uns zugehen. Wir bitten Sie und alle unsere Freunde, in solchen Fällen nicht Gleichgültigkeit oder Nachlässigkeit Zu vermuten, sondern zu verstehen, Latz die Not der Zeit uns wie zu so vielen Sparsamkeitsmaßnahmen auch zu dieser zwingt. E. Kit Berlin. Hain im Riesengebirge ist von antisemitischen Vor. urteilen vollkommen frei. Wenigstens hat unser Mitarbeiter Curt Bürger, der seit Jahresfrist dort wohnt, niemals von irgendwelchen Unfreundlichkeiten der Bevölkerung gegen Juden gehört. Robert ^posiug, Königsberg, Heumarkt 11. Aus Anlaß eines Streites in einem Wäscheladen, dessen Inhaber Jude ist, erklärten Sie nach diversen brutalen Ausfällen: „Wir werden an dem Judengesindel blutige Rache nehmen^, das sage ich Ihnen als ehemaliger preußischer Offizier!" Als aber ein Sipobeamter Ihre Personalien feststellen wollte, versuchten Sie, der ehemalige Offizier, zu kneifen und Laten ihn, Ihren Namen nicht nennen zu müssen. Das Weitere wird der Staatsanwalt veranlassen, dem der Fall übergeben wurde. Zablreitben. Angesichts der neuerlich erhöhten Portosätze bitten wir dringend, allen Anfragen Rückporto beizufüg-en. Auf eine Beantwortung an dieser Stelle ist nur zu rechnen, wenn allgemeine deutsch-jüdische Interessen es erfordern. «t Vereinsnachrichten. Vorträge. Beuthen. 8. 10. Dr. Hans Neichinann (Seutljen), Syndikus des Lande« vevbandes Oberschlesien: „Angriff und Abwehr." Gleiwitz. 21. 10. Dr. Hans Neichmann (Beuthen), Syndikus des Landesverbandes Oberschlesien: „Die gegenwärtige Lage." Hindenburg. 20. 10. Oberrabbiner Dr. Kopfstein (Beuthen): „Menschenrecht." Neustadt 1. 11. Dvpeln 22. li. Cosel 12. u. und Veiskretscham 10. i.r Dr. Hans Reichmann (Beuthen): „Unser Kampf um Ehre und Leben." Beuthen. 4. 11. Dr. Hans Reichmann (Beuthen): „Zur Lage". Neiße. 5. H. Dr. Hans Reichmann (Beuthen): „Was steht uns bevor?" Grotz-Strehlitz. 11. ll. Dr. Hans Reichmann (Beuthen): „Angriff und Abwehr." Gleiwitz. 5. 12. Rechtsanwalt Dr. Lustig (Gleiwitz): „Der Existenzkampf des Centvalvereins." Mystikum-Seife Mystikum -Haarwasser Mystikum -Toilette - wasser Mystikum-Puder Mystikum-Taschenpuder Mystikum -Talkumpuder Der schwere, gehaltvolle Phantasiegerüch Schlechte Parfüms verderben Stimmung und Laune. Sie wirken störend. Die vornehme Welt verwendet sie nicht. Gute Parfüms erfreuen den Träger wie seine Umgebung. Die vornehme Dame kann säe nicht entbehren. Sie hat ihre Lieblinge unter den Parfüms und zählt zu diesen Mystikum. Sie schätzt Mystikum als anregend, dezent und doch pikant. Sie weiss, dass ein Tropfen Mystikum ihre Gesellschaftstoilette vervollkommnet und den Reiz erhöht PARFÜMERIE SCHERK / BERLIN - NEW YORK Vertretungen: Wien / Agram ✓ Prag / Kopenhagen / Kristiania