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Central-Verein-Zeitung · 1923-02-01 · 5 (1.2.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
5 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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35 'gemeinschaft des Deutschen Einzelhandels. Für Den Central- Verein schilderte das Hauptvorstandsmitglied Rechtsanwalt Dr. Jvlln Wert he im, der Zusammen mit dem Mitglied des Haupt- Vorstandes Bernhard Caspar:us und dem stellvertretenden Syndikus Dr. Wiener erschienen war, treffend und trefflich die Bedeutung des Entschlafenen für unsere Arbeit. Er schloß mit den Worten: „Tief und aufrichtig ist die Trauer, die wiv um einen unserer Besten fühlen. Aber tiefer ist die Dankbarkeit, die aus unserer aller Herzen dem Entschlafenen wächst. Keine Trauer um das, was wir alle verloren haben, vermag die wehmütige Freude m überschatten darüber, >daß er einer der unseren war. Unter den -besten Namen derer, die für die Juden Deutschlands Kops ttno Herz und Hand hatten, wird der Name Oscar Trotz genannt werden. Ueber den Gipfeln deines Lebens ist Nuh. Wir. aber wirken weiter, wie wir es so oft mit dir gemeinsam getan. Die Dankbarkeit verbrndet uns. Und immer grünend wird um dein Bild Der Kranz der Erinnerung blühen." von -er /ln-acht -es mo-ernen Iu-en. Von Hans A d o l f M ar g o l i u s. Wir veröffentlichen diesen Aufsatz, ohne uns mit seinem Inhalt zu identifizieren. Der iüdische Deutsche, d'er sich mit Stolz einen Deutschen und einen Juden nennt, hat einen doppelten Kampf zu kämpfen, einen Kampf für sein Deutschsein, einen Kampf für sein Judentum. Es ist nicht verwunderlich, wenn heute den immer stärker werdenden Bewegungen des Judenhasses gegenüber der Kampf für das Deutschsein, für die Gleichberechtigung im Vaterland, der Kampf nach außen den Kamvf nach innen überwiegt. Aber es ist wesentlich, diesen Kampf nach innen nicht zu vergessen und zu wissen, daß der äußeren Resormbestrebuna eine Jnnenreform zur Seite stehen muß: die Reform des Religiösen, des Judentums in seinem tiefsten Kern. Wenn von Reform des Judentum gesprochen werden soll, kann nicht die Rede sein von den Abtrünnigen, Glaubenslosen, Andachtsernen. die wir mit allen Religionen teilen, sonder:: allein von denen, die noch Juden sind. Es muß die Rede sein von den Tausenden, die ihren Gott zu lieben glauben, von den Tausenden, die in die Gotteshäuser kommen, und die ihre Andacht halten, aus diese oder tene Art. AusdieseoderjeneArt! Dem einen ist die Andacht: Niederknien vor jenem alten Gott, der König über alle Länder ist. fragloses und Wer den Kostenbeittag L „L.V.-Zeiiung" noch nicht entrichtet hat, hole dies mm-- schleunigst -mt nach und benutze das Postscheck-Konto Berlin Nr. 30472. öedenkenfreies Hingegebensein in die von Ahnen übernommenen Gebete. Im letzten Unbewußten tragen sie das' Bild des gütigen Vaters als Bild von ihrem Gott, der sie belohnen und bestrafen kann, dem sie sich ganz wie einem stärkeren Wesen anvertrauen. Sie sind die Alten, die „Ba uenr unter uns. die von Errungenschaft der Zeit nichts wissen und nichts wissen wollen. Aber sie haben ihre Andacht, wenn sie nur überhaupt empfinden können. Und neben ihnen steht der „Bürger". Er weiß um die Errungenschaften seiner Zeit. Er weiß um die Bedenken des Verstandes' gegen Gottes Existenz. Im tiefsten Grund belächelt er das Bild des gütigen Vaters und hat doch selbst kein anderes Bild an seine Stelle hinzusetzen. Er ist vielleicht im letzten Sinn der eigentlich Gottlose. Und doch hat er Andacht und Gebet: Gebet der Tradition. Andacht der Pietät! Er geht alljährlich an den heiligen Tagen in das Gotteshaus, weil er es immer tat. weil seine Eltern es so lehrten, weil die Gewohnheit es verlangt. Aber in ihrem philiströsen Bann erlebt er seinen Gott. Es ist der Gott der Sitte, die Gut und Schlecht bezeichnet. Es ist der Gott der Sitte, die im Erinnern an die Toten, an die Heimgegangenen ihre höchste Weihe findet. Es ist für die. die tiefer dringen können, der Gott des Ethos, ein unbestimmtes Walten über den Gefilden, das Recht und Unrecht im Gewissen lohnt und straft. Wir alle, mehr oder minder, sind „Bauern" -oder „Bürger" oder beiden in vielen Dingen angehörig. Doch wohnt in uns Modernen die Sehnsucht nach einem höheren Gott, der nicht ein gütiger Vater, ein „Gutsbesitzer" über seine Knechte ist. der nicht Gebot der Sitte nur in seinen Namen faßt, der mehr als dies, wahrhaftig Gott bedeutet. Verlangen ist in uns nach einer A n dacht des m o d e t n e n M e n s ch e n. Wir wissen, daß Gott nicht alter, gütiger Vater ist. Er ist uns auch zu hoch, als Greis nur zu erscheinen. Wir wissen, daß Gott nicht Sitte ist. Er ist uns auch zu hoch, menschliche Gebote zu erklären, deren Werden die Geschichte zeigt. Wir wissen, daß Gott, persönlich oder unpersönlich, kein starres Sein über der Welt bedeutet, dem unsere Wohltat, unsere Reue angelegen sind der unserm Knien sich gnädig zeigt. Wir sehnenuns nach ihm als einem steten Werden, als einer ewig jungen Kraft. Nickt rückhaltloses Trauen, nicht Pietät schenkt uns den Gott, den wir brauchen. Ein steter Karrwf in uns erzeugt ihn erst, ein Mitsichringen schafft ihn immer wieder, immer neu. Im Kampf ward Jakob: Israel. Im Kampf erst werden wir zu-m Gottesträger. Es gilt ein Ringen jenes kleinen gottgeweihten Keims in uns mit allen Zweifeln, allen Alltagssorgen. allen Einz-elleiden, allen kleinen Trieben-, Dis sich die Seele weitet, Welt umfaßt und Gott begreift. Dies Welt-weit-werden. bedeutet uns das wahre Andächtig-fein. Gebot und Brauch sind Melodie. Musik, die uns im Kampf zur Seite stehn. . . . Ein Freund wies mich einmal auf die tiefere Bedeutung des hebräischen Wortes für „beten": in sichgehen, sich durchdringen! Sich-durchdringen, bis Gott in uns lebendig wird, soll uns Gebet sein. Gottschöpfung unser Gottesdienst, Gottes Werden aus unserer Tiefe: die Andacht unserer Seele! jSsjyvLqs Atm An die Landesverbände und Syndici des Central-Vereinsr Wir machen darauf aufmerksam, daß Antworten auf unser Rundschreiben Nr. 479 betreffend Adress-enangabe von Persönlichkeiten, deren Belieferung mit unserer „C.-V.-Zoitung" auf Kosten unserer örtlichen Organisationen erfolgt, um verschiedenen Wünschen Rechnung zu tragen, noch bis zum 19. bzw. 20. Februar berücksichtigt werden. Dreimalige VerrrrieiLmrg der „Völkischen Rundschau". Der wegen Beleidigung des Arztes Dr. Wallerstein in Mainz bereits mit 15 000 Mark vorbestrafte bisherige Herausgeber der „Völkischen Rundschau" in Frankfurt ä. Main, Gustav Windmeier, gegen den noch eine Reihe Beleidigungsklagen schweben, hat im April einen Artikel veröffentlicht, der von beleidigenden Angriffen gegen die Beamten des Eetreidekommunalverbandes Mainz, und namentlich gegen den Geschäftsführer Willy Gärtner, strotzte. Sowohl, dieser, wie auch der Konununalverband stellten Strafantrag. Als Verfasser des Artikels hatte sich der Mühlenbesitzer Heinrich Michel aus Wendelsheim gemeinsam mit Windmeier vor dem Amtsgericht Alzey zu verantworten. Michel erklärte, sich davon überzeugt zu haben, daß sein Artikel auf falschen Informationen beruhe, zog dessen Behauptungen zurück, und sprach insbesondere wegen der Wahl des Blattes sein Bedauern aus. Als freiwillige Sühne stellte er dem Kommunalverband Mainz einen Betrag von 10 000 Mark zur Verfügung. Windmeier wurde zu 10000 Mark Geldstrafe verurteilt. Auch das Frankfurter Landgericht hatte sich neulich in zwei Fällen mit der „Völkischen Rundschau" zu befassen. Einer ihrer Redakteure, der wegen Teilnahme am Nalhenau-Mord zu zwei Jahren Gefängnis verurteilte Hartmut P l a a s, hatte dem Rabbiner Dr. Horwitz aus Anlaß einer Sachverftändigenvernehmung vorgeworfen, daß er das Gericht in talmudisch-rabbulistischem Sinne beeinflußt habe. Hartmut Plaas wurde zu 6000 Mark Geldstrafe verurteilt. Ferner hatte die „Völkische Rundschau" über eine Beschlagnahme von 800 Zentnern Zucker bei einer jüdischen Firma zu berichten gewußt und hieran die übrigen judenfeindlichen Kommentare geknüpft. Bemerkenswert ist, daß Staatsanwalt und Oberstaatsanwalt die öffentliche Klageerhebung ablehnten, die erst durch den Justizminister veranlaßt wurde. Trotzdem die Verhandlung ergab, daß jene Mitteilungen lügenhafte Erfindungen seien, beantragte der Anklagevertreter nur 4000 Mark Geldstrafe. Das Gericht ging über diesen Antrag weit hinaus und verurteilte die „Völkische Rundschau" zu einer Geld st rase von 12 000 Mark. Nicht unerwähnt soll das Geständnis der „Völkischen Rundschau" sein, daß sie wegen A b o n n e n t e n s ch w u n d ihr Erscheinen e i n g e st e l l t habe. Eine Erinnerung. Ein Leser schreibt uns: „Ihr Artikel „Hitler-Bank-! Noten" ruft die Erinnerung an die „Böckel-Zeit" vor etwa dreißig Jahren wach. Der Antisemit! Dr. Otto Vöckel aus Marburg spielte damals in den neunziger Jahren in Oberhessen eine ähnliche Rolle wie heute Hitler in Bayern. Seine Reden und Versammlungen zogen große Menfchenmassen an. auf den Dörfern wurden zu seinem Empfange Ehrenpforten gebaut, Eh renreiter/holten ihn ab. Nur mit den Finanzen war es bei -ihm wie auch bei seinem Leibblatt „Der Neichsherold" schwach bestellt. So gab auch er lithographierte Anteilscheine über 50 Mark und 100 Mark heraus, und diese wurden von seinen Anhängern, besonders auf dem Lande fleißig gezeichnet. Daß keiner der Zeichner fein Geld je wiedersah. muß mit gesagt werden. (Es wird bei Hitler ebenso gehen.) Viele dieser Schuldscheine dürften noch heute als Andenken in den Händen seiner damaligen Freunde sein. Dr. Vöckel, der einst so gefeierte „hessische Vauernkönig", ist vergessen und lebt still und verlassen irgendwo bei Berlin." Die DeutschvöMschen gegen einen „deutsch-jüdischen Burgfrieden". Während die rechtsstehende deutsche Presse seit der Ruhrbesetzung durch die Franzosen sich in der inneren Politik eines mäßigen Tones befleißigt, um den Eindruck der inneren Geschlossenheit zu wahren, hat die deutschvölkische „Deutsche Zeitung" diese Front durchbrochen, und ihre Hetzkampagne gegen die Juden sehr bald wieder ausgenommen. Nachdem schon in der Svnntagsnummer dieser Zeitung der baltische Politiker Otto v. Schilling auf die angebliche Anwesenheit jüdischer Offiziere im französischen Beiatzungsheere hinwies und die deutschen Juden der „Flanmacherei" beschuldigte, führt dieses Blatt in ihrer Nummer vom Montag abend aus, daß eine Einheitsfront nur mit Ausschluß alles Fremden möglich sei. „Ein deutsch-jüdischer Burgfrieden, eine deutsch-jüdische Einheitsfront" — so führt das Blatt aus — „würden Selbstbetrug sein und im gegenwärtigen Kampfe auf Leben und Tod unseren Untergang herbeiführen." „Juden zeichnen natürlich nie!" In einem großen Restaurant in der Nähe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin erschienen am Dienstag zwei Schüler mit einer Sammelliste für das Ruhrgebiet. Von denjenigen, die bereits an einer anderen Stelle gezeichnet hatten, erfolgte mit dem Hinweis darauf eine Ablehnung. Zu diesen Ablehnenden gehörte auch ein Mitglied des Central-Vereins. Ein Herr an einem Tisch gegenüber zeichnete mit der provozierenden Aeußerung „Juden zeichnen natürlich nie!" Als unser Freund an den Tisch herantrat und den antisemitischen Herrn aufforderte, seine Aeußerung ihm gegenüber zu wiederholen, machte dieser eine ausweichende Bemerkung. Der Beleidiger wurde durch einen Sipomann festgestellt, da der Geschäftsführer zur Feststellung der Personalien keinerlei Anstalten machte. — Wir. wären aus diesen Einzelfall nicht zurückgekommen, wenn er nicht für die Art typisch wäre, in der unsere Feinde jede passende und unpassende Gelegenheit benutzen, um uns zu verleumden. Beim Anblick der Sammellisten für das Ruhrgebiet muß auch der fanatischste Judengegner, sofern er ehrlich ist, anerkennen, daß die jüdischen Deutschen ihrer selbstverständlichen Pflicht den bedrängten Volksgenossen im Ruhrgebiet gegenüber einwandfrei nachkamen. Wir bitten unsere Freunde dringend, sich durch derartige böswillige Anrempeleien nicht irre machen zu lassen und stets daran zu denken, daß die Opserwilligkeit dem Vaterlande gegenüber keinen Dank fordert und keines Dankes bedarf.

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