Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 4 (25.1.1923)
- Date
- 1923-01-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Agrarierstand passiv beleidigungsfähig ist, nicht aber der Jude, oder gar der jüdische Anwalt. „führen Sie den Prozeß nur so, daß möglichst viele Gebühren dabei herausspringen" — diesen wohlgemeinten Rat gab mir lächelnden Mundes vor einiger Zeit als gegnerischer Vertreter ein Kollege, gegen dessen arische Rassenreinheit bisher Nachteiliges nicht bekannt wurde. Auf meine Frage, ob er der Anwalt seines Klienten oder seines Portemonnaies wäre, hatte er nur ein Achselzucken. Es wäre natürlich Unsinn, hieraus zu folgern, die „deutschen^ Anwälte seien weniger auf die „Belänge" (um diese furchtbare Bereicherung des deutschen Sprachschatzes niedriger zu hängen) des Klienten bedacht, als aus die eigenen. Wer hinter die Kulissen sehen kann, der weiß, daß, zumal in der Großstadt, die von Herrn Fraanstetten geschilderten Erscheinungen zuweilen anzutreffen sind. Aber nur deutschvölkische Verleumdungskünste bringen es fertig, gerade den jüdischen Anwalt als Vertreter dieses Typs hinzustellen. Man findet ihn in gleicher Weise unter j üdis ch e n und christlichen Juristen. Freilich, daß gerade der jüdische Anwalt nicht bloß mit seinen Vorzügen, sondern auch mit seinen Fehlern in der Großstadt mehr ausfällt als der andersgläubige, hat seinen Grund in der unverhMmsmäßig großen Zahl, in der sich die Juden gerade diesem Zweige der juristischen Betätigung zuwenden mußten. Denn die bis 1918 besonders in Preußen üblich gewesene verfassungsmäßige Prellerei, wie Mommsen es nannte, schloß Juden von der Staatsanwaltslaufbahn vollkommen aus und bedachte sie bei der Ernennung zum Richter und noch mehr bei der Beförderung mit solchen Zurücksetzungen- und Schikanen, daß gerade die Besten es vorzogen, ihr Ehrgefühl nicht -aus allzu harte Proben stellen zu lassen und den Beruf des freien Anwalts dem des Richters vorzogen. Es seien nur Namen wie Levy, Staub, Strang, Leonhard Friedmann genannt, der noch Lebenden nicht zu gedenken. Die deutsche Rechtswissenschaft schuldet ihnen ewigen Dank. Was Fraanstetten vollends über den jüdischen Geist des römischen Rechts sagt, setzt allem Unsinn die Krone auf. Das römische Recht ist vom Individualismus beherrscht, das jüdische hat stark sozialen Einschlag, der sich im Gebote der Sabbathruhe, des Jubeljahres, dem Rechtsschutze des Fremdlings und zahlreichen anderen Institutionen zeigt. Doch was braucht das ein Hakenkreuzler zu wissen? Judenhaß und Wissen schließen einander aus — wre sonst, so auch hier. « u iUelon Ronjurikturpolitiker. Von Kurt Bürger. Man hat Tallehrand nachgerechnet, daß er im Verlauf seines wandlungsreichen Lebens nicht weniger als sechsmal die Parteifärbe gewechselt habe. Wenn auch manche unserer NoveMbersvZialisten sowohl wie ihre alldeutsch-antisemitischen Antipoden, die, ehedem Männer von vorurteilsloser Gesinnung, jetzt sich behaglich von der „antisemitischen Welle" des Herrn Hergt schaukeln lassen und die völkische Konjunktur erbarmungslos ausnutzen, nicht gerade das Zeug Zil einem Tallehrand haben — die politische Charakterlosigkeit teilen zweifellos nicht wenige mit ihm. Solche politische Wetterfahnen sind seltsamerweise gerade unter dem Adel nicht selten, die, wie Gervinus den Cborus der abgesallenen politischen „Lichtträger und Freiheitsheldeu" einmal hübsch charakterisiert hat, gleichsam als Lohn für ihr Apostaten tum „sich Mm Teilsitz aus den Herrscherthron der Machtpartei hinausschiebeu". Als Bela Kun in Ungarn der Bolschewismus vorübergehend zur Herrschaft brachte, strömte ihm der ungarische Hochadel in Massen zu: eine Budapester Korrespondenz veröffentlichte damals aus der Mitgliederliste der Kommunisten eine lange Reihe der klangvollsten Namen aus der ungarischen Gentrp. Heute sind sie natürlich schon längst wieder zu den Men Parteigöttern zurückgekehrt, wie auch bei uns ein Gras Bo ihm er, ein Freiherr v. Reibnitz, welch letzterer sich noch bei den Wahlen zur Nationalversammlung energisch für die Wahl eines jüdischen Ritkergntsbesitzers ins Zeug legte, sehr schnell aber sein reaktionäres Herz wieder entdeckt hat und zum sichtbaren Zeichen seiner jetzt unentwegt völkischen Gesinnung ein mächtiges Hakenkreuz über dem Toreingang seines Schlosses hat einmauern lassen. Als passenden Sinnspruch laßt er vielleicht noch nachträglich das Wort seines jetzigen deutschnationalen Parteifreundes, des ehemaligen Abgeordneten Laverenz. aus der Wahlbewegung von 1919 hinzufügen: „Was uns am meisten angeekelt hat, war, daß Hunderte und Tausende aus das eben noch Angebetete gespuckt haben". Ten Herren Traub und Maurenbrecher wird diese Lernhaste Entrüstung ihres Parteifreundes über die flinken Umlerner ebenfalls gewiß aus der Seele gesprochen gewesen sein. Alleinige Anz eige n-Annahme Rudolf Blosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 19, Jerusalemer Straße 46-49 ✓ Breslau / Chemnitz ✓ Cöln a. Rh. / Dresden / Düsseldorf / Erfurt ✓ Frankfurt a. M. / Lalle (Saale) Lamburg / Lannover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim ✓ München / Nürnberg / Stuttgart ✓ <Prag / Wien ✓ Warschau / Basel / Zürich Betrifft Mazzosversorgung! 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