Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 4 (25.1.1923)
- Date
- 1923-01-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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28 wktt Konrad Haemsch über das „NaFenproblem". Der frühere Unterrrchtsrninister Konrad Haenifch beschäftigt sich in einenr Feuilleton des „8-Uhr-Abendblattes" vom 20. d. M. mit den bekannten Buche Otto Brauns „Nachgelassene Schriften eines Frühvollendeten." Er schreibt dort u. n.: „Hier war ein Charakter von einer Stärke und Reinheit, von emer Hoheit und Schöne, wie sie ganz selten nur erblickt werden. Hier war ein Geist, von dem Nation und Menschheit Unerhörtes hoffen dursten. Hier war, mit eirien^Wmt, ein Vollmensch, in dem das griechische Doppelldeal des zugleich schönen und Guten zu wundervollem Einklang zusammengeflosfen schien . . . Auch die vor diesem Buche niemals etwas von Otto Braun gehört hatten, werden der Frage nachgedacht haben: wie mögen die Elemente gewesen sein, die diesen Komplex gebildet haben — welchen Eltern wurde dieser Sohn? Und da wird dann mancher sich dunkel wenigstens teuer Generalstochter Lily v. Kretschnran erinnert haben . . . Der zweiten Ehe dieser preußischen Aristokratentochter mit dem öster r e i ch t s ch j ü d i s ch e m Gelehrterr und sozialdemokratischen Politiker Dr. Heinrich Braun, dem Schwager Viktor Adlers, dem Onkel Friedrich Adlers, entstammt jener Otto, dessen Bild die Auswahl seiner nachgelassenen Schriften Zehnlausenden unauslöschlich ins Herz gegraben hat. Die Nt i s ch u u g rein arische n und rein jüdischen Blutes hatte hier eine Frucht gezeitigt, deren bloßes Dasein alle die unausgesprochenen Theoreme einseitiger Rassensanatiker zu Boden schlagen müßte; diese Theoreme, wie sie etwa der berühmte Herr Arthur Dinier in seinem sogenannten Roman „Die Sünde wider das Blut" verzapft, jenem Roman, der es unter unseren Völkischen beinahe zum Range einer heiligen Schrift gebracht hat. . Ein Zyklus „Zur Iudensrage" an der Hamburger Universität. Die Reihe der fünf akademischen Vorträge „Zur Iudensrage" erösfnete lini Sonnabend im überfüllten Auditorium maximum der Hamburger Nniversitütsprosessor Dr. Franz O p p e n h e i m c r mit dein Thema: „Der Jude und der Staat." Professor Oppenheimer verteidigte das im „Klassenstaat" stets gefährdete Recht der Minderheiten und streifte auch die Stellung der Juden im und z-u-m 'deutschen Staatswesen. Professor Oppenheimer nahm auch seine Beispiele aus dem deutschen Judentum und machte einen scharfen Ausfall gegen das preußische Kriegsministerium, das „eine geradezu unerhörte Statistik" über „die Juden im Kriege" veiössentlicht habe. Nachdem der Vortragende die Juden im Staat behandelt hatte, wandte er sich den Juden >als Staat zu und kam auf die moderne Palästinabewegung zu sprechen. Rudolf Schildtraut gestorben. Der „Pester Lloyd" meldet, daß in New-Pvrk Rudolf S ch i l d k r aut, der große deutsche und später auch „jiddische" Schauspieler plötzlich verschieden sei. Die Nachricht wird in Berlin und. ganz Deutschland unt lebhafter Teilnahme ausgenommen werden, denn Schildkraut gehörte lange zu den stärksten Erscheinungen der deutschen Bühne, sie wird aber in jüdisch-deutschen Kreisen besondere Trauer wecken: denn Schildkrant war nicht nur als Mensch ein um gewöhnlich stanlmesbewußter. stolzer und gläubiger Jude, sondern er zog. auch als Künstler seine beste Kraft aus dem Judentum, war niemals echter, niemals überzeugender, als wenn er jüdische Gestalten darzustellen hatte, gleichviel ob. es sich um den Shylock — seine berühmteste Leistung — oder mit Juden der Gegenwart bandelte. Dieser Hang zur Indengestaltung trieb ihn dann in Amerika zur Jargonbühne, wo er in den letzten Jahren große Triumphe erntete. Jakob Ostwald. Der in Westfalen und im Rheinland hochgeschätzte und verdiente Lehrer und Prediger Jakob O st w a l d begeht am 21. d. M. seinen 85. Geburtstag. Von diesen sünsundachtzig Jahren bat er sechsnndvierzig in Witten i. W. verbracht, wo er nicht nur als Pädagoge, sondern rächt minder als Seelsorger überaus ersolarrich wirkte und daneben ans charitativem Gebiet eine hingebungsvolle Tätigkeit entfaltete. Er gründete das Altersheim in Ilona. widmete sich der Pflege und Erziehung zu gewanderter, verwahrloster Kinder, förderte das Hilfsw-erk für - die russischen Inden, und <s ist nicht zumindest seiner allgemeinen Beliebtheit zu danken, wenn der Antisemitismus an der Stätte von Ostwalds Wirken nur geringe Nahrung fand. Sein 85. Geburtstag wird ihm erneut die Wertschätzung seiner ungezählten Freunde und Verehrer vor Augen führen, deren guten Wünschen für einen ungetrübt schönen Lebensabend wir uns herzlich anschließen. Ein Rafseforfcher über die NaffenmeLarmophofe der amerikanischen Inden. Der bekannte Rafseforfcher Professor Boas, der sich besonders mit der „Pankeesierung", d. h. unt der Herausbildung einer besonderen amerikanischen Rasse aus den Nachkommen der Einwanderer verschiedener Rassen besaßt, versucht in seinen Vorträgen neuerdings den Nachweis zu führen, daß diese Konvergenz in Nordamerika sogar schon bei der -ersten Generation eintritt. indem z. B. Sizilianer uttd osteuropäische Juden sich in der Kopfform einander rasch nähern: der eine, von Haus ans Langköpfige, wird rund-, der andere, von Haus aus Rundköpfige. wird langköpsiger. Ein neuer Beweis für die Haltlosigkeit jeder Rassentheorie. Das Dnsfei-orfer Heine-Denkmal in New-Vork. Bekanntlich bestand vor etwa drei Jahrzehnten in Düsseldorf der Plan. Heinrich Heine ein Denkmal zu errichten. Die Mittel dafür waren gesammelt — unter anderem hatte die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich-Ungarn einen hohen Beitrag gestiftet —, ein Platz war bewilligt und ein Entwurf von Ernst Herter zur Ausführung bestimmt. Im letzten Augenblick entstanden Schwierigkeiten politischer Art. Die Stadtverordneten machten ihren Beschluß rückgängig und Kaiserin Elisabeth zog ihren Beitrag zurück; die Aufstellung des Denkmals unterblieb. (Daß im Jahre 1905 arts dem Rest des Denkmalfonds in der Landes- und Stadtbibliothek ein Heine-Zimmer mit Heine-Bibliothek und Heine-Büste von Adolf Schmieding geschaffen -und damit dem Dichter in seiner Vaterstadt ein würdiges geistiges Denkmal gesetzt worden ist. sei nebenbei erwähnt.) Das Hertersche Denkmal selbst wurde von Deutschen in New-Pork angetanst, in dem Park von Bronx, einer vornehmen Vorstadt New-Porks. ausgestellt- und am 8. Juli 1899 enthüllt. Es ist dort nicht vor Vandalismus sicher gewesen; es ist im Jahre 1901 und 1909 stark beschädigt worden. Die Umgebung des Denkmals scheint in den letzten Jahren, vielleicht infolge des Dentschenhasses, arg vernachlässigt worden zu sein. Wie in dein „Honte News" zu lesen, hat eine dortige, hauptsächlich aus Deutschen bestehende Loge, die Morrifania-Loge. sich der Sache angenonnnen. Es ist das Verdienst des Bürgermeisters des Stadtteils Bronx. sofort Abhilfe geschafft und die Umgebung des Denkmals in einen würdigen Zustand versetzt zu haben. Gine großez photographische Aufnahme des Denkmals in seinem jetzigen Zustande hat Präsident Bruckner der Landes- und Stadtbibliothek in Düsseldorf kürzlich zu gesandt. Das Denkmal ist arts weißem Marmor; inmitten eines Brunnenbeckens trägt ein hohes Postament, an dem ein Reliesbildnis des Dichters angebracht ist, die Gestalt der Lorelei. Gefängnisstrafe für Dr. Effer. Wegen Vergehens gegen das Gesetz zrun Schutze der Republik wurde der bekannte Volksverhetzer und Schriftleiter der „Belgarder Zeitung". Dr. Esser, von der Strafkammer des Kösliner Landgerichts z u v i e t Monate n Gef ü n g n i s und 2 5 0 0 0 M,a r k G e l d st r a s e verurteilt. Die Bestrafung erfolgte wegen eines Artikels „Jüdischer Weltmachttaumel", in dem das Gericht eine Beleidigung des verstorbenen Minist-ers Dr. Rathenan erblickte. Der Staatsanwalt hatte acht Monate Gefängnis und 100 000 Geldstrafe beantragt. Als strafmildernd wurde die geringe Verbreitung der „Belgarder Zeitung" und die Jugend des Angeklagten betrachtet. Die Wiener Judenschast und die Leichenverbrennung. Dieser Tage wurde in Wien unter der Verwaltung der Gemeinde ein Krematorium. eröffnet. Gegen die Eröffnung des Krematoriums haben sich die Vertreter der verschiedenen Religionsgenvssenschasten ausgesprochen. Bekanntlich hat sich auch der Oberrabbiner Dr. Ehajes Vom jüdischreligiösen Standpunkt gegen die Methode der Leichenverbrennnng ausgesprochen. Dagegen haben die zionistischen Gemeinderäte Wiens für die Eröffnung des Krematoriums gestimmt unter der Bedingung, daß eine Leichenverbrennung nur dann stattzusinden habe, wenn der Verstorbene dies vor feinem Tode ausdrücklich gewünscht habe. Die indische Kultusgemeinde teilt in einem Commnnignö mit. daß sie zwar die Urnen mit der Asche der Verbrannten zum Begräbnis aus dem jüdischen Friedhof znlasse, daß aber das Begräbnis ohne jede religiöse Zeremonie vor sich gehen werde. Gesellschaft zur Förderung Der Wissenschaft Des Judentums. Die ordentliche Mitgliederversammlung findet am Dienstag, dem 7. Februar d. I., abends 6 Uhr, in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin Artilleriestraße 14, statt. Der jüdische Anwalt. Von Rechtsanwalt Foerder (Breslau). Im Maiheft der „Nachrichken des Gauverbandes Schlesien des Deutschen Schutz- und Trutzbundes" deckt ein antisemitischer Schwätzer namens Hans Fraanstetten die Quellen aus, denen chas, nicht zu leugnende Mißtrauen weiter Volkskreise gegen unsere Justiz entspringt. Es sind natürlich dieselben, aus die alles Ueble in deutschen Landen zurückzuführen ist: die Inden. Und zwar Die jüdischen- Anwälte. An d.ie Spitze seines Gefasels setzt Fraanstetten natürlich eine Statistik: 14 Prozent getaufte, ein ebenso großer Prozentsatz ungetanste Inden als Richter am Landgericht Breslau. Für das Amtsgericht nimmt er als entsprechende Zahlen elf und vier. Sogar die so exklusive „Behörde" weist schon — o quae mutatio rerum — einen jüdischen Staatsanwalt auf (man machte ihn: übrigens den Zutritt zu den heiligen Hallen nicht leicht). Aber bei den Rechtsamvälten, da sieht es ganz fürchterlich aus. „Es ist direkt wohltuend, bei Gericht auch mal einen deutschen Anwalt zu sehen." ^o unsinnig die angegebenen Zahlen sind — nach einer kurz vor dem Kriege ausgenommenen Zahlung stellten die Juden 17 Prozent der Anwälte —, so verraten sie drch, daß hier eine Gerichtsperson die unsaubere Hand im Spiele hatte, vielleicht sogar überhaupt die Fed^r führte. Man hat gewisse, nicht unbegründete Vermutungen. Was wird nun dem jüdischen Anwalt vorgeworsen? > „Gerade im Anwaltsberuf kann sich jüdischer Geist schrankenlos auswirken. Der starre Schematismus im römischen Recht, das stark semitische Züge nusweist (!), sichert dem Juden von vornherein Ersolgsmöglichkeiten, die dem gewissenhaften und sachlichen Denk- Htzöient Euch öer beiliegenöen Zählkarte, um öen Rostenbeitras für öie „<c. V.-Zejturrg" zu entrichten! scheu versagt bleiben müssen. Die Dreistigkeit ihres Auftretens, die Verdrehungskünste ihrer Beweisführung und der Eifer, womit sie sich gerade der faulsten Sachen erfolgreich annehmen, haben eine weitgehende Rechtsunsicherheit erzeugt. Das Mißtrauen gegen das Rechtswesen ist letzten Endes aus ihre Tätigkeit zurückzusühren. Dem deutschen Richter/dem deutschen Anwalt ist oberster Grundsatz das Prinzip' der Wahrheitsfindung, dies ist im Charakter des Deutschen bedingt. Wie aanz anders aber ist die Prozeßführung mancher jüdischer Anwälte, denen jedes Mittel recht ist, ihren Gegner zu schädigen. Der Gegner wird von diesen Leuten zunächst persönlich beschmutzt. Das Tatsachenmaterial wird oft bewußt unwahr dem Gericht unterbreitet. Was weiß ist, wird schwarz gemacht. Durch allerlei Nebenprozeße und wirtschaftliche Schädigungen sucht man dem Gegner beizukommen und ihn von der Hauptsache abzulenken. Mit welcher Frechheit werden oft Zeugen beleidigt und verdächtigt!" In diesem Ton geht es weiter unter persönlichen Anrempelungen mit Namen genannter jüdischer Anwälte. Diese Sudelei hat dem Oberlandesgerichtspräsidenten und dem Staatsanwalt Vorgelegen. Beide haben, ohne auch nur ein Wort des Bedauerns für ihre beschimpften Kollegen zu finden, „von dem Aufsätze Kenntnis genommen, ihm aber trotz eingehender Prüfung keinen" Anlaß zu irgendwelchen . Maßnahmen entnehmen können". Wäre halb so Schlimmes gegen Richter gesagt worden, dem Täter hätte auf Betreiben des Richterbundes'eine saftige Anklage wegen Beleidigung des deutschen Richterstandes gedroht. Das kommt daher, daß „nach herrschender Rechtsprechung" zwar der Richter-, Offiziers, jü^chtn